Sommerbrief vom Distriktoberen

Herr, die Not ist groß!

Licht und Dunkel im Kommunionsstreit
 

 

Liebe Freunde und Wohltäter!

Die Situation der Kirche in Deutschland nähert sich angesichts des sich verschärfenden Streits um die heilige Kommunion mit erstaunlicher Geschwindigkeit einem Chaos. Es erinnert an den Zauberlehrling in der gleichnamigen Ballade von Johann Wolfgang von Goethe: Durch überhebliche Eigenmächtigkeit werden Geister entfesselt, die zerstörerisch ihr Unwesen treiben. Wer wird ihnen noch Einhalt gebieten? – „Herr, die Not ist groß! Die Geister, die ich rief, ich werd sie nicht mehr los...“.

Das Chaos ist perfekt, seitdem der Vatikan die Frage der Interkommunion in das Ermessen jedes einzelnen Bischofs gestellt hat, mit der Begründung, man wolle die Ökumene in Deutschland nicht ausbremsen. Der Ausverkauf des Allerheiligsten erfährt eine neue Dimension. Was bisher nur als „Handreichung“ deklariert war, wird nun durch Ausübung bischöflichen Drucks de facto verpflichtende Richtlinie. Nachdem die Oberhirten von Hamburg, Osnabrück und Paderborn vorgeprescht sind, lud nun der erst jüngst ernannte Bischof von Würzburg Franz Jung auch evangelische Ehepartner zum Empfang der hl. Kommunion ein. Eine Einzelfalllösung aufgrund einer „schwerwiegenden Notlage“ wird gar nicht mehr zur Rechtfertigung bemüht. Die Tür wird geöffnet für die Kommunion für alle.

Bischof steht gegen Bischof


Erleben wir jetzt eine Neuauflage des Mobbings von Priestern, die nicht gefügig sind, wie nach der Einführung der Neuen Messordnung und der Handkommunion? Für Bischof Gerhard Feige von Magdeburg ist das Verständnis von Kirche „als abgeschlossenes System, in dem klar ist, wer dazugehören darf und wer nicht“, eine Ideologie und einem „vorkonziliaren Kirchenbild“ zugehörig.

Aber es gibt bei einzelnen Verantwortungsträgern auch positive Entwicklungen, die unsere Aufmerksamkeit verdienen, weil sie Hoffnung bereiten. Bekanntlich bietet das Feuer eines Leuchtturms in der Nacht mehr Orientierung als am lichten Tag. Im Erzbistum Paderborn erklärten Priester öffentlich, dass die Weisung ihres Erzbischofs für sie „unannehmbar“ sei. Sie wissen nicht nur die ganze Lehrtradition der Kirche hinter sich, sondern auch sieben deutsche Diözesanbischöfe, unter ihnen der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki.

Dieser hat sowohl in Rom als auch in mehreren öffentlichen Stellungnahmen und Predigten mutige Worte gefunden, so z.B. im Mai auf dem Katholikentag in Münster: „Es ist ganz wichtig, dass wir uns bewusst machen: Wer Ja sagt zur Eucharistie, sagt auch Ja zur Realpräsenz, dass Christus gegenwärtig ist und bleibt. Das ist natürlich auch verbunden mit einem Ja zur Kirche und damit eben auch mit einem Ja zum Papst, zur hierarchischen Struktur der Kirche, zur Heiligenverehrung und zu vielem, vielem anderen...“.

Ein solch klares Bekenntnis zur Unteilbarkeit des Glaubens und der Kirche hat man in deutschen Landen lange nicht mehr aus bischöflichem Mund vernommen. Genau das ist der Punkt: Ohne Glaubensgemeinschaft ist die Kommuniongemeinschaft eine Lüge.

„Eine Entwicklung, die dringend der Korrektur bedarf...“


Hinter Kardinal Woelki steht unsichtbar der im Juli vergangenen Jahres verstorbene Alterzbischof von Köln: „Kardinal Meisner hat mich tief in meinem Glauben geprägt!“, so bekannte er nach dem Tod seines Vorgängers im Juli 2017. Als dieser im Dezember 2012 sein goldenes Priesterjubiläum feierte, überraschte er mit einer schonungslosen Selbstanklage, die ein erhellendes Licht auch auf den aktuellen Kommunionstreit wirft:

„Wir haben uns nach dem Konzil so sehr dem Zeitgeist angepasst, dass der Sinn für das Heilige abhandengekommen ist. Wir haben die Sakramentenkatechese sträflich vernachlässigt und äußere Zeichen der Ehrfurcht ersatzlos gestrichen. Solche Zeichen – Kommunionbänke, eucharistische Nüchternheit, Niederknien oder die Mundkommunion – waren wie ein Schutzwall um die heilige Eucharistie. ... Wir haben das Mysterium nicht mehr geschützt und erleben nun die totale Profanierung des Sakralen. Die Liturgie wurde entsakralisiert. Was ist aus all dem an evangelisierender Kraft erwachsen? Nichts! Das ist eine schlimme Entwicklung, die dringend der Korrektur bedarf.“

Hier wird in erschütternder Weise bestätigt, wovor unser verehrter Gründer Erzbischof Marcel Lefebvre schon Anfang der 70er Jahre weitsichtig gewarnt hat. Erwächst nicht gerade aus dem Ungeist der Entsakralisierung, den die Neue Messordnung entfesselt hat, auch die Forderung nach der Kommunion für alle? Wer fragt noch nach dem Gnadenstand? – Die Neue Messe hat Mängel und Gefahren, die sich deutlicher denn je zeigen.  Kann man es noch abstreiten, dass die „wiederholte Feier der Neuen Messe zu einem schwachen Glauben und sogar zum Glaubensverlust führt“, so Msgr. Bernard Fellay kürzlich in einem Interview zu seinem 30jährigen Bischofsjubiläum. Man möchte ausrufen: „Ach Herr, die Not ist groß! Die Geister, die man rief, wir werden sie nicht mehr los!“

Unsere Aufgabe in dieser Zeit: Treu bleiben!


Die Treue zur Tradition, die wir in der Priesterbruderschaft St. Pius X. inmitten der Kirche vorleben, ist notwendiger denn je. Durch unser bloßes Dasein ermutigen wir immer mehr Bischöfe, Priester und Gläubige, sich der Entsakralisierung der Liturgie und dem Ausverkauf des Glaubens entgegenzustellen. Es geht schließlich um den Herrn! Und darum, dass die Menschen IHN zum Nutzen ihrer Seele empfangen und nicht zum Gericht. Darum kann die von den Bischöfen angeführte „schwere geistliche Notlage“ evangelischer Ehepartner nur durch den Eintritt in die katholische Kirche aufgehoben werden.

Es handelt sich nicht um einen Streit um „Regeln“, sondern um die Bewahrung des Glaubens. Darum verlangen die furchtbaren Entwicklungen nicht nur nach Korrektur, sondern auch nach Sühne: Bitte kommen Sie am 1. und 2. September zu unserer diesjährigen Fulda­Wallfahrt, um unserem Herrn im heiligsten Sakrament Ersatz zu leisten für so viel Ehrfurchtslosigkeit und so zahlreiche Sakrilegien!

Das Generalkapitel, das vom 11. bis 21. Juni in Ecône am Grab unseres Gründers stattfand, hat unsere Priesterbruderschaft neu gestärkt. Gott sei Dank! Seine Exzellenz, Weihbischof Bernard Fellay, hat sein Amt als Generaloberer nach 24 Jahren in jüngere Hände übergeben.Wir sind ihm zu großem Dank verpflichtet. Die 41 Kapitulanten wählten P. Davide Pagliarani, seit 2012 Regens an unserem Priesterseminar La Reja (Argentinien) zu seinem Nachfolger. Als Assistenten werden ihm S.E. Weihbischof Alfonso de Galaretta zur Seite stehen und P. Christian Bouchacourt, bislang Distriktoberer von Frankreich. Diese Entscheidungen stehen für Kontinuität und für die Bewahrung des überragenden Erbes von Msgr. Marcel Lefebvre, das für die Gesundung der Kirche so wichtig ist! Die heilige Messe aller Zeiten und die Predigt des wahren Glaubens stärken die Selbstheilungskräfte im Leib der Kirche. – Wir wollen sein Vermächtnis jeden Tag neu mit all unseren Kräften fruchtbar werden lassen. Dafür erbitten wir, eingedenk unserer eigenen Schwachheit und Fehlbarkeit, den Schutz der allerseligsten Jungfrau, der Hüterin des Glaubens. Bitte helfen Sie uns weiterhin durch Ihre tatkräftige Unterstützung und Ihr Gebet. Vergelt’s Gott für Ihre Treue!

Mit priesterlichen Segensgrüßen

Ihr Pater Firmin Udressy

Ecône, im Juli 2018

 

PS: Bitte unterstützen Sie unser Apostolat im deutschen Distrikt mit einer Sommerspende!

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