Mitteilungsblatt März 2014

In Christo geliebte Gläubige!

Erzbischof Lefebvre betonte die Bedeutung dieses großen Heiligen: „Wir haben in unserer Spiritualität ein wenig die Neigung, die Stellung und die Rolle des hl. Joseph zu unterschätzen. Er füllte jedoch eine außerordentliche Stelle im Heilsplan der Menschwerdung sowie im Heilsplan der Erlösung aus. Ihm wurden die Mutter Jesu und Jesus selbst anvertraut, folglich Gott in eigener Person. Er erhielt sicherlich ganz besondere Gnaden der Erkenntnis über das Geheimnis der Menschwerdung.“ (Das Geheimnis unseres Herrn Jesus Christus, S. 35–36)

Die Rolle des hl. Josef wird oft auf das Materielle reduziert, nämlich die Versorgung der Hl. Familie, was an sich schon eine sehr große Verantwortung bedeutete. Aber „Nährvater“ meint nicht nur denjenigen, der das Essen bringt, sondern auch den, der aufzieht und erzieht. Außer der Tatsache, dass der hl. Josef nicht Vater Jesu dem Leibe nach war, war er als Bräutigam der Muttergottes wirklich der Vater der Hl. Familie. Jesus war tatsächlich der echte Sohn der Braut des hl. Josef, der somit eine echte − zwar nicht leibliche, aber doch reale − Vaterschaft besaß. Der hl. Josef war dadurch Stellvertreter von Gott-Vater bei Jesus. Wir wissen, welch große Bedeutung und tiefen Einfluss ein Familienvater auf die Formung des Familienlebens und auf die Erziehung hat. Nun aber hat Jesus in einer Familie mit einer Mutter und einem Vater aufwachsen wollen, um sich von ihnen formen zu lassen.

Ebenso ist der hl. Josef für uns − wie auch für die Kirche − nicht nur der Fürbitter in materiellen Nöten, sondern vielmehr unser „Nährvater“, der besonders unsere Seele und unser geistliches Leben beschützt und wachsen lässt. In der heutigen, für die Seelen so gefährlichen Zeit ist es wichtiger denn je, uns und die Kirche seinem väterlichen Schutz anzuvertrauen und sein Beispiel nachzuahmen.

Eine seiner Tugenden möchte ich hier hervorheben: das Gottvertrauen. „Beatus vir qui timet Dominum… paratum cor eius sperare in Domino – Selig der Mensch, der den Herrn fürchtet… Sein Herz ist fest, auf Gott vertrauend“ (Psalm 111). Der hl. Josef lebte aus dem Glauben. Ihm war bewusst, dass Gott alles ist. Die Milliarden Sterne hat Gott aus nichts erschaffen, und stets erhält er das ganze Weltall in der Existenz. So wie eine Idee nur existiert, solange wir an sie denken, so ist die ganze Schöpfung wie die Idee Gottes, die jeden Augenblick von ihm erhalten werden muss, um nicht in das Nichts zurückzukehren. Der hl. Josef lebte in der Gegenwart Gottes, von der er sich ganz abhängig wusste. Deshalb war sein Gottvertrauen unerschütterlich, auch in den Widerwärtigkeiten und Prüfungen. Denn „wenn Gott mit uns ist, wer ist dann gegen uns“ (Röm 8,31)?

Ein Beispiel dieses Vertrauens des hl. Josef sehen wir in seinem Verhalten, als er merkte, dass seine Frau ein Kind unter ihrem Herzen trug. Es war für ihn eine schwere Prüfung. Wahrscheinlich verbrachte er schlaflose Nächte und fragte sich: Wieso ist meine Frau schwanger? Was soll ich jetzt tun? Aber er bewahrte sein Vertrauen in Gott. Statt sofort zu handeln, wartete er mit Geduld. Nach viel Gebet und reifer Überlegung beschloss er, Maria heimlich zu entlassen. Erst in diesem Moment griff der liebe Gott ein und ließ ihm die frohe Botschaft verkünden.

Später, auf der Flucht nach Ägypten, musste der hl. Josef die Verfolgung erleiden. Wie viele Sorgen muss er da gehabt haben: Wie werde ich meine Frau und das Jesuskind ernähren können? Wo werde ich für sie ein Dach finden? Werde ich einen Beruf in einem fremden Land ausüben können? Wie lange werden wir im Ausland bleiben? Er nahm seine Verantwortung wahr, aber vertraute dabei auf die Vorsehung, in aller Geduld, ohne zu murren, ohne den Frieden zu verlieren.

Wenn der liebe Gott seine Familie vor dem Kreuz nicht verschont hat, sollen wir nicht staunen, dass wir auch Sorgen und Prüfungen zu erleiden haben. Lernen wir vom hl. Josef – besonders in der Betrachtung des Rosenkranzes - in allen Situationen das Gottvertrauen zu üben.

Vor einem Jahr haben wir uns dem hl. Josef geweiht. Erneuern wir diese Weihe und leben wir sie im Alltag. Möge er sowohl die Kirche als auch die Priesterbruderschaft und jeden von uns, die ihm als Glieder des mystischen Leibes Christi anvertraut sind, unter seinem Schutz bewahren.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen gesegneten Märzmonat

Ihr Pater Firmin Udressy