Zweifel an Vatikan-China-Abkommen – selbst in Rom

07. Mai 2022
Quelle: fsspx.news
L’intervention de M. Pablo Diez pendant le colloque organisé par les Trinitaires

Der harte Winter, den die Katholiken in China durchleben, ist im Vatikan nur selten ein Thema. Von umso größerer Bedeutung war daher ein diesbezügliches Symposium des Trinitarierordens, das am 25. und 26. April mit der Zustimmung und dem Segen des Papstes veranstaltete.

Denn es ist ein Experte für die chinesische Welt und Asien-Korrespondent des spanischen Mediums ABC, der offiziell als Redner eingeladen wurde, um die Situation der Katholiken in China im Hinblick auf eine mögliche Erneuerung des Abkommens zwischen China und dem Vatikan zu beschreiben, das im Oktober 2018 unterzeichnet wurde und in wenigen Monaten auslaufen soll.

Unter den Rednern der Veranstaltung war auch Pablo Diez, ein Experte für China und Asien-Korrespondent des spanischen Mediums ABC. Diaz sollte die Situation der Katholiken in China mit Blick auf die mögliche Verlängerung des China-Vatikan-Abkommens beschreiben. Gleich zu Beginn zerstreute er jegliche Illusionen bei seinen Zuhörern: "Trotz der wirtschaftlichen und sozialen Öffnung der letzten 40 Jahre kontrolliert in China der Staat alles, was eine Bresche in die von der Kommunistischen Partei ausgeübte absolute Macht schlagen könnte, insbesondere die Religion, die in seinen Augen stark genug ist, um die Massen mobilisieren und Regierungen stürzen zu können", erklärt er. Und er betont weiter: „Der Schlüssel zum Verständnis liegt in der Neigung des Regimes, alles zu kontrollieren.“ 

Katholiken sind in China „subtilen Formen der religiösen Verfolgung“ ausgesetzt, so der Redner. Wenn sich beispielsweise Paare für eine kirchliche Hochzeit entscheiden, wird die Zeremonie oft sehr früh angesetzt, manchmal sogar vor Sonnenaufgang, damit die Behörden ein Auge zu drücken. Diese Situation ist für viele Getaufte natürlich bedrückend.

Ganz zu schweigen von der Angst vor den vielen Sicherheitskameras, die die Kirchen umgeben: „In einer Kirche in Shanghai habe ich ein Dutzend Kameras gesehen, die auf die Tür gerichtet waren. Das Ziel ist nicht nur, diejenigen zu registrieren, die es wagen, hineinzugehen, sondern auch jeden abzuschrecken, der es tun möchte“, sagte der ABC-Korrespondent, für den „China um Jahrzehnte zurückgegangen zu sein scheint, indem es die Vorkehrungen zur Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie als Vorwand nahm.“

Unter diesen Umständen zögert Pablo Diez nicht, eine Frage zu stellen, die noch immer schwer zu hören ist: Hat das Abkommen zwischen Peking und dem Heiligen Stuhl wirklich dazu beigetragen, die Situation der 29 Millionen Christen in China zu verbessern?

Im Wesentlichen sieht das Abkommen vor, dass die Bischöfe vom Vatikan mit Zustimmung Chinas ernannt werden: "Von den über dreißig derzeit vakanten Diözesen im Land wurden jedoch nur sechs Bischofssitze besetzt und die religiöse Verfolgung hat nicht aufgehört", stellt der Journalist fest.

Auch die Politik des Kreuzabbaus wurde durch das Abkommen nicht beendet: „Im Frühjahr 2020, inmitten der Pandemie und während viele Menschen angesichts dieser ungewissen Zeiten spirituellen Trost suchten, wurden in der östlichen Provinz Anhui mehr als 500 Kreuze entfernt“, erinnert Pablo Diez.

Letztendlich tritt die Annäherung zwischen Peking und dem Heiligen Stuhl in eine entscheidende Phase, denn „beide Seiten müssen bis zum 22. Oktober entscheiden, ob sie das Abkommen erneuern sollen.“

Der Redner schloss mit der Frage, „inwieweit man einer Diktatur vertrauen kann, die aufgrund ihrer wirtschaftlichen Dynamik die mächtigste der Welt ist und so viele Missbräuche gegen die Religionsfreiheit ihrer Bürger begeht.“

Ist die Tatsache, dass eine vom Heiligen Stuhl geförderte Konferenz eine Kritik an dem Abkommen von 2018 zu Gehör bringt, ein Zeichen für eine bevorstehende Neubewertung der Beziehungen zwischen dem Reich der Mitte und dem Kleinststaat oder für Verhandlungen auf höchster Ebene?