Zwei neue Seitenaltäre für die Prioratskirche in Kleinwallstadt

12. Mai 2021
Quelle: Distrikt Deutschland

Von Pater Eberhard Repp

„Der Altar ist Christus. Und der Opferaltar ist wirklich im wahrsten Sinn des Wortes der Ort, wo der Priester ist. Der Priester und das Opfer sind unauflöslich miteinander verbunden. Der Priester ist für das Opfer geschaffen und es gibt kein Opfer ohne Priester. Darin liegt eine wunderbare Bedeutung. ... Das Opfer ist der wahre Akt der Religion, der erhabenste Akt, der vollkommenste, der Gott vorbehaltene Akt. Wir opfern uns Gott mit Unserem Herrn Jesus Christus, in Ihm und durch Ihn und mit Ihm werden wir geopfert, werden wir Gott dargebracht.“ (Erzbischof Marcel Lefebvre bei einer Altarweihe)

 

Am 18. März 2021 war es so weit in der Sankt-Judas-Thaddäus-Kirche in Kleinwallstadt im unterfränkischen Landkreis Miltenberg: Der Schreiner Klaus Hermann aus Emmendingen brachte mit seinem Gesellen Thomas Maas die neuen, restaurierten Seitenaltäre.

Der Hauptaltar der Prioratskirche ist ein Meisterwerk der neobarocken Kunst. Obwohl er schon über einhundert Jahre älter ist als das im Jahr 2002 restaurierte Gotteshaus, scheint er für diese Kirche, für die er erworben werden konnte, wie gemacht zu sein. Glücklicherweise existierten für die Seitenaltäre noch Baldachine mit den geschnitzten Vorhängen, die jetzt die neuen Altarbilder einrahmen.

Der passende Aufbau der Seitenaltäre war jahrelang im Speicher der Kirche aufbewahrt worden und musste restauriert werden. Der Schreinerei Herrmann ist es gelungen, die Altäre wunderschön zu restaurieren. Am Abend des 18. März wurden mit einigen Helfern aus dem Priorat die großen Teile der Altäre aufgestellt und befestigt. Am nächsten Tag, dem Josefstag, wurden die kleinen Teile, die Feinheiten angebracht. Am Nachmittag war der Aufbau abgeschlossen. Die Bilder blieben bis zur Osternacht verhüllt, denn es war Passionszeit und die Gläubigen sollten in der Osternacht mit den schönen Bildern überrascht werden. Die Bilder hat der renommierte Kirchenmaler Herr Ralf Lürig gemalt, von dem auch das Bild des Hochaltars und das Deckengemälde des Gotteshauses stammt. Die Bilder des Hauptaltars und der beiden Nebenaltäre bilden künstlerisch und inhaltlich eine Einheit. Was sagen die Bilder der Altäre aus?

Der Altar auf der Evangelienseite

Dazu müssen wir vom linken Seitenaltar ausgehen. Dem Bild liegt als Vorbild das Gemälde von Raffaello Santi (1483–1520), Raffael genannt, mit dem Titel „Madonna im Grünen“ zugrunde. Es wurde um 1505 Florenz zur Zeit der Hochrenaissance gemalt. Herr Ralf Lürig hat die Vorlage mit kleinen Abänderungen übernommen. Sodann wurde der Hintergrund geändert. Der Spessart ist zu sehen, oben rechts am Rand des Bildes steht die Kirche und das Priorat St. Judas Thaddäus, und hinter der Muttergottes fließt der Main.

Das Bild, Maria mit den beiden Kindern, ist in Form einer Pyramide angelegt und auch der Rahmen folgt dieser Form. Dieses Bild ist in den Farben etwas heller gehalten, weil es gleichsam die freudenreichen Geheimnisse darstellt. Der Kopf des Jesuskindes ist genau in der Mitte des Bildes. Johannes der Täufer reicht dem Jesuskind einen Kreuzstab. Der Blick Mariens geht auf das künftige Werkzeug der Erlösung, denn sie wird ja als Miterlöserin unter dem Kreuz stehen. Jesus nimmt das Kreuz in Empfang. Dazu ist er aus Maria Mensch geworden, um als Lamm Gottes für die Sünden der Menschen am Holz zu sterben und sie zu erlösen. Johannes der Täufer wird in der Kunst oft mit einem Lamm dargestellt. Er hat Jesus am Jordan als das Lamm Gottes begrüßt: „Seht das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt“ (Joh 1,29). Wir kennen das „Lamm Gottes“ aus der Liturgie. Beim Evangelisten Johannes spielt das Lamm, das Lamm Gottes, eine wichtige Rolle. Auch in der geheimen Offenbarung (13,8; 5, 11–13) ist wiederholt vom Lamm die Rede. Die Juden kannten diesen Begriff bestens vom Osterlamm und aus den Propheten, vor allem Isaias, Kapitel 53. Das Lamm ist deshalb in der Altarfront dargestellt. Jesus soll ja, wie gesagt, als das Lamm Gottes am Kreuz sterben.

Der Altar auf der Epistelseite

Damit ist der Übergang zum rechten Seitenaltar gegeben. Jesus, das Opferlamm, stirbt am Kreuz. Das Kreuz, der Gekreuzigte ist der Mittelpunkt dieses Bildes. Das Bild ist in den Farben eher dunkel gehalten, ein Hinweis auf die schmerzhaften Geheimnisse. Unten rechts dunkle Wolken. „Von der sechsten bis zur neunten Stunde brach eine Finsternis über das ganze Land herein“ (M. 27, 45). Unten sieht man den gespaltenen Felsen und im Felsspalt einen Totenschädel. „Er trug selbst sein Kreuz und ging hinaus an den Ort, der Schädelstätte heißt, auf Hebräisch Golgotha,“ (Joh 19, 17) Auf dem Kalvarienberg soll das Grab Adams sein. Somit sieht man auf dem Bild den Schädel Adams. Bei genauem Hinsehen kann man in den Augenhöhlen kleine Augen, Pupillen sehen. Sie halten Ausschau nach der Erlösung. Jesus hat am Kreuz den Tod besiegt. „Tod, wo ist dein Sieg, Tod, wo ist dein Stachel?“ (1 Kor 15,55) In der linken Hälfte bricht bereits das Osterlicht herein, dargestellt in der goldgelben Farbe. Unter dem Kreuz knien der hl. Pater Pio und die hl. Theresia vom Kinde Jesu, die in der Judas-Thaddäus-Kirche sehr verehrt werden. Vorher stand nämlich am linken Seitenaltar eine Statue von Pater Pio und am rechten eine Statue der hl. Theresia vom Kinde Jesu. Sie sind jetzt beide auf dem Altarbild zu finden. Jesus opfert sich am Kreuz für die Menschen, um sie von der Sünde und dem ewigen Tod zu erlösen und ihnen wieder den Himmel zu öffnen. In der Altarfront sind ein Kelch mit Hostie sowie Ähren und Weintrauben dargestellt, Symbole für das Geheimnis der hl. Messe. Diese ist nach der Lehre der Kirche die unblutige Erneuerung des Kreuzesopfers Christi. Brot und Wein werden verwandelt in den Leib und das Blut Jesu. Der geweihte Priester, dargestellt in Pater Pio, dem Kapuzinerpater, der die Wundmale Jesu an seinem Leib trug, bringt das Messopfer dar. Links unter dem Kreuz die hl. Theresia. Sie fängt das Blut Jesu auf, das sich in Rosen verwandelt, und lässt die Rosen auf die Erde fallen – ein Hinweis auf ihre Voraussage, dass sie, wenn sie im Himmel ist, Rosen auf die Erde regnen lässt. Sie stellt gewissermaßen alle Gläubigen, vornehmlich aber die Gottgeweihten dar. Sie sollen alle bei der Feier der heiligen Geheimnisse unter dem Kreuz knien und das Blut Jesu, das sich in Rosen (Gnaden) verwandelt, auffangen. Und sie sollen wie Theresia Rosen (Gnaden) auf die Erde regnen lassen und zu den Verstorbenen (Rose neben dem Totenschädel).

Der Hochaltar

Das Bild des Hochaltars ist farbenmäßig das hellste. Es zeigt uns die Glorie, die glorreichen Geheimnisse, die ewige Herrlichkeit, dargestellt in der Krönung Mariens. Maria ist die Ersterlöste, die Vorerlöste. Sie wurde in Voraussicht des Kreuzestodes ihres Sohnes vor der Erbsünde und jeder persönlichen Sünde bewahrt. Sie ist die unbefleckt Empfangene. Weil Maria ohne Sünde war und den Sohn Gottes in ihrem Schoß getragen hat, ist sie am Ende ihres Lebens von ihrem Sohn mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen und als Königin des Himmels und der Erde gekrönt worden. Auch wir sind für den Himmel bestimmt. Wenn wir Maria, unsere Mutter und unser Vorbild, nachahmen, werden auch wir das ewige Ziel, den Himmel, glücklich erreichen. Und am Jüngsten Tag werden auch wir, die Seele mit dem Leib vereint, an der ewigen Seligkeit teilhaben. Wir beten ja im Glaubensbekenntnis: „Ich glaube an die Auferstehung des Fleisches und das ewige Leben.“

So weisen uns die drei Altarbilder auch auf das Rosenkranzgebet hin. Der Marienaltar (linker Seitenaltar) soll uns an die freudenreichen Geheimnisse erinnern, der Kreuzaltar (rechter Seitenaltar) an die schmerzhaften und der Hochaltar an die glorreichen.

Vergelt’s Gott an die Wohltäter!

Ein herzliches Vergelt’s Gott an alle, die an der Verwirklichung dieses Projektes mitgewirkt haben: Pater Franz Amberger für die Idee, der Schreinerei Hermann für den Aufbau der Altäre, dem Restaurateur und dem Maler, Herrn Ralf Lürig, für die Bilder. Ein herzlicher Dank auch an alle Helfer und Spender, die dieses Projekt unterstützt haben. Ohne sie wäre die Durchführung nicht möglich gewesen.

Allen also ein herzliches Vergelt’s Gott! Sie sind täglich ins hl. Messopfer eingeschlossen, das am Hochaltar oder an den Seitenaltären dieser schönen Kirche gefeiert wird.

„Quam dilecta tabernacula tua, Domine virtutum / concupiscit, et defecit anima mea in atria Domini. – Wie liebenswert ist deine Wohnung, Herr der Heerscharen! / Meine Seele verzehrt sich in Sehnsucht nach dem Tempel des Herrn.“ (Psalm 83,2f.)

Bitte unterstützen Sie den Unterhalt unserer Prioratskirche St. Judas Thaddäus mit einer Spende. Vergelt’s Gott!

DE93 6009 0100 0415 5920 03

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