Wie die Weitergabe des Glaubens auch heute noch gelingen kann

10. November 2020
Quelle: Distrikt Deutschland
Der Altar der Kirche in Rheinhausem

Ein Blick in das Priorat St. Michael in Rheinhausen

Alles fing an mit heiligen Messen im Festsaal einer Dorfwirtschaft. Wer hätte gedacht, dass dort 1994 das Priorat St. Michael eröffnet werden würde. Die „Krone“ war in Besitz der Familie Stehlin, die schon bald mit großem Einsatz die Bewahrung der katholischen Tradition und der überlieferten heiligen Messe förderte. Aus diesen heiligen Messen entstand schon bald eine Notgemeinde von durch die angeblichen „Reformen“ heimatlos gewordenen Katholiken, die immer mehr anwuchs.

Gläubige, die zusammen anpacken – und eifrig beten

Im Jahr 2003 war es dann so weit. Hatten die Gläubigen schon vorher immer fest mitgeholfen, wenn es etwas zum Umbauen gab, so jetzt noch mehr: eine neue Kirche sollte gebaut werden. Größtenteils in Eigenleistung konnte der damalige Prior Pater Marc Gensbittel mit Handwerkern aus der Gemeinde eine barocke Kirche erstehen lassen, die auch die Ortsansässigen bewundern. Als Abschluss wurde eine vergoldete Michaelsstatue auf der Turmspitze angebracht. Sie ist das Wahrzeichen unseres Priorates und zugleich Programm für sein ganzes Wirken: Der mächtige Erzengel, der auch Patron Deutschlands ist, soll unser Vorbild sein für die innere Haltung unserer Hingabe und Anbetung Gott gegenüber, für die Wiederaufrichtung der christlichen Ordnung in unserer Heimat und den Einsatz für die Ausbreitung des Reiches Gottes.

In der neuen Kirche wurde von Anfang viel gebetet. Am Herz-Mariä-Sühnesamstag fanden sich nicht wenige ein, um Nachtanbetung vor dem Allerheiligsten zu halten und Sühne zu leisten. Die Anbetungsstunden vor dem Heiland im Tabernakel haben zweifellos bewirkt, dass das Priorat sich in der Folge so wunderbar entwickelte.

Kirchenrenovierung im Frühjahr 2020

Die so eifrige Nutzung der Kirche hatte aber auch eine Nebenwirkung: Die Wände der Kirche wurden durch Ruß und Staubpartikel immer dunkler. So wurde in den letzten Jahren eine Renovierung der Kirche immer notwendiger. Nach einem überaus großherzigen Fastenopfer im letzten Jahr konnten dieses Frühjahr schließlich die Arbeiten in Angriff genommen werden. Nachdem Anfang Februar die Kirche innen komplett eingerüstet worden war, mussten zuerst die Wände mit speziellen Ruß-Schwämmen abgerieben werden. An zwei Samstagen rückten zahlreiche freiwillige Helfer an, die mit vollem Einsatz die Wände säuberten. Es verwunderte sogar den Malermeister, wie schnell die Kirche gereinigt war. So konnte er in knapp sechs Wochen die Wände wieder neu streichen. Nebenher wurden die Altäre und die Innenausstattung der Kirche gereinigt und alles Gold wieder neu aufpoliert. Auch die Deckengemälde wurden von ihrem Künstler, Hermenegild Peiker, wieder zu neuem Glanz gebracht. Es war sehr beeindruckend, mit welcher Großherzigkeit und Selbstlosigkeit alle Hand anlegten. Parallel wurde im Dachboden eine automatische Lüftungsanlage installiert, was durch die Unterstützung einer gemeinnützigen Stiftung ermöglicht wurde. So soll die Verrußung in Zukunft möglichst verhindert werden. Alle anderen Unkosten wurden durch Spenden der örtlichen Gläubigen finanziert. Unwillkürlich kommen einem bei der Betrachtung des neuen Glanzes die Worte des Psalmisten auf die Lippen: „Ich liebe, Herr, die Zierde Deiner Wohnung, und die hehre Wohnung Deiner Herrlichkeit“ (Ps 26,8). Dies wird noch mehr zutreffen, wenn auf mehrfachen Wunsch Kronleuchter die schmucke Kirche zieren werden. Möge den vielen Helfern und Wohltätern ihre Unterstützung vielfach vergolten werden!

Das Prioratsleben und sein Zentrum

Der Tabernakel ist tatsächlich auch das Zentrum des ganzen Prioratslebens. Drei Priester und ein Bruder leben hier. Prior ist Pater Benedikt Roder. Der aus Oberbayern stammende Priester wurde 2015 im Seminar Herz Jesu in Zaitzkofen geweiht. Ihn unterstützten Pater Thomas Jentzsch und Pater Steffen Kusmenko sowie Bruder Bernhard.

Der Mittelpunkt ihres Wirkens ist es, die Seelen zu unserem Herrn und Heiland zu führen, sie teilnehmen zu lassen an seiner Gnade und seinem Leben. Es ist immer wieder beeindruckend, wie offen gerade die Kinderseelen für die Gnade sind und wie sie sich begeistern und heranformen lassen für eine persönliche Beziehung zum Heiland. Oft kommen Kinder auch wochentags zur heiligen Messe.

Erzbischof Marcel Lefebvre schreibt in seinem Geistlichen Wegweiser, dass „die Christenheit die Gesellschaft ist, die im Schatten des Kreuzes lebt, im Schatten der Pfarrkirche, die in Kreuzform gebaut ist, überragt vom Kreuz, die den Altar des täglich erneuerten Kalvaria birgt, wo die Seelen zur Gnade geboren werden“. Was in Rheinhausen miterlebt werden kann, ist das Wiedererstehen einer Christenheit im Kleinen. Viele Familien wohnen in unmittelbarer Nähe des Priorates, und es kommen stetig neue hinzu. So ist auch untertags häufig jemand für einen kleinen Besuch beim Allerheiligsten in der Kirche. Jetzt im Rosenkranzmonat kann auch ein großer Teil der Familien zur abendlichen Rosenkranzandacht kommen.

Wenn neue Messbesucher – und die gibt es in letzter Zeit häufig – zum ersten Mal vorbeikommen, sind sie beeindruckt von dem jungen Durchschnittsalter der Gemeinde und den vielen kinderreichen Familien.

Die Familien

Im Jahr 2012 wurde die Schule St. Dominikus in unmittelbarer Nähe des Priorats eröffnet. Das Wirken der Kongregation der Schuldominikanerinnen von Fanjeaux, aktuell mit acht Schwestern, ist äußerst segensreich. Nicht wenige Familien sind teilweise unter großen Opfern nach Rheinhausen umgezogen, um eine christliche Schulausbildung für ihre Kinder sicherzustellen. Katholische Familien brauchen andere gleichgesinnte Familien, und gläubige Kinder brauchen ebenfalls Kontakt zu Kindern, die im Glauben leben. Dies ist besonders in der heutigen Zeit unerlässlich. Es ist schön zu sehen, wie der Zusammenhalt unter den Familien zu einem regen Austausch führt und die Kinder am Nachmittag oft gemeinsam etwas unternehmen. Auch vom Priorat aus gibt es einige Angebote für die Jungen. Die ganz Kleinen beginnen in der „Kinderpatronage“. Beim Ministrieren sind viele Jungen mit Feuereifer dabei. Die Größeren teilen sich in eine Mädchengruppe und eine Pfadfindergruppe. Die Mädchen unternehmen neben den Kreuzfahrergebeten und kleinen Vorträgen auch Ausflüge in die Umgebung, gehen auf eine Radtour oder backen zusammen. Die Jungen ziehen als „Wölflingsmeute St. Martin“ oft in die Natur, lernen das Pfadfinderleben.

Man ist erfüllt von Dankbarkeit, wenn man sieht, wie die Kinder sich im Laufe der Jahre entfalten und mittlerweile die ersten, die in der Grundschule waren, ihre Schulausbildung fertig absolviert haben und ins Berufsleben einsteigen. Das Ziel der Seelsorge ist die Heranformung von überzeugten katholischen Persönlichkeiten. Dafür ist die Zusammenarbeit von Elternhaus, Schule und Priorat grundlegend. Die Weitergabe des Glaubens an künftige Generationen kann auch heute gelingen, in einer Zeit, in der die letzten Reste der christlichen Fundamente unseres Landes zu verschwinden drohen.