Vereinigte Staaten: Rom distanziert sich von Pro-Life-Bischöfen

01. Juni 2021
Quelle: fsspx.news
Erzbischof Jose Horacio Gomez

Der Präfekt der Glaubenskongregation hat sich in die Debatte eingemischt, die derzeit den amerikanischen Episkopat spaltet. Es geht um die Verweigerung der hl. Kommunion an politische Persönlichkeiten, die Gesetze unterstützen, welche der Lehre der Kirche widersprechen, nämlich was die Abtreibung und die Euthanasie betrifft.

Msgr. Jose Horacio Gomez, Erzbischof von Los Angeles und Vorsitzender der Amerikanischen Bischofskonferenz wandte sich an Rom, um den Papst zu informieren, dass die Bischofskonferenz daran arbeitet, eine gemeinsame Linie zu finden, um denjenigen Politikern, die Abtreibung oder Euthanasie unterstützen, die sakramentale Kommunion zu verweigern. 

Kardinal Luis Ladaria Ferrer, Präfekt der Glaubenskongregation, schickte ihm ein Antwortschreiben, welches rätselhaft erscheint.
Für den hohen römischen Prälaten läuft die Initiative der Amerikanischen Bischofskonferenz darauf hinaus, "Abtreibung und Euthanasie als die anspruchsvollsten Punkte der Moral- und Soziallehre der Kirche" darzustellen, was aber eine "irrige" Perspektive in seinen Augen wäre.

Diese Stellungnahme verdient einen längeren Kommentar. Wir müssen zwischen "anspruchsvoller" und "skandalöser", d.h. zur Sünde führend, unterscheiden. Diese beiden Punkte betreffen Menschen, die auf die Unterstützung anderer angewiesen sind: das Kind im Mutterleib und den schwerkranken Patienten, der sich als Last für andere sieht. Allein schon deswegen müssen diese beiden Gruppen von der Kirche besonders geschützt werden. 

Weiters warnt der Präfekt der Glaubenskongregation: "Eine einheitliche Vorgangsweise (die innerhalb der Bischofskonferenz gesucht wird) kann nicht die Autorität des Diözesanbischofs ersetzen, der alleiniger Herr in dieser Angelegenheit ist.“ Eine eigenartige Warnung, wenn man bedenkt, dass die Bischofskonferenzen seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil die unglückliche Gewohnheit angenommen haben, die Ordinarien der Diözesen zu übergehen, ohne dass Rom etwas dazu zu sagen hat.

Im Mittelpunkt der römischen Antwort steht vielmehr das Risiko des Skandals einer offenen Spaltung zwischen den amerikanischen Bischöfen: Die Frage der Verweigerung der sakramentalen Kommunion könnte angesichts ihrer "möglicherweise strittigen Natur" in den Augen des Kardinals "den gegenteiligen Effekt haben und eher zu einer Quelle der Zwietracht als der Einheit innerhalb des Episkopats und der Kirche in den Vereinigten Staaten werden".

Für den Kardinal wäre "jede Erklärung der Konferenz bezüglich katholischer politischer Führer am besten innerhalb eines breiteren Kontextes der Würdigkeit für den Empfang der Heiligen Kommunion seitens aller Gläubigen betrachtet, und nicht nur hinsichtlich einer Kategorie von Katholiken."

Während es verständlich ist, dass die Gefahr einer Spaltung des amerikanischen Episkopats den Vatikan beschäftigen könnte, muss man sich fragen, warum? Mit anderen Worten, warum die Anwendung der universalen Disziplin der Kirche, die im Kirchenrecht verankert ist, die Gefahr birgt, die Bischöfe untereinander zu spalten?

Allerdings hatte der Erzbischof von Los Angeles seine Initiative auf eine private Mitteilung von Kardinal Joseph Ratzinger, dem damaligen Präfekten der Glaubenskongregation, an die amerikanischen Prälaten aus dem Jahr 2004 gestützt.

Der spätere Papst Benedikt XVI. war kategorisch:

Was die schwere Sünde der Abtreibung oder der Euthanasie betrifft, so soll, wenn die formale Mitarbeit einer Person offensichtlich wird (im Fall eines katholischen Politikers sein konsequentes Eintreten und Abstimmen für Gesetze, die Abtreibung und Euthanasie legalisieren sollen), sein Pfarrer mit ihm zusammentreffen, ihn über die Lehre der Kirche belehren und ihm mitteilen, dass er nicht zur heiligen Kommunion kommen soll, bis er die objektive Situation der Sünde beendet hat.

Und Kardinal Ratzinger fügte hinzu:

Wenn diese Vorsichtsmaßnahmen nicht gewirkt haben oder nicht möglich waren und der Betreffende sich mit hartnäckiger Beharrlichkeit immer noch zum Empfang der heiligen Eucharistie präsentiert, muss der Spender der heiligen Kommunion die Austeilung verweigern.

Es ist die Tragweite dieser Worte, die Kardinal Ladaria zu relativieren versucht:

Die Mitteilung von Kardinal Ratzinger sollte also nur im Kontext des maßgeblichen Lehrmemorandums (von 2002) diskutiert werden, das die Aussage des Lehramtes über die theologische Grundlage zur Frage des würdigen Empfangs der Heiligen Kommunion liefert.

Das Memorandum von 2002, auf das sich der Präfekt der Glaubenskongregation bezieht, enthält jedoch nur sehr allgemeine Grundsätze und beschränkt sich darauf, daran zu erinnern, dass

die ernste Verpflichtung für diejenigen besteht, die in den gesetzgebenden Körperschaften tätig sind, sich jedem Gesetz zu widersetzen, welches das menschliche Leben angreift.

Für den Präfekten des ehemaligen Heiligen Offiziums sollten die amerikanischen Bischöfe eher nach einem

breiten und ruhigen Dialog untereinander streben, diesen Dialog aber auch mit den katholischen Politikern ihrer Diözesen führen, die nicht die Fülle der Lehre der Kirche unterstützen, um die Natur ihrer Positionen zu verstehen.

Und sollten die amerikanischen Bischöfe trotz allem an ihrer Initiative festhalten, warnt Kardinal Ladaria: "Bischofskonferenzen können lehrmäßige Erklärungen nur dann veröffentlichen, wenn sie einstimmig gebilligt werden"; "eine Mehrheit allein reicht dagegen für eine Veröffentlichung nicht aus" und bedarf letztlich der Zustimmung des Vatikans.

Diese Bedingung klingt wie eine Niederlage für konservative amerikanische Bischöfe. Die Sprecherin des Repräsentantenhauses, die sehr progressive Nancy Pelosi, hat sich nicht geirrt. Von EWTN am 13. Mai befragt, sagte die in der katholischen Kirche getaufte Demokratin, sie sei "zufrieden" mit dem römischen Brief. Genug gesagt.