Neuerscheinung im Sarto Verlag: Zum Preise Gottes

20. Februar 2020
Quelle: Distrikt Deutschland

Ein Gespräch mit Pater Helmut Trutt

Warum haben Sie zusammen mit Gerard Duursma ein Gebetbuch herausgegeben?

Dazu gibt es eine längere und eine kürzere Geschichte, ähnlich wie die zwei Lebensbeschreibungen unseres Gründers, Erzbischof Marcel Lefebvres.

Die längere Geschichte beginnt damit, dass mir in meiner Zeit als Seelsorger der Gemeinde St. Athanasius in Hattersheim einige Gläubige Kreuzwegandachten in Kopie gaben, die sie schön und wertvoll fanden und auch öfters beteten. Ich selbst fand es hilfreich, wenn man mehr als nur den einen Kreuzweg aus dem örtlichen Gesangbuch fürs Gebet zur Auswahl hatte. Seit dieser Zeit habe ich auch noch andere Kreuzwegandachten gesammelt und kopiert oder als kleines Heft ausgedruckt und diese mit den Gläubigen gebetet. Dazu kamen dann über die Jahre weitere Gebete und Andachten, die mir von Mitbrüdern empfohlen oder in Exerzitien ausgeteilt wurden oder die sonst Gottes gütige Vorsorge mir zukommen ließ. Besonders erwähnen will ich hier das Gebet „Um die Glut des Herzens“ vom hl. Thomas von Aquin oder das Gebet „Bleibe bei mir, Herr“ von Pater Pio.

Hinzu kam die Feststellung, dass es wohl ein paar Bücher gab, die teilweise schöne und gute Gebetsammlungen enthalten, deren Ordnung wie auch das Inhaltsverzeichnis jedoch leider sehr unbefriedigend sind, so dass der Beter oft verloren war, wenn er schnell mal ein Gebet in Versuchungsnot brauchte oder ein bestimmtes Gebet wie Kardinal Newmans „Führe Du mich hinan“ suchte. Das empfand ich als großen Nachteil. Ich dachte mir, dass ein Gebetbuch so beschaffen sein sollte, dass man das richtige Gebet zur richtigen Zeit ganz leicht finden kann. Somit hatte ich also Material und Anlass für ein neues katholisches Gebetbuch.

Die kürzere Geschichte war die, dass mein Vorgänger im Münchner Priorat, Pater Firmin Udressy, dem großen Bücher-, Heftchen- und Blätterwald in der Buchablage der dortigen Kirchenbänke dadurch wehrte, dass er mit Hilfe eines eifrigen Gläubigen ein umfangreiches Gesangbuch („Salve Regina“) erstellen und drucken ließ. Doch einiges fehlt im Gebetsteil, wie z.B. Kreuzweg- und Maiandachten oder ein Beichtspiegel, so dass eine gewisse Notwendigkeit gegeben war, diesem Gesangbuch nun auch ein Gebetbuch zur Seite zu stellen. Deshalb begann ich vor fast zwei Jahren das Werk. Dazu halfen einige Laien mit, vor allem Herr Duursma, der die mühseligen Korrekturen, das Setzen und das Inhaltsverzeichnis in die Hand nahm. Ende letzten Jahres, nach so manchen Hürden, war das Gebetbuch „Preise Gott“ endlich fertig.

Welche Gebete findet man? Gibt es auch Lieder?

Man findet darin die Hauptgebete, natürlich den Rosenkranz (auch auf Latein), viele Einzelgebete zu Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist, zur Jungfrau und Gottesmutter Maria, zu den Heiligen und Engeln, in allen Anliegen der Kirche und der einzelnen Seelen, z.B. auch für unser Volk und Vaterland, man findet Litaneien und Andachten für das ganze Kirchenjahr sowie schließlich Texte und Gebete zu den sieben Sakramenten der katholischen Kirche.

Von den verwendeten Quellen her betrachtet, enthält „Preise Gott“ zunächst fast alle Gebete und Andachten aus dem vorkonziliaren Münchner Gebet- und Gesangbuch „Gottesdienst“, wie es zu erwarten ist, wenn man ein Gebetbuch in und für München erstellt. Aber nicht nur – Andachten aus den alten Gebet- und Gesangbüchern der Bistümer Augsburg, Freiburg im Breisgau und Wien sind hinzugenommen. Der größte Teil der Einzelgebete stammt aus Pfarrer Alfons Maria Weigls „Gebetsschatz“ – seine bedeutende und verdienstvolle Sammlung durfte einfach nicht fehlen. Allerdings haben wir davon ein paar wenige Gebete weggelassen, die etwa aus kirchlich bisher nicht anerkannten Erscheinungsorten oder von den nachkonziliaren Päpsten stammen. Der modernistische Sprachgebrauch passt schlichtweg nicht zu dem, was die Kirche jahrhundertelang in ihren Fürbitten klar und deutlich zum Ausdruck gebracht hat; das Prinzip „lex orandi, lex credendi – so wie man betet, so glaubt man“ war uns stets ein zuverlässiger Wegweiser. Der traditionell orientierte Gläubige soll und darf mit dem „Preise Gott“ getrost so beten, wie die Kirche und ihre Heiligen immer gebetet und sich dadurch gerettet haben. (Der überzeitliche Aspekt wird auch formal sichtbar, indem wir durchgängig auf die reformierten Rechtschreibregeln verzichtet haben.)

Auch noch Lieder aufzunehmen, hätte den Rahmen zweifellos gesprengt, doch eine Ausnahme gibt es immerhin: das Lied zum hl. Apostel Matthias, dessen Gebeine bekanntlich in Trier ruhen. Ohne Noten gedruckt, aber man kann und soll ja auch Lieder beten.

So mancher „synodale“ Katholik wird das „Preise Gott“ in die Hand nehmen und den Kopf schütteln. Wo ist die vielbeschworene „Lebenswirklichkeit der modernen Menschen“? Aber auch so mancher verunsicherte und ratlose Katholik fragt sich: Die Kirche brennt, und die Priesterbruderschaft St. Pius X. veröffentlicht ein Gebetbuch. Brauchen wir keine apologetischen Schriften im Kirchenkampf?

Als Priester bekommt man die „Lebenswirklichkeit der modernen Menschen“ vielleicht mehr mit als andere Zeitgenossen. Wir sehen in ihren Gesichtern die Spuren von Hektik, Stress, Ratlosigkeit, Unsicherheit und Armseligkeit, und im Beichtstuhl hören wir vom Elend der Sünde und der Einsamkeit des Herzens. Was dem Menschen fehlt, ist das göttliche Du, die Erfahrung des barmherzigen Gottes, der der Tröster einer jeden Seele sein will. Diese Erfahrung kann man im Sakrament der Hl. Kommunion, in der Hl. Beichte und im täglichen Gebet machen, und gerade diesem soll unser Gebetbuch dienen.

Nicht ohne Grund hat Pater Pio seinem Seelenkind, Frau Tangari, als erste Weisung gegeben: „Knie nieder, bete!“ Ich denke mir, dass er das allen Befürwortern eines synodalen Weges auch sagen würde: Lernt erst mal beten. Professor Hoeres pflegte zu sagen, dass man unsere Zeit mit dem Wort charakterisieren könne: „Unsere Tage gehen dahin wie ein Geschwätz.“ Es wird doch seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil so viel geschrieben und „geschwätzt“ wie nie zuvor! Besser würde und wird die Lage wohl so lange nicht werden, bis man sich endlich wieder hinkniet und inständig betet. Denn „an Gottes Segen ist alles gelegen“, ganz besonders in der Kirche Gottes. Und diesen Seinen Segen kann man nur erbitten oder, besser gesagt, erbeten.

Apologetische Schriften und solche, die über die Kirchenkrise aufklären, sind sehr gut und wertvoll, wir brauchen sie selbstverständlich genauso. Nehmen Sie Pater Maximilian Kolbe, der ein vorbildlicher Apostel des Wortes war, im Besonderen durch sein Organ „Ritter der Immaculata“, das millionenfach gedruckt und in alle Welt versandt wurde. Gleichwohl betonte er unablässig, dass ein jedes Apostolat fruchtlos bleibt, wenn man nicht eifrig betet. Den berühmten Ausspruch eines Heerführers – „Um Krieg zu führen, sind drei Dinge nötig: Geld, Geld und nochmals Geld“ – aufgreifend, sagte Pater Kolbe, dass man, um unseren Krieg zu gewinnen, Gebet, Gebet und noch einmal Gebet brauche, vor allem aber ein gutes Gebet. Eben darum kann unser „Preise Gott“ mithelfen, dass alles Apostolat und jegliche Apologetik fruchtbar werden und dadurch Seelen gerettet werden.

Gebetbücher sind keine einfache Kost. Sie wollen angeeignet werden. So wenig die Lektüre einer Speisekarte den Appetit stillt, so wenig der Text eines Gebetbuchs den geistlichen Hunger. Ein Gebetbuch ist kein Lesebuch, sondern ein Gebrauchsbuch. Ist ein Markenzeichen des vorkonziliaren Katholiken nicht der Gebetsgeist gewesen? Andersherum formuliert: Haben die Reformen nicht das Beten zum Erliegen gebracht?

Teilweise ja, teilweise nein. Es stimmt, dass nach dem Konzil viele Gebets- und Andachtsformen dem Volk geradezu abgewöhnt, wenn nicht gar verboten wurden. Den Rosenkranz zu beten war zunehmend verpönt, die Herz-Jesu-Andachten am ersten Freitag im Monat wurden vielerorts abgeschafft, um nur zwei Beispiele zu nennen. Die traditionelle Frömmigkeit kam rasch außer Gewohnheit, war aus den Augen und aus dem Sinn. Deshalb gibt es heute nicht wenige Christen, die diese ehrwürdigen Gebete, Andachten und Frömmigkeitsformen nicht mehr kennen und üben.

Dass die Gewohnheit und die Übung abhandengekommen sind, wie Sie zu Recht anmerken, dazu hat auch die Neue Messe ihren Teil beigetragen: Alles wird laut und in der Landessprache vorgetragen, es bleibt kein Augenblick für stilles Gebet mehr übrig. Eine treue Kirchgängerin der Neuen Messe, die fast ganz taub war und deswegen vom Pfarrer bedauert wurde, weil sie ja nichts mehr mitbekomme, antwortete ihm: „Ach, Herr Pfarrer, dafür kann ich jetzt beten!“ Schon traurig, wenn der normale Mensch bei der Heiligen Messe nicht zum persönlichen Beten kommt. Da war und ist die Tridentinische Messe sehr viel besser, weil sie dem Menschen die Stille zum vertrauten Gebet mit Gott belässt. Diese Beobachtungen lassen in der Tat den Schluss zu, dass der allgemeine Gebetsgeist vor dem Konzil ein besserer war als danach.

Andererseits haben die katastrophalen Auswirkungen des Konzils und die Erkenntnis, dass die Warnungen von La Salette und Fatima ernst zu nehmen sind, weil die Muttergottes die Katastrophe vorausgesagt und dringend zum Gebet aufgerufen hatte, viele Leute wachgerüttelt. Ich erinnere mich an eine Gläubige, die mir berichtet hat, dass der Rosenkranz bei ihnen daheim weder in der Kirche noch in der Familie üblich war. Erst durch das Kennenlernen der Tradition und die Erkenntnis dessen, was da in der Welt und der Kirche vor sich geht, seien sie hellwach und im Gebet eifrig geworden.

Zusätzlich muss man bedenken, dass auch moderne Christen oft die Leere des Alltags bewusst mit Gebet auszufüllen suchen. Vielleicht sind ihre Gebete recht oberflächlich und manchmal durch Esoterik oder gar buddhistische Praktiken inspiriert und verdreht. Ein guter Wille ist aber da, und der braucht Führung und Vorbild. Darum ist die Idee, den Menschen ein Gebetbuch in die Hand zu geben, das gute, kirchlich anerkannte Gebete enthält – Gebete, wie sie die Heiligen aller Zeiten gebetet haben –, goldrichtig, oder sagen wir einfach: sie kommt nie zu spät.

Das Gebetbuch kommt trotz seiner hohen Seitenzahl handlich daher. Auf dem roten Kunststoffeinband ist ein goldenes Christus-Monogramm zu sehen. Das dünne Papier und ein Lesebändchen sind sehr hilfreich. Wird es gut angenommen?

Das kann ich durchaus bestätigen. Ich höre schon von vielen Seiten, dass die Menschen für das Buch dankbar sind, in ihm viele für sie neue Gebete entdecken, seine handliche Form schätzen. Mir sind einige katholische Internetforen bekannt, die unser „Preise Gott“ besprochen und empfohlen haben. Allein daran können wir feststellen, dass ein berechtigtes Anliegen aufgegriffen und von uns umgesetzt wurde. Dass das Werk nach etlichen Schwierigkeiten nun endlich gedruckt werden konnte, verdanke ich den lieben selbstlosen Mitarbeitern und der finanziellen Unterstützung durch die actio spes unica, aber vor allem dem hl. Joseph, dem ich das Werden und Entstehen dieses Gebetbuches herzlich anempfohlen habe.

H.J. Trutt / G. Duursma
Preise Gott
geb., 784 S., 16 x 10 cm
EUR 14,80
erhältlich beim Sarto Verlag
Tel.: +49 8234 / 959 72 0
E-Mail: [email protected]
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