Im Geist des Erzbischofs das Werk fortführen

22 Juli, 2019
Quelle: Distrikt Deutschland

Die Leitung des deutschen Distrikts in neuen Händen.

Ein Gespräch mit Pater Firmin Udressy, dem bisherigen deutschen Distriktoberen und Pater Stefan Pfluger, dem neuen deutschen Distriktoberen.

Zum 15. August wird Pater Stefan Pfluger die Verantwortung für den deutschen Distrikt übertragen. Pater Firmin Udressy wird nach sechs Jahren in die Schweiz zurückkehren. Somit vollzieht sich eine Rochade. Pater Pfluger übernimmt die Leitung des deutschen Distrikts und Pater Udressy das Priorat der Heiligen Familie in Wil (Kanton St. Gallen). Die Redaktion des Mitteilungsblattes (MB) hat beiden Patres einige Fragen gestellt:

Mitteilungsblatt: Pater Udressy, lassen Sie uns auf die vergangenen sechs Jahre zurückschauen. Auffallend war in Ihrem Wirken die beständige Bezugnahme auf Erzbischof Marcel Lefebvre, den Gründer der Priesterbruderschaft. Sie haben ihn als Kind zuhause im Wallis noch erlebt …

Pater Firmin Udressy: Ja, es stimmt, er war oft zu Gast bei meinen Eltern. Das hat mich und meine Geschwister sehr beeindruckt.

Ich habe mich in meinem priesterlichen Wirken immer sehr von Erzbischof Lefebvre leiten lassen, vor allem als Distriktoberer. Nicht nur, weil er der Stifter unserer Kongregation ist, sondern auch, weil er für mich den authentischen Geist der Kirche verkörpert.

Seit dem Priesterseminar habe ich in ihm einen geistlichen Lehrer gefunden – besonders auch in den Vorträgen für die Seminaristen von Ecône, die leider noch nicht ins Deutsche übersetzt sind.

Er gab uns das Beispiel, wie man sich inmitten eines äußerst schwierigen Kampfes dennoch den Herzensfrieden erhalten kann: nämlich in der Hingabe an Christus, im Vertrauen auf Seine göttliche Vorsehung. Verbitterung kannte er nicht. Er hat für seine Feinde gebetet. Auch unter schweren Angriffen blieb er im Frieden. Das ist nach wie vor absolut wegweisend für unsere Arbeit im Weinberg des Herrn.

MB: Pater Pfluger, würden Sie sich den Lesern des Mitteilungsblattes kurz vorstellen und eine kleine Übersicht über die bisherigen Dienste als Priester der Priesterbruderschaft geben?

Pater Stefan Pfluger: Aufgewachsen bin ich in Oensingen, das liegt ca. 30 km südlich von Basel. Ich stamme aus einer Familie, die fest im Glauben verwurzelt ist und aus der mehrere Berufungen hervorgegangen sind. Mein Abitur legte ich 1997 am von unserer Priesterbruderschaft geführten Don-Bosco-Gymnasium ab, das ich seit der siebten Klasse besucht hatte. Es folgten sechs schöne und lehrreiche Jahre im Priesterseminar Herz Jesu in Zaitzkofen. 2003 durfte ich die Priesterweihe empfangen und war anschließend während sieben Jahren am Institut Sancta Maria in Mels tätig – bis zu dessen Umzug nach Wangs. Seit neun Jahren durfte ich nun Prior dieses wunderschönen Priorats hier in Wil sein.

MB: Welches werden für Sie, soweit Sie es schon sagen können, die wichtigsten Aufgaben und Herausforderungen sein angesichts der Not unserer Zeit, in die die Priesterbruderschaft als ein Werk der Kirche hineingestellt ist?

Pater Stefan Pfluger: Um nach außen wirksam sein zu können, müssen wir innen gesund und stark sein. Deshalb sehe ich meine erste und grundlegende Aufgabe darin, die Priester zu unterstützen und ihnen zu helfen, ein immer besseres Gemeinschaftsleben zu führen. Die Priorats­gemeinschaft soll wie eine Familie sein, damit die Mitbrüder hier Erholung, Kraft und Unterstützung finden. Das ist die Voraussetzung für ein fruchtbares und ausdauerndes Apostolat.

Was unser Wirken nach außen betrifft, werde ich alles daransetzen, dass wir weiterhin aktiv den Wiederaufbau einer christlichen Gesellschaft fördern. Dazu sind katholische Schulen absolut notwendig. Auf dem Wirken der Schulen soll die Jugendseelsorge aufbauen. Und es scheint mir sehr wichtig, dass wir Priester, so gut wir es irgendwie können, die jungen Familien begleiten und unterstützen in ihrer so schwierigen Aufgabe, Kinder zu soliden Menschen und guten Katholiken zu erziehen.

MB: Pater Udressy, Sie haben gleich zu Beginn Ihrer Amtszeit als Distriktoberer vor sechs Jahre die personelle Stärkung der Priorate vorangetrieben. Welche Bedeutung hat das priesterliche Gemeinschaftsleben?

Pater Firmin Udressy: Die vordringliche Aufgabe der Priesterbruderschaft ist die Heiligung ihrer Mitglieder. Die Seelsorge folgt daraus.

Die Priester sind unser Schatz, den es zu bewahren gilt. Alles hängt von ihnen ab. Die Oberen sind dafür verantwortlich, möglichst günstige Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sich priesterliche Berufungen entfalten können.

Der Erzbischof hatte die klare Sicht, dass dafür das Gemeinschaftsleben der Priester ganz wichtig ist. So hat es auch die Kirche immer gesehen, wenngleich das Ideal oft nur ungenügend verwirklicht wurde. Auch Priester sind Menschen, die Unterstützung brauchen – von anderen Mitbrüdern und von ihren Oberen, um sich die Begeisterung für ihr Priestertum lebendig zu erhalten. Das fördert ihren Eifer und ihre Liebe für ihre Aufgabe und die Freude an ihrem Tun. Darum hat der Erzbischof der Bruderschaft die Form des Gemeinschaftslebens geben wollen. Sie gehört wesentlich zur Identität der Priesterbruderschaft.

MB: Die Katholische Jugendbewegung (KJB) lag Ihnen besonders am Herzen …

Pater Firmin Udressy: In meiner Zeit als Prior in München war ich für die Katholische Jugendbewegung im deutschen Distrikt verantwortlich. Es war eine schöne Erfahrung, die mir gezeigt hat, wie wichtig das Apostolat an den jungen Menschen ist, die Orientierung für ihr Leben suchen. Auch die heutige Jugend hat Durst nach der Fülle des Lebens, die nur Christus schenken kann. Wie oft werden die Jugendlichen in eine ganz falsche Richtung geführt, ja verführt! Ein priesterlicher Begleiter, der die Ausübung seiner Vaterschaft ernst nimmt und ihnen hilft, den Weg zu Jesus, zu seiner Kirche zu finden und den Glauben im Alltag zu leben, ist ein unschätzbares Geschenk für die Jugendlichen unserer Gemeinden. Es genügt nicht, nur einige Treffen zu organisieren. Jede KJB-Gruppe freut sich, wenn der KJB-Priester auch vor Ort vorbeikommt, um das Feuer und die Begeisterung neu zu entfachen. Die Entscheidung, Pater Fabian Reiser dafür freizustellen, hat schon viele gute Früchte gebracht, auch im Hinblick auf Berufungen und auf die Vorbereitung katholischer Familien.

MB: Zu Ihren Aufgaben gehörte es auch, die Verwaltung des Distrikts dem wachsenden Apostolat anzupassen.

Pater Firmin Udressy: In der Tat. Wir sind nicht mehr in der anfänglichen Pionierzeit. Im nächsten Jahr feiern wir unser 50-jähriges Bestehen. Wir haben jetzt die ersten Priester, die aus Alters- und Krankheitsgründen nicht mehr voll einsetzbar sind und durch jüngere ersetzt werden müssen. Es geht nun darum, das Entstandene zu befestigen und die Einheit zu stärken, um dem Ideal unserer Bruderschaft treu zu bleiben. Es braucht ein funktionierendes Miteinander, eine kluge Zusammenarbeit, ein Achten auf den Anderen, um gemeinsam Frucht zu bringen. Dafür sind auch eine effektive und effiziente Verwaltung und Organisation, die strukturell auf der Höhe der Zeit sind, ein wesentliches Hilfsmittel. Über die Jahre ist die Bruderschaft sehr angewachsen. Das bringt eine enorme Verantwortung mit sich. In den letzten Jahren konnten wir hier viel erreichen.

MB: Das Schulapostolat wurde weiter ausgebaut. Was waren die wesentlichen Entwicklungen?

Pater Firmin Udressy: Sicher ist das Schulapostolat das kostenintensivste im Distrikt, aber es lohnt sich. Wer in die Kinder investiert, investiert in die Zukunft der Kirche. Erzbischof Lefebvre betonte immer wieder die Bedeutung der Gründung von wirklich katholischen Schulen zur Unterstützung der Familien, zur Weckung von Berufungen und für die Durchdringung der Gesellschaft mit einem christlichen Geist.

In Saarbrücken bewerkstelligten wir den Ausbau und die Erweiterung des Internatsbereichs und den Neubau der Grundschule. Ich bin sehr froh darüber, wie die Schule jetzt mit ihrem Gesamtkonzept besteht. Auch in Schönenberg hat sich vieles getan: Es ist gelungen, die Dominikanerinnen von Fanjeaux zunächst für die Gründung einer Grundschule mit Kindergarten im benachbarten Bröleck zu begeistern. Der Kauf des Gebäudes wurde vollständig durch Spenden finanziert. Fast 50 Kinder werden von den Schwestern betreut. Aus der vierten Klasse wechseln zum Herbst mehrere Schülerinnen an das drei Kilometer entfernte St.-Theresien-Gymnasium. Auch hier haben wir viel in den Ausbau des Internatsbereichs investiert. Die dominikanischen Schulschwestern, die inzwischen mit sechs Kräften vor Ort vertreten sind, unterstützen die Arbeit vor Ort mittlerweile ganz wesentlich.

Eine Frucht der Zusammenarbeit ist auch die Lösung der Nachfolgefrage von Schwester Maria Michaela Metz in der Gesamtleitung des St.-Theresien-Gymnasiums. Diese Frage bedurfte aus Alters- und Gesundheitsgründen einer Lösung. Wir sind der Vorsehung sehr dankbar, dass die Schwestern von Fanjeaux bereit sind, hier ab dem Jahr 2020 leitende Verantwortung zu übernehmen in Zusammenarbeit mit dem bisherigen Personal und den Oblatinnen.

MB: Wir begehen im nächsten Jahr das Jubiläum 50 Jahre Priesterbruderschaft. – Wie können die Priester der Priesterbruderschaft den Herausforderungen, die an sie gestellt sind, besser gerecht werden?

Pater Stefan Pfluger: Was es an erster Stelle nach diesen 50 Jahren braucht, ist eine überfließende Dankbarkeit. Wir können Gott und Erzbischof Lefebvre nicht genug danken für das wunderbare Werk, an dem wir Anteil haben dürfen. Um den Herausforderungen besser gerecht werden, braucht es nicht neue Aufbrüche, sondern eine Rückbesinnung auf unsere Wurzeln. Wenn das Gemeinschaftsleben tatsächlich die Form unseres Apostolats ist und wenn wir den von unseren Statuten vorausgesetzten Geist der Anbetung und der Hingabe haben, sind wir für alle Herausforderungen gewappnet, welcher Art sie auch sein mögen.

Pater Firmin Udressy: Pater Pfluger wünsche ich dieselbe Unterstützung, wie ich sie erfahren durfte. Meinen Mitbrüdern im Priestertum, den Brüdern, Schwestern und den vielen Mitarbeitern möchte ich für alle gute Zusammenarbeit und den Wohltätern für die großherzige Unterstützung danken! Gehen wir mit Zuversicht in die Zukunft, ohne Angst. Aus der Verbundenheit mit unserem Herrn Jesus Christus werden wir stets den Frieden und die Gelassenheit schöpfen können, die so sehr unseren verehrten Gründer ausgezeichnet haben. Wir werden immer wieder in den Sturm hineingestellt sein, aber wer im Herzen Jesu seine Zuflucht sucht, wird sich in den Tiefen der Seele die Ruhe bewahren können.

MB: Vergelt’s Gott für das Gespräch.