Fulda-Wallfahrt: Fatima-Prozession mit 650 Teilnehmern

07 September, 2019
Quelle: Distrikt Deutschland

Die Distriktwallfahrt nach Fulda zur Erneuerung der Weihe Deutschlands an das Unbefleckte Herz Mariens hat heute Mittag mit einer Marienprozession durch die Stadt Fulda begonnen. Das diesjährige Wallfahrtsthema „50 Jahre Neue Messe“ beschäftigt sich kritisch mit der nachkonziliaren Liturgiereform. Ein Gebetsanliegen der Wallfahrer ist es, dass die Heiligkeit der Liturgie in Form des überlieferten lateinischen Messritus überall in der Kirche wiederhergestellt wird. Die einführende Ansprache von Dr. Florian Amselgruber dokumentieren wir hier im Wortlaut:

 

Verehrte Geistlichkeit!

Liebe Freunde des katholischen Glaubens und der überlieferten Liturgie!

Liebe Familien!

 

Es ist mir eine Freude und Ehre, zu Beginn dieser Wallfahrt das Wort an Sie richten zu dürfen, in derjenigen Stadt, die das Grab des ersten Apostels Deutschlands, des hl. Bonifatius, birgt und in welcher die deutschen Bischöfe im Jahre 1954 unser Vaterland dem Unbefleckten Herzen Mariens geweiht haben. Aus allen Himmelsrichtungen sind Sie heute gekommen und teilweise von sehr weit her; damit geben Sie ein wertvolles Zeugnis Ihres Glaubens und Ihrer Liebe zur Kirche, welches umso mehr in den Augen Gottes gelten wird, je mehr es von den offiziellen Hirten und gar von unserer neuheidnischen Gesellschaft ignoriert oder belächelt wird.

 

Viele von Ihnen, vielleicht die meisten, sind freilich lange Wege gewohnt. Allwöchentlich, allsonntäglich nehmen Sie es auf sich, weite Strecken zurückzulegen, nur aus dem einen Grund: um an einer hl. Messe im überlieferten, alten Ritus teilnehmen zu können. Von den vielen Schwierigkeiten, die das insbesondere für Familien mit sich bringt, wissen Sie alle ein Lied zu singen: Von den Kindern angefangen, die erst im Auto, dann in der Kirche und dann wieder im Auto so lange ruhig halten müssen, bis hin zu den Familienfeiern am Wochenende, von denen man früher aufbrechen muss, um einen Messort zu erreichen – von den Kosten für das Benzin und der im Auto verlorenen Zeit einmal ganz zu schweigen. Und immer wieder taucht dann die Frage auf: Warum macht Ihr das eigentlich? Warum geht Ihr denn nicht einfach in Eurem Dorf zum Gottesdienst? Ja, warum machen sich katholische Familien auf den langen, mühseligen Weg zum überlieferten Ritus – wo es doch scheinbar viel einfacher ginge?

 

Neben der grundlegenden theologischen Problematik lautet zumindest eine Antwort: Weil die überlieferte hl. Messe allein – und nicht der vor 50 Jahren reformierte neue Messritus Pauls VI. – uns gläubigen Familien das Heilmittel und die Antwort auf unsere Nöte und Bedürfnisse bereithält, auf die allgemein-menschlichen, überzeitlichen genauso wie  auf die heutigen, aktuellen, drängenden!

Gerade das Letztere mag bei den Verächtern der alten Messe für Erstaunen und Widerspruch sorgen; man wird uns entgegenhalten: Wie soll denn Euer mittelalterlicher Ritus für unsere moderne Zeit passend sein? Hat nicht Paul VI. bewusst und mit viel Überlegung seine Änderungen vorgenommen, um – ich zitiere ihn selbst – „den neuen Bedürfnissen der heutigen Zeit zu entsprechen“? Nun, wenn dies sein Anliegen war, so ist es wahrhaft tragisch misslungen. Lassen Sie mich diesen Gesichtspunkt an drei Beispielen kurz beleuchten:

 

Was kennzeichnet heute die aktuelle Lage gläubiger Familien? Welche Nöte bedrängen sie – und wessen bedürfen sie?

 

Ein typisches Merkmal unserer Zeit ist erstens, die von wirtschaftlichen Zweckmäßigkeiten – und das heißt: von Lärm und Hektik – diktierte Arbeits-, Konsum- und Lebenswelt. „Durchgetaktet“ hat der moderne Mensch zu sein, hochmobil, hochflexibel, ein ständig funktionierendes Rad im Produktions- und Dienstleistungsgetriebe, eine ständig umschaltende Weiche im Informationsstrom, von dem Moment an, wo er am Montag früh sich in den Berufsverkehr stürzt bis er Samstagabend erschöpft vom Großeinkauf zurückkehrt. Wessen bedarf da die katholische Familie am Sonntagvormittag in der Messe? Gewiss doch des Atemholens in der Stille, der ruhigen Versenkung in das Erdreich göttlicher Wahrheit und Schönheit, um nicht im Sturm entwurzelt zu werden! Eine Oase des Friedens, der Kontemplation, der schweigenden Sammlung – danach lechzt unsere Seele! Aber was hat man vor 50 Jahren mit der Messe gemacht? Man hat die Stille während des Messkanons abgeschafft und stattdessen überall Mikrophone aufgestellt, man hat sämtliche rituelle Wiederholungen gekürzt – vom Kyrie bis zum Domine non sum dignus -, die feierlichen Gesten und symbolischen Handlungen wegrationalisiert und die herrlich meditativen Gesänge des gregorianischen Chorals beseitigt. Zweckrationalistisch durchgetaktet hat man den Messritus und zu einer wortreichen Dauermoderation umgestaltet, keine Stille, keine Sammlung, ja, keine Gedankenfreiheit mehr – und das soll uns Kraft für die christlich zu bestehende Woche geben? Man hat uns einen Stein gegeben, wo wir nach Brot verlangt haben.

 

Ein zweites: Unsere heutige Umwelt ist – anders als noch vor 60 Jahren – spürbar unchristlicher geworden, heidnischer, atheistischer; die Christen werden wieder verfolgt, hier im Westen zwar nicht mit Feuer und Schwert wie in Afrika und Asien, aber dafür durch eine zunehmende soziale Ächtung. Wer dem Verfolgungsdruck am meisten ausgesetzt ist – das sind, mit Verlaub, wohl eher nicht die deutschen Bischöfe; das sind – in der Schule, am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft, tagaus tagein: die christlichen Familien. Was ist uns in dieser Situation notwendig, damit wir trotz allem froh und beharrlich unserem Glauben treu bleiben können? Vor allem sicherlich das Vertrauen, dass der allmächtige Gott seine Diener trotz des deprimierenden Augenscheins gnädig zu beschützen weiß. „Schaffe mir Recht, o Gott, und führe meine Sache gegen das gottlose Volk. Rette mich vor dem ungerechten und verschlagenen Menschen! Denn Du, o Gott, bist meine Stärke!“ dieser Hilfeschrei eines verfolgten Israeliten war seit unvordenklichen Zeiten das Eingangstor zur hl. Messe; unzählige Menschen haben mit diesen Worten ihr bedrängtes Herz vor Gott ausgeschüttet. Vor 50 Jahren hat man uns diese Worte gestrichen – und mit ihnen radikal alles, was die trügerische Illusion einer Verbrüderung mit der Welt stören könnte: Die lauen Schriftgelehrten in ihrem Elfenbeinturm bekümmern sich nicht um die Bedrängnis der treuen Gläubigen. Doch das ist bei weitem nicht alles. Das herrliche, stärkende Bewusstsein, dass wir einer Gemeinschaft angehören, die trotz aller Anfeindungen seit Jahrtausenden auf Fels gebaut ist, die uns weltweit und über die Zeiten hin verbindet – wo findet sich das im reformierten Ritus Pauls VI. noch? Sind nicht praktisch alles Anrufungen von Engeln und Heiligen gestrichen worden? Hat man nicht das zeiten- und länderverbindende Latein durch die Landessprachen ersetzt, so dass nun jede kleine Dorfgemeinde von Feuerland bis Spitzbergen auf sich selbst geworfen ist, ohne sinnlich spüren zu dürfen, dass sie Teil der welt- und zeitumspannenden una sancta catholica ist? Vertrauen in den himmlischen Beistand und Begeisterung für die katholische Weite – das hilft uns, nicht die lähmende Dunstglocke des Hier und Jetzt. Will man uns, die wir eines Fisches bedürfen, eine Schlange geben?

 

Schließlich ein drittes: So groß, so unvergleichlich das Glück ist, eine christliche Familie haben zu dürfen, so weiß jeder von uns – jede Mutter, jeder Vater, und zumindest die größeren und vernünftigeren Kinder – dass dieses Glück nur auf dem Fundament ständiger Opferbereitschaft erblühen kann. Und diese Bereitschaft zum Opfer, diese Einsicht in seine Notwendigkeit und Größe – sie wird gerade heute torpediert durch die heißlaufende Konsum- und Spaßgesellschaft, durch den Abbau aller Schranken, durch die digital beschleunigte Versklavung an die schnelle Befriedigung aller Bedürfnisse. Mühsam mussten wir schon immer das Opfer unserer eigenen Natur abringen, noch schwerer wird es heute durch den konzertierten Druck und die perfekt arrangierten Lockungen der Umwelt. Woher nun lernen zu verzichten, zu leiden, zu opfern – wenn nicht von dem einzigen, wahren und allumfassenden Opfer des Altares? Vom eucharistischen Opferlamm? Wir stellen nicht in Abrede, dass, wo immer die hl. Messe gültig gefeiert wird, gleichviel in welchem Ritus, das Kreuzesopfer Christi auf dem Altar real gegenwärtig ist. Doch wo wird es für uns sichtbar, erfahrbar – als Opfer? Etwa in einem Ritus, in dem das Wort „Opfer“ praktisch völlig ausgetilgt ist? Einem Ritus, bei dem sich der Priester nicht gemeinsam mit den versammelten Gläubigen Gott zuwendet, sondern in Form eines Lehrers oder Unterhalters dem Publikum gegenübersteht? In einem Ritus, der den Opfer-Altar durch einen meist sehr unansehnlichen Esstisch ersetzt hat?

 

Vor kurzem habe ich mit meiner Familie in der Wallfahrtskirche zu Dorfen in Oberbayern den herrlichen Asam-Altar bewundert. Ein alter Mesner kam und erzählte uns, dass der Hochaltar aus echtem Marmor ist, der farblich ähnlich gestaltete Volksaltar dagegen aus einer Mischung aus Leim, Holz und Gips. Liebe katholische Familien: Das ist symbolträchtig! Wie mit diesen beiden Altären so ist es auch mit den zugehörigen Liturgien. Wir brauchen aber für unsere Familien keine billig zusammengeklebte Liturgie, wir brauchen kein plattes Produkt des Augenblicks! Nur eine Liturgie aus echtem Marmor wird unseren Kindern den Blick für die kostbare Schönheit des Glaubens öffnen, wird ihren Glauben felsenfest und opferfreudig machen.

 

Wir wissen also, was wir brauchen und warum wir auch lange Wege zur überlieferten Liturgie in Kauf nehmen. Allen Priestern, die uns den Zugang zu einer würdigen und stärkenden Feier der hl. Messe ermöglichen, danken wir von Herzen und bitten auch weiterhin um ihren unschätzbaren Dienst. Und nun wollen wir uns zum Zeichen unserer Anhänglichkeit an den überlieferten katholischen Glauben auf den Weg durch diese schöne Stadt machen, guten Mutes beten, singen und dem lieben Gott und Unserer Lieben Frau danken für alle Wohltaten, und allen Segen erflehen für uns und unsere deutsche Heimat, welcher der hl. Bonifatius einst den Glauben gebracht hat. Danke!