Erzbischof Marcel Lefebvre: Lieber sterben als zum Verräter werden!

17. Mai 2021
Quelle: Distrikt Deutschland

Rundbrief an die Freunde und Wohltäter vom 1. Oktober 1974

Das Seminar von Ecône tritt nunmehr in sein fünftes Jahr ein, in das Jahr, das unsere ersten Seminaristen, die vollständig unter der Obhut der Bruderschaft herangebildet worden sind, zum Priestertum führen wird. Dieser erste Jahrgang ist allerdings noch klein an Zahl. Die jungen Priester werden die ersten sein, die aus dem Werk hervorgegangen sind, das im Oktober 1969 mit der Ermutigung des damaligen Bischofs François Charrière begonnen worden ist.

            Während diese ersten Priester zu den Stufen des Altares treten, klopfen allzu viele Anwärter an unsere Türe, um ihnen zu folgen. Innerhalb eines Jahres sind wir mit 130 jungen Aspiranten in schriftlichen Kontakt getreten. Jetzt, am 5. Oktober, nehmen wir wenigstens 40 von ihnen auf, 25 Franzosen und 15 aus verschiedenen anderen Ländern, besonders aus der Schweiz, den Vereinigten Staaten und Belgien.

            Mit ihnen werden auch fünf Bruderpostulanten eintreten. Diese Berufungen sind in unserer Zeit selten geworden, setzen sie doch einen Geist des Glaubens voraus, der danach strebt, sich aus einer Welt zurückzuziehen, in der nur noch nach dem menschlichen Weiterkommen gefragt wird. Umso mehr ist es uns eine lebhafte Freude, diese jungen Bruderaspiranten empfangen zu können, die den Priestern unschätzbare Dienste erweisen, indem sie sie in ihren materiellen Aufgaben entlasten und im Amt unterstützen. Zum gleichen Zeitpunkt beginnen in Albano fünf Postulantinnen bei den Schwestern der Bruderschaft ihr Noviziat.

            Dieses Ansteigen der Berufungen vergrößert rasch unsere Belastungen und verpflichtet uns, an neue Pflanzstätten zu denken, um den Aufnahmegesuchen entsprechen zu können in einer Zeit, in der sie sonst überall abnehmen. In Ecône sind wir auch bereits in die neue Hilfskapelle umgezogen, deren Ausstattung mit großen Ausgaben verbunden war. Glücklicherweise wacht der hl. Joseph, und so sind wir überzeugt, dank Ihrer Großzügigkeit unsere derzeitigen Schulden bis zum Jahresende tilgen zu können. Wir beabsichtigen übrigens, im Hauptaltar ein Buch mit den Namen der Freunde und Wohltäter einzulegen, damit die Priester, die dort das heilige Messopfer feiern – es soll mehrmals am Tag an diesem Altar dargebracht werden –, alle Anliegen der lebenden und verstorbenen Wohltäter einschließen, eingedenk des Buches der Auserwählten, von dem im fünften Kapitel der Geheimen Offenbarung die Rede ist.

            Wir wünschen, dass die Wohltäter und Freunde die Seminaristen ihres Landes in geistiger und materieller Hinsicht in der Hoffnung unterstützen, dass diese in ihre Heimat zurückkehren können und dort dann die wahre Erneuerung in Angriff nehmen. Diese kann aber nur von einem lebendigen Glauben ausgehen, der aus jenen Gnadenquellen schöpft, die Kalvaria hervorbrechen ließ und die seither nie mehr versiegt sind.

            Wir sehen uns verpflichtet festzustellen, dass die lutherischen Reformen und die Irrlehren, die ihnen zugrunde lagen, immer mehr ins Innere der Kirche eindringen und hinfort das Denken und Handeln zahlreicher Bischöfe, Priester und Gläubigen bestimmen. Gegenüber diesem Neuprotestantismus, dem Zerstörer der Kirche und „wahren Rauch Satans“, sind wir mehr denn je entschlossen, den katholischen und römischen Glauben zu bekennen, wie er in den Glaubensbekenntnissen niedergelegt ist und wie er im Antimodernisteneid zum Ausdruck kommt. Mit Entschlossenheit stützen wir uns auf den Katechismus des Konzils von Trient. Wir weisen einen Ökumenismus zurück, der unseren Glauben und unsere heilige Religion verrät, der die Kirche mit den Irrtümern der Welt und den protestantischen Häresien vereinigen will.

            Angesichts dieses Aufgebens, dieser Kompromisse hoffen wir auf Ihr Gebet und auf Ihre Unterstützung bei der Heranbildung unserer zukünftigen Ordensmänner und Ordensfrauen in der völlig authentischen Tradition der Kirche, wie auch Sie es ja wünschen.

            Wir setzen unsere Hoffnung auf Jesus, Maria und Joseph, die uns inmitten von Widerständen und Prüfungen auch weiterhin segnen werden.

            „Potius mori quam foedari“ – lieber sterben als zum Verräter werden.