Erzbischof Marcel Lefebvre: Die Taufe

07 November, 2019
Quelle: Distrikt Deutschland

In seinem „Geistlichen Wegweiser“, einem für die Seminaristen der Priesterbruderschaft geschriebenen Büchlein, gibt Erzbischof Marcel Lefebvre eine eindringliche Mahnung, über die Erhabenheit der Taufe nachzudenken:

„Hier scheint es mir angebracht, nachdem wir kurz den Sinn der Sakramente gestreift haben, darauf hinzuweisen, wie groß die Bedeutung ist, die Unser Herr der Taufe mit dem Wasser und dem Heiligen Geist zugedacht hat. Denn mit dieser Taufe will Unser Herr das neue Volk Gottes bilden, das für das gelobte Land, für das Ewige Leben bestimmt ist.

Die Tatsache, dass Er von Johannes dem Täufer getauft werden wollte und dass sich die volle Bedeutung der Taufe mit Wasser und mit dem Heiligen Geist damals auf wunderbare Weise geoffenbart hat, ist innerhalb des Werkes der Erlösung absolut grundlegend.

‚In Seiner Taufe zeigt sich vereint die Allerheiligste Dreifaltigkeit, Unser Herr in Seiner menschlichen Natur, der Heilige Geist in Gestalt einer Taube und der Vater in Seiner Stimme, die sich hören ließ, um kundzutun, welches die diesem Sakrament eigene Form sein wird. Er zeigt auch dessen Wirkung dadurch, daß sich die Himmel über Seinem Haupte öffneten, denn es sollte durch Seine Taufe sein, daß der Himmel für uns selbst wieder geöffnet werde kraft der Taufe durch das Blut, bei der Er die Sünde der Welt in Seiner eigenen Person abwaschen wird.‘ (IIIa q.39a 1-8)

So zeigt sich die alles umfassende Kraft des Kreuzes. Und durch die Einprägung des Taufcharakters in die Seele wird diese fähig, in der Kirche an den Wirkungen des Priestertums Unseres Herrn teilzuhaben — aber nicht fähig, die hierarchischen Akte zu setzen, die in die Zuständigkeit dieses Priestertums fallen.

Jene, die die Gnade der Taufe empfangen haben und dadurch für immer deren unauslöschlichen Charakter tragen, übertreffen in dem Maß, als sie ihrer Taufgnade treu bleiben, an Würde und Auszeichnung alle in ihrer bloßen Natur belassenen Geschöpfe.

Unser Herr wollte, dass uns Seine Unterredung mit Nikodemus im Evangelium des hl. Johannes überliefert werde. Seine Worte sind klar: ‚Wahrlich, wahrlich, Ich sage dir, wenn jemand nicht von neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. Wenn jemand nicht wiedergeboren wird aus dem Wasser und dem Heiligen Geist, so kann er in das Reich Gottes nicht eingehen!‘ (Jo 3,3,5)

Das war auch der Befehl, den Unser Herr vor Seiner Himmelfahrt feierlich erteilte, als Er die Apostel auf Mission sandte: ‚Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Gehet also hin und lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.‘ (Mt 28, 18,19)

Das ist jene gültige und den Taufcharakter verleihende Wassertaufe, welche die Person zum rechtsgültigen Mitglied der Kirche macht mit seinen Rechten und Pflichten, selbst wenn diese Taufe nicht die heiligmachende Gnade verleiht, das heißt, wenn sie nicht fruchtbar ist, was bei den Protestanten der Fall ist, sofern ihre Taufe gültig ist. Da sie nicht den wahren Glauben haben, können sie nicht die Gnade empfangen, aber sie empfangen den Taufcharakter, der die Gnade aufleben lässt, wenn sie ihrer Häresie abschwören.

Es gibt heute in der Kirche eine Unterweisung voll von Irrtümern, wenn nicht Häresien, hinsichtlich der Sakramente, besonders desjenigen der Taufe. Es ist sehr wichtig, die Lehre der Kirche über diesen Gegenstand in Erinnerung zu bringen. Der neue Taufritus ist von diesen Irrtümern beeinflusst worden, besonders hinsichtlich dessen, was die Wirkungen der Taufe betrifft. Die wahre Lehre über die Taufe entspricht sehr genau dem missionarischen Geist, den Unser Herr Seinen Aposteln eingehaucht hat. Die sichtbare Ausgießung des Heiligen Geistes auf die Getauften zu Beginn der Glaubensverkündigung bestätigt die grundlegende Wichtigkeit der Taufe. Noch heute erkennen die Missionäre in den heidnischen Ländern die Getauften an ihren entspannten, offenen, vertrauensvollen Gesichtern, während die Heiden die Angst, die Unterwürfigkeit, das Misstrauen auf dem Gesicht tragen.

Das Blut Jesu, in dem die Christen getauft worden sind, ruft sie von da an, sich jeden Sonntag mit dem Opfer Jesu zu vereinen und so den wichtigsten Akt der Tugend der Religion zu vollbringen vereint mit Unserem Herrn und Seinem ganzen Mystischen Leib zur Verherrlichung der Allerheiligsten Dreifaltigkeit.“

 

Aus dem "Geistlichen Wegweiser"