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Erzbischof Marcel Lefebvre: Den Glauben unserer Väter übermitteln

22. Juni, 2018

Im Jahr 1976 hielt Erzbischof Marcel Lefebvre vor zehntausend Gläubigen eine Predigt in Friedrichshafen. Er ging auf einen Vorwurf ein, der immer wieder gegen die Bruderschaft erhoben wird.

Man klagt uns auch an, dass wir den katholischen Glauben nicht richtig verstünden und ihn als etwas Statisches betrachten, etwas Verkalktes, und dass wir noch beim Glauben des Mittelalters stehen geblieben sind. Nun, wir glauben tatsächlich, dass unser Glaube auf der Offenbarung beruht, die uns durch die Apostel zuteilwurde, dass die Offenbarung mit dem Tod des letzten Apostels beendet war und dass es die Aufgabe des Papstes, die Aufgabe der Bischöfe ist, uns diese Offenbarung zu überliefern, uns dieses ihnen anvertraute Glaubensgut zu überliefern. Das sagt das Erste Vatikanische Konzil: „Die Aufgabe des Heiligen Vaters ist nicht, uns neue Wahrheiten zu geben, sondern uns das anvertraute Glaubensgut getreulich und genau zu überliefern.“ Das sind die Worte des Papstes Pius IX. in seiner Konstitution „Pastor aeternus“, in der er die Unfehlbarkeit des Papstes definiert. Folglich steht alles in der Kirche im Dienste des Glaubens, wie man ihn immer bekannt hat. Alles in der Kirche, das Recht, die Rechtsprechung, die Gewalt der Bischöfe, die Autorität des Papstes und der Bischöfe, steht im Dienste unseres katholischen Glaubens. Und wenn sie diese Aufgabe nicht erfüllen, wenn sie uns, statt uns wirklich die katholische Lehre zu überliefern, eine Lehre überliefern, die nicht mehr die katholische Lehre ist, die eine modernistische Lehre ist, eine liberale Lehre, dann erfüllen sie nicht ihre Pflicht und sind nicht wirkliche Hirten. Und darum flehen wir Rom an, darum flehen wir die Kardinäle, die in Rom sind, an, darum flehen wir die Bischöfe von allen Diözesen an, uns wahrhaft den Glauben aller Zeiten zu überliefern, den Glauben unserer Väter, den Glauben der Apostel, den Glauben aller, die schon tot sind, die ihr Blut vergossen haben, um diesen Glauben zu verteidigen.

Man beschuldigt uns, rechts zu stehen, man beschuldigt uns, extrem rechts zu stehen, man beschuldigt uns, von den Vereinigten Staaten oder von Organisationen, die extrem rechtsgerichtet sind, Geld zu bekommen. Man beschuldigt uns aller möglichen Dinge, man möchte uns vorwerfen, dass wir Personenkult treiben, dass ich selbst mich hervorzutun trachte, um als der große Führer aller Katholiken zu gelten. So viel unwahre Behauptungen, absolut unwahre, absolut unrichtige! Aber ich glaube, dass unsere Gegner, jene, die mit unserem Kampf für den Glauben nicht einverstanden sind, versuchen, die Aufmerksamkeit von dem wirklichen Problem abzulenken, und sich große Mühe geben, die Leute glauben zu machen, dass wir andere Absichten hätten, als den Glauben zu verteidigen. Aber wir haben kein anderes Ziel, wir haben keine andere Absicht als die, den katholischen Glauben zu erhalten, und daher wollen wir, um unseren katholischen Glauben zu erhalten, das katholische Priestertum erhalten. Darum betreibe ich das Seminar, um das katholische Priestertum zu erhalten. Warum das katholische Priestertum erhalten? Um die katholische Messe zu erhalten, um das Königtum Unseres Herrn Jesus Christus zu erhalten. Wir glauben, dass sich das Königtum Unseres Herrn Jesus Christus, die Herrschaft über die Familien, die Herrschaft über den Einzelnen nur durch die wahre Messe, die authentische Messe, wie sie während zweitausend Jahren in der Kirche gelesen wird, verwirklichen kann. Darum verlangen wir und wollen wir das katholische Priestertum und die katholische Messe aller Zeiten erhalten, damit Unser Herr Jesus Christus über unsere Familien, über jeden Einzelnen von uns und über unsere ganze Gesellschaft herrsche.

Friedrichshafen, am 25. Oktober 1976