Eine tröstliche Wahrheit – eine Meditation zum Dreikönigsfest

05. Januar 2024
Quelle: Distrikt Deutschland

Dom Columba Marmion

Dom Columba Marmion (1858–1923), dieser irisch-belgische Benediktinerabt, den die Kirche als Seligen proklamiert hat, war Erzbischof Marcel Lefebvre (1905–1991) als geistlicher Autor teuer. Prüfte er doch als junger Mann eine Berufung, in die Abtei Maredsous – das Kloster Dom Marmions – einzutreten. Die Vorsehung fügte es damals anders.

Dom Marmion blieb für den Erzbischof eine Referenz in seinen geistlichen Vorträgen für die Seminaristen von Ecône, teilten doch beide Gottesmänner die tiefe Liebe zur Römischen Liturgie. Deshalb sei er erlaubt, den Lesern des Mitteilungsblattes eine kurze Meditation des Benediktiners zum Epiphanie-Fest vorzuschlagen, die eine wichtige Wahrheit für das christliche Leben enthält. 

Das Evangelium sagt uns, dass die Weisen „Geschenke darbrachten, Gold, Weihrauch und Myrrhen“ (Mt 2,11) Augenscheinlich wollten die Weisen durch diese Gaben den Gefühlen ihres Herzens Ausdruck verleihen und dem Kindlein huldigen, welchem sie diese Gaben darbrachten.

Wenn wir erwägen, welcher Art diese Geschenke sind, die sie schon vor ihrer Abreise vorbereitet hatten, erkennen wir, dass das göttliche Gnadenlicht den Weisen in etwa die überragende Würde dessen offenbart hatte, den sie zu sehen und anzubeten verlangten.

Durch diese Gaben wird gleicherweise die Art der Pflichten gekennzeichnet, welche die Weisen dem neugeborenen König der Juden gegenüber erfüllen wollten. Die sinnbildliche Bedeutung der Gaben bezieht sich also sowohl auf den Empfänger wie auch auf diejenigen, welche dieselben darbringen.

Gold, das edelste aller Metalle, ist das Sinnbild königlicher Macht, deutet aber zugleich auch auf die Liebe und Treue hin, die ein jeder seinem Fürsten schuldet.

Im Weihrauch erkennt man allgemein das Symbol göttlicher Verehrung, er wird nur Gott allein dargebracht. Mit diesem Geschenk deuten also die Weisen an, dass sie die Gottheit dessen verkünden wollen, der ihnen seine Geburt durch einen Stern kundgetan, und dass sie zugleich ihm die Anbetung darbringen, die nur Gott allein gebührt.

Endlich waren die Weisen auch innerlich angeregt worden, dem Kindlein Myrrhe zu opfern. Was sollte diese Myrrhe bedeuten, die man dazu verwendete, Wunden zu verbinden und Tote zu salben? Diese Gabe sollte besagen, dass Christus als Mensch leiden könne und einmal sterben werde. Die Myrrhe versinnbildet auch jene Buße und Opfergesinnung, die das Kennzeichen aller Jünger des Gekreuzigten sein soll.

So hatte die Gnade den Weisen eingegeben, demjenigen, den sie suchten, Geschenke darzubringen. Das gilt auch für uns. „Auch wir, die den Bericht des Evangeliums von den Weisen hören und lesen“, sagt der hl. Ambrosius (In Lucam 2,44), „auch wir sollen aus unseren Schätzen schöpfen und ähnliche Gaben darbringen.“ Jedes Mal, wenn wir dem Heiland nahen, sollen wir wie die Weisen ihm Geschenke bringen, auserwählte Geschenke, wie sie nur dessen würdig sind, dem sie dargebracht werden.

Das ist allerdings wohl war: Wir haben weder Gold noch Weihrauch noch Myrrhen. Aber wir haben Besseres, wir haben weit herrlichere Gaben und zwar die einzigen, die Christus, unser Erlöser und unser König, von uns erwartet.

Ist es nicht in Wahrheit Gold, das wir ihm opfern, wenn wir durch ein Leben der Liebe und treuen Beobachtung seiner Gebote ihn als den König unserer Herzen bekennen? Opfern wir ihm nicht Weihrauch, wenn wir an seine Gottheit glauben und durch unsere Anbetung und unsere Gebete ihr huldigen? Bringen wir ihm nicht duftende Myrrhe dar, wenn wir unsere Erniedrigungen und Leiden, unsere Seufzer und Tränen demütig mit den seinen vereinigen? Und sind wir auch aus uns selbst unvermögend, ihm Gaben zu bringen, so dürfen wir nur den Herrn bitten, dass er uns Schätze verleihe, wie sie ihm gefallen. Er besitzt ihrer im Überfluss, um uns damit zu bereichern.

Das hat der göttliche Heiland selbst einst am Fest der Erscheinung der hl. Mechthildis geoffenbart, nachdem sie soeben die hl. Kommunion empfangen hatte. „Nimm hin“, so sprach er, „das Gold meiner göttlichen Liebe, nimm den Weihrauch meiner Heiligkeit und Andacht und die Myrrhen meines bitteren Leidens. Ich schenke sie dir ganz und gar, so dass du sie mir zurückgeben kannst als dein eigenstes Hab und Gut.“ (Buch der besonderen Gnade, I,8).

Diese so ungemein tröstliche Wahrheit sollten wir nie außer Acht lassen. Die Gnade der Gotteskindschaft, die uns zu Brüdern Christi und zu lebendigen Gliedern seines Leibes macht, verleiht uns gleichzeitig auch das Recht, uns seine Reichtümer anzueignen, so dass wir sie ihm und seinem Vater gegenüber für uns geltend machen dürfen. Der hl. Paulus sagt: „Ihr kennt ja die Gnade unseres Herrn Jesus Christus. Obschon reich, ist er euretwegen arm geworden, damit ihr durch seine Armut reich werdet.“ (2. Kol, 8,9). Der Heiland selbst ist der Ersatz für unsere Mängel, er ist unser Reichtum, unsere Danksagung. Er umschließt in sich in ganz überragender Weise das, was die Gaben der Weisen versinnbildlichen. Er verwirklicht in seiner Person auf vollkommenste Weise deren Bedeutung.

Darum können wir dem Ewigen Vater zum Dank für das unschätzbare Gut des Glaubens nichts Bessere und ihm Wohlgefälligeres darbringen als seinen eingeborenen Sohn selbst. Gott hat uns seinen Sohn gegeben. Nach Jesu eigenen Worten konnte der unendliche Gott seine Liebe nicht deutlicher kundtun. „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn dahingegeben hat.“ (Joh 3,16) Und der hl. Paulus schreibt: „Wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?“ (Röm 8,23)

Für dieses unendliche Geschenk schulden wir Gott aber auch ganz besondere Danksagung. Die einzig Gottes würdige Gegengabe ist Jesus Christus, sein Sohn. Wenn wir ihn aufopfern, geben wir Gott zurück, was er uns gab. „Wir bringen der göttlichen Majestät ein würdiges Opfer dar von ihren eigenen Gaben und Geschenken.“ (Stillgebet am Fest der Erscheinung).