Distriktnotizen: Pater Stefan Pfluger berichtet von Ereignissen im deutschen Distrikt

25 Oktober, 2019
Quelle: Distrikt Deutschland

Der deutsche Distriktobere der Priesterbruderschaft St. Pius X., Pater Stefan Pfluger, veröffentlicht in unregelmäßigen Abständen kurze Aufzeichnungen von seiner Arbeit und von Ereignissen im deutschen Distrikt. Lesen Sie hier die „Distriktnotizen“ für die Monate August und September 2019.

18. August 2019

Seit dem 15. August bin ich der Obere für den deutschen Distrikt. Meine erste Sonntagsmesse in Deutschland darf ich im Priorat St. Bonifatius in Essen feiern. Dort vertrete ich Herrn Pater Markus Niederberger, der seinerseits aus Anlass seines silbernen Priesterjubiläums bei der Schweizer Nationalwallfahrt ein feierliches Hochamt hält. Am Nachmittag kann ich am Grab des heiligen Ludger beten und die wunderschöne Basilika in Essen-Werden in Augenschein nehmen. Ein kleiner Spaziergang führt zur ältesten Pfarrkirche nördlich der Alpen. Dort steht eine wunderschöne gotische Muttergottesstatue.

Am Montag habe ich Gelegenheit, ausführlich mit den Mitbrüdern des Priorates zu sprechen und sie kennenzulernen. Die Priester und Brüder des Distrikts mit ihren Anliegen und Sorgen möglichst gut zu kennen, ist für mich das wichtigste Anliegen in meinem ersten Amtsjahr. Nur wenn ich ihre Verhältnisse kenne, werde ich sie wirksam in ihrer Aufgabe unterstützen können.

Die Räumlichkeiten des Priorats Essen sind in einem Zustand, der eine baldige Renovation notwendig macht. Die notwendigen Arbeiten sollten im Lauf des nächsten Jahres verwirklicht werden können.

22. August 2019

Nach einem kurzen Besuch im Sankt-Theresien-Gymnasium in Schönenberg und in der Schule St. Albert in Bröleck lerne ich nun das Priorat St. Judas Thaddäus in Kleinwallstadt kennen, kann mit den Mitbrüdern sprechen und beim gemeinsamen Spaziergang ein kleines Stück des schönen Spessart kennenlernen.

26. August 2019

Kaum in Deutschland angekommen, ziehe ich mich für fünf Tage in unser Exerzitienhaus Porta Caeli im Schwarzwald zurück, um mich den Geistlichen Übungen des hl. Ignatius zu unterwerfen. Es ist für uns Priester nicht nur nützlich, sondern auch von unseren Statuten vorgeschrieben, jedes Jahr Exerzitien zu machen. Es sind Gnadentage. Wie könnte ich mein Amt besser beginnen, als mit einer Woche in Gottverbundenheit und im Gebet?

7. und 8. September 2019

Zum ersten Mal kann ich an der großen nationalen Wallfahrt nach Fulda teilnehmen. Sie beginnt mit einer aufrüttelnden Ansprache von Dr. Florian Amselgruber. Die großartige Prozession durch die Bonifatiusstadt mit etwa 600 Gläubigen führt uns auf den Petersberg und von dort auf den Frauenberg, wo wir in der Kirche mit Gesang und Gebet die Muttergottes verehren. Alles ist bestens organisiert. Ein großer Dank auch an unsere Ordensbrüder, die jedes Jahr aus dem Festsaal ein Haus des Gebetes machen. Die Akustik lässt nichts zu wünschen übrig und die Jugendlichen der KJB tragen tapfer die schwere Fatima-Statue durch die Straßen der Stadt. Auch wenn es bergauf geht, singen sie trotz ihrer schweren Last kräftig mit. (Ich könnte das nicht!)

Es ist sehr erbaulich zu sehen, wie viele Gläubige das Bußsakrament empfangen. Die langen Schlangen vor den Beichtstühlen zeugen von der Liebe zum Herrn. Wir erneuern die Weihe Deutschlands, jetzt müssen wir traditionstreue Katholiken sie leben!

Nicht ohne eine gewisse Nervosität beginne ich am Sonntag das feierliche Hochamt. Die vielen Gläubigen – der Saal der Orangerie ist ganz voll – wollen hören, was der neue Distriktobere zu sagen hat. Inhalt der Predigt ist die Wichtigkeit der aktiven Mitfeier der heiligen Messe und die Verbindung des Opfers auf dem Altar zum Alltag des einzelnen Katholiken.

22. September

Nach zwei Wochen in Stuttgart mit vielen notwendigen Sitzungen und Besprechungen, die mir viele neue Aspekte unseres Distrikts vor Augen geführt haben, bin ich heute im Priorat St. Michael in Rheinhausen, wo ich am Sonntag das Amt halte und den Gläubigen begegnen darf. Am Montag kann ich mir die Zeit nehmen für die Mitbrüder und für die Oberin der Dominikanerinnen, die an der dortigen Schule St. Dominikus sehr segensreich wirken.

24. September

In Weihungszell in unserem Priorat St. Christophorus findet das erste Priestertreffen in meiner Amtszeit statt, bei dem sich die Mitbrüder aus den Prioraten Süddeutschlands treffen. Leider gibt es auf dem Weg dorthin Staus und eine Straßensperrung, sodass wir 40 Minuten zu spät ankommen. „Das fängt ja gut an“, denke ich mir. Die Verspätung hat aber keinen negativen Einfluss, das Treffen verläuft sehr ruhig und in herzlicher Atmosphäre. Am folgenden Tag lerne ich das große und schöne Werk des Seniorenheims St. Josef kennen, aber auch die gewaltigen Sorgen seines Leiters. Es herrscht ein großer Mangel an ausgebildetem Pflegepersonal. Wenn nur schon fünf junge Menschen mit der entsprechenden Ausbildung ein Jahr (oder vielleicht noch ein zweites) für diesen so kostbaren Dienst der christlichen Nächstenliebe investieren würden, wäre das schon eine gewaltige Erleichterung für das Seniorenheim – und eine wertvolle Erfahrung für die Betreffenden. Auch hier sind die Mitbrüder dankbar, dem neuen Oberen ihre Situation und ihre Anliegen zu schildern.

28. September

Das Theresienfest in Schönenberg zieht viele Gäste an und lässt die Schülerinnen ihre großartigen Talente frei entfalten, sei es musikalisch während der Messe oder des Festakts, sei es schauspielerisch bei der Aufführung des Theaterstücks „Das Leben – ein Traum“ von Calderón de la Barca (1600–1681). Glückliche Kindergesichter, zufriedene und staunende Eltern – es tut gut, dies zu sehen.

Am Sonntag feiern wir den hl. Erzengel Michael, den Patron nicht nur Deutschlands, sondern (das wird in Schönenberg nicht vergessen) auch Sr. Michaelas. Ein paar Darbietungen und Geschenke vor dem Mittagessen würdigen die Verdienste der Schwester Michaela und beweisen die Dankbarkeit der Schülerinnen.

1. Oktober

Nachdem mich ein kleiner Umweg nach Bonn ins dortige Priorat Christkönig geführt hat, bin ich heute in Kleinwallstadt für das Priestertreffen der Priester aus Mittel- und Norddeutschland. An guter Stimmung und angeregter Unterhaltung steht dieses Treffen dem vor einer Woche in nichts nach.