Distriktnotizen: Ereignisse im deutschen Distrikt im Dezember 2019

17 Januar, 2020
Quelle: Distrikt Deutschland

Der deutsche Distriktobere der Priesterbruderschaft St. Pius X., Pater Stefan Pfluger, veröffentlicht in unregelmäßigen Abständen kurze Aufzeichnungen von seiner Arbeit und von Ereignissen im deutschen Distrikt. Lesen Sie hier die „Distriktnotizen“ für den Monat Dezember 2019.

27. November bis 1. Dezember

Für die letzten Tage des Kirchenjahres bin ich vom Distriktsitz und der Verwaltung abwesend. Zu den Pflichten des Distriktoberen gehört das Reisen. Dabei komme ich durch ein paar Bundesländer. Mehrere Termine in Nordrhein-Westfalen und in Hessen stehen an. Das neue Kirchenjahr schließlich beginne ich in Bayern, in dessen nordwestlichster Ecke wir das Priorat Sankt Judas Thaddäus in Kleinwallstadt haben. Genaugenommen müsste man nicht von Bayern, sondern von Franken sprechen, wird mir gesagt. Die herrliche Barockkirche unseres Priorates lädt zum Beten ein.

5. Dezember

Einmal monatlich gibt es in vielen Prioraten einen Einkehrtag. In St. Athanasius in Stuttgart ist das an jedem ersten Donnerstag, dem Priesterdonnerstag, der Fall. An jedem ersten Donnerstag im Monat, dem Priesterdonnerstag, gibt es in den meisten Prioraten einen Einkehrtag – auch in St. Athanasius in Stuttgart. Die Patres und Ordensbrüder verbringen einen Tag in Schweigen und Zurückgezogenheit. Erst am späten Nachmittag wird die Arbeit wieder aufgenommen. Der Reihe nach hält jeweils einer der Priester zwei Vorträge, die „Punkte“ zur Meditation geben oder zum tieferen Nachdenken anregen. Dabei werden die Heilige Schrift ausgelegt, heiligmäßige Personen als Vorbilder vor Augen gestellt oder ein Aspekt des geistlichen Lebens beleuchtet.

Einkehrtage sind kein Luxus. Es ist nämlich absolut notwendig, dass der Priester im Getriebe des Apostolats das innere Gebet nicht vernachlässigt. Dazu tragen solche regelmäßigen Tage der Rechenschaft über die priesterlichen Standespflichten viel bei. Das innere Gebet ist das wesentliche Apostolat! Wenn es fehlt, wird der Priester vielleicht viel organisieren, aber nicht in die Tiefe wirken, weil Gott nur in dem Maße die Gnaden fließen lässt, als der Priester mit ihm verbunden ist. Das Gebetsleben ist der Schlüssel zur Heiligkeit und diese ist wiederum Voraussetzung eines fruchtbaren Wirkens. Der hl. Pius X. lehrt das in aller Deutlichkeit in seinem Mahnschreiben „Haerent Animo“:

„Es gibt in Wirklichkeit nur eines, was den Menschen mit Gott verbindet, nur eines, was ihn gottgefällig und zum Gehilfen seiner Barmherzigkeit macht, sodass er vor ihm einigermaßen zu bestehen vermag: ein heiliger Lebenswandel. Wenn diese Heiligkeit … dem Priester mangelt, so fehlt ihm alles. (…) Ein wahrhaft heiligmäßiger Priester hingegen, selbst der allergeringste, ist imstande, zahllose und erstaunliche Werke zu unternehmen und zu vollbringen für das Heil des Gottesvolkes. (…) Tatsächlich besteht zwischen Gebet und Heiligkeit eine so enge Wechselbeziehung, dass das eine ohne das andere unmöglich ist. (…) Halten wir also am unerschütterlichen Grundsatz fest: um seiner hohen Würde und seiner Berufspflicht gerecht zu werden, muss der Priester das Gebetsleben mit außergewöhnlicher Hingabe pflegen. (…) Kein Priester kann sich dieser Pflicht entziehen, ohne den Vorwurf einer schweren Vernachlässigung auf sich zu laden und an seiner Seele Schaden zu leiden.“

8. Dezember

Ein Pater aus unserem Distrikt legt das ewige Treueversprechen in der Priesterbruderschaft ab. Dass es sich dabei um meinen leiblichen Bruder Pater Markus Ignatius Pfluger handelt, macht es für mich nur umso schöner, denn als Distriktoberer darf ich das endgültige Versprechen entgegennehmen. Deshalb verbringe ich den großen Festtag der Unbefleckten Empfängnis in der Kapelle von Hattersheim.

Die von Erzbischof Lefebvre vorgesehene Formel, mit welcher das Versprechen abgelegt wird, ist sehr tiefsinnig und bringt die Verbindung von Priester und Gläubigen schön zum Ausdruck, weshalb ich einen Auszug zitieren möchte: „Nimm mich auf mit dieser heiligen Opfergabe Deines kostbaren Leibes, die ich täglich in der Gegenwart der unsichtbar anwesenden Engel darbringe, damit sie mir und Deinem ganzen Volk zum Heile gereiche. (…) Ich opfere Dir auf die Nöte der Verwandten, Freunde, Brüder, Schwestern und aller meiner Lieben und jener, welche um Deiner Liebe willen Wohltätigkeit üben.

25. Dezember

„Puer natus est nobis. Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Auf seinen Schultern ruht die Herrschaft; man nennt ihn: Bote des großen Rates.“ Dies ist der Introitus der dritten Messe von Weihnachten. Ich darf die drei Messen des Geburtsfests unseres Heilandes in der wunderschön geschmückten Kirche Mariä Himmelfahrt in Stuttgart feiern.

Wir können nur staunen über die Herablassung, Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes. Machen wir es wie die Hirten an der Krippe: Mit einem einfachen, gläubigen Herzen und staunender Freude betrachten sie dieses Kind. Es liegt klein und hilflos in der Krippe – und doch ist es der allmächtige Gott. Die Hand scheint so klein und schwach – und richtet doch in diesem Augenblick die gerade Verstorbenen. Seine Augen scheinen nicht anders zu sein als die jedes Kleinkindes – und doch sehen sie alles. Sein Verstand drückt sich noch nicht in Worten aus – und doch ist er allwissend.