Die Bedeutung der Weihe Deutschlands an das Unbefleckte Herz Mariens

07. August 2021
Quelle: FSSPX Spirituality
Dem Oberhirten der Erzdiözese Köln ist es vor allem zu verdanken, dass es 1954 zur Deutschlandweihe gekommen ist

Von Pater Andreas Mählmann

Am 4. September 2021 werden wir in allen Kirchen und Kapellen des deutschen Distrikts die Weihe Deutschlands an das Unbefleckte Herz Mariens erneuern. Diese Weihe wurde erstmals im Marianischen Jahr 1954 am selben Tag von den deutschen Bischöfen vorgenommen. Bei unserer Weiheerneuerung handelt es sich um den Höhepunkt und Abschluss des Gebetssturms, zu dem unser Distriktoberer aufgerufen hat angesichts der unheilvollen Entwicklungen in Kirche und Gesellschaft weltweit. Die Intentionen des Gebetssturms und der Weiheerneuerung decken sich, wie im Folgenden gezeigt werden soll, im Wesentlichen mit den Anliegen, die schon 1954 mit dieser Weihe verbunden wurden. Die Aktion basiert auf dem Glauben an die Gnadenmittlerschaft Mariens und auf der Wahrheit, dass für öffentliche Sünden auch öffentlich Sühne geleistet werden muss. Im Geiste von Fatima verbinden wir dieses Bemühen mit dem Vertrauen darauf, dass uns das Unbefleckte Herz Mariens vom Himmel als Rettungsmittel gegeben wurde (vgl. dazu die Ausführungen im MB Juni 2021, Die Bedeutung des Unbefleckten Herzens Mariens für die Rettung der Welt).

1. Wie kam es 1954 zur Weihe Deutschlands an das Unbefleckte Herz Mariens?

Dieser Marianische Aufbruch, den die Welt in der Nachkriegszeit erlebte, wurde von Papst Pius XII. auch dadurch angestoßen, dass er bemüht war, die Bitten Unserer Lieben Frau von Fatima zu erfüllen. Die Botschaft der Himmelskönigin hatte der Kardinalpatriarch von Lissabon, Manuel Kardinal Cerejeira, mit den wenigen Worten zusammengefasst: „Fatima ist die Offenbarung des Unbefleckten Herzens Mariens für die Rettung der Welt von heute.“ Dementsprechend handelte der Papst und weihte mitten im Krieg die ganze Welt dem Unbefleckten Herzen Mariens; in den Folgejahren folgten viele Länder und Diözesen seinem Beispiel. Stellvertretend für über 30 Nationen seien genannt: Frankreich 1940, die Niederlande und Belgien 1943, Polen 1946, Österreich 1947, 1948 Brasilien, Argentinien, Australien und England, 1954 Deutschland, 1959 die Vereinigten Staaten, 1960 die Schweiz.

Millionen von Katholiken nahmen, dem Beispiel des Papstes folgend, ihre Zuflucht zum Unbefleckten Herzen Mariens, um so entscheidende Gnaden von der Muttergottes zu erlangen.

Das Marianische Jahr, das Papst Pius XII. für 1954 ausrief, um die Dogmatisierung der Unbefleckten Empfängnis Mariens, die 100 Jahre zuvor erfolgt war, zu würdigen, löste weltweit eine heilige Begeisterung und einen Sturm der Verehrung für die allerseligste Jungfrau Maria aus.

 Auch Deutschland wurde von dieser Bewegung ergriffen: Auf Anregung der Blauen Armee Mariens hat die Marianische Arbeitsgemeinschaft Deutschlands am 23. Januar 1954 eine Bittschrift für die Landesweihe an die deutschen Bischöfe gerichtet. In ihr baten sie darum, dass „im Nachvollzug der Weltweihe“ von Papst Pius XII. auch „Gesamtdeutschland dem Unbefleckten Herzen Mariens geweiht“ werde.

2. Welche Erwartung hatten die Katholiken damals an die Weihe?

Die Klarheit, mit der sie ihre Hoffnung formulierten, mag heute erstaunen, ist uns aber zugleich auch Ansporn:

„Nichts Geringeres als die Erneuerung Deutschlands im Glauben, die Rückkehr der getrennten Christen zur Kirche, die Überwindung des gottlosen Kommunismus, der Friede der Völker und die Freiheit der Kirche, die Bekehrung Russlands und die Wiedervereinigung des geteilten Deutschlands sollen die Früchte dieser Weihe sein“ (aus der erwähnten Bittschrift).

Wie kam es, dass die deutschen Bischöfe tatsächlich dieser Bitte entsprachen? Pfarrer Andreas Johannes Fuhs, der europäische Direktor der Blauen Armee, sagte, dies sei „zuallererst dem Oberhirten der Erzdiözese Köln, Seiner Eminenz Kardinal Dr. Josef Frings, zu verdanken“. Er führt dann aus: „Im Jahre 1952 hatte der Kölner Kardinal an dem Eucharistischen Weltkongress in Barcelona teilgenommen. Von dort war er nach Portugal gereist, wo er auch Fatima einen Besuch abstattete. So war Kardinal Frings der erste deutsche Kirchenfürst, der Fatima persönlich kennengelernt hat. Ein Jahr später schrieb er: ‚An dem Feuer, das dort [in Fatima] durch Gottes Einwirkung entfacht wurde, können wir Deutsche nicht achtlos vorübergehen.‘“ Dementsprechend wohlwollend ging der Kardinal auf die Bitte zur Landesweihe ein und vollzog diese als der offizielle Vertreter des gesamten deutschen Episkopates beim Katholikentag in Fulda am 4. September 1954. Das Regensburger Bistumsblatt berichtete am 12. Sept. 1954 über dieses Ereignis:

„Stellvertretend für das gesamte katholische Deutschland weihten sich am Samstagabend, 4. September, vor dem Dom des hl. Bonifatius in Deutschland 100 000 deutsche Katholiken aus Ost und West dem makellosen Herzen der Gottesmutter Maria. Der Erzbischof von Köln, Joseph Kardinal Frings, sprach das Weihegebet vor dem jahrhundertealten Gnadenbild der Muttergottes vom Frauenberg in Fulda. [...] ‚Ihr weihen wir unsere Familien, ihrem mütterlichen Schutz empfehlen wir unser Volk, dieses Volk mit seinen Sünden und Nöten, mit seiner Hoffnung und Bereitschaft. Wende, o Gott des Erbarmens, unsere Not, lass enden die Spaltung unseres Vaterlandes, schenke uns die Einheit im Glauben, gib uns und der ganzen Welt Eintracht und Frieden.‘“

Im Anschluss erging der offizielle Aufruf, die Weihe am 8. Dezember in allen Pfarreien Deutschlands nachzuvollziehen, so dass man tatsächlich von einer Weihe sprechen kann, die von der gesamten deutschen Kirche vollzogen wurde.

Bemerkenswert ist aus heutiger Sicht vor allem die Bitte um die Einheit Deutschlands im katholischen Glauben, die mit dieser Weihe an den Himmel gerichtet wurde. Daneben wurde die Muttergottes auch um die Rückkehr der deutschen Kriegsgefangenen (30.000 Personen) aus Russland gebeten. Konrad Adenauer konnte dies im Folgejahr dann tatsächlich durch einen Moskau-Besuch erlangen; am Rosenkranzfest 1955 trafen die ersten Züge mit Rückkehrern in Deutschland ein. – Eine weitere Bitte, die Maria in diesem Gebet anempfohlen wurde, war die Überwindung der deutschen Teilung. Auch diese Gnade hat der Himmel inzwischen unserem Volk gewährt. Dürfen wir da nicht auch Vertrauen und Hoffnung hegen, dass auch die Einheit Deutschlands im katholischen Glauben die Möglichkeiten des Himmels nicht übersteigt? Was können wir heute dafür tun?

3. Der Gebetssturm

Pater Stefan Pfluger, unser Distriktoberer, hat zu einem Gebetssturm aufgerufen, der 53 Tage andauern soll, entsprechend den 53 Ave-Maria des Rosenkranzes. An der Hand der Rosenkranzkönigin von Fatima wollen wir uns gemeinsam geistlich auf Pilgerschaft begeben und durch Gebet, Buße und Anbetung den Himmel bestürmen und das Unbefleckte Herz Mariens um Rettung bitten.

Höhepunkt und krönender Abschluss des Gebetssturms wird die Erneuerung der Deutschlandweihe sein, in der wir – wie die Bischöfe und Katholiken 1954 – die Himmelskönigin um die Einheit Deutschlands im katholischen Glauben bitten. Dies beinhaltet eine Überwindung des Synodalen Wegs und des aktuell herrschenden Ökumenismus, der nicht mehr die Rückkehr der getrennten Brüder und Schwestern zur katholischen Kirche zum Ziel hat. Maria kennt keine andere Einheit aller Christen als jene in der einen Römisch-Katholischen Kirche, die ihr Sohn auf dem Felsen Petri gegründet hat.

3. Kann die Deutschlandweihe etwas bewirken?

Die Weihe Deutschlands an das Unbefleckte Herz Mariens – und ebenso ihre Erneuerung – bringt so lange Segen, wie es Katholiken gibt, denen sie wertvoll ist Eine Mahnung des Amtsblattes der Diözese Fulda im Zusammenhang mit der Weihe 1954 hat auch für uns heute noch Gültigkeit:

„Wert und Bedeutung dieser Marienweihe hängen davon ab, inwieweit sie von dem einzelnen Katholiken lebendig und innerlich mitvollzogen wird. Aus diesem Grunde sollen die Gläubigen nach entsprechender pastoraler Vorbereitung die Marienweihe persönlich und unmittelbar in ihren Pfarrgemeinden am Feste der Unbefleckten Empfängnis Mariens oder, wo dies an diesem Tage nicht möglich ist, am vorausgehenden Sonntag vornehmen ...“

Auch für uns ist es wichtig, die Erneuerung der Weihe Deutschlands an das Unbefleckte Herz Mariens, die am Sonntag, 5. September 2021, in allen unseren Kirchen und Kapellen vollzogen werden soll, entsprechend geistlich vorzubereiten. Dazu kann der Gebetssturm wesentlich beitragen!

4. Die Sühne ist entscheidend!

Schwester Luzia, das älteste der drei Seherkinder von Fatima und spätere Ordensfrau im Karmelkloster von Coimbra, verfasste das Buch „Aufrufe der Botschaft von Fatima“, in dem sie die Botschaft Unserer Lieben Frau spirituell für das geistliche Leben auswertet. Darin bestätigt sie, dass die öffentlichen Sünden der Nationen, wie sie in gottlosen und unmoralischen Gesetzen ihren Ausdruck finden, auch durch öffentliches Gebet und Buße gesühnt werden müssen, um die Strafen Gottes wirksam aufzuhalten oder abzumildern. Sie bedient sich hier eines starken Ausdrucks:

„Der Herr verlangt, öffentlich und in Gemeinschaft Buße zu tun und zugleich dabei von den Sünden Abstand zu nehmen.“

Was werden die positiven Wirkungen sein? Sie führt weiter aus: „Das ist es [öffentlich und in Gemeinschaft Buße tun], was am meisten die Glaubensgesinnung, das Vertrauen in den Seelen belebt und die Flamme der Nächstenliebe in den Herzen entzündet. Es treibt die Lauen an, schenkt den Blinden Licht und zieht die Ungläubigen an ... Es ist dies der Friede in der Kirche, der Friede zwischen den Völkern, der Familien am häuslichen Herd, der Seelenfriede.“

Der Gebetssturm des deutschen Distrikts vom 15. Juli bis zum 4. September hat genau diese Stoßrichtung: öffentlich und in Gemeinschaft Buße tun, um die öffentlichen Sünden unseres Volkes zu sühnen. Wir sind heute damit konfrontiert, dass eine unmoralische Gesetzgebung zunehmend die christlichen Grundlagen unserer Verfassung aushöhlt, vor allem das Grundrecht auf Leben und das natürliche Recht der Eltern auf Erziehung ihrer Kinder. Es handelt sich hierbei um eine Bewegung, die von Lobbyisten weltweit vorangetrieben wird. Schwester Luzia hat es Anfang der 80er Jahre in einem Brief an Kardinal Caffarra, den damaligen Präsidenten des Päpstlichen Instituts für Ehe und Familie, angekündigt:

„Der Endkampf zwischen dem Herrn und dem Reich Satans wird über die Familie und die Ehe stattfinden.“

Inmitten dieser gewaltigen Auseinandersetzung stehen wir heute! Die wesentliche Bedeutung von Ehe und Familie, von Vaterschaft und Mutterschaft werden immer mehr missachtet und mit Füßen getreten. – Wie weit wird diese Entwicklung noch gehen? Wir wissen es nicht, aber es ist überdeutlich, dass wir nicht tatenlos zusehen dürfen.

Treten Sie mit uns in den Gebetssturm für Deutschland ein:

Um Schutz und Stärkung für Familie, Vaterland und Kirche.

Der Gebetssturm beginnt am 15. Juli, dem Vortag des Skapulierfests. Das Programm finden Sie in dem beiliegenden Flyer eingehend erklärt. Eine Übersicht über die regionalen Veranstaltungen in unseren Kirchen und Kapellen ist auf unserer Internetseite www.fsspx.de eingestellt.