Die aktuelle Situation in Sri Lanka. Augenzeugenbericht

2019
Quelle: Distrikt Deutschland

Pater Fabrice Loschi, der Prior des Priorats Hl. Franz-Xaver in Negombo (Sri Lanka), informiert uns über die aktuelle Situation nach den Terrorangriffen an Ostern, die vor allem gegen Christen gerichtet waren.

Heute, am 1. Mai 2019, besuchten etwa 20 Menschen die Messe um 7:15 Uhr in unserer Kapelle, was für einen Wochentag recht gut ist und besonders angesichts der außergewöhnlichen Umstände, unter denen wir derzeit leben.

Die katholischen Kirchen sind immer noch im ganzen Land geschlossen, was für uns schwer zu verstehen ist.

Wir halten unsererseits unsere Kapelle jeden Tag offen, wobei eine Person ständig die Haustür bewacht. Die Polizei sagte mir gestern Morgen, dass wir nichts zu befürchten hätten und der Polizist sagte uns, wir sollten uns keine Sorgen machen, weil die Situation unter Kontrolle sei, nachdem die meisten Verdächtigen getötet oder verhaftet worden seien. So wäre es einfach, die Orte der Anbetung für diejenigen wieder zu öffnen, die eintreten möchten. Die übermäßige Angst verrät den furchtsamen Glauben der örtlichen Priester.

Allerdings findet die Polizei immer noch Islamisten, die Terroranschläge planen. Gestern wurde in Gampaha (50 Minuten von hier) eine Gruppe von Menschen verhaftet, die Kirchen, katholische Schulen und Busbahnhöfe angreifen wollten.

Die Polizei und die Armee gehen in alle Moscheen des Landes. Sie haben dort Sprenggürtel, Messer zum Aufschlitzen von Kehlen, Armeeuniformen, chemische Waffen und andere Gegenstände für einen allgemeinen Aufstand gefunden.

In Negombo hat sich die Situation im Stadtzentrum wieder normalisiert, die meisten Geschäfte sind wieder geöffnet. Das Touristengebiet ist immer noch verlassen, aber einige mutige Westler gehen von Zeit zu Zeit auf den Bürgersteigen spazieren, was ermutigend ist.

Das von den Angriffen betroffene Gebiet von Colombo hat keine Besucher mehr, ebenso wenig wie die Gall Face Promenade, der größte Platz der Stadt, auf dem sich alle gerne am Meer aufhalten.

Der Polizei und der Armee ist es offensichtlich gelungen, die terroristische Bedrohung zu beseitigen. Die Sicherheitswarnungen bleiben aber auf der höchsten Stufe. Eine Art Psychose scheint die Situation noch schlimmer zu machen als sie ist, besonders in der katholischen Gemeinde. Hoffen wir, dass sich das Land schnell erholt und zu einem normalen Leben zurückkehrt.