Der Kampf um die Frau

23 Juni, 2014
Quelle: Distrikt Deutschland

Eine alte Sage behauptet, daß die Schlangen, die grausamen Feinde des Menschen, die Frau stärker als den Mann hassen und darum öfter angreifen und mit ihren Bissen töten. Wenn unter einem Haufen Männer eine einzige Frau sei, so suche die Schlange diese zu vergiften.

Ist diese Anschauung naturwissenschaftlich auch nicht haltbar, auf jeden Fall hat sie einen religiösen Hintergrund. Der Teufel, welcher der Widersacher des Menschengeschlechtes ist, zeigt eine ebenso geheimnisvolle als auffallende Wut gegenüber der Frau.

Der Kampf Satans um die Frau tritt uns als eine weltgeschichtliche Tatsache schon auf dem ersten Blatt der Heiligen Schrift klar und bestimmt entgegen. Gott der Herr sprach zur Schlange: «Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weib, zwischen deinem Samen und ihrem Samen. Sie wird dir den Kopf zertreten und du wirst ihrer Ferse nachstellen» (Mos 3, 15). Der Kampf um das Weib ist unzertrennlich verbunden mit dem großen Streit im Himmel, dem Streit um den Gottmenschen. Er hat christozentrischen Charakter. Er gilt der Frau als Christusträgerin. Der Teufel will in der Frau den Gottmenschen treffen.

Dieser weltgeschichtliche Kampf Satans um die Frau ist auch der tiefste Inhalt des Rosenkranzgebetes. Rosenkranzbeten ist nicht bloß Privatsache, Rosenkranzbeten ist ein Mitmachen auf dem großen Weltkriegsschauplatz, dessen Mittelpunkt das Weib und der Drache, dessen Gegenstand die Herrschaft Christi des Königs und dessen drei Stadien der Kampf um Eva, der Kampf um Maria und der Kampf um die Mutter Kirche bilden.

Der Kampf um die Frau ist in erster Linie ein Kampf um Eva. Man kann sagen: das war Kriegslist,das war Taktik,das war psychologische Berechnung. Aber es war auch Prinzip. In dem Satan zunächst auf Eva zielt, zielt er aufs Ganze. Er sagt sich: Der Fall der Frau wird den Fall des Mannes nach sich ziehen und der Fall der Mutter den Fall ihrer Nachkommen.

Satan zielt bei seinem Kriegsplan christozentrisch. Satan denkt immer christozentrisch im feindlichen Sinn. Es ist ihm bei diesem Angriff auf die Frau letzten Endes um den tödlichen Schlag zu tun auf Den, der kommen soll. Auf Christus. Im Schatten des verbotenen Baumes soll das Schicksal seines großen Widersachers entschieden werden. Hinterrücks.

Der Kampf gegen die Frau während der ersten Jahrtausende war nur eine Fortsetzung des Verführungsplanes im Paradies und darum letzten Endes ein Kampf gegen Christus. Der Baum der Menschheit sollte durch das revolutionäre Sündengift des Weibes derart widergöttlich durchseucht werden, daß er unfähig würde, die Edelfrucht des Christkönigs zu tragen. Der Kampf gilt der Frau als der zukünftigen Christusträgerin.

Das satanisch-antichristliche Attentat auf die Frau hat einen doppelten Angriffspunkt. Die Frau soll zuerst zu Fall gebracht werden durch die Sinnlichkeit. «Das Weib sah, daß der Baum gut für das Essen und schön für die Augen sei und daß es eine Lust sei, ihn anzuschauen, und nahm von seiner Frucht und aß und gab ihrem Manne, der auch aß» (1 Mos 3, 6). So berichtet die Heilige Schrift.

Der Teufel trat in die Seele des Weibes durch das Fenster des Auges. Das Weib war kurzsichtig. Es schaute nicht in die Tiefe und Weite der Dinge. Es dachte nicht. Es ließ sich blenden durch äußeren Schein und Gefühl. Die Sinne herrschten über Verstand und Gewissen. Das ist der gewöhnliche Vorgang beim Sündenfall der Frau: das Weib findet, daß die verbotene Frucht schön sei für die Augen und gut für das Essen. Dann streckt es die Hand aus. Sinnlichkeit, der Weg zum Sündenfall der Frau .

Der andere Angriffspunkt: Satan appelliert an die Eitelkeit der Frau: Du wirst gleich einer Göttin! Eine Angebetete! Die Erste statt der Zweiten! Das schmeichelt der Frau. Die Frau ist nach göttlicher Weltordnung Gehilfin des Mannes. Die Zweite. Ihre Größe soll darin bestehen, das zu sein, was Gott will, daß sie sei. Die Mitwirkende, nicht die Führende. Das verlangt Demut.

Die Sünde Luzifers bestand darin, daß er nicht der Zweite sein will neben Christus, dem Ersten. Diese Gesinnung, mit welcher die Revolution im Himmel ihren Anfang genommen, soll nun durch die Schlange auch in die Frau hineingetragen werden. Die Frau soll im Paradies das erste Wort führen. Die Frau soll auf Erden der Mittelpunkt werden, um den sich alles dreht. Die Erste statt der Zweiten! Damit nimmt die Revolution auf Erden ihren Anfang. Ihr Ursprung aber ist luziferanisch.

Der Kampf um die Frau ist ein Kampf um Maria. Maria hat der Welt den Christkönig geschenkt, den Ersten, das Haupt der Schöpfung, der unsichtbaren wie der sichtbaren. Maria denkt ganz christozentrisch im Geiste des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. Christus der König ist ihr alles. Sie fühlt sich Ihm gegenüber im Gegensatz zu Eva immer als Zweite. Als Magd des Herrn. Sie denkt darum ganz antiluziferanisch, antirevolutionär. Sie wird dadurch die Schlangenkopfzermalmerin. Persönlich und in ihrem Sohne.

Wie Maria ganz antiluziferanisch, so ist der Teufel ganz antimarianisch. Im Kampf um die Frau ist es ihm vor allem darum zu tun, Maria zu treffen. In der Stammutter Eva sieht er Maria. In jeder Frau, in der Jungfrau namentlich, sieht er etwas von Maria. In allen Ländern, wo er herrschte, wo er noch herrscht, ist das Weib das unglücklichste Geschöpf. Eine Sklavin. Mit allen Mitteln herabgewürdigt und zertreten. Diese Verfolgung und Erniedrigung des Weibes ist satanisch im Ursprung. Aber alles das ist schließlich ein gegen Maria geführter Schlag.

«In Eva, ihrer Mutter, und in allen Frauen, ihren Schwestern, mit einer Wut verfolgt, deren Gemälde die Geschichte kaum zeichnen kann, wurde Maria auch in ihrer Person verfolgt. Was war ihr Leben von der Krippe bis zum Kreuz! Wie ihr Sohn der Mann der Schmerzen, so ist sie das Weib der Schmerzen. ‹Ihr alle, die ihr am Weg vorübergeht, betrachtet und sehet, ob ein Schmerz dem meinen gleich› (Klagelieder 1, 12). Keiner andern als ihr kommt der Titel einer Königin der Märtyrer zu.» Sie ist die vom Satan tödlich Gehaßte.

Der Kampf um die Frau ist schließlich ein Kampf um die Kirche. Die Kirche ist die mystische Frau, die Braut Christi, die Mutter der Kinder Gottes. Sie ist als geistige Mutter die fortlebende Gottesgebärerin, wie sie in ihrem Haupt der fortlebende Christus ist. Wer die Kirche nennt, nennt Christus. Wer die Kirche nennt, nennt auch Maria. Wer die Kirche haßt, haßt Christus. Wer die Kirche haßt, haßt Maria. Die satanische Kirchenverfolgung ist immer antichristlich und antimarianisch, christusfeindlich und marienfeindlich.

Die Geheime Offenbarung schildert deswegen im 12. Kapitel die Kirchenverfolgung durch Satan als Kampf des Drachen gegen das Weib. «Als der Drache sich auf die Erde hinabgestürzt sah, verfolgte er das Weib, das den Knaben geboren hatte. Die Schlange schleuderte aus ihrem Rachen dem Weibe Wasser nach wie einen Strom, um es durch die Flut wegzuschwemmen. Aber die Erde kam dem Weibe zu Hilfe. Sie öffnete ihren Mund und verschlang den Strom, den der Drache aus seinem Rachen geschleudert. Da geriet der Drache in Zorn über das Weib und ging hin, um Krieg zu führen mit dessen übrigen Nachkommen, die Gottes Gebote halten und das Zeugnis Jesu halten.»

Der Teufel haßt die Kirche, weil sie das mystische Weib ist, die Braut des Lammes und die Mutter der Brüder und Schwestern Jesu. Satan haßt das Weib.

Wir wiederholen: Es soll uns beim Rosenkranzbeten so recht zum Bewußtsein kommen, daß es ein Hinabsteigen ist auf den Kriegsschauplatz der Welt, ein Mitringen in jenem vieltausendjährigen Kampf des Weibes gegen den Drachen. Der Rosenkranz ist etwas ausgesprochen Kriegerisches, etwas Antiluziferanisches, Teufelbeschwörendes.

Wir sehen aber andererseits im Rosenkranz, welch ungeheure Macht die Frau im Weltgeschehen hat. Alles Unheil und alles Heil in der Welt beginnt mit dem Weib. Mit Eva oder mit Maria. Jede Frau ist etwas von Eva oder etwas von Maria. Cherchez la femme! Suchet das Weib!

Wenn man die Menschheit unfehlbar in den Abgrund treiben will, dann muss man nur nach luziferianischem Vorbild die Frau versinnlichen und vergöttern durch schamlose Mode und radikale Frauenrechtlerei. Umgekehrt muß man, wenn man die Menschheit retten will, die Frau retten, das heißt sie demütig und rein, marianisch machen. Die Rettung der Frau, das große Christkönigsproblem!

Aus: Robert Mäder: Maria, Goldach 1968, S. 14–18. Erhältlich im Sarto Verlag.