Das Schlussdokument der römischen Bischofssynode

18 November, 2015
Quelle: Distrikt Deutschland

Die römische Bischofssynode, an die so viele Erwartungen und Befürchtungen geknüpft waren, ist am 25. Oktober zu Ende gegangen. 

Von Pater Matthias Gaudron

Die Synode hat weder für die Kommunionspendung an die wiederverheirateten Geschiedenen plädiert noch eine positivere Haltung gegenüber der Homosexualität gefordert, wie sich das viele progressive Katholiken und Bischöfe gewünscht hätten. Andererseits hat die Synode aber auch keine klaren Worte für die katholische Wahrheit gefunden. Es ist leider wahr, was Kurienkardinal Kurt Koch gesagt hat: Es sind „keine Türen zugegangen“. Letztlich bleibt also doch wieder offen, ob man nicht trotzdem noch eine neue Praxis einführen wird.

In Bezug auf die Homosexualität fand die Synode noch relativ klare Worte und bezeichnete in der Nr. 76 die homosexuellen Verbindungen als unvereinbar mit dem Plan Gottes über die Ehe. Dort heißt es auch, es sei völlig unakzeptabel, wenn internationale Vereinigungen Druck auf arme Länder ausüben, indem sie z. B. finanzielle Hilfen an die gesetzliche Institutionalisierung der Homo-Ehe knüpfen.

Über die wiederverheirateten Geschiedenen werden in der Nr. 84 dann allerdings Aussagen gemacht, die nicht hinnehmbar sind. Ist es wirklich wahr, dass „der Heilige Geist über sie zum Wohle aller Gaben und Charismen ausschüttet“? Ist dieser Satz zur Not noch irgendwie zu retten, weil „Gaben und Charismen“ nicht notwendig den Stand der Gnade voraussetzen, so ist das bei der folgenden Aussage nicht mehr der Fall: „Sie sollen sich nicht nur nicht exkommuniziert fühlen, sondern können als lebendige Glieder der Kirche leben und reifen.“ Es ist wahr, dass die wiederverheirateten Geschiedenen – solange sie sich nicht von der Kirche trennen oder vom Glauben abfallen – nicht exkommuniziert sind. Sie bleiben also Glieder der Kirche, sind aber keine „lebendigen“ Glieder mehr, sondern „tote“ Glieder. Ein lebendiges Glied ist nach theologischem Sprachgebrauch ein Katholik, der im Gnadenstand ist. Dieser geht durch jede schwere Sünde verloren, so dass der Sünder zwar noch mit Christus und der Kirche verbunden bleibt, aber eben wie ein totes Glied, in dem das göttliche Leben nicht mehr fließt. Die wiederverheirateten Geschiedenen leben in einem permanenten Zustand der schweren Sünde. Solange sie ihr eheähnliches Zusammenleben, das dem Willen Gottes widerspricht, nicht aufgeben wollen, können sie auch in der Beichte nicht wie andere Todsünder die Verzeihung erlangen, denn diese setzt Reue und den Willen zur Umkehr voraus. In diesem Zustand können sie auch nicht wirklich „reifen“, sondern allenfalls durch ihre Teilnahme am kirchlichen Leben für sich die Gnade und die Kraft erbitten, ihren sündhaften Zustand zu beenden.

Zweideutigkeiten finden sich auch in der Nr. 86. Was soll es bedeuten, wenn man hier liest, das Gespräch mit dem Priester, das die wiederverheirateten Geschiedenen im Forum Internum führen, trage „zur Herausbildung eines gerechten Urteils bei über das, was die Möglichkeit einer volleren Teilnahme am Leben der Kirche ermöglicht, und über die Schritte, die dazu beitragen und sie reifen lassen können“? Es sieht so aus, als solle hier ein Türchen offen gelassen werden, diese Gläubigen nach reiflicher Gewissensentscheidung usw. usw. doch zu den Sakramenten zuzulassen. An sich stellen die wiederverheirateten Geschiedenen ja keine großen theologischen Probleme dar. Sobald sie ihren sündhaften Zustand aufgeben, können sie wieder beichten und anschließend kommunizieren. Aber solange sie das nicht tun, kann ihnen kein Priester, der sich an die Lehre Christi und der Kirche hält, die Erlaubnis zum Kommunionempfang geben. Dieser Paragraph war der umstrittenste auf der Synode und schaffte die erforderliche Zweidrittelmehrheit mit 178 Stimmen nur mit Ach und Krach.

Im Übrigen hat Papst Franziskus bereits einen anderen Weg geöffnet, der zur Beseitigung dieses „Problems“ führen könnte. Da der Papst aus eigener Machtvollkommenheit und unter Umgehung aller Institutionen, die für Gesetzesänderungen in der Kirche zuständig sind, das Verfahren der Ehenichtigkeitsprozesse vereinfacht hat, besteht die ernste Befürchtung, dass es in Zukunft sehr viele zweifelhafte Eheannullierungen geben wird und viele zivil Wiederverheiratete dann nochmals kirchlich heiraten können. Im Bereich der Lehre bleibt die Ehe also unauflöslich, aber auf dem Weg der Praxis könnte so eine Art „katholische Scheidung“ entstehen.

Die Bischofssynode hinterlässt den Eindruck einer tief gespaltenen Kirche. Einerseits hat sich unter den Bischöfen keine Mehrheit dafür gefunden, mit der überlieferten Lehre des Evangeliums und der Kirche offen zu brechen. Andererseits hat sich aber auch keine Mehrheit gefunden, diese Lehre klar und unzweideutig darzulegen. Nach zwei Befragungen der Weltkirche und zwei Bischofssynoden ist nichts anderes herausgekommen als ein Kompromisstext, der die wiederverheirateten Geschiedenen als „lebendige Glieder der Kirche“ feiert, ihnen die Kommunion zwar nicht erlaubt, aber auch nicht klar verbietet. Somit hätte die Synode in gewissem Sinn kaum schlimmer enden können: Die konservativen Bischöfe, die sich einem offenen Bruch der Lehre verweigern würden, sind beruhigt, weil die Unauflöslichkeit der Ehe nicht angetastet wurde. Die progressiven Bischöfe aber haben zwar nicht alles erreicht, was sie gewünscht hätten, können jedoch auf ihrem Weg der Aufweichung von Lehre und Disziplin weiterschreiten.