Chaos, Abbruch, Verdunkelung des Glaubens. Ein Interview mit Pater Schmidberger

04 April, 2019
Quelle: Distrikt Deutschland

Am 3. April 2019 jährt sich der 50jährige Tag, an dem der Kirche eine neue Liturgieordnung (Novus Ordo) auferlegt wurde.

Mit der Apostolischen Konstitution Missale Romanum vom 3. April 1969 setzte Papst Paul VI. eine von ihm selbst im Detail mitbestimmte Neuausgabe des lateinischen Ordo Missae und eine skandalöse Einführung ins neue Meßbuch, die Institutio Generalis, in Kraft.

Die Kirchliche Umschau  (Vinzenzhaus, D-53809 Ruppichteroth) sprach mit Pater Franz Schmidberger, der sich als Reaktion auf die Liturgiereform der bald darauf entstehenden Priesterbruderschaft St. Pius X. angeschlossen hatte und von 1983 bis 1994 als Generaloberer der Gemeinschaft die Speerspitze des weltweiten Widerstandes gegen die „Revolution in Mitra und Chorrock“ anführte.

Mit Erlaubnis der Redaktion darf dieses Interview an dieser Stelle veröffentlicht werden

Kirchliche Umschau: Fünfzig Jahre nach Beginn der Einführung des Neuen Meßritus ist ein günstiger Zeitpunkt, Bilanz zu ziehen. Das Evangelium gibt uns ein Kriterium: Den Baum nach seinen Früchten erkennen (Matthäus 7,16ff).

P. Franz Schmidberger: Legt man diesen göttlichen Maßstab aus dem Munde des Herrn selbst an, dann kann man die Liturgiereform nach dem Novus Ordo Missae nur als eine Katastrophe größten Ausmaßes für die Kirche, die Seelen und die christliche Kultur bezeichnen:

• Abnahme der Gottesdienstbesucher um mehr als 70%, sogar bis über 90%
• Veräußerung von tausend katholischen Kirchen in Deutschland
• Zerstören der priesterlichen Identität und des Ordensideals
• Ausbleiben von Berufungen
• Verlust des katholischen Glaubens und Glaubenssinns unzähliger Seelen
• Verdunsten der Sakralität, Ausstrahlung und Anziehungskraft der
   Gottesdienste
• Verschandelung unserer schönsten Heiligtümer

Dazu ein Beispiel: Im Süden der Niederlande, in der Provinz Limburg, wurde 1931 eine herrliche große Kirche mit 800 Sitzplätzen gebaut. Vor dem Konzil war sie jeden Sonntag fünfmal bis auf den letzten Platz gefüllt, es gab also 4000 Gottesdienstbesucher. Heute wird noch eine Sonntagsmesse zelebriert, an der 90 Gläubige teilnehmen. Eine Abnahme also von fast 98%. Nach Auskunft des Pfarrers gehen von diesen noch 10% zur heiligen Beichte…

Kirchliche Umschau: Als Regens eines Seminars, das Priester ausbildet, die sich der Liturgiereform vollständig verweigern, leisten sie das „Maximum“ an Widerstand. Nach fünfzig Jahren ist zu fragen: Hat sich dieser scheinbare Ungehorsam als kirchliche Haltung bewiesen?

P. Franz Schmidberger: Es scheint mir überhaupt der einzige mögliche Weg zu sein, um nicht am Abriß mitschuldig zu werden, sondern kirchliches Leben neu zu wecken, die Kirche wieder aufzubauen. Im Namen des Gehorsams hat man den größten Ungehorsam gegenüber der Messe aller Zeiten, gegenüber dem eucharistischen Glauben und der eucharistischen Frömmigkeit und gegenüber den Weisungen der vorkonziliaren Päpste durchgepeitscht.

Kirchliche Umschau: Pater Schmidberger: Wie haben Sie – Jahrgang 1946 – selbst die Liturgiereform erlebt?

P. Franz Schmidberger: Im Anfang völlig unbeschwert, weil unbedacht; dann aber aufmerksam und Schritt für Schritt völlig ablehnend. In unserem Münchner Freundeskreis haben wir nie am Novus Ordo teilgenommen und nie die Handkommunion empfangen. In meiner ländlichen Heimatgemeinde gab es noch vor der großen Revolution des Jahres 1969 stehende Mundkommunion; ich selbst war der erste und zunächst einzige, der sich zum Empfang des hochheiligen Gutes hinkniete.

Kirchliche Umschau: Die Liturgiereform hatte schon zu Beginn einen bedenklichen Start. Die Definition der Neuen Messe als Mahl der Gemeinde war eine kopernikanische Wende.

P. Franz Schmidberger: In der Tat war die ursprüngliche Definition alles andere als katholisch: „Das Herrenmahl oder die Messe ist die heilige Zusammenkunft oder die Versammlung des Volkes Gottes, das unter dem Vorsitz eines Priesters zusammenkommt, um das Gedächtnis des Herrn zu feiern. Deshalb gilt von der örtlichen Versammlung der heiligen Kirche in hervorragender Weise die Verheißung Christi: »Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen« (Mt 18,20)“. Diese skandalöse Wesensbestimmung rief zahlreiche Proteste hervor, so daß eine leichte Verbesserung an ihr vorgenommen wurde; die definierte Sache selbst aber, die genau dieser ursprünglichen Definition entspricht, blieb unverändert. Hier wird der Einfluß jener sechs protestantischen Pastoren sichtbar, die am Machen des Novus Ordo Missae beteiligt gewesen sind.

Kirchliche Umschau: Die Kardinäle Ottaviani und Bacci konnten in ihrer „Kurzen kritischen Untersuchung des Novus Ordo Missae“, die kurz nach dessen Einführung erschien, ein „auffälliges Abrücken von der Meßopfer-Lehre des Konzils von Trient“ feststellen. Was meinten die beiden Purpurträger konkret?

P. Franz Schmidberger: Gemäß dem Konzil von Trient und überhaupt der katholischen Lehre vom Meßopfer ist dieses ein wahres Opfer der Anbetung, des Dankes, der Sühne und der Bitte, dargebracht vom geweihten Priester, der in persona Christi handelt, sehr verschieden von der geistigen Gegenwart des Herrn, dort wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind. Man vertauscht in dieser kopernikanischen Wende Formal- und Finalursache: Die Versammlung der Gläubigen ist nicht die heilige Messe; vielmehr versammeln sich diese, um an der unblutigen Erneuerung des Kreuzesopfers Christi teilzunehmen und wie Maria unter dem Kreuz zu stehen. Die Aufführung einer Oper ist ja auch nicht die Versammlung von Musikfreunden, sondern eben die Oper selbst, an der sich Musikfreunde erfreuen.

Kirchliche Umschau: Das Opfer definiert den Priester. Ein neues Priesterbild ergibt sich aus einer neuen Meßauffassung. Immer neue „Priesterbilder“ blockieren seit fünfzig Jahren die Erneuerung des kirchlichen Lebens.

P. Franz Schmidberger: Darum die Auflösung der priesterlichen Identität, das Zerbrechen von wenigstens hunderttausend Priesterberufungen seit dem II. Vatikanum, das Ausbleiben von Priester- und auch Ordensberufungen. In Nordrhein-Westfalen gab es im letzten Jahr 2018 noch insgesamt zehn Priesterweihen! Ein junger Mensch wird eben nicht durch Konkursverwaltung angezogen, sondern durch ein Ideal, den Bau einer Kathedrale.

Kirchliche Umschau: Vielleicht gehen wir einzelne Punkte durch, die im Gesamt die „Reform“ ausmachen, so wie sie sich den Gläubigen darstellte und von ihnen wahrgenommen wurde. Die Liturgiereform begann mit dem Umdrehen der Altäre. Darf man sagen, hier sei man zur urkirchlichen Praxis zurückgekehrt?

P. Franz Schmidberger: Tatsächlich wird das Opfer Gott und Gott allein dargebracht; der Zelebrant wendet sich mithin zum Kreuz, zum Tabernakel, der in der Mitte des Opferaltares steht, zelebriert gegen Osten. Er ist der Hirt, der seiner Herde vorausgeht und sie ins Himmelreich hineinführt. Der große Liturge Klaus Gamber hat unwiderlegbar nachgewiesen, daß es die Zelebration versus populum in der Kirche nie gegeben hat. Die angebliche Rückkehr zu urchristlichen Praxis ist schlicht und einfach ein Betrug.

Kirchliche Umschau: Mit der Änderung der Zelebrationsrichtung wurde auch der christliche Altar verändert. Vom Opferaltar zum Mahltisch?

P. Franz Schmidberger: Drei Bestandteile der Liturgie sind untrennbar miteinander verbunden: der Altar, der Opferpriester und die Opferhandlung. Diese drei wurden durch drei andere Wirklichkeiten ersetzt: durch den Tisch, den Priester als Vorsitzenden und die Messe als ein Mahl. Nicht umsonst mahnt Pius XII. in der herrlichen Enzyklika Mediator Dei: „Es weicht vom rechten Wege ab, wer dem Altar die alte Form des Tisches wiedergeben möchte.“

Kirchliche Umschau: Die Heiligkeit und Würde der Gotteshäuser wird immer weniger empfunden. Bedingt die Architektur und Raumperspektive den Verlust der Andacht oder ist es die veränderte Glaubenspraxis, die neue Gebäudeformen und  neue (un)sakrale Kunst hervorbringt?

P. Franz Schmidberger: Die Heiligkeit und Würde der Gotteshäuser entspricht einer katholischen Glaubenshaltung und Glaubenspraxis. Die Neuorientierung, Profanierung unserer Heiligtümer und der Bildersturm führen notwendigerweise zum Glaubensverlust; andererseits kann ein verdünnter Glaube keine Sakralbauten mehr hervorbringen, die dem katholischen Dogma entsprechen. Könnte man nicht in Abwandlung eines alten Sprichwortes sagen: lex orandi – lex construendi – das Gesetz des Betens ist das Gesetz des Bauens?

Kirchliche Umschau: Ein zentraler Vorwurf der traditionstreuen Katholiken wendet sich gegen die Verfälschung der Wandlungsworte im „Mysterium fidei“. Für viele oder für alle?

P. Franz Schmidberger: Gemäß sämtlichen Glaubenszeugnissen in allen Sprachen muß es in den Wandlungsworten bei der Kelchkonsekration „für viele“ und nicht „für alle“ heißen. Zwar hat Christus sein Blut der Erlösungskraft nach für alle vergossen; aber es wird nicht wirksam, wenn der einzelne Mensch dies nicht annimmt. Man muß also zwischen Heilsangebot und Heilswirksamkeit unterscheiden, wie es im Katechismus des Konzils von Trient nachzulesen ist: „Denn wenn wir die Kraft desselben [Leidens] betrachten, so muß man sagen, daß der Heiland sein Blut für das Heil aller vergossen hat; wenn wir aber die Frucht, welche die Menschen daraus ziehen, im Auge haben, werden wir leicht einsehen, daß dessen Nutzen nicht allen, sondern nur vielen zuteil werde.“ Nicht umsonst hat Papst Benedikt XVI. die Rückkehr zu den richtigen Wandlungsworten angeordnet; nur wenige Bischöfe haben ihm Gehorsam geleistet und haben diese schwere Verfälschung berichtigt.

Kirchliche Umschau: Die Reformer haben den Römischen Canon durch eine Vielzahl von Hochgebeten ersetzt. Warum?

P. Franz Schmidberger: Schon Luther hatte eine ausgesprochene Abneigung, um nicht zu sagen einen dezidierten Haß gegen den römischen Kanon, weil dieser das ganze katholische Dogma unzweifelhaft zum Ausdruck bringt: die allerheiligste Dreifaltigkeit, die Gottheit und das Mittleramt Jesu Christi, die Gemeinschaft der Heiligen, das Fegfeuer, das Handeln des Priesters in persona Christi, die Realpräsenz, den römischen Papst, die ganze Hierarchie usw. Außerdem ist er ein Meisterwerk lateinischer Kirchensprache und eben auch ein Bollwerk der Einheit der Kirche. Die neuen Canones entbehren samt und sonders dieser Kriterien der Katholizität, insbesondere der Kanon 2. Der Opfercharakter, insbesondere das Sühneopfer, kommt so gut wie nicht mehr zum Ausdruck. Verschwindet der Opfergedanke in der Liturgie, dann verschwindet er auch bald im christlichen Leben. Von Einsatz, Kampfgeist, Stolz auf unsere christliche Berufung ist in der Christenheit keine Rede mehr; sie ist eine fahnenflüchtige, sich auflösende Armee.

Kirchliche Umschau: Der Glaube an die Realpräsenz ist bei vielen Katholiken abhanden gekommen. Sie sind schleichend Protestanten geworden. Die Handkommunion, zuerst eine erzwungene Sonderform, ist mittlerweile weltweit die „Norm“ geworden. Welchen Zusammenhang sehen Sie?

P. Franz Schmidberger: Die Handkommunion legt mehr oder weniger die Gedanken nahe, es handle sich um geweihtes oder gar gewöhnliches Brot. Folglich ist es weiter nicht schlimm, wenn Partikel in der Hand verbleiben oder zu Boden fallen. Der Zelebrant hält ja auch nach der Konsekration Daumen und Zeigefinger nicht mehr geschlossen bis zur Purifikation nach der Kommunionausteilung. Diese Art des Kommunionempfangs öffnet dazu das Tor für zahllose Sakrilegien und Verunehrungen des hochheiligen Gutes. Stellt man einen Vergleich an zwischen der Handkommunion und der Abtreibung, so stößt man auf empörende Proteste. Aber ist dieser Vergleich so falsch? Wird nicht derjenige, der seinen Gott in dieser Art und Weise entehrt, auch bald keine Ehrfurcht mehr vor dem menschlichen Leben haben? Der Niedergang der Theologie zieht den Niedergang der Anthropologie unweigerlich nach sich. 

Kirchliche Umschau: Die Kirche hat über die Jahrhunderte an der liturgischen Sprache festgehalten. Zu welchem Preis?

P. Franz Schmidberger: Die Kirche hat immer das eucharistische Geheimnis zu hüten gewußt und in eine sakrale Sprache gekleidet. Mit der Einführung der Landessprache werden die Leute ordentlich betrogen: Sie meinen jetzt die hl. Messe zu verstehen – verstehen aber nur Worte, nicht den Inhalt des Geschehens noch ihre eigene geistige Teilhabe. Von einem Mysterium kann es eben letztlich kein rationalistisches Verständnis geben. Würde ihnen nicht besser das Vorbild der Muttergottes unter dem Kreuz vor Augen geführt, die weder der Worte noch eines Gebetbuches bedurfte und doch in tiefster Weise das Geschehen verstand und sogar zur Miterlöserin wurde? Jedenfalls ist die lateinische Sprache ein Staudamm gegen die Häresie, ein Zeichen der Einheit der Kirche und unserer Verbundenheit mit dem ewigen Rom.

Kirchliche Umschau: Wer von Liturgie spricht, darf nicht nur von Texten sprechen. Die Reduzierung der Gesten war ein erklärtes Ziel der Reformer. Mit welchem Ziel?

P. Franz Schmidberger: Der Mensch ist zusammengesetzt aus Leib und Seele, dazu ist er ein Gemeinschaftswesen. Folglich bedarf er nicht nur der Gedanken und Worte, sondern auch der Gesten und Handlungen. Die Kniebeuge bringt die Realpräsenz zum Ausdruck und unseren Geist der Anbetung; das Kreuzzeichen erinnert uns daran, daß die hl. Messe das Kreuzesopfer ist; das dreimalige Kreuzzeichen erinnert uns an den dreifaltigen Gott; das Zusammenhalten von Daumen und Zeigefinger nach der Konsekration an die Wahrheit, daß Christus auch im kleinsten Partikel gegenwärtig ist; die verschiedenen Abstufungen der Verneigungen sind Ausdruck unserer Abstufung in der Gottes- und Heiligenverehrung. Die Reduzierung all dieser Gesten ist eine Minderung des Ausdrucks unseres Glaubens und letzten Endes der Fleischwerdung Gottes, der sichtbar unter uns erschienen ist.

Kirchliche Umschau: Die Kalenderreform war ein Thema, mit dem sich viele Päpste beschäftigt haben. Die des II. Vatikanums ist nicht sehr geglückt und hat schon viele „Reparaturen“ erfahren. Ein Kritiker meinte, der Kalender sei eine „Spielwiese der Liturgiewissenschaftler“ gewesen.

P. Franz Schmidberger:  Die dauernden Verlegungen im Kalender bringen für die Gläubigen Verunsicherung und Verwirrung mit sich. Außerdem ist das liturgische Jahr in das natürliche Sonnenjahr eingeschrieben, während die Natur keinen Drei-Jahres-Zyklus kennt und damit für den neuen Lesezyklus keine Beziehung mehr besteht zwischen Natur und Gnade.

Kirchliche Umschau: Zur Liturgiereform gehören auch die Reformen der anderen liturgischen Bücher. Ich denke z.B. an die Abschaffung der Niederen Weihen im neuen Pontifikale oder an die Ersetzung des ehrwürdigen Römischen Rituale durch das skandalöse neue „Benediktionale“. Andere Stichworte: Die defizitären Taufriten, zweifelhafte Materie bei der Ölweihe oder die in ihren Gebeten veränderte Weihwasser-Segnung. Hinzu kommt die ständige Erfindung vollkommen neuer Riten für alle möglichen Veranstaltungen.

P. Franz Schmidberger: Ich kann Ihnen nur Recht geben. Man kann diese neuen Riten nur ablehnen und zurückweisen. Das Festhalten am alten Missale, Pontifikale und Rituale ist jedem Bischof und Priester heilige Pflicht.

Kirchliche Umschau: Die Liturgiereform war eine Revolution. Wird sie ihre Kinder fressen?

P. Franz Schmidberger: Die Entwicklung geht in zwei Richtungen: Einerseits sind da jene, die behaupten, der Niedergang rühre daher, daß die Reform nicht weit genug gegangen sei. Der Zölibat müsse fallen, das Frauenpriestertum eingeführt werden, der Amtspriester seines falschen Nimbus entkleidet werden. Und da gibt es einen anderen Teil unter dem jungen Klerus – und dieser nimmt eher zu – der allein in der Rückkehr zur überlieferten Liturgie das Heil der Kirche sieht und der älteren Generation vorwirft, diese völlig heruntergewirtschaftet zu haben. Dazu ein Beispiel: Der inzwischen verstorbene frühere Bischof von Regensburg, Manfred Müller, sagte am Ende seines Lebens, sein großer Schmerz sei, daß ein großer Teil des jungen Klerus zur alten Liturgie zurückkehren wolle.

Kirchliche Umschau: Der tyrannische Akt des Verbotes der alten Messe durch Paul VI. wurde durch Papst Benedikt XVI. etwas gemildert.

P. Franz Schmidberger: Summorum Pontificum vom 7.7.2007 war in der Tat ein Befreiungsschlag für die Kirche, für den wir Benedikt XVI. sehr dankbar sein müssen. Allerdings haben die Bischöfe gerade im deutschen Sprachraum alles daran gesetzt, um diese Erneuerung der Seelen und der Kirche zu sabotieren.  

Kirchliche Umschau: Johannes Paul II. hat nicht verstanden, worum es in dem Streit um die Liturgiereform ging. Das ist kein Vorwurf, sondern eine Selbstaussage gegenüber einem Freund (Robert Spaemann) gewesen. Er sah anscheinend keinen Zusammenhang zwischen Liturgie und der von ihm beklagten Glaubenskrise.

P. Franz Schmidberger: Wer seine philosophische und theologische Grundlage im Personalismus anstatt dem Naturrecht verankert hat, kann den Zusammenhang zwischen Liturgie und Glaubensleben unmöglich verstehen. Und doch bedingen sich beide gegenseitig gemäß der alten Weisheit lex orandi – lex credendi, oder ausführlicher von Pius XII. in Mediator Dei zitiert: lex credendi legem statuat supplicandi, durch das Gesetz des Glaubens soll das Gesetz des Betens bestimmt werden.

Kirchliche Umschau: Das II. Vatikanum sprach noch von „geistlichem Nutzen“ als dem Testfall jedes einzelnen Reformschritts. Warum wurde das schon wenige Jahre durch die ausführenden „Spezialisten“ vergessen?

P. Franz Schmidberger: Weil diese Spezialisten nicht vom Heiligen Geist erfüllte Männer waren, sondern Ideologen, die sich der nouvelle théologie, der neuen Theologie eines de Lubac, Yves Congar, Karl Rahner und den falschen liturgischen Grundsätzen eines Lambert Baudouin verpflichtet wußten. Der federführende Annibale Bugnini war eben kein Mann der Kirche.

Kirchliche Umschau: Sind Sie prinzipiell gegen jede Liturgiereform? In welchem Kontext müßte eine solche sich entwickeln?

P. Franz Schmidberger: Genausowenig wie unser verehrter Gründer, Erzbischof Lefebvre. Aber jede Liturgiereform müßte vom Glaubensgeist, vom missionarischen Eifer und der pastoralen Sorge getragen sein. Sie könnte nur eine homogene Entwicklung und eben keinen Bruch darstellen, wie dies beim Novus Ordo Missae der Fall ist.

Kirchliche Umschau: Angesichts der durch Papst Franziskus sich verschärfenden Kirchenkrise und der Ängste vieler Gläubigen – Stichwort: Amazonas-Synode – ist guter Rat eigentlich nicht teuer. Was raten Sie den ratlosen Katholiken?

P. Franz Schmidberger: Kehren Sie ohne Wenn und Aber und in ausschließlicher Weise zur Teilnahme an der überlieferten Liturgie der Kirche zurück, auch wenn dies Opfer kostet. Gerade ein solches Zeugnis braucht die Kirche und die heutige Welt. Machen Sie aus Ihrem christlichen Leben eine gelebte heilige Messe mit Opferung, Wandlung und Kommunion. Die Rettung des heiligen Meßopfers in seiner altehrwürdigen Form kann nur durch dieses persönliche Lebensopfer von Priestern, Ordensleuten und auch christlichen Familien gelingen.

Kirchliche Umschau: Vergelt’s Gott für das Gespräch.

Das Interview erscheint in der Kirchlichen Umschau März 2019. Kostenloses Probeexemplar erhältlich bei: [email protected]

Mit Pater Franz Schmidberger sprach Jens Mersch.