Brief des Distriktoberen

19. März 2020
Quelle: Distrikt Deutschland

Stärkung in der Zeit der Prüfung

Liebe Gläubige!

Der liebe Gott lässt es im Plan seiner Liebe zu, dass wir auf unser gewohntes Wirken verzichten müssen, weil ein landesweites vollständiges Versammlungsverbot auch unsere Kirchen und Kapellen betrifft. Unser Schmerz und unser Mitgefühl gilt in erster Linie Ihnen, denn Sie sind von der Teilnahme an den hl. Messen ausgeschlossen, während wir Priester weiterhin im privaten Rahmen zelebrieren dürfen. Selbstverständlich werden wir umso inniger alle Ihre Anliegen auf die Patene legen und Gott aufopfern mit der Bitte, Ihnen die Gnaden umso reichlicher zu geben, je schmerzlicher diese Einschränkung Sie trifft.

Es ist für Sie eine bittere Erfahrung, sich gerade jetzt des ungehinderten Zugangs zu Messe und Sakramenten beraubt zu sehen, wo die allgemeine Not und die Ungewissheit der künftigen Entwicklung bedrückend vor Ihnen stehen. Jetzt ist Ihre Sehnsucht, sich mit dem Herrn und seinem Opfer zu verbinden, ja nicht kleiner, sondern nur umso größer.

Wie lange wird diese Prüfung andauern? Sind wir nun aller Gnadenmittel beraubt? Sind unsere Seelen in Gefahr? Oder können wir aus dieser Not gefestigt hervorgehen? Oder – mehr noch – können wir diese Situation sogar als Chance für die geistliche Erneuerung nutzen?

„Denen, die Gott lieben, gereicht alles zum Besten“ (Röm 8.28). Gottes Barmherzigkeit ist größer als alles – so groß, dass er uns auch ohne Sakramente Gnaden schenken kann. Das beste Beispiel hierfür ist der heilige Joseph. Er ist einer der größten Heiligen, obwohl er während seines ganzen Lebens nicht ein einziges Mal die heilige Kommunion, die Beichte oder ein anderes Sakrament empfangen konnte. Er hat sich geheiligt durch die treue und liebevolle Erfüllung seiner Standespflicht und durch das geduldige Ertragen der Schwierigkeiten.

Er war dankbar für das Privileg, Jesus und Maria dienen und ihnen nahe sein zu dürfen. Lernen wir von ihm eine große Dankbarkeit für die vielen Gnaden, die wir in unserem Leben bisher bekommen haben, besonders durch die heiligen Messen. Nebenbei gesagt: Eine Messe ist nie rein privat, sondern immer für die ganze Kirche, auch wenn der Priester sie allein feiert.

Lernen wir vom heiligen Joseph, im Gebet die innere Kraft zu schöpfen. (Wenn jetzt viele Menschen zu Hause bleiben müssen, findet sich leichter eine Gelegenheit für den gemeinsamen Rosenkranz in der Familie.)

Vielleicht fühlen Sie sich in der augenblicklichen Schwierigkeit wie der heilige Joseph, als er in der Nacht vor Herodes fliehen musste und scheinbar ganz auf sich allein gestellt war.

In dieser Dunkelheit gibt es ein Licht, auf das ich Sie aufmerksam machen möchte. Unser barmherziger Heiland hat Mitleid mit uns. Im Psalm 32 heißt es sehr tröstlich, dass die Gedanken seines Herzens sich unablässig damit beschäftigen, „unsere Seelen dem Tod zu entreißen und sie im Hunger zu nähren“. Wie zeigt er uns dies in der jetzigen Situation, wo uns der Zugang zum Empfang der heiligen Sakramente sehr erschwert oder verwehrt ist?

Es gibt eine wunderbare Übung, welche in gewissem Maß die heiligen Sakramente der Beichte und der Kommunion bei denen ersetzt, die sie ohne eigene Schuld nicht empfangen können:

Es ist die vollkommene Liebesreue in Vereinigung mit dem Verlangen, das heilige Sakrament des Altares zu empfangen!

Die Kraft der Liebe in der vollkommenen Reue

Gott lässt jenen die Sünden nach, welche aus Liebe zu ihm sehnlichst zu beichten wünschen, dazu aber keine Gelegenheit haben! Die Liebesreue, auch vollkommene Reue genannt, bewirkt die sofortige Vergebung der Sünden und das Eingießen der heiligmachenden Gnade. Wer eine Liebesreue erweckt, in dessen Herzen nimmt Gott Wohnung:

Wenn jemand mich liebt, wird mein Vater ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. Joh 14,23

So verwandelt die Liebesreue einen Menschen, dem infolge schwerer Sünden die ewige Verdammnis droht, wieder in ein Kind Gottes!

Gehen wir noch genauer darauf ein: Eine Reue ist unvollkommen, wenn wir die Sünden lediglich aus Furcht vor der Strafe Gottes bereuen. Vollkommen ist sie, wenn uns unsere Sünden leid sind aus Liebe zu Gott, unserem höchsten Gut, aus Liebe zu Jesus Christus, unserem Herrn und Erlöser. Diese Reue kann man am besten vor einem Bild des gekreuzigten Heilands erwecken, weil wir nirgendwo die Liebe Gottes so gut erfassen können wie in seinem Leiden und seiner Ganzhingabe für uns. Die Liebesreue ist immer mit dem Wunsch verbunden, so bald wie möglich – und auf jeden Fall vor der nächsten sakramentalen Kommunion – alle schweren Sünden zu beichten. Aber sie bewirkt schon vor der Beichte die Verzeihung.

Die Kraft der Liebe in der geistigen Kommunion

Die Liebe öffnet geheimnisvoll die Tür des Tabernakels und ermöglicht die Vereinigung mit dem Heiland ohne Mitwirkung des Priesters und ohne heilige Hostie. Im Gegensatz zur wirklichen, sakramentalen Kommunion nennt man dies geistige Kommunion. Obwohl der Katechismus sie erklärt, ist sie doch wenig bekannt und noch weniger in Übung. Sie ist aber ein wunderbares Mittel, um gerade in Zeiten der Prüfung gestärkt zu werden.

Die geistige Kommunion ist „Kommunion“ im wahren Sinn des Wortes, also Vereinigung. Die Vereinigung geschieht nicht durch Empfang der hl. Eucharistie, sondern im Glauben durch den Willen, d.h. allein durch den Geist. In Ermangelung der Gelegenheit zur sakramentalen Kommunion erweckt die Seele voll Glaube und Liebe das Verlangen, den Leib des Herrn zu empfangen.

Dieses Verlangen ist das Entscheidende bei der geistigen Kommunion; ohne dieses Verlangen kommt sie nicht zustande. Man kann das Verlangen mit eigenen Worten zum Ausdruck bringen, etwa in dieser Weise:

O mein Jesus im allerheiligsten Sakrament, ich glaube an Dich, ich bete Dich an, ich liebe Dich von ganzem Herzen. Aus Liebe zu Dir bereue ich alle meine Sünden und will Dich nie mehr beleidigen. Ich habe das Verlangen, Dich in der heiligen Kommunion zu empfangen, doch weil es mir jetzt nicht möglich ist, so flehe ich aus tiefster Seele: Komm, Herr Jesus! Komm wenigstens in geistiger Weise in mein Herz. Komm, mein Jesus. Ich will ganz Dein sein. Dir übergebe ich mich für Zeit und Ewigkeit!

Oder auch nur kurz, als einfacher Ruf der Seele:

Ich glaube an Dich, ich liebe Dich, ich verlange nach Dir. Komm in mein Herz!

Nachdem man diese Sehnsucht nach der Vereinigung mit Jesus erweckt hat, füge man, wenn die Zeit es zulässt, eine kleine Danksagung an, wie man es aus der hl. Messe kennt. Seien wir überzeugt, dass der Herr unseren guten Willen reichlich belohnt. Wie könnte er einer solchen Einladung widerstehen, da Er uns doch an sich ziehen will?

Wir empfangen zwar nicht die sakramentale Gnade und können nicht den Leib Christi empfangen wie bei der sakramentalen Kommunion. Aber es gibt keinen Zweifel, dass die geistige Kommunion ihrer Wirkung nach von allen Gnadenmitteln dem wirklichen Empfang der hl. Kommunion am nächsten kommt! Sie bewirkt das, was ihr Name sagt: eine Kommunion oder Gemeinschaft des Lebens mit dem eucharistischen Heiland.

Früchte der geistigen Kommunion

Die geistige Kommunion bewahrt, entfaltet, kräftigt das Leben Gottes in uns, sie vermehrt die heiligmachende Gnade. Sie gibt Stärke zur Bekämpfung der Versuchungen und Leidenschaften, tröstet im Kummer, entzündet eine heilige Freude in der Seele, tilgt die lässlichen Sünden, lässt zeitliche Strafen nach und bewahrt vor Todsünden.

Die Größe unseres Gewinnes hängt vom Maß unseres Verlangens ab, mit dem wir den eucharistischen Jesus in die Seele rufen. Wer eine größere Sehnsucht nach der hl. Kommunion hat und sein Herz in Liebe weiter öffnet, der schöpft auch mehr Licht und Gnade und vereinigt sich inniger mit dem Heiland.

Man kann sie leicht und oft empfangen

Ein großer Vorzug der geistigen Kommunion besteht darin, dass sie sehr leicht zu machen ist. Sie nimmt kaum Zeit in Anspruch. Man braucht nicht nüchtern zu sein und sie bedarf keines Priesters. Der Heiland versagt sie in seiner Güte keinem, der sein Herz von schweren Sünden gereinigt hat (wenigstens mit einer Liebesreue). Daher kann man die geistige Kommunion überall und immer empfangen.

Welch ein Trost ist diese Übung in Leidensstunden oder in schlaflosen Nächten, in denen man Kummer und Angst empfindet! Dann versetze man sich in geistiger Weise vor das allerheiligste Sakrament, wie es in den Tabernakeln gegenwärtig ist, und spreche voll Vertrauen:

Komm, mein Jesus, mein eucharistischer Heiland, Du meine Stärke, komm in meine Seele, entzünde in mir Dein Licht, stärke meine Seele, tröste mein Herz!

Jesus wird kommen und unserer schmerzerfüllten Seele Beruhigung schenken. Und wenn der Sturm wiederkehrt, kann man ein zweites, drittes und viertes Mal die geistige Kommunion empfangen. Die finstere Nacht wird durch die Vereinigung mit dem Herrn zur „heiligen Nacht“, und in der Seele wird das Echo des Engelsgesanges ertönen: Friede den Menschen, die guten Willens sind.

Die geistige Kommunion – Geheimnis der Heiligen

Die geistige Kommunion ist in der Kirche Brauch von Anfang an. In Zeiten der Verfolgung bildete sie die Wegzehrung der Märtyrer, wenn sie den Leib des Herrn nicht wirklich empfangen konnten. Die Kirchenväter empfehlen sie eindringlich. Das Konzil von Trient sagt, dass die Gläubigen in der geistigen Kommunion „das Himmelsbrot genießen“ und durch ihren lebendigen Glauben „seine Frucht und seinen Nutzen“ empfangen.

Die geistige Kommunion ist vielleicht das große Geheimnis der Heiligen, das sie dazu befähigt hat, die Liebe heroisch zu üben. Viele Zeugnisse aus dem Leben der Heiligen lassen darauf schließen. Der hl. Bernhard sagt von sich: „Von ganzer Seele und ganzem Herzen wünsche ich, den Heiland zu empfangen. Und da ich ihn nicht mehr als einmal täglich im Sakramente empfangen kann, so vereinige ich mich alle Augenblicke in geistiger Weise mit ihm.“ Der hl. Leonhard von Porto Maurizio schreibt: „Wenn du mehrfach am Tag diese hl. Übung machst, wird dein Herz sich im Lauf eines Monats vollständig ändern.“ Und die hl. Angela vom Kreuz bekennt: „Ich würde die Last des Lebens nicht tragen können, wenn mein Beichtvater mich nicht die geistige Kommunion gelehrt hätte.“

Liebe Gläubige, von ganzem Herzen ermutige ich Sie, zuversichtlich das Kreuz zu umfassen und in Vereinigung mit unserem Herrn zu tragen. Der heilige Joseph, dessen Fest wir heute feiern, möge Ihnen dabei helfen. Er ist uns ein bewundernswertes Beispiel in seiner unerschütterlichen Liebe zu Gott und im Vertrauen auf die göttliche Führung. Denken wir nur an die Abweisung in Bethlehem, die große Armut im Stall oder an die Flucht nach Ägypten.

Die täglich erneuerte Liebesreue und die oftmalige geistige Kommunion werden Ihnen Kraft und Mut spenden und für die Ewigkeit viele unvergängliche Schätze sammeln. Beginnen Sie noch heute damit, sie zu einer ständigen Übung, zu einer heiligen Gewohnheit zu machen, allein und im Kreis der Familie. Eine Zusammenstellung verschiedener Gebete möge es Ihnen erleichtern.

Um Sie in dieser schwierigen Zeit zu stärken, verspreche ich Ihnen, wöchentlich eine hl. Messe für Sie und in Ihren Anliegen aufzuopfern, und ermutige alle Priester, dasselbe zu tun. Wir sind weiterhin für Sie da, denn es bleibt unser Herzensanliegen, Ihren Seelen Nahrung zu geben und Sie im Glauben zu stärken.

Unter dem Schutz unseres Herrn und kraft der Vereinigung mit ihm können wir sicher durch diese Prüfung hindurchgehen. Selbst wenn wir den Trost der Sakramente entbehren müssten, sind wir doch in Gottes Hand geborgen.

Stuttgart, am Fest des hl. Joseph, 19. März 2020

Pater Stefan Pfluger

Distriktoberer

 

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