Bischof Vitus Huonder ermutigt traditionstreue Gläubige

21. Oktober 2022
Quelle: fsspx.news

Am 16. Oktober 2022 hatte das Priorat St. Athanasius in Stuttgart hohen Besuch. Der emeritierte Churer Bischof, Msgr. Vitus Huonder, war auf Einladung von Pater Franz Schmidberger gekommen, um an einer Fatima-Feier teilzunehmen.

Der Bischof ließ es sich nicht nehmen, die hl. Messe selbst zu zelebrieren und die anschließende Prozession mit einer Statue Unserer Lieben Frau von Fatima durch den Stuttgarter Stadtteil Feuerbach anzuführen. 150 Gläubige nahmen an dem öffentlichen Glaubensbekenntnis teil.

Zu Beginn der Marienfeier informierte der Prälat die anwesenden Katholiken über sein Motiv, das Priorat und die Gemeinde, die in der neubarocken Maria-Himmelsfahrtskirche den überlieferten Ritus der hl. Messe pflegt, aufzusuchen. Er wandte sich mit folgenden Worten an die Gläubigen:

Am 14. September 2022, am Fest Kreuzerhöhung, ließ ich dem Ortsbischof, Mgr. Dr. Gebhard Fürst, das folgende Schreiben zukommen:
Exzellenz, lieber Mitbruder, persönlich möchte ich Ihnen mit­teilen, dass ich am kommenden 16. Oktober die Priesterbruder­schaft St. Pius X. und die ihr angeschlossenen Gläubigen in Stuttgart besuchen werde: Caritas enim Christi urget nos (2 Kor 5,14). Ich erachte diesen Besuch als eine seelsorgliche Notwendigkeit, auch als ein Zeichen der Wertschätzung für die verstoßenen Kinder der Kirche, als einen Akt der Entschuldi­gung und Wiedergutmachung - jedenfalls versuchsweise - für das geschehene schwerwiegende Unrecht allen diesen Gläubi­gen gegenüber. Es ist ein Unrecht, das insbesondere mit dem 6. Mai 1975 begann und nun schon bald fünfzig Jahre auf der Kirche lastet. In einer Zeit, da ausgiebig von Vielfalt die Rede ist, hätte man mit etwas gutem Willen die Frage kanonisch schon längst lösen können. Soweit mein Schreiben.


Caritas enim Christi urgent nos, ist ein Zitat aus dem zweiten Brief des heiligen Paulus an die Korinther: Die Liebe Christi drängt uns. Das ist der Grund meiner Anwesenheit. - In diesem Schreiben nenne ich das Datum vom 6. Mai 1975. Unter diesem Datum hat der Ortsbischof von Freiburg in der Schweiz, Dr. Pierre Mamie, der Bruderschaft die kirchliche Anerkennung entzogen. Dieser Akt erfolgte nicht wegen Missständen in der Bruderschaft, sondern wegen der Fortführung der bisherigen Disziplin der Kirche, vor allem wegen dem Festhalten an der überlieferten Lehre der Kirche, insbesondere an der ursprüng­lichen Römischen Heiligen Messe. Somit war nicht Glaubens­abfall die Ursache dieser Maßnahme, sondern Glaubenstreue und - so lässt sich im Nachhinein sagen - prophetische Weit­sicht des Gründers. Diese Glaubenstreue wurde von den kirch­lichen Autoritäten als Ungehorsam ausgelegt. Rückblickend muss man sagen: Das war eine Ungeheuerlichkeit. Man kann es aus heutiger Sicht nicht verstehen. Aber diese Ungeheuerlich­keit hatte ihre Folgen: Heute besteht in Freiburg kein diözesa­nes Seminar mehr. Es musste aufgegeben und ins Seminar eines anderen Bistums überführt werden. Die Stadt Freiburg war ein Zentrum vieler Niederlassungen von Orden und Kongregatio­nen mit entsprechenden Einrichtungen für Novizen und Prie­steramtskandidaten. Davon ist kaum mehr etwas übriggeblie­ben. Aus einem Garten großer Fruchtbarkeit für geistliche Be­rufungen ist eine Wüste mit wenigen Oasen geworden. Ist das nicht die Folge, um nicht zu sagen die Strafe, für ein unerhörtes Unrecht? Die Wurzel dieses Unrechts lag insbesondere bei den Bischöfen Frankreichs: Hätte der damalige französische Epi­skopat Erzbischof Lefebvre gegenüber auch nur ein wenig mehr christliche Nächstenliebe und Brüderlichkeit gezeigt, hätten die Dinge vielleicht einen anderen Verlauf genommen. So Kardinal Ratzinger im Sommer 2003 (vgl. die Notiz in Kirchliche Um­schau 24, Nr. 12, Dezember 2021).


Darf ich noch auf ein zweites Datum hinweisen, ein Datum, das sich verhängnisvoll auf das ganze Leben der Kirche ausgewirkt hat? Es ist das Datum des 13. Oktober 1962. An diesem Tag fand die erste Arbeitssitzung (sogenannte Generalkongregation) des Zweiten Vatikanischen Konzils statt. Durch die Interventi­on eines liberalen Kardinals (Achille Liénart, Bischof von Lil­le) übergeht man die Tagesordnung. Die schwerwiegendste Folge davon ist, dass, mit einer Ausnahme, die vorbereiteten, mit der kirchlichen Lehre im Einklang verfassten Dokumente verworfen wurden. Der bekannte Professor für Geschichte des Christentums, Roberto de Mattei bemerkt dazu: Das Konzil begann also mit einem Gewaltakt. So wurde der 13. Oktober 1962 zum Tag des Sündenfalls des Konzils, der Tag, welcher sich für die Kirche bis heute verhängnisvoll auswirken sollte. Von diesem Ereignis ist die Kirche bis zur Stunde in allen Handlungen und Verlautbarungen gezeichnet. Daran konnte die Bestätigung der neuen Tagesordnung des Konzils durch Paul VI. am 13. September 1963 nichts ändern. Der Papst hätte we­nigstens darauf bestehen müssen, dass die Dokumente der Vor­bereitungskommission bearbeitet werden. Er hätte gegen diesen Gewaltakt Einspruch erheben müssen. Vielleicht wäre ihm die Klage von 1972 erspart geblieben: Auch in der Kirche herrscht dieser Zustand der Ungewissheit. Man hätte geglaubt, nach dem Konzil wäre für die Geschichte der Kirche ein Sonnentag gekommen. Es kam dagegen ein Tag der Wolken, des Unwet­ters, der Dunkelheit, des Suchens, der Ungewissheit (oder Ver­unsicherung?). So wirken sich die Folgen des “Sündenfalls” der ersten Sitzung bis heute verheerend aus.


Warum nenne ich diese Daten? Es kommt nun eine Generati­on - oder sie ist bereits da - welche diese Zeit nicht im fernsten miterlebt hat. Sie muss davon Kenntnis haben, um die heutige Zeit zu deuten und insbesondere, um im Glauben fest zu blei­ben und sich nicht von den Tagesereignissen täuschen zu las­sen. In diesem Sinn kann ich für die Zukunft nur raten: Fest­stehen im Glauben, trotz widriger Umstände die Treue zur Bruderschaft nicht aufgeben und sich nicht täuschen lassen durch Aussagen wie die Bruderschaft steht nicht im Einklang mit Rom, die Bruderschaft ist schismatisch, die Bruderschaft ist ungehorsam. Wer im Glauben der Kirche feststeht, kann nicht schismatisch sein, kann nicht ungehorsam sein, kann nicht häretisch sein. - Was kann in dieser Situation weiter geschehen? Beten für die Erneuerung der Kirche, denn das begangene Un­recht lastet auf der Kirche wie die Erbsünde auf der Mensch­heit, sodass es einer neuen Gnade bedarf, dass die Kirche wieder gesundet und ein Hort von Wahrheit, Gerechtigkeit, Heiligkeit und göttlicher Liebe werde. Das ist, was unser Herr wollte, als Er sagte: Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen (Mt 16,18).


Vertrauen wir auf Gottes Vorsehung und Hilfe. Jesus und seine jungfräuliche Gottesmutter werden uns nicht verlassen. Immer gilt das Wort des Herrn: Seht, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt (Mt 28,20). Amen.