Bischof Athanasius Schneider verteidigt FSSPX

10. August 2015
Quelle: Distrikt Deutschland

Bischof Athanasius Schneider: „Es gibt keine gewichtigen Gründe, um dem Klerus und den Gläubigen der Priesterbruderschaft die offizielle kanonische Anerkennung zu verweigern“

Ein Interview des Internetblogs Rorate Caeli

„Unsere Partner in Adelante la Fe, die Rorate Caeli en Español, haben Seine Exzellenz Bischof Athanasius Schneider zu einer breiten Palette von Themen interviewt. Aus dem gesamten lesenswerten Interview verdienen besonders seine Bemerkungen über die Priesterbruderschaft St. Pius X (FSSPX) eine nähere Beachtung. Diese Bemerkungen ergaben sich aus zwei Besuchen in FSSPX-Seminare, die Bischof Schneider im Auftrag des Heiligen Stuhl durchführte.


Adelante la Fe: Eure Exzellenz hat vor kurzem die Bruderschaft [Seminare] in den Vereinigten Staaten und Frankreich besucht. Wir wissen, dass es eine „diskretes“ Treffen war, aber können Sie uns eine Bewertung dessen geben, was Sie gesehen haben und worüber Sie mit ihnen gesprochen haben? Welche Erwartungen haben Sie an eine kommende Versöhnung und was ist das Haupthindernis für eine solche Versöhnung?

Bischof Schneider: Der Heilige Stuhl hat mich gebeten, die beiden [Seminare] der FSSPX zu besuchen, um eine Diskussion zu bestimmten theologischen Themen mit einer Gruppe von Theologen der Priesterbruderschaft und mit Seiner Exzellenz Bischof Fellay zu führen. Für mich zeigt diese Tatsache, dass für den Heiligen Stuhl die FSSPX keine zu vernachlässigende kirchliche Realität ist und dass sie ernst genommen werden. Ich hatte einen guten Eindruck von meinen Besuchen. Ich konnte eine solide theologische, spirituelle und menschliche Realität in den beiden [Seminare] feststellen. Das „cum ecclesia sentire“ der Priesterbruderschaft wurde durch die Tatsache deutlich, dass ich als Gesandter des Heiligen Stuhls empfangen wurde und mit echtem Respekt und Herzlichkeit behandelt wurde. Darüber hinaus war ich froh, an beiden Stellen im Eingangsbereich ein Foto von Papst Franziskus, dem regierenden Papst, zu sehen. In den Sakristeien gab es Platten mit dem Namen von Papst Franziskus und dem lokalen Diözesanbischof. Ich war bewegt, während der feierliche Aussetzung des Allerheiligsten den traditionellen Choral für den Papst mitzusingen („Oremus pro Pontifice nostro Francisco ...“).

Meines Wissens gibt es keine gewichtige Gründe, um dem Klerus und den Gläubigen der Priesterbruderschaft die offizielle kanonische Anerkennung zu verweigern. Indessen sollten sie so angenommen werden, wie sie sind. Dies war in der Tat Erzbischof Lefebvres Gesuch an den Heiligen Stuhl: „Akzeptieren Sie uns, wie wir sind.“

Ich denke, die Frage des Zweiten Vatikanischen Konzils sollte nicht zu „conditio sine qua non“ gemacht werden, da es sich um eine Versammlung mit im Wesentlichen pastoralen Zielen und Merkmale handelte. Ein Teil der konziliaren Aussagen reflektiert nur ihre Zeit und besitzt einen temporären Wert, wie dies auch disziplinarische und pastorale Dokumenten tun. Wenn wir in einer Perspektive von zwei Jahrtausenden auf die Kirche blicken, können wir feststellen, dass es auf beiden Seiten (dem Heilige Stuhl und der Piusbruderschaft) eine Überbewertung und Überschätzung der pastoralen Realität in der Kirche gibt, die das Zweite Vatikanische Konzil darstellt.

Wenn die FSSPX den Glauben hat, wenn sie den Gottesdienst und ein moralisches Leben führt, wie es gefordert und vom Obersten Lehramt anerkannt und während eines Jahrhunderte langen Zeitraum allgemein in der Kirche beobachtet wurde, und wenn die FSSPX die Legitimität des Papstes und der Diözesanbischöfe anerkennt und für sie öffentlich betet und auch die Gültigkeit der Sakramente nach der Editio typica der neuen liturgischen Bücher anerkennt, sollte dies für eine kanonische Anerkennung der Priesterbruderschaft durch den Heiligen Stuhls ausreichen. Andernfalls verliert die oft wiederholte pastorale und ökumenische Offenheit in der Kirche unserer Tage offensichtlich ihre Glaubwürdigkeit und die Geschichte wird eines Tages den Vorwurf an die kirchlichen Autoritäten unserer Tage machen, dass sie „ größere Belastungen auf die Brüder gelegt hat als nötig" (vgl. Apg. 15,28), was im Gegensatz zu den pastoralen Verfahren der Apostel steht."