Ave Regina Coelorum

30 September, 2019
Quelle: Distrikt Deutschland

„Portiunkula” in Assisi, bereits 1045 als die Kapelle Unserer Lieben Frau von den Engeln erwähnt, ist uns vertraut als die Kirche, welche der hl. Franziskus auf Geheiß des Himmels 1207 wiederherstellt. Hier erhielt er auch in einer Vision den berühmten Ablass, der am 2. August – Fest Maria zu den Engeln – gewährt wird. Heute befindet sich diese Kapelle in der vom hl. Pius V errichteten herrlichen Basilika Santa Maria degli Angeli zu Assisi.

Wie kann ein Mensch, in der Schöpfungsordnung doch „unter die Engel gestellt“ (Ps 8) über diese unermesslichen Myriaden von Engelchören, reine Geister von unvorstellbar Macht und Intelligenz, herrschen? Und dabei ist jeder Engel noch eine Art oder Welt für sich ist (vgl. Thomas Aquinas I.50.4)?

Die Begründung ist bezwingend einfach: Wenn der Sohn König ist, dann ist die Mutter Königin. Schon Elisabeth nannte sie die „Mutter des Herrn“ (Lk 1:43) Die Väter wenden ohne Scheu den Psalm 44:10 auf Maria als Königin und Mitregentin des Messias-Königs an (Athanasius). So konnte der hl. Petrus Canisius diesen Kirchenvater zitieren und ausrufen: „Mater Regis Angelorum, Regisque caelorum et amica et sponsa“. Der Hl. Gregor von Nazianz (+390) nennt Maria „die Mutter des Königs des Universums“, „die jungfräuliche Mutter, die den König der ganzen Welt geboren hat“. Nach dem Kolosserbrief (1:16) ist ja Christus auch Schöpfer der Engel und ihr König; demzufolge ist Maria Königin auch der Engel.

Der hl. Johannes von Damaskus (+749) fasst die Väterlehre prägnant zusammen, indem er ihr den Namen „Königin, Patronin, Herrscherin“ und selbst „Herrscherin aller Kreatur“ erteilt. Pius XII zitiert diesen Kirchenvater: „Der heilige Johannes von Damaskus schreibt somit zu Recht: ´Sie ist wahrhaftig die Herrscherin der ganzen Schöpfung geworden, in dem Augenblick wo sie Mutter des Schöpfers wurde´, und der Erzengel Gabriel selbst kann der erste Herold der Königswürde Mariens genannt werden… Wahrlich erreicht sie durch diese Vereinigung mit Christus, dem König, eine so erhabene Würde, dass sie den Rang aller geschaffenen Dinge überragt… Damit überragt die heilige Jungfrau ohne Zweifel an Würde die ganze Schöpfung. Sie besitzt bei ihrem Sohne den Vorrang vor allen. St. Sophronius singt: ‚Du endlich hast bei weitem alle Kreatur überragt. Was könnte es Erhabeneres geben, als eine solche Gnade, die Dir allein zuerteilt wurde nach dem Willen Gottes?‘. Und St. Germanus geht noch weiter in seinem Lob: ´Deine Würde stellt Dich an die Spitze aller Kreaturen, Deine Erhabenheit stellt Dich über die Engel´.

Der Erzengel Gabriel war erkoren, diese Königin – „heiliger als die Cherubim und Seraphim, unvergleichlich glorreicher als der Rest der himmlischen Heerscharen“ (hl. Ephräm) - in tiefer Ehrfurcht und Unterwerfung zu grüßen. „Es wird durch diesen einzigartigen, feierlichen und nie vernommenen Gruß gezeigt, dass die Gottesmutter der Thron aller göttlichen Gnaden gewesen ist, dass sie mit allen Gnadengaben des Hl. Geistes ausgestattet, ja sogar dieser Gnadengaben nahezu unbegrenzte Tiefe gewesen ist, so dass sie niemals dem Fluche unterworfen war (Pius IX, Ineffabilis Deus).“