Adventbrief des Distriktoberen: In einen gefüllten Krug passt nichts hinein

30. November 2022
Quelle: fsspx.news

In einen gefüllten Krug passt nichts hinein

Machen wir unsere Seele frei für Gott!

Liebe Freunde und Wohltäter,

die bevorstehende Adventszeit soll unsere Herzen berühren und uns helfen, Weihnachten gut vorzubereiten. Besonders vorbereiten sollen wir uns, weil die zweite göttliche Person für uns Mensch geworden ist, „damit der Mensch das Wort Gottes in sich aufnehme und, an Kindes statt angenommen, zum Sohne Gottes werde.“ So der hl. Irenäus von Lyon.

Gottes ‚Geburt‘ in uns ist das zentrale Ziel des Advents. Bei den Wüstenvätern gibt es für diese Aufgabe ein schönes Bild. Der Mensch muss das Gefäß, in das sich Gott ergießen soll, nämlich seine Seele, leeren und reinigen, denn in einen bereits gefüllten Krug passt nichts mehr hinein. Was den Krug randvoll gefüllt hat, ist der menschliche Eigenwille, das weltliche Getriebe und alles, was ihn von Gott fernhält. Um dieses Gefäß der menschlichen Seele zu reinigen, empfehlen die Väter den Weg der inneren Stille und Abgeschiedenheit. Sie ist unabhängig vom Ort. Ein Bauer auf dem Feld kann in die gleiche innere Abgeschiedenheit gelangen, wie der Mönch oder die Nonne in ihrer Klosterzelle, da es sich um eine innere Haltung handelt.

Der Lärm der Welt

‚Besinnlichkeit‘ wünschen sich viele für den Advent. Zeit für Besinnung ist eine wirkliche Wohltat für die Seele: Zeit, sich um die innere Abgeschiedenheit zu bemühen! Die Wirklichkeit sieht leider meist anders aus. Wie auch sonst im Verlauf des Jahres gibt es viele Gewohnheiten, die den ‚Krug‘ unserer Seele mit Dingen füllen, die Gott nur wenig Raum lassen oder ihn sogar verdrängen. Die Menschen lassen es zu, oft von ihrer Laune getrieben zu werden. Beim Essen und Trinken halten sie nicht Maß. Sie zügeln Neugierde nur wenig, vertrödeln die Zeit. Der Krug füllt sich immer mehr, der Platz für Gott wird immer kleiner.

Viele sind sich bewusst, dass eine Änderung vorteilhaft wäre, weshalb sie sich für die Adventszeit gute Vorsätze nehmen. Doch dem stellt sich einiges entgegen: Schon im November beginnt ein riesiger Rummel. Dabei geht es nicht um Innerlichkeit, sondern um Kommerz. Weihnachtsangebote, Kauf der Geschenke, Weihnachtsfeiern der Vereine und Firmen prasseln in gesteigertem Takt auf uns ein. Dieser Trubel ist Lärm, der den ‚Krug‘ füllt, den wir während dieser Wochen eigentlich hatten frei machen wollen für Gott.

Die WM 2022 – ein faszinierender Torpedo

In diesem Jahr bildet die Fußball-WM eine weitere Quelle von Trubel, der den Krug der Seele füllt. Dies ist umso tückischer, weil Fußball durchaus seine Faszination ausüben kann. Besonders wenn die eigene Nationalmannschaft spielt, sehen auch Menschen fern, die es sonst selten tun. – Jetzt ist es wieder soweit, ausgerechnet in der Adventszeit! Die entscheidende Frage ist, was das mit uns macht und ob wir es zulassen, dass der letzte Rest von freiem Raum in unserem ‚Krug‘ zugeschüttet wird. Wenn wir das nicht verhindern, wird die WM zu einem sehr faszinierenden Torpedo, der unmerklich der Seele Schaden bringt.

Der wahre Wettkampf

Keine Frage, Sport lenkt von den Alltagssorgen ab, weckt Leidenschaft und Begeisterung für den Wettkampf.

Schon der hl. Paulus war sich dessen bewusst, wenn er das christliche Leben damit vergleicht: „Wisst ihr nicht, dass die Läufer im Stadion zwar alle laufen, aber dass nur einer den Siegespreis gewinnt? Lauft so, dass ihr ihn gewinnt. (…) Ich laufe nicht wie einer, der ziellos läuft, und kämpfe nicht wie einer, der Luftstreiche macht; vielmehr züchtige und unterwerfe ich meinen Leib, damit ich nicht anderen predige und selbst verworfen werde“ (1 Kor 9,24 ff). Der Völkerapostel knüpft an die Faszinationskraft von sportlichen Wettkämpfen an, um über den wirklichen Wettkampf mit den Feinden unseres Heils zu sprechen. Der Advent macht uns bewusst, dass wir alle herausgefordert sind. Hier sitzen wir nicht passiv im Fernsehsessel, sondern sind selbst Kämpfende. Hier sind wir nicht als Teil einer Masse dabei, sondern jeder als Einzelmensch.

Der wahre Sieg – ewiges Leben

Es liegt in unserer Verantwortung, in uns und in unseren Familien dem Ringen um diesen wichtigsten Titel die oberste Priorität einzuräumen. Dazu ist ein Doppeltes notwendig: unseren Krug zu befreien vom Lärm der Welt und ihn anzufüllen mit der Gegenwart Gottes.

Vom Lärm befreien können wir uns nicht ohne Verzicht. Jeder Film, den wir nicht anschauen, jeder Event, den wir auslassen, jedes WM-Spiel, auf das wir verzichten, ist für uns ein Gewinn! Ja nicht nur für uns, sondern auch für die Kirche und die Seelen, weil wir Verdienste sammeln und sie anderen zuwenden können. Durch solchen Verzicht leisten wir Sühne besonders auch für die Schändlichkeiten des Synodalen Wegs.

Die Gegenwart Gottes in uns mehren wir durch gediegene Pflege dessen, wofür der Advent steht: Familiengebet; Adventskranz; Adventslieder; Besuch der (Rorate-)Messen; Zeiten der inneren Stille und Abgeschiedenheit, um das Herzensgebet zu pflegen.

Wenn während des Advents diese Punkte unser Leben prägen, dann haben wir den wahren Sieg errungen und mehr geleistet als die Weltmeister im Fußball. Unser Glück wird auch tiefer sein, weil nichts glücklicher macht als ein gutes Gewissen und die Verbundenheit mit Gott! Und am Ende wartet der wahre Sieg auf uns, der uns den wichtigsten Titel bringt: Ewiges Leben.

Ich empfehle Ihnen für das Ringen um den wahren Sieg folgendes Leitwort aus Mk 10,14:

„Wenn ihr das Reich Gottes nicht annehmt wie ein Kind, so könnt ihr nicht hineingelangen!“

Jesus formuliert hier eine Bedingung für den Eintritt in den Himmel. Das muss uns interessieren! – Es dient unserem Seelenfrieden, wenn wir im Advent hierzu eine tiefere Einsicht gewinnen. Können wir nicht gerade das Kindsein vom Jesuskind selbst erlernen und erbitten?

Zu diesem Zweck haben wir einen kleinen Adventskalender beigelegt. Er enthält für jeden Tag einen kurzen Impuls, der zum Nachdenken, zur Betrachtung und zum Gebet anregen soll. In jeder der vier Adventswochen wird ein Aspekt des Kind-Seins vertieft. Mögen uns diese Erwägungen helfen, unseren ‚Krug‘ zu reinigen für die Gnade Gottes! Je mehr wir klein wie ein Kind sind, umso leichter gelingt es uns, „durch die enge Pforte“ (Lk 13,23f) zu kommen.

Einen gesegneten Advent wünscht Ihnen von Herzen

Pater Stefan Pfluger

PS: Bitte unterstützen Sie unsere Priesterbruderschaft mit einer Weihnachtsspende, damit wir dem wahren Glauben weiterhin Gehör verschaffen und den Menschen helfen, ihre Seelen für Gott frei zu machen.

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Den Adventskalender können Sie unter Angabe Ihrer Adresse per Mail bestellen über: [email protected]