Abiturfeier in Schönenberg 2022

25. Juni 2022
Quelle: Distrikt Deutschland

Eine Abiturientin

Am 11. Juni 2022 konnten am St.-Theresien-Gymnasium in Schönenberg 13 Abiturientinnen die Reifezeugnisse mit dem hervorragenden Klassendurchschnitt von 2,08 in Empfang nehmen. Das Mitteilungsblatt dokumentiert dieses Ereignis durch die Veröffentlichung eines Teils der denkwürdigen Rede der Abiturientinnen.

Wir werden also nun das kleine Refugium, in dem wir viele Jahre ziemlich unbehelligt von der Welt gelebt haben, verlassen. Das Erkannte haben wir lieben gelernt und es soll uns Dreh- und Angelpunkt sein. Leider müssen wir eine Zeit erleben, in der das Böse wieder einmal über das Gute zu triumphieren scheint. Was uns wertvoll ist, gilt anderen als unzeitgemäß und sogar verwerflich. Der Schriftsteller Reinhold Schneider verfasste im Jahre 1947 eine Schrift über die Sendung der Jugend – zu einer Zeit, in der das christliche Abendland in Trümmern darniederlag. Heute sind es keine materiellen Trümmer mehr, aber es ist sicher nicht vermessen, zu sagen, dass es in geistiger Weise auf sehr wackligen Beinen steht. Schneider gab seiner Schrift den Titel „Stolz und Verantwortung“ und er wollte mit ihr der Jugend einen Anstoß zum Wiederaufbauen geben; daher beginnt sie nach einigen einleitenden Zeilen mit den Worten: „Im Grunde möchte ich Euch ein Einziges sagen: seid stolz! […] Ihr seid reicher als Ihr wisst. In Euren Händen liegen Möglichkeiten und Herrlichkeiten des Lebens, die das Geschehene nicht verkümmern kann.“ Auch wir sollen stolz sein – nicht im Sinne der Hochmut, sondern in einem Stolz voller Demut und Dankbarkeit darüber, dass wir ohne jeglichen Verdienst von Gott berufen sind, in dieser Welt ein Licht zu sein; dass er uns zu diesem Zweck hierhergerufen und an diesem Ort gesammelt hat, um uns zu formen und unsere Herzen mit Gnade zu füllen. Unser Leben soll Zeugnis ablegen von der Größe Gottes, soll Spiegel seiner Güte, Schönheit und Liebe sein. Wer uns sieht, soll Gott sehen. Diese Aufgabe darf uns mit Stolz erfüllen – und mit einer tiefen, alles durchdringenden Freude. „Unser Stolz ist die Zucht; unsere Würde ist es, aufzublicken zu Gott; unsere unerschöpfliche Freude ist das Wehen des Geistes und die Entdeckung aller seiner Schöpfungen […]; unser Adel ist die Wahrhaftigkeit“, resümiert Schneider trefflich. Wem viel geschenkt wird, von dem wird auch viel gefordert und eine Sendung bedeutet immer auch eine Verantwortung. Wir haben gelernt, zu lieben, was Gott geschaffen hat – uns selbst, unsere Nächsten und diese ganze, große Welt. Und es liegt nun auch an uns, diese Schöpfung nach Kräften zu schützen und zu bewahren, indem wir uns einsetzen in Staat, Kirche und Gesellschaft, indem wir gute katholische Familien gründen oder uns im Ordensleben ganz Gott weihen, indem wir der Lehre der Kirche treu bleiben, die Wahrheit suchen und, wo immer sie angegriffen wird, sie auch verteidigen. Reinhold Schneider schrieb: „Müsste es nicht Euer Stolz sein, der Welt zu zeigen, dass nach so viel Halbheit […] etwas Neues, Höheres möglich ist, das, was eigentlich mit dem Menschen gemeint war?“ So finster uns die Zeit, in der wir leben, manchmal auch erscheinen mag – wir finden in unserem Glauben und mit Blick auf die Geschichte die Sicherheit, dass das Gute, auch und ganz besonders, wenn es in der Minderheit ist, die größten Siege zu erringen vermag, weil es sich auf das Übernatürliche stützt. So stellt auch Schneider am Ende fest: „Ich spreche den Namen Jesu Christi aus, weil kein zweiter Euch besser helfen kann.“ Darauf sollten wir mit aller Festigkeit vertrauen. Wir stehen also am Beginn unseres persönlichen, eigenverantwortlichen Lebens und sind im Begriff, Entscheidungen zu treffen, die seine Richtung bestimmen werden. Diese Entscheidungen wollen wir aus der Liebe zu Gott heraus treffen, die letztlich auch ihren Wert bestimmt. „Die Liebe ist am stärksten, die den ganzen Menschen umfasst mit allen Möglichkeiten seines Lebens, seiner Entfaltung“, so formuliert es Schneider. In unserer Ungebundenheit steht uns alles offen, uns ist für eine kurze Zeit keine Richtschnur durch unsere äußeren Lebensumstände und unsere Standespflichten gegeben. Indem wir jetzt den Willen Gottes zu erkennen versuchen und dementsprechend unser Leben gestalten, zeigt sich unsere Liebe im höchsten Maße. Seien wir also stolz, seien wir froh, seien wir uns unserer Verantwortung bewusst. Wir haben eine herrliche Sendung erhalten und wir sollten uns ihrer würdig erweisen, denn alles, was wir sind und besitzen – alles, sogar unser Leben –, ist ein Geschenk und eine Gnade.

Dass auch Ihr diese tiefe Wahrheit erkennt, liebe Schülerinnen, das wünschen wir Euch von ganzem Herzen. Es ist nicht immer leicht, den Sinn in allem zu sehen, geduldig zu sein und sich zu bemühen, das Gute zu tun. Aber es ist die Mühe wert, es zumindest ohne Unterlass zu versuchen. Euch ist hier an diesem Ort so viel geschenkt, wofür andere alles geben würden: Bildung, ein Sinn im Leben, Freundschaft, ja sogar Familie. Nehmt davon mit, was Ihr kriegen könnt, es geht schnell vorbei und im Vergleich zu einem ganzen Leben ist es nur ein kurzer Abschnitt.

Für unseren kommenden Lebensabschnitt bitten wir Sie alle um Ihr Gebet, auf dass wir unserer Sendung gerecht werden, die rechten Entscheidungen treffen und nach einer ereignisreichen, sicheren Fahrt unser ewiges Ziel erreichen.