40 Jahre Priesterseminar Zaitzkofen

2018
Quelle: Distrikt Deutschland

1. Vorgeschichte

a) Das Schloss

Erbaut 1730/31 durch die Grafen von Königsfeld.

Das Schloss befand sich im Besitz von verschiedenen Adelsfamilien, unter anderen derjenigen Montgelas’, des Freimaurers und Säkularisierers in Bayern.

1926     Verkauf an die Weißen Väter, Einrichtung eines Gymnasiums, Pater Voigt komponiert das Heimatlied; große Verbundenheit mit Dorf und Bevölkerung.

1961     Verkauf an die Mariannhiller Patres; am Ende wohnt nur noch Pater Seger allein im Haus, das Haus steht zum Verkauf.

b) Die Priesterbruderschaft St. Pius X.

1972 treten zwei Deutsche und ein Deutsch-Schweizer in Ecône ein. 1974 unternehmen diese beiden deutschen Seminaristen, heute P. Schmidberger und P. Wodsack, mit dem Erzbischof eine Reise zu Bischof Graber in Regensburg, der dem Erzbischof sagt: „Monseigneur, wir müssen zusammen ein Seminar errichten.“ Auf dieser Reise besichtigen wir zwei Häuser: Wigratzbad bei Wangen im Allgäu und das Kurhotel Weissbad/AI. 1975, in den Osterferien, unternimmt der Erzbischof eine große Apostolatsreise durch Deutschland. Man beschließt, das Kurhaus in Weissbad für ein deutschsprachiges Seminar anzumieten. Dort treten am 4. 10. 1975 die ersten fünf Seminaristen, sieben Vorseminaristen und drei Brüderpostulanten ein. Regens ist Abbé Pierre Blin, ein junger französischer Pater.

Sommer 1976: P. Wodsack eröffnet das erste Priorat Deutschlands in München; P. Schmidberger wird Regens in Weissbad. Da das Haus dringend restaurierungsbedürftig und die Kapelle bald zu klein ist, beginnt das Ringen um eine endgültige Lösung. Die Kaufverhandlungen scheitern. Man sucht nunmehr intensiv nach einer endgültigen Lösung im Bodenseeraum, in der Drei-Länder-Ecke Deutschland – Österreich – Schweiz. Im Frühjahr 1977 trifft in Ecône ein anonymer Brief ein mit dem Hinweis auf die Liegenschaft in Zaitzkofen, die sich bestens für ein deutsches Seminar eignen würde. Dieser Brief wird P. Schmidberger nach Weissbad gesandt, der das Objekt wegen der exzentrischen Lage in Deutschland nicht weiter verfolgt.

Am 21.6. 1977 gründen sieben Laien, Freunde unseres Werkes, in Regensburg den Verein St. Pius V.: Herr Dr. Max Rief, Herr Ernst Bialek, Herr Heinrich Schlüter, Herr Dr. Hans Kopp, Herr Franz Amberger, Frl. Dr. Inge Köck, Frau Elisabeth Wüst. Im September 1977 predigt P. Gebhard Heyder, Karmelit aus Regensburg, die Anfangsexerzitien in unserem Seminar in Weissbad; Herr Schlüter ist sein Chauffeur und macht uns aufs Neue auf die Liegenschaft in Zaitzkofen aufmerksam. 14 Tage später reist er wiederum an mit den Plänen und vielen Fotos.

2. Die Priesterbruderschaft St. Pius X. in Zaitzkofen

So kauft der Verein St. Pius V. am 26. Oktober 1977 zum Preis von 600.000 DM die Liegenschaft Zaitzkofen mit dem heruntergekommenen Schloss. Große Restaurierungsarbeiten sind notwendig. Da man immer noch im Bodenseeraum sucht, denkt man an ein Vorseminar in Zaitzkofen.

Pfingsten 1978: Die Entscheidung fällt: Zaitzkofen wird das zukünftige deutschsprachige Seminar. Weissbad bleibt noch ein Jahr Priorat und Vorseminar.

17.7.1978: Umzug des Seminars von Weissbad nach Zaitzkofen

Wir finden eine sehr freundliche Aufnahme bei der Bevölkerung; insbesondere heißt uns der Bürgermeister, Herr Prückl, sehr willkommen. Viel haben die wohlwollenden Artikel von Herrn Siegfried Bäumel zum guten Klima beigetragen.

Am 1. Oktober 1978 weiht Erzbischof Lefebvre im Rahmen eines levitierten Hochamts, zelebriert im Park, das Haus ein, einige Bruder-Postulanten werden eingekleidet, drei Novizen legen ihre ersten Gelübde ab. Wenige Tage danach treten 15 neue Seminaristen und vier Bruderpostulanten ein.

Ende 1978: Beginn des Baus der Immaculata-Kapelle, die der Erzbischof am 29. April 1979 einweiht

Sommer 1979: P. Bisig wird neuer Regens

1980: Beginn des Baus des Albertinums als Wohntrakt, später erfolgt der Bau der Schreinerei und eines großen Lagerschuppens. All diese Ausgaben werden allein durch Spenden bestritten. Die Gläubigen sind sehr großherzig.

27.6.1981: Erste Priesterweihe durch Erzbischof Lefebvre, seither gibt es jedes Jahr diese Zeremonie; bis heute wurden 139 Priester in Zaitzkofen geweiht, die in der Folge zum Teil wichtige Aufgaben in unserem Werk wahrnahmen bzw. wahrnehmen.

3.9.1978: Zusammenstellung des ersten Mitteilungsblattes, das in der Folge Frl. Dr. Köck monatlich redigiert; es wird bei Kössinger in Schierling gedruckt.

1986: P. Paul Natterer wird Regens

1988 weiht Erzbischof Lefebvre vier Bischöfe; da die Seminaristen durch P. Bisig auf dieses Ereignis schlecht vorbereitet sind, gibt es einen Einbruch im Seminar.

August 1988: Der damalige Regens zelebriert in Penk beim Fest der Fahnenvereine eine hl. Messe vor 5000 Gläubigen und predigt.

1. Oktober 1988: Bischof Fellay weiht als junger Bischof drei Priester

1989: Fall des Eisernen Vorhangs; nunmehr kommen auch Seminaristen aus den osteuropäischen Ländern: aus Polen, Tschechien, Kroatien, Ungarn, Litauen, Lettland, Estland, Russland.

1991: P. Niklaus Pfluger wird neuer Regens

1998: P. Gaudron übernimmt die Leitung des Seminars

Im Jahr 2000 bauen Brüder, Seminaristen und Freunde des Seminars die kleine Fatima-Kapelle im Park.

Von April 2003 bis Sommer 2005 ist P. Schmidberger vorübergehend Regens, im Sommer 2005 wird P. Frey Regens, im Sommer 2013 übernimmt  wiederum P. Schmidberger dieses Amt.

Von Zaitzkofen aus werden auch Kapellen im bayerischen Raum gegründet und zum Teil von den Patres des Seminars betreut: Nürnberg, Bamberg, Altötting und Passau.

3. Heute

In all den Jahren haben uns viele Laien tatkräftig unterstützt, an erster Stelle ist Herr Heinrich Schlüter, Bauingenieur, zu nennen, der 1992 am Weihnachtstag verstorben ist. Sein Amt als Ökonom übernahm Herr Diether Helling, verstorben 2014. Viele Jahre lang hat Frau Hilde Schmidt die Pforte versehen, Frau Buchner und Frau Angerer haben ganz am Anfang das Haus entrümpelt und dann 34 Jahre lang sich um die Wäsche gekümmert. Herr Dallmayer hat wertvolle Maurerarbeiten ausgeführt, Frau Hemauer in der Schneiderei gedient.

Unter den Priestern, die hier unterrichtet haben, sind in besonderer Weise zu nennen: P. Mura, Dienst von 1982 bis 2016, P. Gaudron: von 1991 bis 2006, jetzt wieder seit Sommer, P. Laroche: von 1996 bis heute, P. Schulz, Subregens 1986–1996, P. Kasteleiner: 2006–2018

Ein wichtiges Element im Haus sind die Brüder, die sich vor allem der materiellen Aufgaben annehmen. Br. Josef, jahrelang Küchenchef, Br. Klaus, 17 Jahre lang Hausmeister, Br. Leo, der sich um die Schreinerei und um den Park kümmert, Br. Georg, der in der Sakristei tätig ist, Br. Johannes, seit mehreren Jahren Hausmeister, Br. Oskar, Br. Anton, Br. Karl, Br. Frans. Inzwischen ist Br. Harald Küchenchef. Im Brüdernoviziat, das ein zweiter Ausbildungszweig in unserem Haus ist, haben seit 1978 insgesamt 48 Brüder ihre Gelübde abgelegt. Von den Schwestern ist besonderer Weise Sr. Andrea (verstorben 1988) zu nennen. Jetzt sind es vier Schwestern, die an der Pforte, im Sekretariat, in der Schneiderei arbeiten und bei der Wäsche helfen. Auch Mitbrüder von auswärts haben uns tatkräftig unterstützt: P. Lux aus Beilngries, Pfr. Schwenold aus Wolfskofen, Pfr. Knab aus Vilsbiburg u.a.

Heute zählt das Seminar 27 Seminaristen, die von sieben Patres im Haus unterrichtet werden; dazu reist P. Schulz aus Wien regelmäßig an, um Kirchengeschichte zu lehren; zwei Lehrer, Laien, widmen sich dem Latein- und Griechisch-Unterricht. Ein Mitbruder kümmert sich um die Öffentlichkeitsarbeit, zwei Priesterfreunde vervollständigen ihre Studien. Dazu zählt das Haus jetzt zehn Professbrüder, einen Novizen, drei Postulanten; seine Bewohner kommen aus elf Nationen.

Jährlich werden mehrere Exerzitienkurse für Männer und Frauen gepredigt: während der Weihnachtsferien ein großer Kurs für Männer, ebenso in den Osterferien; im Sommer ein Kurs für Männer, ein Kurs für Frauen.

4. Bedeutung des Seminars

Schloss und Park mit dem Weiher sind seit der Übernahme der Liegenschaft im Jahre 1977 zu einem Schmuckstück für die Gemeinde Zaitzkofen und die Umgebung geworden.  
Die jungen Leute mit ihrer schwarzen Soutane prägen das Dorfbild wesentlich mit. Bei den Priesterweihen reisen viele Gäste an, die Pensionen in der Umgebung sind ausgebucht.
Vor allem aber ist das Seminar eine Stätte des Gebetes, des geistlichen Ringens um ein authentisches christliches und priesterliches Leben, ein Ort, wo an der Erneuerung der Kirche gearbeitet wird. Die festlichen Gottesdienste, der gregorianische Gesang, die Anziehungskraft und die Ausstrahlung des Hauses haben eine Bedeutung weit über die unmittelbare Umgebung hinaus.

Hier der Brief eines Priesterfreundes anlässlich der 40-Jahr-Feier:

Hochwürdiger Herr Pater Regens,

mit Freude habe ich die Einladung zum Jubiläum des Seminars erhalten. Diese Einladung ehrt mich. Jedoch habe ich an diesem Tag um 10.00 Uhr das hl. Amt zu zelebrieren, was mir eine Teilnahme an den Feierlichkeiten wegen zeitlicher Überschneidung unmöglich macht.

Nichtsdestoweniger bin ich mit Ihnen und dem Seminar im Gebet und Dank an den dreifaltigen Gott verbunden für dieses großartige Werk der Kirche. Wohl kein anderes Haus innerhalb der deutschen Diözesen und darüber hinaus hat in den vergangenen 40 Jahren so viel Segen über die Kirche gebracht, verbunden mit den heilsamen Früchten der Rettung der unsterblichen Seelen unserer Gläubigen, wie das Seminar in Zaitzkofen.  Es ist unverkennbar und nicht zu leugnen, dass hier der Hl. Geist am Werk war und ist. Ein wahrer Grund, Gott zu loben und zu preisen.

Ich beglückwünsche das Seminar auf das Herzlichste und erbitte diesem Haus auf die Fürsprache der allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria vor allem viele und treue Berufungen für uns und die ganze hl. Kirche!

In tiefer Verbundenheit

Ihr N.N.