„Eine sehr gute Lösung!“ Die Zukunft von Schönenberg gemeinsam gestalten

22 Februar, 2019
Quelle: Distrikt Deutschland

Die partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen dem deutschen Don-Bosco-Schulverein der Priesterbruderschaft St. Pius X. und der Kongregation der Dominikanerinnen von Fanjeaux (F) am Schulstandort Schönenberg erfährt ab dem Sommer 2020 eine Ausweitung: Der deutsche Distrikt legt die Leitung des Mädchengymnasiums mit angeschlossenem Internat in die Hände der dominikanischen Schulschwestern. – Ein Interview mit Schwester Maria Michaela Metz, Gesamtleiterin des St.-Theresien-Gymnasiums in Schönenberg, Mutter Maria Johanna, Leiterin der Grundschule St. Albert - Bröleck und P. Firmin Udressy, Oberer der Priesterbruderschaft St. Pius X. für den deutschen Distrikt.

MB: Es ist eine Nachricht, die für Aufsehen gesorgt hat: Vor einigen Tagen haben Sie, ehrwürdige Schwester Michaela, in einem Elternbrief darüber informiert, dass Sie zu Beginn des übernächsten Schuljahrs 2020/2021 die Leitung des St.-Theresien-Gymnasiums in die Hände der Dominikanerinnen von Fanjeaux übergeben werden. Es ist eine Stabübergabe, die erfolgt, nachdem Sie das St.-Theresien-Gymnasium nicht nur mitgegründet, sondern auch 28 Jahre geleitet haben. Wie kam es zu dieser Entscheidung, die wahrhaftig einen Generationenwechsel bei der Leitung bedeutet?

Schwester Michaela: Schon lange stand die Frage im Raum, wie es mit unserer geliebten Internatsschule weitergehen wird, wenn ich einmal die Gesamtleitung aus Altersgründen abgeben muss. Die Zukunft eines solchen Werkes darf man nicht dem Zufall überlassen. Gerade weil so viel Herzblut – nicht nur von mir – in dem steckt, was hier aufgebaut wurde, war es mir sehr wichtig, zusammen mit dem Distriktoberen rechtzeitig nach einer Lösung zu suchen. Eine Lösung, die zum einen den Bestand dauerhaft sichert, zum anderen aber auch den besonderen Charakter dieser Schule bewahrt.

MB: ... Und diese Lösung sind die Dominikanerinnen von Fanjeaux.

Schwester Michaela: Ja! Schon lange haben wir eine freundschaftliche Beziehung zu diesen Schwestern, die über eine mehr als 200jährige Erfahrung im Schulwesen verfügen. Zwei ehemalige Schülerinnen von uns sind bei ihnen eingetreten, weil ihnen das schöne Ideal dieser Kongregation imponierte: eine Ordensberufung zu leben durch die Ausübung eines Lehr- und Erziehungsauftrags für die Jugend. Seit einigen Jahren kann der deutsche Distrikt davon profitieren, denn die Schwestern, die aus dem deutschsprachigen Raum dort ausgebildet worden sind, kehren nun zurück, um hier Kindergärten und Schulen zu gründen. Die Zusammenarbeit hat sich in den letzten Jahren sowohl am Standort Rheinhausen als auch in Bröleck so bewährt, dass der Entschluss reifen konnte, auch die Leitung des St.-Theresien-Gymnasiums in ihre Hände zu übergeben.

MB: Es sind also deutschsprachige Schwestern - aus Deutschland und der Schweiz -,  denen diese Aufgabe übertragen werden kann? Das kann jene beruhigen, die eine Schule mit „französischer Mentalität“ als Ergebnis der Stabübergabe befürchten ...

Schwester Michaela (schmunzelt): Ich verstehe, dass solche Befürchtungen irgendwo als Erstreaktion im Raum stehen, kann aber versichern: Mit den Dominikanerinnen vom heiligsten Namen Jesu von Fanjeaux haben wir nicht etwa eine Not- oder Übergangslösung gefunden, sondern eine sehr gute Lösung, die die Zukunft der Schule langfristig sichert – in Treue zu dem gewachsenen Erbe im Bereich der Erziehungsarbeit, die hier nun schon seit über 25 Jahren geleistet wird. Natürlich werden die Dominikanerinnen eine eigene Note hineinbringen, die ihrer Tradition entspricht und die übrigens mit der „Konzeption“ von Schönenberg identisch ist: die Erziehung für das Schöne, Wahre und Gute, mit dem besonderen Profil von Gesang, Musik und Kunst, das so sehr der weiblichen Eigenart entspricht und wofür Schönenberg, neben anderem, bekannt ist.

MB: Dürfen wir fragen, was aus Ihnen persönlich wird, nachdem sie das Rektorat übergeben haben?

Schwester Michaela: Der Distriktobere und die Dominikanerinnen sind offen dafür, dass ich hier meinen Lebensabend verbringe und also weiterhin innig mit dem Werk verbunden bleibe, sozusagen als emeritierte Rektorin. Die Oblatinnen werden auch in Zukunft das Bild des St.-Theresien-Gymnasiums prägen. Wir haben sogar soeben noch in der Person von Schwester Maria Jacinta eine Verstärkung erhalten und bilden hier nun eine Gemeinschaft von fünf Oblatinnen.

MB: Hw. Pater Udressy, wie muss man sich die künftige Struktur der partnerschaftlichen Zusammenarbeit vorstellen? Wird Schönenberg eine „dominikanische“ Schule?

Pater Udressy: Nein, so würde ich das nicht ausdrücken. Es wird auch in Zukunft eine Schule der Priesterbruderschaft St. Pius X. sein. Unser Don-Bosco-Schulverein bleibt Schulträger, bei dem das Personal angestellt ist und der die volle finanzielle Verantwortung trägt. Darum übernimmt der Don-Bosco-Schulverein, und damit der Distriktobere, auch weiterhin die Letztverantwortung für den Gesamtbetrieb, auch gegenüber den Behörden. Allerdings delegiert er die Gesamtleitung von Schule, Hauswirtschaft und Internat an die Mutter Oberin, die dafür von der Kongregation von Fanjeaux bestimmt wird – voraussichtlich an Mutter Maria Johanna Heggenberger, die seit 2016 die Grundschule mit Kindergarten im nahegelegenen Bröleck leitet und bereits in ihrer Kongregation Erfahrung in der Leitung von Schulen gesammelt hat. Sie wird ihrerseits die Leitung des Schulbetriebs und Lehrkörpers an unseren bisherigen Schulleiter Herrn Dr. Johannes Laas delegieren. Er und seine Lehrerkollegen werden natürlich in „Amt und Würden“ bleiben, ebenso das Personal, das für Hauswirtschaft und Sekretariat beim Schulträger angestellt ist.

MB: Sind Sie erleichtert, zu dieser Entscheidung gelangt zu sein?

Pater Udressy: Ja. Es war in der Tat ein längerer Weg. Niemand von allen Beteiligten - das Generalhaus der Priesterbruderschaft, Schwester Maria Michaela und die Mutter Generaloberin von Fanjeaux - hat sich die Entscheidung leicht gemacht. In vielen Gesprächen und unter dem Einfluss des Gebets konnte sie reifen. Ich habe aber den Eindruck, dass sie schon seit langem von höherer Ebene vorbereitet wurde, indem der liebe Gott im deutschsprachigen Raum Berufungen für die dominikanischen Schulschwestern erweckt hat, die nun – fertig ausgebildet – zurückkehren, um diese Verantwortung zu übernehmen. Wir sind der Mutter Generaloberin von Fanjeaux sehr dankbar, dass sie uns diese Lösung wohlwollend eröffnet hat, um die Stabilität unseres Gymnasiums und der hier geleisteten wertvollen Kinder- und Jugendarbeit auch für die Zukunft zu garantieren. Mit der Eröffnung des Kindergartens und der Grundschule St. Albert im Jahr 2016 in Bröleck haben wir nun an diesem Standort ein durchgehendes Angebot für Mädchen, vom Kindergarten angefangen bis zum Abitur. Schönenberg übt auf diese Weise eine immer größere Anziehungskraft aus: Wir haben inzwischen mehrere Familien, die sich entschieden haben, gerade wegen dieses umfassenden Angebots, in die nähere Umgebung zu ziehen.

MB: Ehrwürdige Mutter Maria Johanna, können Sie uns bitte einen kleinen Einblick geben, wer die Dominikanerinnen von Fanjeaux sind und einen Überblick über ihr Apostolat?

Mutter Maria Johanna: Ja, gern! Die Gründung der dominikanischen Schulschwestern erfolgte 1803 in der Diözese von Toulouse. 1975 kam es in Fanjeaux infolge der nachkonziliaren Wirren zum Ableger eines neuen Zweiges, der mit der Priesterbruderschaft St. Pius X. gemeinsam den Weg der Tradition geht. Diese Zusammenarbeit währt also schon lange. Unsere Klosterschulen werden seelsorglich von Priestern der Priesterbruderschaft betreut. Mittlerweile gehören an die 235 Schwestern zu unserer Kongregation, darunter etwa 15 deutschsprachige. 1800 Kinder besuchen inzwischen unsere Schulen in Frankreich, in den USA und in Deutschland. Acht davon führen bis zum Abitur, bzw. in Frankreich zum „baccalauréat“ und in den USA zur „Graduation“.

MB: Seit 2016 sind Sie Oberin des neuen Hauses in Bröleck. Haben sich die Anfänge gefestigt?

Mutter Maria Johanna: Insofern man das nach kaum 18 Monaten Präsenz überhaupt sagen kann… ja! Gerade der Kindergarten übt eine große Anziehungskraft aus, auch auf Familien der Umgebung.  Diese suchen zwar nicht unbedingt nach unserer katholischen Konzeption – das ist unser ganz persönlicher Bonus! – aber sie sehnen sich tatsächlich für ihre Kinder nach Werten, die der katholische Glauben vermittelt und die den Kindern ein wunderbares Gleichgewicht in ihr junges Leben bringen.  Die Mund-zu-Mund-Propaganda erweist sich hier als sehr wirksam. Wir hätten nicht gedacht, in Kindergarten und Grundschule innerhalb so kurzer Zeit auf inzwischen 32 Kinder zu kommen. Es vergeht keine Woche, in der nicht eine interessierte Familie auf uns zukommt. Kürzlich haben wir schon die Anmeldung für einen sechsmonatigen Jungen entgegengenommen, also für Juni 2022! Eltern, welche ihr Kind nicht schon einjährig oder noch früher in die Kita geben möchten, haben es schwer, einen freien Kita-Platz für ihren „alten Seiteneinsteiger“ von 3 oder 4 Jahren zu finden! Dieses Interesse und diese Offenheit stimmt uns sehr hoffnungsfroh, auch im Hinblick auf unser künftiges Apostolat in Schönenberg.

MB: Wie würden Sie selbst die künftige Leitungsaufgabe der Dominikanerinnen in Schönenberg umreißen?

Mutter Maria Johanna: Wir kommen, um zu dienen… Schwester Michaelas und ihrer Mitschwestern Arbeit und Wirken muss unserer Ansicht nach unbedingt weitergeführt werden – so denkt auch unsere ehrwürdige Mutter Generaloberin - und das werden wir versuchen zu tun, in Zusammenarbeit mit all jenen, die bisher schon ganz konkret daran beteiligt waren. 

Manche von uns haben lange Jahre im Ausland gelebt und unterrichtet – ich selbst bin 1986 ins Kloster eingetreten - so dass man uns manchmal für Schwestern französischer Herkunft hält (was unsere französischen Mitschwestern sehr amüsieren würde!). Ich bin im Dreiländereck aufgewachsen, im süddeutschen Rheinfelden. Zwei Mitschwestern kommen aus Bayern, eine andere aus NRW – sie ist sozusagen „nach Hause gekommen“! – Noch eine andere kommt aus dem Schwabenland, und eine Schwester aus dem schweizerischen Oensingen/SO ist diesen Sommer zu uns gestoßen. Vielfalt gibt es bei uns! Was wir alle im Ausland gelernt haben, ist, die Heimat zu lieben! Gleichzeitig bekamen wir – und ich glaube, für uns alle zu sprechen – eine große Liebe zu unserer Kongregation, von der wir so viel empfangen durften und dürfen. Wir haben alle in verschiedenen Schulen der Kongregation Erfahrung gesammelt, manche von uns haben sich schon „gekreuzt“ und mehrere Jahre lang zusammen gearbeitet. So habe ich in vergangenen Jahren Internatsschulen in Frankreich (Romagne, Cressia) und auch eine in den USA (Post Falls, Idaho) geleitet. Das sind Jahre, die ich nicht missen möchte. Jede neue Ernennung – für jede Schwester – ist Ausdruck des Willen Gottes für uns, und daher werden wir auch unser Bestes geben in diesem Schulapostolat in Schönenberg. Mehrere von uns arbeiten ja schon seit Schulbeginn 2017 daran mit. Es wäre schön, wenn so viele Schülerinnen wie möglich für ihr Leben und ihre Beziehung zu Gott von diesem Werk profitieren könnten. Wir vertrauen auf die göttliche Vorsehung und empfehlen uns ganz der Führung der Muttergottes.

MB: Hw. Pater Udressy, ehrwürdige Schwestern, haben Sie vielen Dank für Ihre Ausführungen!

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