„Der Herr ist der Anteil meines Erbes und meines Kelches ...“

13. Februar 2020
Quelle: Distrikt Deutschland

Große Freude herrschte am 1. Februar im Priesterseminar Herz Jesu in Zaitzkofen. Dort erteilte Weibischof Alfonso de Galarreta bei frühlingshaftem Wetter in einer herrlichen Zeremonie sechs Seminaristen die Niederen Weihen: vier von ihnen empfingen das Ostiariat und Lektorat, zwei das Exorzistat und Akolythat. In der Predigt erklärte der Prälat, wie das Akolythat schon direkt auf die Darbringung des heiligen Messopfers hingeordnet ist, während die anderen drei Weihen der Erbauung, Ausweitung und Festigung des Leibes Christi, der Kirche, dienen; dabei spielen insbesondere die christliche Liebe nach dem Ersten Korintherbrief eine entscheidende Rolle.

Am Tag darauf, am Fest Mariä Lichtmess, kleidete er neun Seminaristen in die Soutane ein, die sie einerseits inmitten einer nachchristlichen Gesellschaft von den Bindungen an diese Welt lösen, andererseits sie in ihrem Herzen ganz zur Weihe an den Dienst Gottes bereitmachen soll. Weiteren fünf Seminaristen erteilte er die Tonsur und erhob sie damit in den Klerikerstand.

Die Seminarkapelle war mit Besuchern überfüllt, das anschließende Mittagessen erfreute die zahlreichen Gäste: die Familien der Weihekandidaten, Freunde und Bekannte. Der Regens betonte in einer kleinen Tischrede, das schwarze Klerikergewand trage viel Licht in eine weithin gottlose, dunkle Welt hinein.

Das Priesterseminar Herz Jesu gewinnt zusehends an Bedeutung für das Leben der Kirche im deutschen Sprachraum und in den Ländern Osteuropas. Pater Franz Schmidberger nannte kleine Beispiele: Allein in Deutschland wurden von den dort ausgebildeten Patres in den letzten 25 Jahren zwölf Kirchen gebaut.

600 Gläubige besuchen an Sonntagen das Priorat in Warschau.

Die Jungenschule in Wangs (Schweiz) bereitet 114 Jungen auf den Schulabschluss vor und ist weiter im Wachsen begriffen.

Wie sollte man sich da nicht freuen?

Frankreich und USA

Am 2. Februar spendete Weihbischof Bernard Tissier des Mallerais in den USA die Niederen Weihen und erteilte die Kleriker-Tonsur.

Im Priesterseminar Hl. Thoms von Aquin im US-Bundesstaat Virginia erhielten siebzehn Seminaristen des Spiritualitätsjahres das geistliche Gewand. Zwanzig Seminaristen des ersten Studienjahres wurden durch die Tonsur in den geistlichen Stand aufgenommen.

Im französischen Flavigny (Burgund) empfingen am gleichen Tag acht Seminaristen die Soutane durch Weihbischof Bernard Fellay. Das Priesterseminar Hl. Pfarrer von Ars dient nur den Seminaristen des Spiritualitätsjahres. Die philosophischen und theologischen Studien werden im Schweizer Ecône fortgesetzt.

 

Was ist die Tonsur?

Die Tonsur (Haarabschneidung) ist noch keine eigentliche Weihe, sondern die Mitteilung des den Kleriker von den Laien unterscheidenden Standeszeichens. Aus den bei der Erteilung der Tonsur gesprochenen Worten ist ersichtlich, dass die Kirche sie als Zeichen des Verzichtes auf die Welt, des Eintritts in den besonderen Dienst Gottes und der Hoffnung auf entsprechenden Lohn ansieht. Die Tonsur gibt dem Empfänger Anspruch auf gewisse Rechte und Vorrechte der Kleriker. Zur Tonsur und zu den Niederen Weihen sollen nur solche zugelassen werden, welche die Absicht haben, auch die Priesterweihe zu empfangen, und welche die Gewähr bieten, dass sie würdige Priester werden. Wenn der Bischof einige Haare in Kreuzform abschneidet, nämlich an der Stirn, am Nacken, zu beiden Seiten des Kopfes und am Scheitel, spricht er folgende Psalmstelle: Dominus pars haereditatis meae et calicis mei: tu es, qui restitues haereditatem meam mihi. – Der Herr ist der Anteil meines Erbes und meines Kelches: Du bist es, der mir zurückstellen wird mein Erbe.“

Was sind die vier Niederen Weihen?

Die vier Niederen Weihen sind seit der Frühzeit der Kirche folgende: Der Ostiarier (Pförtner), der Lektor (Vorleser), der Exorzist (Teufelsaustreiber) und der Akolyth (Lichtträger). Die Niederen Weihen und der Subdiakonat sind durch einen Kanon des Konzils von Trient geschützt. Paul VI. hat die Spendung durch „Beauftragungen“ ersetzt.

Zur Erteilung des Ostiariers werden dem Kleriker Kirchenschlüssel eingehändigt. Der Weiheakt wird, wie die Erteilung der übrigen Weihen, mit einer Unterweisung eingeleitet und einem Gebet für die Geweihten abgeschlossen. Dem Ostiarier oblag in alter Zeit die Obhut über das Kirchengebäude. Er bewachte auch die Pforten, so dass nur solche zum Gottesdienst zugelassen wurden, die dazu berechtigt waren.

Die Weihe des Lektors wird erteilt durch Übergabe des Buches der Lesungen (gewöhnlich ein Band des Breviers). Ihm kam zu, die Texte der Hl. Schrift in den Offizien der Kirche zu lesen.

Die Weihe des Exorzisten, durch die dem Kleriker das Recht erteilt wird, über die von bösen Geistern Besessenen die kirchlichen Gebete zur Austreibung derselben zu sprechen, geschieht durch Übergabe des Buches, in dem die betreffenden Beschwörungen gedruckt sind (Rituale Romanum). Nach dem heute geltenden Kirchenrecht dürfen indes nur Priester mit besonderer und ausdrücklicher Genehmigung des Bischofs solche Beschwörungen vornehmen, wenn nach sorgfältiger Untersuchung tatsächliche Besessenheit festgestellt worden ist.

Bei der Weihe zum Akolythen werden dem Kleriker ein Leuchter mit einer Kerze, die nicht angezündet ist, und ein leeres Messkännchen zur Berührung dargereicht. Das Amt des Akolythen ist es nämlich, die Lichter für den Gottesdienst zu besorgen und bei der hl. Messe Wein und Wasser herbeizubringen, also etwa das zu tun, was die Messdiener verrichten

Verweltlichung des Klerikerstandes

Erzbischof Marcel Lefebvre fand am 12. Februar 1984 bei der Erteilung der Tonsur und der Niederen Weihen in Zaitzkofen klarsichtige Worte zur Verweltlichung des Klerikerstandes:

„Es ist Tradition, und zwar eine Tradition, die auf dem katholischen Glauben beruht, dass der Kleriker wesentlich verschieden ist vom Laien, weil der Kleriker sich darauf vorbereitet, Priester zu werden, und das Priestertum der Priester vom Priestertum der Laien wesentlich verschieden ist. Das Priestertum der Laien ist mehr Bild als Realität. Das Priestertum des Priesters ist eine fundamentale Wirklichkeit, die an der priesterlichen Gnade Unseres Herrn Jesus Christus wahrhaft teilhat. Das ist der Grund dafür, dass die Kirche, denen, die sie aus den Laien beruft, die sie auswählt, weil sie bereit sind, mit dem Priestertum bekleidet zu werden, ein ganz besonderes Zeichen verleiht.

Von nun an werden sie, da sie keine Laien mehr sind, von der Kirche als Kleriker betrachtet. Sie genießen die Vorrechte der Kleriker, müssen aber auch ihre Pflichten teilen. Es ist heute sehr wichtig, wichtiger denn je, einen klaren Begriff von diesen Dingen zu haben.

Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil hat man, wie Sie wissen, dieses Konzil das Konzil der Aufwertung der Laien genannt. Haben denn vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil die Laien keinen ehrenvollen Platz in der Kirche gehabt, gab es in der Kirche vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil keine angemessene Schätzung der Laien? Hat die Kirche sich etwa zweitausend Jahre lang getäuscht und die Laien geringgeachtet, die Kleriker aber in unangemessener Weise erhöht? Das ist offenkundig als unrichtig und unwahr zu erkennen. Dieser Gedanke der Aufwertung der Laien beruht auf einem ganz neuen Selbstverständnis der Kirche. Und das ist das Verhängnisvolle daran. Deshalb möchte ich ... Ihre Aufmerksamkeit auf den schweren Irrtum zu lenken, der im Begriff ist, sich in der gesamten Kirche zu verbreiten. Er hat sich schon im Lauf des Konzils verbreitet, und zwar unter ganz bestimmten Vorstellungen derer, die diese Aufwertung der Laien erreichen wollten. Und diese Vorstellungen kommen jetzt nach dem Konzil ebenfalls bei ganz bestimmten Dingen zur Anwendung wie eben bei der Abschaffung der Tonsur, der Abschaffung der Niederen Weihen und der Abschaffung des Subdiakonats. Lauter Tatsachen, die zeigen, dass sich da ein neues Selbstverständnis der Kirche durchsetzt.

Und welches ist dieses neue Selbstverständnis? Man verpflichtet sich jetzt nicht mehr. Der neue Begriff ist der Begriff vom Volk Gottes. Populus Dei. Was will man damit sagen? Volk Gottes, dieses Wort kehrt heute dauernd in den modernen Schriften aus der Feder der Geistlichen, aus der Feder der Bischöfe wieder. Und dieser neue Begriff liegt dem neuen Kirchenrecht des Volkes Gottes zugrunde.

Alles wurde dem Volk Gottes anvertraut. Der Unterricht in der Kirche ist dem Volk Gottes anvertraut, die Heiligung der Seelen ist dem Volk Gottes anvertraut, alle Sakramente, die heilige Messe ist dem Volk Gottes anvertraut. Wir haben hier eine ganz neue Vorstellung, die so weit geht, dass man in diesem Volk Gottes gar nicht mehr weiß, wer von Gott und wer von der Kirche ernannt wird und wer auserwählt ist, das heilige Messopfer darzubringen, die Sakramente zu spenden, zu lehren und zu heiligen! Man weiß das nicht mehr, alles ist vag und verwirrt.“

Bilder von den Niederen Weihen in den USA 2020

Bilder von den Niederen Weihen in Frankreich 2020