Die Weisheit der Kirchenväter, 2. Folge, Brief des hl. Clemens Romanus, Teil 1

18. Juni 2021
Distrikt Österreich
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16:33

Brief des hl. Papstes Clemens I., 1. Teil 

 

Der Kirchenvater Clemens von Rom war der dritte Nachfolger des Apostels Petrus als Bischof von Rom, nach Linus und Kletus. Er war ein unmittelbarer Zeuge der Verkündigung und des Wirkens der Apostel. Das bestätigt uns der hl. Irenäus von Lyon gegen Ende des 2. Jahrhunderts und das entnehmen wir den Worten des hl. Apostels Paulus, wenn er den späteren Papst Clemens in seinem Brief an die Philipper erwähnt.

Vom Kirchenvater Clemens ist uns ein Brief erhalten, den er gegen Ende des ersten Jahrhunderts an die Korinther schrieb. Mit diesem Brief reagiert Clemens im Namen der Kirche von Rom auf die heftigen Auseinandersetzungen, die in der Gemeinde von Korinth entstanden waren. Dort war nämlich ein Streit entbrannt, weil ein Teil der Gemeinde neue Presbyter an Stelle der bisherigen gewählt hatte, dieses Vorgehen wurde von einem anderen Teil der Gemeinde abgelehnt. Während sich in Korinth diese Auseinandersetzungen zuspitzten, stand die römische Gemeinde unter dem Druck der Verfolgung durch den Kaiser Domitian, welcher schließlich am 18. September 96 ermordet wurde. Nachdem eine vorübergehende friedliche Periode für die Christen in Rom angebrochen war, nahm sich der Bischof von Rom der Sache in Korinth an und entschied den Streit dahingehend, indem er erklärte, dass die Presbyter lebenslang im Amt bleiben müssten.

Die schwierige Aufgabe des Friedensstifters meisterte er vorbildlich. Im ältesten, uns erhaltenen Pastoralschreiben eines Kirchenoberhauptes ermahnt und tadelt er nicht nur, sondern ermuntert und baut auf, legt aber auch unmissverständlich klar, dass die kirchliche Hierarchie von Gott selbst eingesetzt ist, die Ämterverteilung in der Kirche ihren Ursprung in der göttlichen Ordnung hat. Dass der Brief mehr sein soll als Information und Entscheidung, sondern ganz besonders Erklärung und Belehrung, beweisen der erste Teil des Briefes sowie der beachtliche Umfang von 65 Kapitel. Die sehr klare und doch poetische Sprache, in der der Brief abgefasst ist, untermauert die Autorität, mit der er als Bischof von Rom und als Papst der römischen Kirche auftritt.  

Wiederholt betont er, dass der Herr Jesus Christus selbst „bestimmt hat, wo und durch wen die liturgischen Dienste vollzogen werden sollen, damit alles, was heilig und mit Seinem Wohlgefallen verrichtet wird, Seinem Willen angenehm sei… Dem Hohenpriester (=Bischof) sind nämlich eigene liturgische Funktionen übertragen, den Priestern ist ein eigener Platz zugewiesen worden, den Leviten obliegen ihnen eigene Dienste. Der Laie ist an die für die Laien geltenden Vorschriften gebunden“. Zum ersten Mal in der christlichen Literatur finden wir hier, am Ende des 1. Jahrhunderts, den griechischen Ausdruck „laikos“, was hier „Glied des Volkes Gottes“ bedeutet.

In diesem Text, der mehr als 1900 Jahre alt ist, können wir heute eine äußerst große Aktualität erkennen. Inmitten einer gewaltigen Unordnung in der Gemeinde von Korinth verurteilt Clemens diese entschieden und verweist mit aller Klarheit auf den Ursprung der Ämterverteilung im göttlichen Gesetz, in der göttlichen Ordnung.  Er beruft sich dabei auf die Apostel, die er noch persönlich erlebt hatte. Wenn wir diese Vorgangsweise auf unsere Zeit übertragen, so ist es eigentlich sonnenklar, wo der Ausweg aus der gewaltigen Unordnung in der Kirche unserer Tage liegt, nämlich in der Rückkehr zur Tradition, zum Ursprung und damit zum göttlichen Gesetz.