Gebt der ganzen Kirche zurück, was ihr gehört!

Stuttgart, Aschermittwoch 2019

Liebe Freunde und Wohltäter,

von dem bekannten englischen Autor C.S. Lewis stammt das Wort: „Wenn das Christentum falsch ist, ist es bedeutungslos. Wenn es aber stimmt, ist es von unendlicher Bedeutung. Was es nicht sein kann, ist, nur ein bisschen wichtig zu sein.“ – Die Kirche begeht momentan ein trauriges Jubiläum, auf das sich dieses Zitat in Abwandlung anwenden lässt. 50 Jahre sind seit Einführung des Novus Ordo Missae (NOM), der sogenannten Neuen Messordnung vergangen. Wie ist der damit einhergehende, fast allgemeine Rückgang an Ehrfurcht vor dem Allerheiligsten einzuordnen? – Wenn das Mysterium der Messe falsch ist, ist es bedeutungslos. Wenn es aber stimmt, ist es von unendlicher Bedeutung. Was es nicht sein kann, ist, nur ein bisschen wichtig zu sein!

Das Mysterium der hl. Messe ermöglicht es uns, das Opfer Christi als gegenwärtiges Heilsgeschehen zu erfahren, über alle Zeitgrenzen hinweg. Der Ritus der heiligen Messe darf darum niemals den Eindruck erwecken, dass es hier um etwas geht, was der Kirche zwar wichtig ist, aber nicht das Höchste. „Was du kannst, das sollst du wagen, um Ihm gebührend Lob zu sagen!“, singen wir an Fronleichnam. Warum ist das seit 50 Jahren nicht mehr selbstverständlich? Warum leidet die Kirche an einer Messordnung, die das erhabenste Mysterium vermengt mit anderem, was nicht ihr Wesen ausmacht – mit Karneval zum Beispiel. Man muss sich der Frage stellen, warum so etwas im überlieferten Ritus undenkbar ist, in der Neuen Messordnung aber schon!

Das heilige Messopfer ist für uns von unendlicher Bedeutung. Hier treten wir ein in die Wolke der Gegenwart Gottes, die den Altar umgibt: Die menschgewordene göttliche Liebe, unser Herr Jesus Christus, geht in den Tod, damit uns himmlisches Leben zuteil wird und wir von unseren Sünden erlöst werden. Was will die Kirche als Braut Christi anderes, als ihrem göttlichen Bräutigam in dieser Liebe zu folgen? Es vollzieht sich in der heiligen Messe ein wunderbarer Austausch zwischen Schöpfer und Geschöpf, wie es der Dichter R.J. Sorge (†1916) in einem Kommuniongebet so schön zum Ausdruck gebracht hat: „Gott wird klein, sinkt dir ein, Menschenherz heißt sein Schrein. Hier wird neu die erste Liebe. Der Schöpfer küsst mit brennender Liebe das Geschöpf, das er ersann. Kindlein sein, das ihm entrann.“

Sagen wir es offen: Die Neue Messordnung trübt diesen Blick sowohl auf das Sühneopfer, als auch auf die leibhaftige Gegenwart Jesu, der sich uns schenkt. Die vielfach im protestantischen Geist veränderten Gebete wirken wie Nebel: Die Wahrnehmung des Mysteriums wird unklar und eine wirklich tätige Teilnahme unmöglich. Die Teilnahme am heiligen Messopfer ist und bleibt ein Anteilnehmen am Leiden des Herrn und die Annahme seines Leidens für unser Heil. Sie ist der Aufblick zum Herrn am Kreuz. Um das Mysterium der Messe zu schützen, hat das Konzil von Trient die Bestimmung getroffen, dass der Kanon weiterhin vom Priester still zu beten ist und nicht laut. Der Kanon ist nicht das bloße Verlesen eines Einsetzungsberichts zum Gedächtnis, sondern in ihm vollzieht sich ein unaussprechliches Geschehen!

Wir erleben seit 50 Jahren, wie das Allerheiligste antastbar gemacht wurde durch Veränderung von Inhalt und Form des Ritus. Bei der Einführung (§7) des Novus Ordo Missae wird die heilige Messe auf einmal im protestantischen Sinn als Herrenmahl definiert und nicht mehr als das Sühneopfer Christi für unsere Sünden. Papst Pius XII. hatte noch wenige Jahre zuvor ein eigenes Weltrundschreiben zur Liturgie verfasst, Mediator Dei – Der Mittler Gottes, um genau solche Entwicklungen aufzuhalten. Man hat sich einfach darüber hinweggesetzt. Was für ein Schaden für die Kirche! Kardinal Joseph Ratzinger stellte 1997 treffend fest: „Ich bin überzeugt, dass die Kirchenkrise […] weitgehend auf dem Zerfall der Liturgie beruht, die mitunter sogar so konzipiert wird, ‚etsi Deus non daretur‘ [was in etwa bedeutet: als ob es Gott nicht gäbe]“.

Angesichts dieser traurigen Fakten wird sich die Priesterbruderschaft St. Pius X. mit der sogenannten Neuen Ordnung der Messe auch weiterhin nicht abfinden. Wir halten uns treu an jene Liturgie, die alle Heiligen der letzten 1500 Jahre geprägt hat. Weil wir die Kirche lieben, werden wir nicht aufhören, eine allgemeine Rückkehr zum ordentlichen Messritus aller Zeiten bei den kirchlichen Autoritäten anzumahnen: „Gebt der ganzen Kirche zurück, was ihr gehört: jene Liturgie, die Ausdruck ihrer bräutlichen Liebe ist!“. Die Liturgiereform nach dem letzten Konzil ist nicht unumkehrbar. Sie wird verschwinden, wie sie gekommen ist – über Nacht. Sie ist das „platte Produkt des Augenblicks“, um nochmals Kardinal Ratzinger zu zitieren (Festschrift Gamber 1989). Wenngleich viele Priester noch notgedrungen die Neue Messe lesen, geht ihre Sehnsucht doch woanders hin. Wir verurteilen niemanden wegen der Neuen Messe. Wir wünschen aber sehnlichst, dass alle Priester jene Messe kennen lernen, die sie in ihrem Priestertum bestärkt und dass alle Gläubigen an jener Messe teilnehmen können, die ihnen wahrhaft Heiligkeit vermittelt. Der Opfercharakter muss wieder ins Zentrum gerückt werden. Nur so kann die Erneuerung der Kirche gelingen.

Ich möchte Sie einladen, das diesjährige Fastenopfer zu einem Ausdruck Ihrer Liebe zur heiligen Messe aller Zeiten zu machen. Wir bitten Sie in diesem Jahr um ein Fastenopfer für die Erhaltung, Verschönerung und Renovierung unserer Kirchen und Kapellen. In den letzten Jahrzehnten konnten wir – parallel zum liturgischen Niedergang um uns herum – in Deutschland ein Netz von geistlichen Zentren aufbauen, die für die wahre heilige Messe geschaffen und eingerichtet wurden. Bitte helfen Sie uns mit einem großherzigen Opfer, unsere Kapellen und Kirchen in gutem Zustand zu erhalten. Eine allgemeine Bestandsaufnahme hat stellenweise einen dringlichen Nachholbedarf aufgezeigt, den wir in den nächsten Jahren bewerkstelligen wollen. Eine Auswahl der Maßnahmen im deutschen Distrikt haben wir für Sie übersichtlich zusammengestellt. Bitte helfen Sie uns bei der Umsetzung mit Ihrer Spende! Dafür danke ich Ihnen herzlich und versichere Ihnen, dass wir unseren Weg für die wahre hl. Messe unbeirrt weitergehen, so wie ihn uns der verehrte Stifter unserer Priesterbruderschaft, Erzbischof Marcel Lefebvre, vorangegangen ist.

Ich wünsche Ihnen eine gnadenreiche Fastenzeit und verbleibe herzlich mit meinem priesterlichen Segen

Ihr

+ Pater Firmin Udressy

 

P.S.: Helfen Sie mit, die Priorate und Kapellen unserer Priesterbruderschaft zu erhalten.

Zu Ihrer Information haben wir eine Übersicht unserer aktuellen Bauprojekte zusammengestellt. Informieren Sie sich – über Ihre finanzielle Unterstützung würden wir uns sehr freuen.