Priester- und Diakonatsweihen in Zaitzkofen

29 Juni, 2015
Quelle: Distrikt Deutschland

Am Samstag, dem 27. Juni fand im kleinen, beschaulichen Dörflein Zaitzkofen in Bayern wieder das jährliche Großereignis statt: die Priesterweihen im Priesterseminar der Priesterbruderschaft St. Pius X. Diesmal wurden mit zwei Priestern auch zwei Diakone geweiht.

Festlich geschmückt präsentierte sich das Schloßgebäude, welches die Räumlichkeiten für das Seminar bietet. Die Brüder und Seminaristen der Bruderschaft hatten den Schloßpark in eine Kathedrale unter freiem Himmel verwandelt: Auf der Parkseite des altehrwürdigen Gebäudes, das als Hintergrundkulisse diente, wurde ein großes Zelt aufgerichtet, das den Altarraum für die Weihezeremonie bildete. Auf der angrenzenden Wiese wurden Bänke für die Austeilung der hl. Kommunion und für die etwa 2000 Gläubigen aufgestellt, die sich trotz Regens für die Weihen eingefunden hatten. Erstaunlich viele Jugendliche und junge Familien mit Kindern befanden sich unter den Anwesenden. Unter feierlichem Orgel- und Trompetenklang zogen der Weihespender, Mgr. Alfonso de Galarreta, der Generalobere der Priesterbruderschaft, Mgr. Bernard Fellay, der Erste Assistent der Bruderschaft, Pater Niklaus Pfluger, mit etwa 70 Priestern und den Brüdern und Seminaristen ein.

In seiner Predigt betonte Mgr. de Galarreta, daß die Weihen auf die Eucharistie hingeordnet seien, welche das Sakrament der Sakramente sei. Sie habe eine dreifache Bedeutung, wie Thomas von Aquin ausführe. Zunächst erinnere sie uns an alles, was Christus für uns getan und gelitten habe; zweitens sei sie das vollkommenste Opfer zur Verherrlichung Gottes, als Dank, als Sühneleistung und das wirkkräftigste Bittopfer; drittens schenke sie uns den Herrn selbst als Nahrung unserer Seelen. Daher könne man mit Mgr. Lefebvre, dem Gründer der Priesterbruderschaft, sagen, daß die Messe unser Glaube und unser Katechismus ist. Aufgabe des Priesters sei es, die Gläubigen die Heilswahrheiten zu lehren, sie zu einem Leben nach den Geboten anzuleiten und sie durch die hl. Messe und die Sakramente zu heiligen. Ursache der gegenwärtigen Krise sei es, daß dies seit dem Zweiten Vatikanum nicht mehr ausreichend geschehe. Man habe einen neuen Katechismus eingeführt, neue Riten für die Sakramente und eine neue Messe, die nunmehr statt Gott den Menschen ins Zentrum rücke. Der Bischof forderte die Weihekandidaten auf, sich mit ganzem Herzen und mit allen Kräften ihrer Aufgabe zu widmen. In der heiligen Messe aller Zeiten, in den von Gott geoffenbarten Wahrheiten und Sittenlehren sei alle Kraft beschlossen, die Menschheit zu heiligen und die Seelen zu retten. Unter dem Schutz des Unbefleckten Herzens Mariens sollten die Weihekandidaten beten und arbeiten, denn die Gottesmutter habe in Fatima verkündet, daß am Ende ihr Unbeflecktes Herz triumphieren werde.

Nach der Ansprache begaben sich alle vier Weihekandidaten vor den Bischof und warfen sich zum Zeichen ihrer Hingabe an Gott auf ihr Angesicht nieder, während die Allerheiligenlitanei gesungen wurde. Die beiden Priesteramtskandidaten gingen danach wieder auf ihre Plätze zurück und die Weihe der Diakone (ein Kanadier und ein Italiener) begann.

Sie wurden namentlich aufgerufen. Nach einer ausführlichen Ermahnung der Weihekandidaten seitens des Bischofs zu einem heiligen Leben und der Belehrung über ihre Aufgaben (Taufen, Predigen, am Altare dienen) stimmte dieser die Weihepräfation an. Er legte jedem die Hand auf (für die Diakonatsweihe nur eine – für die Priesterweihe sind es beide Hände), was die Materie der sakramentalen Weihe ist und sprach anschließend die Worte der sakramentalen Form: „Sende auf sie, so bitten wir, Herr, den Heiligen Geist, damit sie für die Aufgabe, deinen Dienst treu zu erfüllen, mit dem Geschenk deiner siebenförmigen Gnade gestärkt werden.“

Nun legte der Bischof den neuen Diakonen die Stola und die Dalmatik an und überreichte ihnen das Evangelienbuch. Danach rief der Bischof nochmals Gnade und Segen auf die Diakone herab, damit sie mit allen Tugenden, die der Dienst Gottes verlangt, ausgerüstet, Gott wohlgefällig seien. Einer der beiden neuen Diakone waltete gleich seines Amtes und sang das Evangelium.

Nun wurden die Priesteramtskandidaten (ein Deutscher und ein Kanadier) vom Erzdiakon aufgerufen. Dieser wandte sich an den Bischof und sprach: „Hochwürdigster Vater, die heilige Mutter, die katholische Kirche verlangt, daß Ihr die hier gegenwärtigen Diakone zur Bürde des Priestertums erheben möget.“ Darauf fragte der Weihespender: „Weißt Du, ob sie würdig sind?“ Worauf der Erzdiakon erwiderte: „Soweit menschliche Gebrechlichkeit es zu erkennen vermag, weiß ich und bezeuge, daß sie der Bürde dieses Amtes würdig sind.“

Danach wandte sich der Bischof an das Volk und forderte es auf, man möge vorbringen, wenn etwas gegen die Weihe eines der Kandidaten spreche. Anschließend wandte er sich an die Weihekandidaten und ermahnte sie zu einem keuschen und heiligen Leben. Er sprach: „Erkennet, was Ihr tut! Ahmet nach, was Ihr vollzieht! Wenn Ihr also das Geheimnis des Todes des Herrn feiert, so seid bedacht, in Euren Gliedern alle Laster abzutöten! … Der Wohlgeruch Eures Lebens sei eine Erquickung für die Kirche Christi.“

Nun kam der ergreifende Augenblick, in dem der Bischof still jedem Kandidaten beide Hände auflegte, und nach ihm ebenso alle anwesenden Priester. Dann stimmte der Bischof die Weihepräfation an und sprach die Worte der sakramentalen Form der Priesterweihe: „Verleihe, so bitten wir, allmächtiger Vater, diesen Deinen Dienern die Würde des Priestertums; erneuere in ihren Herzen den Geist der Heiligkeit, damit sie das von Dir, Gott, empfangene Amt des zweiten Ranges festhalten und durch das Beispiel ihres Lebenswandels die Zucht der Sitten fördern.“

Anschließend zog der Bischof den Neupriestern die Stola über die rechte Schulter und legte sie kreuzweise übereinander mit den Worten: „Nimm hin das Joch des Herrn: denn Sein Joch ist süß und Seine Bürde leicht.“

Beim Anlegen des Meßgewandes sprach er zu jedem: „Nimm hin das priesterliche Gewand, das die Liebe versinnbildet, denn Gott ist mächtig, Dir die Liebe vollkommen zu machen.“

Es folgte die Salbung der Hände der Neugeweihten, wobei der Bischof betet: „Weihen und heiligen mögest Du, o Herr, diese Hände durch diese Salbung und unsere Segnung. Damit alles, was sie segnen werden, gesegnet sei und was sei weihen werden, geweiht und geheiligt sei, im Namen unseres Herrn Jesus Christus.“

Der Weihespender reichte im Anschluß daran jedem Neupriester den Kelch mit Patene und Hostie: „Empfange die Gewalt, das Opfer Gott darzubringen und Messen zu lesen, sowohl für die Lebenden als für die Abgestorbenen, im Namen des Herrn.“

Nun brachten die neuen Priester zusammen mit dem Bischof ihr erstes hl. Meßopfer dar und empfingen aus seinen Händen die hl. Kommunion. Vor dem Auszug spendeten die Neupriester den versammelten Gläubigen den allgemeinen Primizsegen. Nach dem Auszug konnten die Anwesenden noch den persönlichen Segen der frisch Geweihten empfangen.

Am nächsten Tag, Sonntag, 28.6., feierten die beiden Neupriester ihre Primizmessen. Einer von ihnen um 7:30 Uhr in der Seminarkapelle, der andere um 9:30 Uhr im Weihezelt vor zahlreich versammelter Gläubigenschar.