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Predigt bei der Fatima-Wallfahrt am 19. August 2017

24. August, 2017

Exzellenz, hochwürdige Mitbrüder, liebe Pilger,

von Herzen danken wir Ihnen, dass Sie dem Aufruf der Leitung der Priesterbruderschaft St. Pius X. so zahlreich gefolgt sind. Sie sind angereist von allen Enden der Erde, um den 100. Jahrestag der Erscheinungen Unserer Lieben Frau hier in Fatima zu feiern. Wie sehr müssen wir ihr für diese Herablassung, für diese ihre Güte und Barmherzigkeit danken, dass sie die Erde heimgesucht, dass sie uns in diesen schwierigen Zeiten als Botschafterin des Allerhöchsten auf die übernatürlichen Heilmittel, wie sie uns ihr göttlicher Sohn im Evangelium hinterlassen hat, aufmerksam macht und uns ihr Unbeflecktes Herz als Zuflucht und den Weg, der uns zu Gott führt, geschenkt hat.

Maria erscheint am 13. Mai 1917 auf einer Steineiche. Dieser Baum erinnert uns an den Weihnachtsbaum, mithin an die erlösende Menschwerdung. Gott selber hat eine menschliche Natur angenommen, um die Erde mit dem Himmel, das Geschöpf mit dem Schöpfer, den Menschen mit Gott zu versöhnen, um uns das Tor zum ewigen Leben wieder aufzustoßen, das seit dem Sündenfall unserer Stammeltern verschlossen war.

Dieser Baum macht uns noch mehr aufmerksam auf das Kreuz Jesu Christi, aufgerichtet auf Golgotha, von dem die heilige Liturgie der Kirche sagt: Regnavit a ligno a Deus – Gott regiert vom Holz des Kreuzes aus. Wir, die Fatima-Pilger, sind die Apostel des Königtums Christi über die ganze Gesellschaft und folglich auch des heiligen Messopfers in seinem altehrwürdigen Ritus. Nicht umsonst schreibt Erzbischof Lefebvre in seinem geistlichen Wegweiser: „In den Plänen der unendlichen Weisheit Gottes ist das Kreuz Jesu für die Verwirklichung der Erlösung, der Neuerschaffung, der Erneuerung der Menschheit die vollkommene, totale, endgültige, ewige Lösung, durch die alles gelöst wird… Man kann wahrhaftig sagen, dass alle Wohltaten der Christenheit vom Kreuz Jesu und von Jesu, dem Gekreuzigten kommen; es ist die Auferstehung der gefallenen Menschheit dank der Kraft des Blutes Jesu Christi.“ Das ist ein erster Teil der Botschaft von Fatima.

Mariens erste Worte lauten: „Ich komme vom Himmel.“ Damit weist sie uns hin auf das ewige Ziel eines jeden Menschen, aller 7 ½ Milliarden Erdenbewohner, aller, die schon gewesen sind, und aller, die noch kommen werden, ohne Ausnahme, von Gott geschaffen für seine beseligende Anschauung. Doch das Schicksal eines jeden Menschen liegt in seinen eigenen Händen. Er kann in der Nachfolge Christi sein ewiges Heil erreichen oder auch scheitern, selbst als Christ, selbst als Ordensmann, als Priester oder Bischof. Jeder von uns, liebe Pilger, kommt eines Tages in den Himmel oder in die Hölle. Bedenken wir: Wer sich rettet, rettet sich durch die Gnade Gottes; wer verloren geht, geht verloren durch eigene Bosheit und Schuld. Bitten wir darum bei dieser Wallfahrt um die Gnade unserer Rettung, um das Ausharren bis ans Ende.

Die Botschaft Unserer Lieben Frau ist einfach, wie ein Echo des Bußrufs Johannes des Täufers am Jordan, wie ein Aufruf Christi selbst: Bekehrung, Buße, Gebet und Opfer. Ohne die Hilfe Gottes gibt es kein Heil; folglich müssen wir beten. Ohne Hinopferung des alten Menschen in uns gibt es keine Liebe. Diese Botschaft kennt drei Adressaten gemäß der Erscheinung vom 13. Juli 1917. Zunächst den individuellen Menschen mit einer deutlichen Warnung vor der ewigen Verdammnis. Sodann geht es um das Schicksal der Völker, wobei Russland eine besondere Rolle spielt mit der Ausbreitung des gottlosen Materialismus. Nach dem Mauerfall von 1989 ist die Gefahr keineswegs abgetan, im Gegenteil, die heutige Kulturrevolution erfasst alle Kontinente und Völker, erfasst alle Lebensbereiche und insbesondere alle christlichen Einrichtungen. Papst Benedikt XVI. hat es selber in Fatima gesagt: Es täuscht sich, wer meint, die Botschaft Fatimas sei in unseren Tagen nicht mehr aktuell. Deshalb ist eines der großen Gebetsanliegen dieser Wallfahrt die Weihe Russlands an das Unbefleckte Herz Mariens durch den Heiligen Vater und die mit ihm vereinten Bischöfe der Welt, so wie es die Muttergottes eingefordert hat.

Der dritte Adressat ist ohne Zweifel die Kirche selbst. Im dritten Geheimnis, soweit es von Rom veröffentlicht worden ist, ist die Rede von einer ganz zerstörten Stadt mit vielen Leichnamen. Es ist dies die weithin zerstörte Stadt Gottes, die heilige Kirche und die für die übernatürliche Heilsordnung gestorbenen Seelen. Die Ermordung des Papstes, von Bischöfen, Priestern und auch Laien in dieser Vision weist wohl hin auf den Glaubensverlust weiter Teile in der heiligen Kirche.

Maria bietet uns im Auftrag Gottes als letztes Rettungsmittel die Andacht zu ihrem Unbefleckten Herzen an. Warum zu ihrem Herzen? Weil Gott die Liebe ist. Warum zu ihrem Unbefleckten Herzen? Weil wir inmitten einer Welt des Neuheidentums und eines sittlichen Niedergangs leben, wie ihn die Welt bis dahin wohl nicht gesehen hat.

Liebe Pilger, nehmen wir nach dem Beispiel der drei Seherkinder Lucia, Jacinta und Francisco alle Mühsale dieser Wallfahrt, die Hitze, eventuelle Schlaflosigkeit und Anstrengungen aller Art auf uns, um so viele Seelen zu retten, um für die Kirche die Überwindung ihrer Krise und einen neuen Frühling zu erbitten und stellvertretend für unsere Völker Heil und Frieden zu erflehen.

Amen.

Quelle: fsspx.news