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Mit Soutane auf der Baustelle

21. März, 2017

Ein Gespräch mit Bruder Marcus

Die Priesterbruderschaft St. Pius X. ist eine Priestergesellschaft mit Gemeinschaftsleben nach dem Vorbild der Missionsgesellschaften. Zu ihr gehören nicht nur Kleriker, sondern auch Ordensbrüder, die die Gelübde der Armut, der Ehelosigkeit und des Gehorsams ablegen. Die Ordensbrüder übernehmen in den Seminaren, Prioraten und Häusern der Bruderschaft vielfältige Aufgaben. Sie leben nach den Statuten, die der Erzbischof der Bruderschaft gegeben hat, ergänzt durch die „Brüderregel“.

Bruder Marcus (37) hat 2013 die Ewigen Versprechen abgelegt. Der ausgebildete Schreiner und Bautechniker gehört zum Distriktsitz in Stuttgart und ist verantwortlich für die Ausführungen vieler Bauvorhaben im deutschen Distrikt. Bruder Marcus stammt aus Rottenburg. Die Familie ist mit zwei Berufungen gesegnet. Sein Zwillingsbruder ist Pater Gerd Heumesser, der Ökonom des deutschen Distrikts.

Mitteilungsblatt: Bruder Marcus, Sie sind als Ordensbruder der Priesterbruderschaft St. Pius X. verantwortlich für die Ausführung der Bauvorhaben im deutschen Distrikt. Baustellen bringt man eher weniger in Verbindung mit dem Ordensleben.

Bruder Marcus: Als Bauarbeiter in Soutane wird man heutzutage oft komisch angeschaut oder angesprochen. Scherzhaft zum Beispiel beim Baustoffhändler: „Muss der Pfarrer jetzt schon die Bauten selber machen!“

Schon die Benediktiner haben ihre Klöster selbst gebaut.

Wir Brüder weihen uns dem lieben Gott im Ordensleben. Das erste Ziel unseres Lebens ist die Ehre Gottes und unsere Heiligung. Beides wird am besten erreicht, wenn man die vom Oberen aufgetragenen Aufgaben erfüllt.

Unsere Brüderregel, die uns Erzbischof Lefebvre gegeben hat, gibt uns die Aufgabe, das Apostolat der Priester zu unterstützen, sei es durch praktische Aufgaben – Ökonomie, Sekretariat, Handwerk – oder durch geistliche Aufgaben – Altardienst, Katechismusunterricht, Choral.

Der Erzbischof war ein Missionar, er hat versucht, die Christenheit in Afrika aufzubauen. Dazu gehört auch die Errichtung der Gebäude – Schulen, Kirchen, geistliche Häuser. Das Bauen wird daher ausdrücklich in der Brüderregel genannt.

Mitteilungsblatt: In vielen Ländern gibt es die Tradition der „Baupredigt“. Einmal im Jahr gibt der Pfarrer der Gemeinde bekannt, welche konkreten materiellen Kosten durch den Unterhalt der Kirche und der pfarrlichen Werke entstehen.

Bruder Marcus: Das ist wohl notwendig. Auch bei der Priesterbruderschaft St. Pius X. wird oft zum Spenden aufgerufen, auch wenn es nicht in der Predigt ist. In Deutschland sind die Diözesen durch die „Kirchensteuer“ reich. Die Priesterbruderschaft St. Pius X. ist jedoch auf die Großzügigkeit und Opferbereitschaft  der Gläubigen angewiesen. Jeder Cent ist erbettelt. Das ist auch einer der Hauptgründe, warum sich ein Ordensbruder um unsere Baustellen kümmert. Wenn man selbst vor Ort ist, hat man viel mehr Möglichkeiten, sich um einen effizienten Einsatz der zur Verfügung stehenden Mittel zu kümmern.

An einem Gotteshaus mitbauen zu dürfen ist natürlich eine besondere Ehre und Freude. Die Motivation der Gläubigen, an einer Kirche mitzubauen, ist immer sehr groß. Darüber habe ich mich beim Bau der Kirche in Schramberg besonders gefreut. Demgegenüber ist die Einsatzbereitschaft bei anderen Baumaßnahmen, z. B. Schulräumen, eher gering.

In gewisser Weise ist aber auch die Montage einer Brandschutztür für das Apostolat notwendig. Ohne Brandschutztüren keine Schulen – die Sicherheit der Kinder geht natürlich immer vor.

Mitteilungsblatt: Welche Projekte haben Sie in den letzten Jahren betreut?

Bruder Marcus: In Zaitzkofen nach meinem Noviziat war ich in der Schreinerei tätig. Als ich 2008 nach Saarbrücken versetzt wurde, stand dort der Internatsumbau an. Damit begann meine Bautätigkeit. Von meinen Oberen bekam ich dann den Auftrag, mich um den Innenausbau der Kirche Mariä Verkündigung in Schramberg-Sulgen zu kümmern. Das war eine meiner schönsten Aufgaben. Die Sanierung der „alten Schule“ in Rheinhausen für die Dominikanerinnen folgte – und zog sich über ein Jahr hin.

Viel Arbeit war dann in Stuttgart zu tun. Die neubarocke Mariä-Himmelfahrt-Kirche musste am Dach repariert und im Innenraum neu gestrichen werden. In Kerkrade bei Aachen konnte in dem Nebengebäude unserer neogotischen Kirche ein Gemeindesaal eingerichtet werden. Im Sommer 2015 wurde im Internatsgebäude der Herz-Jesu-Schule in Saarbrücken das Dachgeschoss zur Klausur für die dort tätigen Priester ausgebaut. Ende 2015 bis Mitte 2016 haben wir in Memmingen ein ehemaliges Lagerhaus zur Grundschule St. Aloysius umgebaut. In der zweiten Hälfte des vorigen Jahres haben wir das Dach des Priorates St. Athanasius erneuert und den Altbau saniert. Die Priesterzimmer wurden überholt und die Büros der Verwaltung erweitert.

Mitteilungsblatt: Welche Baustellen sind gerade aktuell?

Bruder Marcus: In Bröleck entstehen ein Dominikanerinnenkloster, eine Grundschule und ein Kindergarten. Im August sollen dort die ersten vier, vielleicht sogar fünf Schwestern einziehen und den Unterrichtsbetrieb aufnehmen.

Immer wieder werde ich auf den verschiedenen Baustellen von einem Familienbetrieb – ein Vater mit fünf Söhnen – handwerklich unterstützt.

Die Dominikanerinnen im badischen Rheinhausen vergrößern ihre Schule und erweitern auch das Kloster. Das ist ein großes Projekt und wird von Hw. H. Pater Peter Lang betreut. Eine ganze Reihe von Familien sind in die Nähe unseres Priorates Sankt Michael und der Schule der Dominikanerinnen gezogen. Dadurch ist die Schule schnell gewachsen.

Ebenfalls von Herrn Pater Lang, der ja ein ausgebildeter Bau-Ingenieur ist, wird das Kloster Reichenstein in der Eifel wiederaufgebaut. Hier wird gerade der denkmalgeschützte Südflügel erneuert und eine Sakristei gebaut. Die Mönche aus Bellaigue sollen noch in diesem Jahr die Gründung in der historischen Klosteranlage vornehmen. Dann soll hier das Gotteslob nicht mehr verstummen.

In Saarbrücken wird gerade die Grundschule neu gebaut. Der Rohbau ist fast fertig. Am 7. Februar wurde das Richtfest gefeiert.

Mitteilungsblatt: Welche Projekte gehen Sie in Zukunft an?

Bruder Marcus: Die Projekte, die mir von meinen Oberen aufgetragen werden.

Wahrscheinlich wird das der Innenausbau der Zimmer für die Schwestern in Rheinhausen sein, und auch der Innenausbau der Grundschule und des Speisesaales in Saarbrücken. Im Jahr 2018 soll das Priorat Hl. Theresia von Avila in Hamburg angegangen werden. Erste Gespräche mit den Gläubigen sind geführt worden. Es gilt abzuwägen, was man neu baut, was renoviert werden kann. Auch wegen der Finanzierung muss noch viel zum hl. Josef gebetet werden.

In fernerer Zukunft steht die Sanierung des Daches der Kapelle des Priorates in Neustadt an der Weinstraße an. Ebenso die Schulkapelle in Saarbrücken. Unsere neogotische Kirche in Kerkrade bei Aachen macht uns in ihrer Bausubstanz große Sorgen. Da müsste viel an den Nebengebäuden getan werden. Auch der Innenraum der denkmalgeschützten Kirche ist dringend sanierungsbedürftig.

Ein Ausbau des Priorates in München muss erst noch zurückgestellt werden. Bei der Vielzahl der Bautätigkeiten im deutschen Distrikt sind die knappen Finanzen meist das größte Hindernis. Es kann immer nur das aktuell Dringendste gemacht werden. So kommt es auch, dass die Reihenfolge der Projekte manchmal umgestellt werden muss. Darum will ich betonen, dass meine Aussagen über zukünftige Projekte ganz unverbindlich sind.