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Kardinal Burke über die Unauflöslichkeit der Ehe

15. Oktober, 2015

Kardinal Burke : „Es ist unmöglich, daß die Kirche ihre Lehre über die Unauflöslichkeit der Ehe ändert“

Am Vortag der Synode zur Familie (4. – 25. Oktober 2015) erscheinen mehrere Werke, die sich klar den Neuerungen, die die progressistischen Prälaten in der Gefolgschaft von Kardinal Walter Kasper vorhaben, einführen zu wollen, entgegenstellen. DICI, die Nachrichtenagentur der Priesterbruderschaft St. Pius X. wird über die Veröffentlichungen nach und nach berichten und die Antworten auf die formulierten Kritiken, die der Doktrin der Kirche über die Ehe und die Familie widersprechen, hervorheben.

Mit der großzügigen Erlaubnis des Artège Verlages präsentiert DICI seinen Lesern heute einige Zeilen aus dem Buch Un Cardinal au cœur de l’Eglise, Ein Kardinal im Herzen der Kirche, erschienen am 17. September 2015, in dem Kardinal Raymond Leo Burke, Patronus des Malteserordens, Fragen von Guillaume d’Alançon, bischöflicher Abgeordneter  für Familie und Leben in der Diözese Bayonne, beantwortet. Die Antworten des amerikanischen Prälaten, dem emeritierten Präfekten des Gerichts der apostolischen Signatur, sind besonders interessant zu einem Zeitpunkt, wo Papst Franziskus gerade das Verfahren zur Annullierung von Ehen durch das Motu proprio Mitis Iudex Dominus Iesus und Mitis et misericors Iesus vom 8. September 2015 auf eine einzigartige Weise gelockert hat.

Barmherzigkeit durch Umkehrung der Wahrheit

Kardinal Burke hat eine klare Antwort zum Thema „pastorale Ausnahmen“, die die Progressisten im Namen einer von der Wahrheit abgekoppelten Barmherzigkeit über die Unauflöslichkeit der Ehe verbreiten wollen.

Guillaume d’Alançon: – Zahlreiche Gläubige haben nunmehr eine Scheidung hinter sich und sind doch weiterhin der Kirche verbunden. Meinen Sie, man kann mit Gelassenheit den Zusammenhang zwischen Doktrin und Pastorale, Barmherzigkeit und Wahrheit ausdrücken, ohne in die Karikatur, die Dialektik zu verfallen?

Kardinal Burke:– Ja, in gewissen Debatten konnte eine Dialektik zwischen Barmherzigkeit und Wahrheit eingeführt werden. Dieser Gegensatz stellt sich als künstlich und falsch heraus. Um eine wahre Barmherzigkeit auszuüben, muß diese auf der Wahrheit beruhen. Gleichzeitig können wir niemals sagen, daß die Doktrin bestehen bleibt, wenn die Ausübung widersprüchlich ist, zum Beispiel wenn einer sagt: „Ich bestehe auf der Unauflöslichkeit der Ehe, aber in gewissen Fällen können Personen, die sich von ihrem legitimen Partner getrennt haben und wiederverheiratet sind, an der eucharistischen Kommunion teilnehmen.“

Wie ist es möglich, daß eine Person, die durch eine mißglückte Heirat gebunden ist, mit einer anderen zusammenlebt, ohne Ehebruch oder Unzucht zu begehen? Das ist unmöglich. Sicherlich müssen wir besondere Situationen in Betracht ziehen, mit den Menschen barmherzig sein, aber die, die in dieser Situation sind, müssen wir einladen sich zu bekehren, ihre Dinge mit dem Gesetz Christi in Einklang zu bringen. Barmherzigkeit wird durch Bekehrung erreicht, aber diese ist grundsätzlich immer eine Bekehrung zur Wahrheit. Und so gibt es keinen Widerspruch zwischen der Doktrin und der Ausübung, die eine belebt die andere.

Ich sehe da auch noch einen anderen Aspekt dieses Problems. Den des Leidens der Kinder, die die Opfer der geschiedenen Paare sind. Die Hirten müssen ihr Bestes tun, um den jungen Menschen in ihrem Glauben zu helfen. Die Relativierung des Wertes der sakramentalen Ehe ihrer Eltern kann diesen jungen Menschen in ihrer Berufung nicht Hilfe leisten. Das Zeugnis der Treue einer der beiden Partner, oder der beiden, trotz der Trennung, trägt oft Früchte für die nachfolgende Generation. Indem man die Wahrheit des Sakraments der Ehe ehrt, trägt man nicht nur zur Ehre Gottes, der Quelle alles Guten, bei, sondern man festigt und tröstet auch die Kinder, die unter dem Streit ihrer Eltern haben leiden müssen. Zahlreich sind die Kinder von getrennten Eltern, von denen zumindest einer der Gnade des Ehesakraments treu geblieben ist, die selbst den Weg der christlichen Ehe oder der heiligen Berufung gegangen sind. Das Leiden hat sich also für diese Kinder in Freude verwandelt, für die Kinder sicher, aber auch für die Eltern. (…)

Guillaume d’Alançon:Kann die Kirche ihre Doktrin zu diesem Thema ändern? Wenn ein Papst das so wollte, könnte er das?

Nein, es ist unmöglich, daß die Kirche ihre Lehre zur Unauflöslichkeit der Ehe ändert. Die Kirche, die Braut Christi, gehorcht Seinen Worten im Kapitel 19 des Evangeliums nach Matthäus, die sehr klar sind in Bezug auf die Natur der Ehe. Niemand leugnet, daß es sich hier um Worte von Christus selbst handelt, und laut der Antwort der Apostel, ist das Gewicht dieser Worte für die, die zu einem Eheleben berufen sind, sehr klar. Christus präzisiert in seiner Lehre über die Ehe, daß er die Wahrheit über die Ehe so darstellt, wie sie schon seit Anbeginn war, so wie Gott sie seit der Schaffung des Mannes und der Frau gewollt hat. Anders ausgedrückt sagt er, daß die Unauflöslichkeit der Ehe eine Frage des Naturgesetzes ist, des Gesetzes, das Gott in das Herz eines jeden Menschen geschrieben hat. Der Heilige Vater ist als Nachfolger des Heiligen Petrus in der pastoralen Verpflichtung der universellen Kirche und somit der erste unter den Christen, der dem Wort Gottes gehorchen muß. (pp. 130-132)

Ein der Wahrheit und dem Recht entsprechendes Urteil

Es ist nützlich, die Aussagen des Kardinal Burke dem gegenüberzustellen, was er schon im letzten Jahr im gemeinsam mit vier anderen Kardinälen veröffentlichen Buch Demeurer dans la vérité du Christ (In der Wahrheit Christi bleiben) (Artège, 2014) über „den kanonischen Prozeß der Ehenichtigkeit: eine Suche nach der Wahrheit“ bekräftigt hatte. Er bestand auf der Notwendigkeit eines Prozesses, der mit größter Sorgfalt zu führen ist, um in einer Materie, die die Ewige Rettung der Anwärter aufs Spiel setzt, zur Wahrheit zu gelangen.

«Ich erinnere mich an das von meinem Professor des kanonischen Rechts an der Päpstlichen Universität Gregoriana, Pater Ignacio Gordon, S.J., während meiner Studienzeit eingebrachte Bild. Er sagte, daß der kanonische Prozeß und seine diversen Elemente mit einem Schlüssel verglichen werden können, dessen Zacken mit den kurvigen Umrissen des Schlosses der menschlichen Natur übereinstimmen müssen; nur wenn alle Zacken mit Präzision gearbeitet sind, kann der Schlüssel die Tür zur Wahrheit und Gerechtigkeit öffnen. Besonders überraschend kann man  heute feststellen, trotz der so zahlreichen Proklamationen zugunsten der Rechte einer jeden Person, daß es an Aufmerksamkeit wahrhaft fehlt, was die sorgfältig entwickelten Gerichtsverfahren betrifft, die den Schutz und die Förderung der Rechte aller Parteien betrifft, und dieses in einer Materie, bei der es um das Ewige Heil geht, also ihr Recht auf ein auf der Wahrheit beruhendes Urteil, um die Frage der Nichtigkeit ihrer Ehe zu beantworten. Ganz besonders interessant ist es zu hören, daß ein derzeit gut funktionierendes Gerichtsverfahren durch ein schnelles verwaltungstechnisches Verfahren ersetzt werden sollte. (p. 210)

Und die Zusammenhänge der Wahrheit und Barmherzigkeit aufzeigen:

«Objektivität und Unparteilichkeit, der Garant und das Zeichen der Suche nach der Wahrheit,  muß eine der wichtigsten Charakteristiken eines Gerichts sein. Eine solche Objektivität müßte in den kirchlichen Gerichten selbstverständlich sein, dessen Verpflichtung es ist, sich nicht nur zu bemühen, unparteiisch zu sein, sondern dies auch nach außen hin klarzustellen. Die genaue Einhaltung der Prozeßnormen ist eine wichtige Handhabe, um die Unparteilichkeit des Gerichts auf reelle und offensichtliche Art und Weise zu garantieren, die durch mannigfaltige Möglichkeiten, eine subtiler als die andere, erschüttert werden könnte.

«Der Bereich des juristischen Prozesses ist keineswegs der wirklich pastoralen oder spirituellen Sichtweise einer eventuellen Nichtigkeit der Ehe feindlich gegenübergestellt. Ganz im Gegenteil, sie bewahrt und ermuntert die grundlegende und unersetzbare Gerechtigkeit, ohne die es unmöglich wäre, pastorale Barmherzigkeit auszuüben. (p.213)

«Das kanonische Vorgehen bei einer Nichtigkeitserklärung, aus Respekt vor dem Recht auf ein mit der Wahrheit konformes Urteil, ist also ein notwendiges Element zur Ausübung der pastoralen Barmherzigkeit gegenüber denen, die die Nichtigkeit des ehelichen Versprechens anfragen. (p. 214)

«Das allgemeine Gericht oder der einfache Richter haben nicht das Recht, eine gültige Ehe aufzulösen; sie können nur die Wahrheit über die Ehe im Besonderen in Augenschein nehmen und anschließend mit Amtsgewalt feststellen, daß sie zu der moralischen Entscheidung gekommen sind, daß die Nichtigkeit der Ehe wahrhaftig vorhanden ist und nachgewiesen wurde (constat de nullitate), oder daß eben gerade diese Überzeugung nicht erreicht werden konnte (non constat de nullitate). Die Ehe, die auf dem Rechtsvorteil beruht, bedarf keiner Gültigkeitserklärung; es genügt, daß ihre Nichtigkeit nicht hat festgestellt werden können. (…)

«In seiner jährlichen Rede (bei der Rota romana) von 1944, erinnert Pius XII, daß ‘in einem Eheprozeß das alleinige Ziel ein Urteil über Wahrheit und Recht ist; in einem Ehenichtigkeitsprozeß handelt es sich um die Erklärung einer eventuellen Nicht-Existenz des Ehebandes…’. All diejenigen, die an einem kanonischen Prozeß beteiligt sind, sagt er, müssen dieses gemeinsame Ziel haben, beruhend auf der eigentlichen Natur ihrer jeweiligen Funktionen. Diese vereinheitlichte juristische Angelegenheit ist von großer pastoraler Bedeutung, das heißt, daß sie sich demselben Ziel zuwendet, das die Taten der gesamten Kirche ausmacht: das Heil der Seelen. (pp. 217-219)

Die Notwendigkeit eines einstimmigen Doppel-Schiedsspruchs

Kardinal Burke hat schon in der selben Studie über „Der kanonische Prozeß der Ehenichtigkeit: eine Suche nach der Wahrheit“, auf den Einwand geantwortet, nach dem es nicht notwendig sei, einen doppelten einstimmigen Schiedsspruch zu erlangen, um eine Ehenichtigkeitserklärung zu bestätigen. Leider haben die jüngsten Verfügungen von Papst Franziskus diesen doppelten einstimmigen Schiedsspruch aufgehoben. Der amerikanische Prälat hat schon im voraus in seiner Studie alle Risiken – kanonisch und vor allem spirituell – aufgewiesen, die eine solche Entscheidung auf die auszusprechenden Urteile haben, es sei denn, daß die Synode diese Reform nicht beschließen würde, wie es der Historiker Roberto de Mattei in Correspondance Européenne vom 17. September verlangt. Unter dem Titel: „Kann man über die Amtshandlungen der Regierung des Papstes diskutieren?“, schreibt er: „Das Motu proprio Franziskus’, das bis auf den heutigen Tag seine revolutionärste Amtshandlung ist, ist bis am 8. Dezember noch nicht in Kraft getreten. Ist es somit unberechtigt, an der Synode zu verlangen, daß diese Ehereform diskutiert wird und daß eine Gruppe von Kardinälen zelanti (wie die Kardinäle, die der Wiederverheiratung von Napoléon mit Marie-Louise entgegenstanden und denen Pius VII im Nachhinein Recht gegeben hat. AdR) deren Aufhebung verlangt?

«Während den Beratungen zur Vorbereitung der Bischofssynode kam des öfteren die Frage der Notwendigkeit eines doppelten einstimmigen Schiedsspruchs zur Ehenichtigkeitserklärung zur Sprache. Gewisse Leute in der Kirche meinen offensichtlich, daß die Aufhebung des doppelten einstimmigen Schiedsspruchs schon entschieden sei, die sie als eines der Elemente der ’übertriebenen Gesetzestreue’ des aktuellen Ehenichtigkeitsverfahrens sehen. Viele haben bestätigt, daß eine zweite Instanz keinen Sinn mache, wenn der Prozeß in der ersten Instanz ernsthaft bestritten worden sei.

«Wenn der Prozeß in der ersten Instanz ernsthaft bestritten wurde und eine doppelte einstimmige Entscheidung vorliegt, gefolgt durch einen Erlaß zur Ratifikation, nimmt es für das Gericht in der zweiten Instanz nicht mehr viel Zeit in Anspruch. ‘Ernsthaft bestritten’ bedeutet, daß der Fall untersucht und diskutiert wurde, daß die Urkunden vollständig und sortiert sind und daß das Urteil mit großer Genauigkeit die Elemente und Begründungen, auf denen das Urteil beruht, sowie auf klare und umsichtige Art den von den Richtern verfolgten Weg aufweisen, um zu beurteilen, daß die hinterfragte Ehenichtigkeit durch die Urteilsbegründung in Fakten und entsprechend der Gesetzesbestimmung mit moralischer Sicherheit bewiesen wurde. Gäbe es bessere Richter als die, die sich der Wichtigkeit der Ehe für das kirchliche Leben und die Gesellschaft im Allgemeinen bewußt sind und die wissen, was mit einer gerechten Entscheidung einer Ehenichtigkeit in die Waagschale geworfen wird, und die dankbar dafür sind, daß ihr Urteil in einer zweiten Instanz durch andere Richter geprüft wird?

«In der Praxis spornt die verpflichtende Revision durch eine zweite Instanz jeden an, sein Bestes zu tun. Ohne diese zweite Instanz entsteht ein Risiko für Vernachlässigung in der Behandlung der Fälle. Das wurde auf tragische Weise sichtbar bei den American Procedural Norms (amerikanische Verfahrensnormen) in den Kirchengerichten, die in den Vereinigten Staaten von Amerika in Kraft getreten sind. Von Juli 1971 bis November 1983 wurde der einstimmige Doppelschiedsspruch in den Vereinigten Staaten aufgrund der Möglichkeit der Bischofskonferenz, diese Doppelentscheid in ’diesen Ausnahmefällen, wo laut dem Urteil des Ehebandverteidigers und seines Ordinarius ein Appell gegen eine positive Entscheidung natürlich überflüssig’ sei, abgeschafft. Wie man voraussehen konnte, wurden in der Praxis die einzigen Ausnahmefälle die, bei denen ein Appell nicht als überflüssig eingestuft wurde. Im Endeffekt habe ich niemals einen einzigen noch so winzigen Hinweis gefunden, daß die Bischofskonferenz auch nur eine einzige Nichtigkeitsanfrage von den Hunderttausenden, die eingereicht wurden, negativ entschieden hätte.

«Während dieser zwölf Jahre, in denen die apostolische Signatur die Möglichkeit hatte, gewisse Fälle stichprobenhaft nochmals zu untersuchen, verstand sie es nicht, wie der Ehebandverteidiger und sein Ordinarius den Appell als überflüssig einstufen konnten und wie die Bischofskonferenz obendrein der gewünschten Nichtigkeit hat zustimmen können. In den Augen und in der gemeinsamen Sprache der Gläubigen endete der Prozeß der Ehenichtigkeit nicht ohne Grund darin, den Namen ‘katholische Scheidung’ zu erhalten.

«Wenngleich die Promulgation des Code des kanonischen Rechts 1983 einem außergewöhnlichen Zustand, der armseligen Qualität einiger durch die Signatur untersuchte Urteile der ersten Instanz, wie auch die völlige Abwesenheit einer seriösen Nachprüfung durch gewisse Gerichte, ein Ende gesetzt hat, haben diese doch den schweren Schaden am Ehenichtigkeitsverfahren durch die praktische Aufhebung der zweiten Instanz aufgezeigt.

«Die breite Erfahrung der apostolischen Signatur in dieser Domäne begrenzt sich natürlich nicht auf die Vereinigten Staaten von Amerika. Sie führt ohne jegliche Zweifel die Notwendigkeit eines doppelten einstimmigen Schiedsspruchs zur Ehenichtigkeitserklärung vor Augen. Die Wichtigkeit dieser Bedingung ist durch die Studie der Jahresberichte der Gerichte und durch die Prüfung der definitiven Urteile der Gerichte in erster Instanz nachgewiesen. Diese Erfahrung der apostolischen Signatur bildet somit eine außerordentliche Wissensquelle in der Art, die Justiz in der universellen Kirche, abgebildet in den einzelnen Kirchen, zu verwalten. Eine Vereinfachung des Ehenichtigkeitsprozesses darf ohne eine vertiefte Studie im Lichte des Dienstes, den die apostolische Signatur den einzelnen Kirchen leistet, nicht in Betracht gezogen werden.» (p. 229-233) – Man kann noch anmerken, daß die im August 2014 durch den Papst speziell gegründete Kommission zur Reformierung des Verfahrens zur Ehenichtigkeitserklärung überhaupt nicht von der breiten Erfahrung des Kardinal Burke als Chef der apostolischen Signatur hat profitieren können, da er aus seiner Funktion als Präfekt am 8. November des selben Jahres gekündigt wurde.

Heiliger Pius X, ein echter Reformator

Die Leser von DICI, Organ der Bruderschaft des Heiligen Pius X, werden an den Worten von Kardinal Burke über das Werk Pius’ X in dem letzten Teil seines Interviews mit G. d’Alançon interessiert sein.

Guillaume d’Alançon:Sie sagen uns also gerade, daß man „Alles in Christus erneuern“ soll, dieses ist die Devise des Heiligen Pius X, dessen 100sten Todestag wir 2014  gefeiert haben.

Kardinal Burke:– Er ist ein großer Papst…

Guillaume d’Alançon: – Was bewirkt die Figur des Heiligen Pius X. hundert Jahre nach seinem Tod in Ihnen? Ist er unmodisch?

Kardinal Burke: – Für mich ist er ein großer Reformator in der Kontinuität. Er hat viele Aspekte des kirchlichen Lebens reformiert, damit dieses der Tradition treuer sein möge. Eine seiner ersten Aktionen war ein motu proprio zum Thema der geistlichen Musik. Er hatte auch die Intuition, daß Kinder in dem Moment, wo sie in der Hostie den Leib Christi erkennen, fähig sind, zur ersten Heiligen Kommunion zu gehen, was ihn dazu gebracht hat, die Lehre in diesem präzisen Punkt zu korrigieren. Er hat das kanonische Recht mit großem Genie reformiert, ohne die Römische Kurie zu vergessen, die er effizienter ausrichtete. Noch heute ist Sapienti consilio maßgeblich. Außerdem war er ein großer Katechist. Er reformierte die Katechese und er schrieb den heute sogenannten Katechismus nach dem Heiligen Pius X. Sonntags unterrichtete er das Gottesvolk im Cortile San Damaso. Die Leute kamen von weit her, um ihn zu hören. Er schrieb ausführlich über die Heiligen Schriften, um deren Lektüre zu begünstigen. Er trotzte auch den Häresien, den Aberrationen des Modernismus. Heute sagen die Theologen, er sei kein großer Theologe gewesen. Aber wenn ich die Texte über den Modernismus lese, sehr ich, daß er sehr viel verstanden hat, da eine große Anzahl der Fehler, die er erkannt hat, noch immer aktuell ist. Um zusammenzufassen könnte man sagen, daß er eine schöne Gestalt als Hirte der Seelen, pastor animarum, war. Wenn man seine Schriften, sein Ratschläge liest, ist alles der Pflege der Seelen zugewendet.

Die Zwischentitel und die unterstrichenen Passagen sind von der Redaktion von DICI. In den Druckwerken kann man weiterlesen, um von den zahlreichen Notizen, die die Aussagen des Kardinal Burke stützen, zu profitieren.

 

Cardinal Raymond Leo Burke, Un Cardinal au cœur de l’Eglise, entretien avec Guillaume d’Alançon, Artège, 2015, 184 p. 17,50 €

Demeurer dans la vérité du Christ – Mariage et communion dans l’Eglise catholique. Artège, 312 p., 19,90 €

(Quelle : Artège/ Correspondance européenne – DICI n°321 du 25/09/15)