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Gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben

26. März, 2018

Die zwölf Artikel des Glaubens                                   

4. Gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben

„Christus ist für unsere Sünden gestorben gemäß den Schriften“ (1 Kor 15,3). Obwohl selbst ohne Sünde, hat er doch die Sünden der ganzen Welt auf sich genommen, ja der hl. Paulus schreibt sogar: „Er ist für uns zur Sünde geworden“ (2 Kor 5,21). Durch sein Leiden hat er für alle Sünden Sühne geleistet. Sein Leiden war darum ein Opfer, das sämtliche Opfer des Alten Bundes, die nur sinnbildlich und vorbereitend waren, erfüllte. Jesus ist also wahrhaft „das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt“ (Joh 1,29).

Gelitten unter Pontius Pilatus

Der unselige Streit, wer am Tod Christi schuld sei, ob die Juden oder die Römer, ist ganz verfehlt, weil wir alle, insofern wir Sünder sind, das Leiden Christi verursacht haben, wie wir im Lied O Haupt voll Blut und Wunden singen: „O Herr, was Du erduldet, ist alles meine Last, denn ich hab’ das verschuldet, was Du getragen hast.“. Das hat auch der Katechismus des Konzils von Trient ausdrücklich gelehrt:

„Wenn also einer fragt, was der Grund war, warum der Sohn Gottes das bitterste Leiden übernahm, so wird er finden, dass es außer der Erbschuld der ersten Eltern vorzüglich die Laster und Sünden waren, welche die Menschen vom Beginne der Welt bis auf diesen Tag begangen haben und von da bis zum Ende der Zeiten begehen werden.“

Besondere Schuld trifft dabei diejenigen, die nicht gegen die Sünde kämpfen, sondern sich ihren Lastern hingeben:

„Es müssen dieser Schuld alle teilhaftig erachtet werden, welche öfters in Sünden fallen; denn da unsere Sünden Christus den Herrn bewogen haben, den Kreuzestod auf sich zu nehmen: so kreuzigen wahrlich jene, welche sich in Schandtaten und Lastern wälzen, von Neuem, so viel an ihnen ist, ‚in sich selbst den Sohn Gottes und machen ihn sich zum Gespötte‘ (Heb 6,6).“[1]

Der Name des römischen Prokurators Pontius Pilatus wurde allerdings ins Credo aufgenommen, um auf die geschichtliche Stunde und die staatliche Autorität, die das Todesurteil vollstrecken ließ, zu verweisen. Im Gegensatz zu den heidnischen Fabeln ist nämlich unsere Heilsgeschichte nicht in irgendeiner nebelhaften Vergangenheit verortet, sondern wir kennen den Ort und die Zeit des Leidens Christi sowie die wichtigsten daran beteiligten Personen. Die Angaben der Evangelien sind sogar so genau, dass wir mit hoher Wahrscheinlichkeit den 7. April des Jahres 30 als den Todestag Christi annehmen können.

Die Gründe für das Leiden Christi

Gott hätte uns Menschen auch auf andere Weise erlösen können. Er wollte aber das Leiden seines Sohnes, weil dadurch nicht nur die Erlösung, sondern noch viele andere Ziele erreicht wurden, was wir anhand des hl. Thomas von Aquin kurz betrachten wollen.[2]

Zuerst ist das Leiden Christi eine Offenbarung der Liebe Gottes zu uns Menschen, ja zu jedem Einzelnen von uns. „Eine größere Liebe hat niemand als die, dass einer sein Leben hingibt für seine Freunde“ (Joh 15,13). Da zwischen Gott und uns ein unendlicher Abstand besteht, wir also im Vergleich zu ihm nichts sind, hätten wir niemals zu hoffen wagen dürfen, dass Gott uns von Herzen liebt. Darum hat Gott uns in Christus den größten Beweis seiner Liebe gegeben, indem er für uns sein Leben unter den schlimmsten inneren und äußeren Leiden hingab. So wissen wir, dass wir einen Freund haben, der für uns sein Blut vergossen hat. „Es[RL1]  erweist Gott seine Liebe zu uns, da ja, als wir noch Sünder waren, Christus für uns gestorben ist“, schreibt darum der hl. Paulus (Röm 5,8).

Das Leiden Christi bietet uns sodann ein Beispiel vieler Tugenden. Christus gab uns ein Beispiel des Gehorsams, indem er dem Gebot des Vaters, für uns sein Leben hinzugeben, gehorchte (vgl. Joh 10,17 f.). Indem er „gehorsam war bis zum Tod“ (Phil 2,8), sühnte er den Ungehorsam Adams. Ebenso gab er ein Beispiel der Demut, da er sich – obwohl Gottes Sohn – doch wie der letzte Sklave erniedrigen ließ, ein Beispiel der Geduld, da er in seinem Leiden sich nicht auflehnte und lästerte. Alle Tugenden können wir im Leiden Christi betrachten, und darum schreibt der hl. Petrus: „Christus hat für uns gelitten, uns ein Beispiel hinterlassend, damit wir seinen Spuren folgen“ (1 Petr 2,21).

Das Leiden Christi zeigt uns eindrücklich die Schwere der Sünde. Wenn es auch wahr ist, dass ein einziger Tropfen des Blutes Christi, ja ein einziger Liebesakt aus seinem Herzen genügt hätte, um die Welt zu erlösen, so wären wir doch in unserer falschen Neigung, die Sünde als etwas Geringes zu betrachten, eher bestärkt worden, wenn die Erlösung auf diese Weise vollzogen worden wäre. Dagegen zeigt uns das Leiden Christi, wie ernst Gott die Sünde nimmt und wie schwer sie in seinen Augen wiegt, denn sonst hätte die Weisheit Gottes nicht eine so furchtbare Buße für sie verlangen können.

Überhaupt hat Gott in Christus einen Weg gefunden, durch den gleichzeitig seine Gerechtigkeit und Barmherzigkeit verherrlicht wurde. Gott zeigte seine Gerechtigkeit, indem er eine vollwertige Buße für alle Sünden verlangte, aber gleichzeitig auch seine Barmherzigkeit, indem er uns den Erlöser schenkte, der eine solche Buße vollbringen konnte.

Gekreuzigt, gestorben und begraben

Christus starb am Kreuz, was damals nicht nur als die schrecklichste, sondern auch als die schimpflichste Todesart galt. Ein römischer Bürger durfte nicht gekreuzigt werden. Im Ausbreiten der Arme am Kreuz kann man den universalen Heilswillen Christi angedeutet sehen, denn er ist „für alle gestorben“ (2 Kor 5,14 f.), auch wenn leider viele aus seinem Tod aus eigener Schuld keinen Nutzen ziehen. Christus nennt das Kreuz auch seine „Erhöhung“, da er durch das Kreuz in seine Herrlichkeit einging. Wer gläubig auf den am Kreuz erhöhten Christus blickt, wird gerettet werden (vgl. Joh 3,14 f.; 12,32).

Im Tod trennte sich die Seele Christi vom Leib, und dieser wurde in ein Felsengrab gelegt. Die Gottheit trennte sich dagegen nicht vom Leib, sondern auch der entseelte Leib blieb mit der zweiten göttlichen Person vereint. Darum begann im Leib Christi der Verwesungsprozess nicht, der natürlicherweise eingetreten wäre. Der Leib Christi harrte vielmehr unverwest auf die Stunde der Auferstehung. Schon der hl. Petrus sah darin die Erfüllung einer Prophezeiung des Ps 15[16]: „Mein Fleisch wird ruhen in Sicherheit, denn meine Seele gibst Du der Unterwelt nicht preis und lässt Deinen Heiligen nicht schauen die Verwesung“ (Apg 2,26 f.).

 

Anmerkungen

[1] Römischer Katechismus I, 5,11.

[2] Vgl. S Th III, q.46, a.3.

 [RL1]Bitte die sachlogisch unumgängliche Änderung auf ihre Korrektheit hin gegenprüfen!