FSSPX Nachrichten & Veranstaltungen

Fatima: Das göttliche Siegel durch das Sonnenwunder

04. Oktober, 2017

Von Pater Heinrich Mörgeli

Das kosmische und apokalyptische Wunderzeichen vom 13. Oktober 1917 ist einmalig und überragend in der ganzen bisherigen Menschheitsgeschichte. Es wurde selbst von den anwesenden Ungläubigen bezeugt, so dass sogar die freimaurerische Zeitung ‚O Seculo‘ auf der Titelseite ausführlich darüber berichten musste.

Das Sonnenwunder ist das göttliche Siegel für die ganze Botschaft U. L. Frau von Fatima und der dringende Aufruf, ihre Forderungen ernst zu nehmen.

Die wiederholte Ankündigung des Wunders zog nicht nur Schaulustige an, sondern rief besonders das gläubige Volk massenweise nach Fatima, das wegen der Verfolgung der Kirche durch die gottesfeindliche Regierung bedrängt war. Die Portugiesen erhofften sich Rettung und Hilfe für die Bewahrung ihres Glaubens. So pilgerten an diesem Tag trotz des abgelegenen Ortes und des anhaltenden Regens schätzungsweise 70‘000 bis 100‘000 Menschen meistens zu Fuß nach Fatima. Die weite Cova da Iria war schwarz vor Menschen. Die Menge war so gedrängt, dass starke Männer einen Weg für die Kinder bahnen mussten. Unterwegs gab es bewegende Szenen, viele warfen sich demütig flehend vor den Kindern auf die Knie.

Lucia berichtet: „Als wir in der Cova da Iria in der Nähe der Steineiche ankamen, rief ich von einem inneren Impuls getrieben den Leuten zu, ihre Regenschirme zu schließen und den Rosenkranz zu beten.“ Sie gehorchten auf der Stelle trotz des anhaltenden Regens, der sich über ihre Häupter goss und alles durchnässte, und stimmten ins Rosenkranzgebet ein. Viele knieten auf den schlammigen Boden nieder.

Danach schaute Lucia nach Osten und sagte zu Jacinta: „O Jacinta! Knie dich nieder, Unsere Liebe Frau kommt! Ich habe schon den Blitz gesehen!" Dieses Mal schien Lucia in Ekstase zu fallen. Jacinta gab Lucia einen Stoß und sagte: „Sprich Lucia, die Dame ist schon da!" Da kam Lucia zu sich, atmete zweimal tief durch und begann ihre Unterhaltung mit Unserer Lieben Frau.

„Was wünscht Eure Gnaden von mir?"

„Ich möchte, dass man hier zu meiner Ehre eine Kapelle erbaut. Ich bin Unsere Liebe Frau, die Königin vom heiligen Rosenkranz. Fahrt fort, den Ro­senkranz täglich zu beten. Der Krieg wird bald zu Ende sein und die Soldaten werden nach Hause zurückkehren."

„Ich habe viele Dinge, um die ich Sie bitten soll: um die Heilung von Kranken und die Bekehrung von Sündern."

„Einige werden geheilt, andere nicht. Die Menschen müssen ihr Leben bessern und um Verzeihung für ihre Sünden bitten.

Man soll Gott, unseren Herrn nicht mehr beleidigen, denn er ist schon zu viel beleidigt worden!"

Dann öffnete sie die Hände, ließ aus von ihnen Strahlen gegen die Sonne ausgehen und während sie sich erhob wurde ihr eigenes Licht weiter auf die Sonne gestrahlt.

Dann schrie Lucia: „Schaut auf die Sonne!" Genau in diesem Augenblick konnten die Leute das außerordentliche Schauspiel der „tanzenden Sonne" beobach­ten. Der Regen hatte plötzlich aufgehört, die Wolken teilten sich sehr schnell und der Himmel wurde klar. Ti Marto bezeugt: „Wir konnten ohne Probleme in die Sonne schauen, die uns nicht blendete [...] Alles war ganz ruhig und still; alle schauten nach oben. In einem bestimmten Moment fing die Sonne an sich zu bewegen und zu tan­zen, bis es schien, als würde sie sich vom Himmel lösen und auf uns herunterfallen. Das war ein schrecklicher Augenblick!"

Maria Carreira beschrieb das Wunder so: „Die Sonne sandte Strahlenbündel aus und tauchte alles in verschiedene Farben. Sie schwankte bedrohlich und es schien, dass sie als Feuerrad auf die Menschen fallen würde. Man schrie: ‚Oh Jesus, wir werden alle sterben! Unsere Liebe Frau rette uns!‘ Viele beteten laut einen Akt der Reue. Andere machten eine Generalbeichte und bekannten offen ihre Sünden. Schlussendlich hielt die Sonne an und ging an ihren Platz zurück. Alle stießen einen Seufzer der Erleichterung aus. Wir lebten noch, und das von den Kindern angekündigte Wunder ist wirklich geschehen.“ Die Menge brach nun in laute Lobgesänge zu Ehren der Gottesmutter aus. Eine unaussprechliche Freude erfasste alle Menschen.

Die Mutter Lucias bestätigte das Wunder und glaubte nun endlich: „Jetzt kann man nicht mehr zweifeln und ungläubig bleiben, denn die Sonne, die kann niemand beeinflussen.“

Während der zehn Minuten, als die Menge das grandiose kosmische Wunder betrachten konnte, schauten die drei Kinder nicht auf die Sonne, denn sie genossen ein noch schöneres Schauspiel. Sie durften am Himmel drei sich folgende Bilder bewundern. Lucia berichtet:

„Als Unsere Liebe Frau in die Ferne des Firmaments entschwunden war, sahen wir neben der Sonne den heiligen Joseph mit dem Jesuskind und U. L. Frau in weiß gekleidet mit einem blauen Mantel. Der heilige Joseph und das Jesuskind segneten die Welt, indem sie mit der Hand Bewegungen des Kreuzzeichens machten.

Kurze Zeit nachdem diese Erscheinung aufgehört hatte, sah ich unseren Herrn und U. L. Frau von den Schmerzen. Unser Herr segnete die Welt auf dieselbe Weise wie der heilige Joseph.

Nach dieser Vision sah ich noch U. L. Frau vom Berge Karmel.“

Nach der Erscheinung

Dr. Carlos Mendès bezeugt: „Als die Sonne wieder ihren gewöhnlichen Platz eingenommen hatte, nahm ich Lucia auf die Arme und trug sie bis zur Straße. So wurde meine Schulter die erste Kanzel, von der sie die Botschaft predigte, welche U. L. Frau vom Rosenkranz ihr eben anvertraut hatte.

Mit großer Begeisterung und mächtigem Glaubensgeist schrie sie laut: ‚Tut Buße! Bekehret euch! Kehrt zu Gott zurück! Fliehet sie Sünde! U.L. Frau will, dass ihr umkehrt. Wenn ihr Buße tut, wird der Krieg zu Ende gehen.‘ Sie schien wie erleuchtet zu sein… wahrhaft eindrucksvoll, sie zu hören. Ihre Stimme klang wie die Stimme eines großen Propheten.“

Sie war noch ganz ergriffen vom letzten Wort der Gottesmutter: „Man soll Gott, unseren Herrn nicht mehr beleidigen, denn er ist schon zu viel beleidigt worden."

Betrachten wir nun das einmalige Geschehen

Diese letzte Erscheinung ist der vorläufige Schlusspunkt und eine feierliche Zusammen­fassung der ganzen Botschaft von Fatima. Maria hat lange voraus verkündet, dass sie an diesem Tag sagen wird: „wer ich bin und was ich möchte." Sie hat zwar schon mehrere Male ausgedrückt, was sie von uns will: neben der Einladung, jeden 13. herzukommen vor allem die Bitte um das tägliche Rosenkranzgebet und Opfer für die Sünder. Die Andacht zu ihrem Unbefleckten Herzen wurde von unserem Herrn selbst gefordert.

Die Botschaft dieses Tages muss daher eine herausragende Bedeutung haben. Wir sollten auch bedenken, dass diese Erschei­nung in direkter Verbindung zum großen Sonnenwunder steht.

Que sou a Senhora do Rosário

Maria verkündet erst jetzt feierlich (ähnlich wie in Lourdes die Unbefleckte Empfängnis), dass sie als „Senhora des Rosenkranzes“ nach Fatima gekommen sei. Senhora drückt Autorität, Herrschaft aus und wird in unserer Sprache sinngemäss am besten mit Herrin oder Königin übersetzt. Sie sagt nicht ‚mein Name ist…‘, sondern ausdrücklich: ICH BIN. Maria identifiziert sich gleichsam mit diesem Namen, er bedeutet ihr sehr viel.

Der Rosenkranz ist das Gebet, durch welches sie uns als Mutter und Miterlöserin mit den Geheimnissen ihres Sohnes, mit dem Erlösungswerk verbindet. Wir sehen in dieser Gebetsform zu sehr nur das mündliche Rezitieren. In der Betrachtung der Geheimnisse durch den lebendigen Glauben werden wir mit dem Herzen Mariens in die einzelnen Schritte des Erlösungswerkes hineingenommen. An der Hand der Gottesmutter erleben wir diese geistigerweise mit und empfangen deren Früchte für unser Seelenheil und die Rettung der Welt.

Die drei Visionen während des Sonnenwunders offenbaren die Bedeutung der drei Rosenkränze.

In der Schau der Heiligen Familie treten die drei Personen auf, und der hl. Joseph als Haupt der Familie segnet zusammen mit dem Jesuskind die Welt und besonders die Familien. Gott sah voraus, dass der gottlose Kommunismus zusammen mit allen Gottesfeinden die christliche Familie als gesunde Urzelle der Gesellschaft verderben will. Das Heilmittel gegen diese Angriffe ist die Betrachtung der freudenreichen Geheimnisse, wo in der Heiligen Familie der Opfergeist, die gegenseitige Liebe und die Ausrichtung auf Willen Gottes lebendig dargestellt werden.

Im zweiten Bild erscheint U. L. Frau von den Schmerzen und der Heiland in einen roten Mantel gehüllt, offensichtlich als Mann der Schmerzen. Hier können wir durch die Herzen Jesu und Mariens erahnen, was und wie schwer die Sünde ist, die zu sühnen eine solche Passion erforderte. Hier finden wir die Kraft, uns Gewalt anzutun, um die Beleidigungen Gottes zu meiden. Das betrachtende und mitleidende Beten der Schmerzensgeheimnisse ist auch ein wirksames Mittel, den gefährdeten Seelen aus dem heutigen Sündenpfuhl herauszuhelfen.

Um an die glorreichen Geheimnisse zu erinnern, zeigt sich U. L. Frau im Kleid der Karmeliter mit dem Skapulier in der Hand. Unter ihrem Schutz werden wir in der Kraft des auferstandenen Christus den Glauben bewahren, vom Heiligen Geist erfüllt und mit ihrer Hilfe zur himmlischen Herrlichkeit gelangen. Maria brachte in Fatima tatsächlich einen Abglanz des himmlischen Lichtes und einen hellen Hoffnungsstrahl in diese verdunkelte Welt.

Ich möchte, dass man hier zu meiner Ehre eine Kapelle erbaut

Maria will als Rosenkranzkönigin in einem Heiligtum verehrt werden. Die Kapelle ist ein Ort, wo die heilige Messe dargebracht wird und somit eine liturgische, kirchliche Verehrung gefeiert werden soll.

Fahrt fort, den Rosenkranz täglich zu beten

Dies ist die zentrale Bitte U. L. Frau. Wie wir das tägliche Brot zur Erhaltung unseres Leibes brauchen, sollen wir aus dem täglichen Rosenkranzgebet die Kraft schöpfen, den lebendigen Glauben, die Treue zum Empfang der Sakramente zur Erhaltung des Gnadenstandes und den Eifer in der Übung des christlichen Lebens zu erhalten. Haben nicht die meisten von uns durch den Rosenkranz zum wahren Glauben gefunden, bzw. diesen bis heute bewahren können? Nehmen wir daher diese so eindringliche und bei jeder Erscheinung wiederholte Bitte der Rosenkranzkönigin noch ernster, in dem Maße wo der Glaubenskampf noch heftiger werden wird.

Die Menschen müssen ihr Leben bessern

Das Gebet und die religiösen Übungen müssen unbedingt zum Verlassen der Sündengewohnheit, ja zum Wachstum in der Heiligkeit führen, sonst stimmt etwas nicht. Das Gnadenleben besteht nicht in äusserlichen Dingen oder in Gefühlen, sondern in fortschreitender innerer Vereinigung mit dem GEKREUZIGTEN CHRISTUS. Wenn Christus, das Haupt des Mystischen Leibes vor allem eine Liebe zum Kreuz hatte, dann muss in uns, da wir seine Glieder sind, auch etwas von dieser Liebe zu finden sein, sonst wären wir in offenem Widerspruch zu unserem Haupte.

Man soll Gott, unseren Herrn nicht mehr beleidigen, denn er ist schon zu viel beleidigt worden!

In diesem letzten Satz der Gottesmutter, den sie mit sehr traurigem Ausdruck und unaussprechlichem Schmerz aussprach, hören wir den wesentlichen Kern ihrer ganzen Botschaft: Die Sünden gegen Gott, die heute jedes Maß übersteigen. Seit Adam gab es immer Sünden in der Welt und jede Sünde ist ein zu viel, weil sie eine unendliche Beleidigung der göttlichen Liebe ist. Aber heute ist die Sündhaftigkeit allgemein und überbordend, vor allem wird sie überhaupt nicht ernst genommen auch nicht von den Katholiken, weil jetzt selbst die Vertreter der Kirche dazu schweigen und fast alles ohne Widerspruch geschehen lassen. Sogar vom Papst wird die schrittweise Zerstörung der Ehe indirekt gutgeheissen. Man wird hier an die Klage des Engels erinnert, der aufruft zur Genugtuung für die Schmähungen, Sakrilegien und Gleichgültigkeiten, durch die Er selbst beleidigt wird. Muss da die Gottesmutter nicht bitterlich weinen, deren Herz zusammen mit dem Herzen Jesu getroffen und verwundet wird?

Lucia bezeugt: „Die Worte, die sich am tiefsten in meinem Herzen eingeprägt haben, waren die der flehentlichen Bitte unserer himmlischen Mutter: ‚ Man soll Gott, unseren Herrn nicht mehr beleidigen, denn er ist schon zu viel beleidigt worden!‘ Welche Klage voller Liebe und welch zartes Flehen! O wenn ich es mir doch möglich wäre, sie in die ganze Welt hinauszurufen, damit alle Kinder der himmlischen Mutter den Klang dieser Stimme hören könnten!“

Schwester Lucia sah ihre Hauptaufgabe darin, der Welt den wesentliche Inhalt der Botschaft U. L. Frau unaufhörlich zu verkünden: „Die Menschen sollen aufhören, Gott so schwer zu beleidigen!!! – Es ist dringend notwendig, dass sie die Sünde meiden und die Beleidigungen gegen Gott durch Gebet und Buße zu sühnen.“ (Brief aus dem Jahre 1941)

Beherzigen wenigstens wir diese Worte, kehren wir um zu einem eifrigen, echt christlichen Leben der Liebe zu Gott und den Seelen. Seien wir bereit, unsere Sünden sowie die vielen Verbrechen der Menschen zu sühnen und für alle inständig um Barmherzigkeit zu flehen, besonders durch die Sühnekommunion: Empfangt den Leib und trinkt das Blut Jesu Christi, der durch die undankbaren Menschen so furchtbar beleidigt wird. Sühnt ihre Verbrechen und tröstet Euren Gott.

Um uns zu ermutigen, weist Maria auf die Früchte des Rosenkranzes hin

Als erste Wirkung des Rosenkranzes nennt sie das Ende des Krieges, dieser mörderischen Auseinandersetzung, wo das Blut unaufhörlich floss, weil sich die Fronten in Feindschaft verhärtet hatten.

Die große Gnadenwirkung dürfen wir auch an Seherkindern betrachten, die sich durch den Rosenkranz zu heldenhafter Tugend empor geschwungen hatten.

Sr. Lucia erklärte gegenüber Pater Fuentes: „Zwei Mittel gibt es, um die Welt zu retten: das Gebet und das Opfer. Und dann der heilige Rosenkranz. Sehen Sie, Pater, die allerseligste Jungfrau hat in diesen letzten Zeiten, die wir durchleben, dem Beten des Rosenkranzes eine neue Wirksamkeit gegeben. So sehr, dass es kein Problem gibt, so schwierig es auch immer sein mag, ein zeitliches oder vor allem ein geistliches Anliegen, im persönlichen Leben eines jeden von uns, im Leben unserer Familien, der Familien der Welt, in den geistlichen Häusern, aber auch im Leben der Völker und Nationen, das nicht durch das Rosenkranzgebet gelöst werden könnte. Es gibt kein Problem, sage ich, so schwierig es auch sein mag, das wir nicht durch das Rosenkranzgebet lösen könnten. Mit dem Rosenkranz werden wir uns retten. Mit dem Rosenkranz werden wir uns heiligen. Wir werden damit unseren Herrn trösten und die Rettung vieler Seelen erlangen.“

Als Bestätigung ihrer apokalyptischen Botschaft wirkt die mit der Sonne umkleidete Frau nun in eigener Vollmacht das gewaltige Sonnenwunder, das die Zuschauer nicht nur mit Staunen erfüllt und in große Furcht versetzt, sondern alle guten Willens zutiefst erschüttert und gründlich zu Gott bekehrt.

Ähnlich wie sie durch die Strahlen ihrer Hände die drei Kinder bei den ersten drei Erscheinungen in das Licht Gottes erhoben hatte, begleitet sie das Sonnenwunder mit mächtigen Gnaden, wie Lucia es beschrieben hatte: „Sie ließ von ihren Händen Strahlen (der Gnade) gegen die Sonne hin ausgehen, und während sie sich erhob wurde ihr eigenes Licht weiter auf die Sonne gestrahlt.“

Wenn wir uns demnach ihrem Unbefleckten Herzen vertrauensvoll zuwenden, wird sie auch uns in dieses übernatürliche Licht heben, damit wir durch ihre Vermittlung die Geheimnisse Gottes tiefer erfassen.

Die verschiedenen Etappen des Sonnenwunders nach den Zeugenaussagen

 

Das plötzliche Erscheinen der Sonne aus dem Wolkendunkel

Das unerwartete Aufreißen des Himmels erstaunte alle Zeugen: „Es hat den ganzen Tag geregnet, es war ein leichter, aber beständiger Regen. Doch ein paar Minuten vor dem Wunder hörte der Regen auf. – Man hörte einen Ausruf von Tausenden von Stimmen und sah die Menge, die sich zuvor an verschiedenen Plätzen verstreut befunden hatte, zusam­menlaufen. – Die Sonne, die ganz frei von Wolken war, erschien im Zenit. – Man sah eine Scheibe mit einem klar umrissenen Rand, leuchtend und scheinend, die aber die Augen nicht blendete, strahlend in der Farbe, es hatte etwas vom Glanz einer Perle. – Dann sahen alle das einmalige Schauspiel, unglaublich für jeden, der nicht davon Zeuge geworden ist. – Das Phänomen dauerte wohl ungefähr zehn Minuten, abgesehen von zwei Unterbrechungen, als die Sonne Strahlen glänzender Hitze auszusenden schien, die uns zwangen wegzusehen."

Der dreifache Tanz der Sonne

„Plötzlich begann die Sonne zu zittern, mit plötzlichen Bewegungen zu schleudern, schließlich drehte sie sich mit großer Geschwindigkeit um sich selbst und sprühte dabei Lichtstrahlen in allen Farben des Regenbogens aus. – Die Sonne machte plötzliche und unglaubliche Be­wegungen jenseits aller kosmischen Gesetze. Die Sonne ,tanzte' nach der typischen Ausdrucksweise der Menschen. – Es sah aus wie ein Feuerrad.  In einem bestimmten Augenblick schien die Sonne stehen zu bleiben, und dann begann sie von Neuem; drei Mal wiederholte sich dieser Tanz der Sonne.“

Das Farbenspiel

„Während des Sonnenwunders änderten sich die Farben am Himmel. – Die Sonne hatte alle Farben des Re­genbogens. Alles bekam die gleiche Farbe: unsere Gesichter, unsere Kleidung, die Erde selbst. – Die Dinge um uns herum bekamen wechselnd alle Farben des Regenbogens. Wir sa­hen uns selbst blau, gelb, rot..."

Die fallende Sonne

„Dann hörte man plötzlich ein Geschrei, Rufe voller Angst brachen bei allen Leuten aus. Die Sonne drehte sich wild, sie schien sich vom Firmament zu lösen und schoss in beängstigender Weise immer mehr auf die Erde zu, als wollte sie auf uns fallen mit ihrer ganzen Größe und ihrem ganzen Gewicht. Das war ein fürchterlicher Augenblick. – Es sah aus wie ein feuriges Rad, das im Begriff war, auf die Menschen zu fallen. – Die Sonne stand im Zenit und drehte sich um sich selbst, sie löste sich vom Himmel und fiel nach rechts, sich ständig drehend und mit plötzlichen Bewegungen nach rechts und links, die man noch nie gesehen hat; als sie fast den Horizont erreicht hatte, bewegte sie sich linksherum in ei­ner Art Bogen zurück zum Zenit. – Es war ein solch schrecklicher Augenblick, dass einige Menschen in Ohnmacht fielen. Schließlich hielt die Sonne inne und alle atmeten erleichtert auf.“

Die Kleider aller Menschen waren trocken

„Es regnete so stark, dass trotz unserer Regenschirme niemand auch nur ein Fleck trockener Kleidung hatte. Plötzlich hörte der Regen auf, die Wolkendecke öffnete sich und die Sonne wurde sichtbar in all ihrer Pracht. Unsere Kleider waren zuvor nass und unsere Körper kalt. Ich erinnere mich immer noch an das herrliche Gefühl, das die warme Liebkosung der Sonne mir gab. Ich fühlte, dass meine Kleider trocken waren, obwohl sie einen Augenblick zuvor völlig durchnässt gewesen waren.“

Das grösste Wunder: die Bekehrung des Volkes

Alle Anwesenden sahen das Wunder: Gläubige, Zweifler, Neugierige Wissenschaftler, Journalisten Kirchenfeinde und Freimaurer, Menschen aus allen Ständen, klein und gross, sie konnten sich dem wunderbaren Geschehen nicht entziehen. An diesem Tag begann die gründliche und wunderbare Bekehrung Portugals.

Am 18. August 1940, zur Zeit der Bedrängnisse des Krieges, schrieb Schwester Lucia an P. Conçalves: Sie beklagte sich in diesem Brief[1], dass der Heilige Vater die Weihe Russlands nicht vollzogen hat und betont, dass Gott dies zulasse, weil er die Welt wegen der vielen Sünden und Verbrechen strafen müsse um danach eine vollständigere Rückkehr zu ihm vorzubereiten. Dann bittet sie: „Man sollte den Leuten zusammen mit einem großen Vertrauen auf die Barmherzigkeit unseres guten Gottes und auf den Schutz des Unbefleckten Herzens Mariens die Notwendigkeit des Gebetes verbunden mit Opfern einschärfen, vor allem jene die notwendig sind, um die Sünde zu meiden. Dies ist die große Bitte unserer lieben Himmelsmutter seit 1917. Diese flehentliche Bitte kam mit einer Traurigkeit und einer unaussprechlichen Zärtlichkeit aus ihrem Unbefleckten Herzen: ‚Man soll Gott, unseren Herrn nicht mehr beleidigen, denn er wurde schon zu sehr beleidigt!‘ Welch ein Schaden, dass man diese Worte nicht beherzigt und ihre schwere Bedeutung nicht erwogen hat.“

Nehmen wir wenigstens den eindringlichen Ruf der Gottesmutter auf und tun wir, was sie von uns verlangt. Nützen wir jeden Tag zu Gebet und Opfer solange Gott uns noch diese Gnadenzeit gewährt.

Anmerkung

[1] Brief aus ihren Exerzitien, Zitiert nach „Memorias e Cartas da Irma Lucia“, gesammelt von Dr. Antonio M. Martins, Porto 1973.