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Erzbischof Lefebvre: Die Wahrheit Unseres Herrn Jesus Christus bezeugen

01. Dezember, 2017

Predigt von Erzbischof Marcel Lefebvre an Weihnachten in Ecône, am 25. Dezember 1976

Die Kirchenliturgie in dieser Weihnachtszeit war für uns, die wir sie auf treue Weise mitgefeiert haben, ein außerordentliches Licht. Ein Licht, das uns über das Kind, das in Bethlehem geboren wird, erhellt …

Und wenn wir auch nur ein klein wenig über die Persönlichkeit Jesu nachdenken, so sind wir völlig verblüfft und verfallen in Bewunderung. Wir stehen da vor dem größten und schönsten Geheimnis, das die Menschheit je gesehen hat: Gott ist Mensch geworden. Denn es ist das Wort persönlich, also Gott selbst, der dieses Kind beseelt. Es gibt keine andere Person in diesem Kind. In ihm gibt es keine menschliche Person, es gibt nur die göttliche Person. So stehen wir vor dem menschgewordenen Worte Gottes, unter der Gestalt eines Kindes, eines Menschen.

Aber besitzt dieses Kind wirklich das unendliche Wissen? Trägt dieses Kind die ganze Welt in seinen Händen? Trägt es alle Kreaturen in seinen Händen? Ist es wahrhaftig Schöpfer der Welt? Jawohl, es ist wirklich der Schöpfer der Welt. So haben wir es heute Nacht gesungen, als wir von der allerheiligsten Jungfrau Maria sagten: „Quem totus non capit orbis in tua se clausit viscera, factus homo, Alléluia – Er, den die ganze Welt nicht fassen kann, hat sich in Deinem Schoße eingeschlossen und ist Mensch geworden, Alléluia!“ Die Welt kann tatsächlich Gott nicht fassen; Gott ist es, der die Welt fasst und sie übersteigt, weil sie seine Schöpfung ist. Also ist dieses Kind da in der Krippe, von Tieren umgeben, von zwei bescheidenen Menschen – Maria und Joseph – umgeben, das Wort Gottes. Er, der die ganze Welt in seinen Händen hält. Er, der sie erschaffen hat. Er ist es, der sie retten will. Er ist es, der sein Blut zur Rettung der Menschen opfern will.

Aber ist es notwendig, dass er uns erlöst? Woher kommt die Notwendigkeit des Heils? Aus der Sünde des Menschen. Wir sind Sünder. Wenn es keine Sünde gäbe, wäre Jesus nicht in die Welt gekommen (zumindest gemäß den Umständen, die die Vorsehung uns geoffenbart hat). So ist also dieses Kind derjenige, der uns von unseren Sünden freikauft. Und weil er kommt, um uns von unseren Sünden zu erlösen, bekennt er die Wahrheit und die Notwendigkeit, ihn anzubeten. Er ist unser Meister. Er ist unser König. Er ist unser Retter. Er ist unser Priester. So lasst uns zusammen mit den Hirten das Jesuskind anbeten.

Aber nun beunruhigen sich die Großen dieser Welt. Warum soll man dieses Kind anbeten? Wäre es ein König? Wenn es ein König ist, würde es nicht Schatten auf unsere Autorität, unsere Macht, unsere Königreiche, die Königreiche der Welt werfen? Ja, sicher, es wird Schatten auf die Fürsten dieser Welt werfen, wenn sich diese Fürsten seinen Gesetzen nicht unterwerfen. Denn Er ist der König der Könige. Auch das haben wir heute Nacht gesungen: „Astiterunt reges terras, et principes convenerunt in unum adversus Dominum, et adversus Christum ejus – Es stehen auf die Könige der Erde, und kommen zusammen die Fürsten gegen den Herrn und gegen seinen Gesalbten“ (Psalm 2). Gegen Den, der sein Sohn ist. Und Gott weiß, ob die Geschichte diesem Vers der Hl. Schrift recht gibt. Ist es möglich, dass die Menschen sich gegen den auflehnen, der sie erlösen will, gegen den, der ihnen das Leben schenkt; gegen den, der sein Blut vergießt, um ihnen das ewige Leben zu schenken?

Leider Gottes erleben wir dies auch noch in unserer Zeit. Wo sind heute die Fürsten der Völker, die in dieser Heiligen Nacht vor dem Allerheiligsten niederknien? Wo sind die, die vor dem Jesuskind niederknien? Ach wie ist das heute schmerzlich, sich vorzustellen, dass nach zweitausend Jahren Christentum, zweitausend Jahren der Verkündigung des Evangeliums, die Worte der Heiligen Schrift immer noch aktuell sind: „Astiterunt reges in unum adversus Dominum, adversus Christum ejus. – Es stehen auf die Könige der Erde, und kommen zusammen die Fürsten gegen den Herrn und gegen seinen Gesalbten.“

Was müssen wir also tun in dieser Situation, in der die Welt Unseren Herrn Jesus Christus ablehnt, die nicht an seine Gottheit glauben will? Wir müssen die Gottheit Unseres Herrn Jesus Christus bezeugen. Ja, dieses Kind in der Krippe ist Gott. Und wir müssen Ihn anbeten. Er ist unser Alles. Wir haben vorhin in der Lesung die Worte des heiligen Paulus gehört, die da sagen: „Et omnes ut vestimentum veterascent: Tu autem idem ipse es – Alles vergeht hier auf Erden wie Kleider, die alt werden: Du aber bleibst immer derselbe“ (Hebr 1,11–12).“ Gott bleibt derselbe. Sei er schwach wie das Kind in Bethlehem; sei er am Kreuze; sei er wiederauferstanden; sei er im Himmel, er ist immer derselbe. „Idem ipse est …“

Daher kann sich unser Glaube nicht ändern. Er ist wie Gott unveränderlich. Der Glaube an die Geheimnisse, der Glaube an die Sakramente, der Glaube an das Messopfer ist unveränderlich. Wir können ihn nicht ändern. Das alles ist das Bild Gottes. Das alles ist Gott für uns. Es ist der Ausdruck Gottes unter uns. Unser Glaube ist nichts anderes als die Anschauung Gottes, die Vorbereitung auf die glückselige Anschauung. Nun aber wird sich Gott in der ewigen Glückseligkeit auch nicht verändern.

Daher müssen wir die Wahrheit Unseres Herrn Jesus Christus bezeugen, die Wahrheit Seiner Gottheit. Und dies ganz besonders in dieser Zeit, wo diese Wahrheit sogar im Innern der Kirche bekämpft wird, in dieser Zeit wo man danach strebt, sein Reich zu beschränken…

Wenn wir den Glauben an die Gottheit Unseres Herrn Jesus Christus haben, wenn wir eben glauben, dass er der Heiland ist und dass es keinen anderen Erlöser hier auf Erden gibt; dass Er der Einzige ist, durch den das geistige und ewige Leben erlangt werden kann, wie sollten wir da nicht missionarisch sein, wie sollten wir uns da nicht danach sehnen, dies in die Welt hinauszurufen, so dass alle Seelen guten Willens die Gnade Unseres Herrn erlangen und zum ewigen Leben gelangen mögen.