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Erzbischof Lefebvre: Die Messe und die christliche Zivilisation

06. Oktober, 2017

Unser Herr Jesus Christus wollte uns durch Sein Opfer lehren, wie man als Christ lebt; uns beibringen, uns mit Ihm zu vereinigen; uns zeigen, was die christliche Zivilisation ist.

In dem Heiligen Messopfer findet man alles. Man findet alle Tugenden, sowohl die persönlichen als auch die sozialen und familiären Tugenden. Das alles ist in dem Heiligen Messopfer enthalten. Das Heilige Messopfer ist eine Schule, eine Schule der Reinheit, eine Schule der Keuschheit, Schule der Achtung füreinander, Schule der Anbetung, Schule der Liebe.

Wenn wir alles verstehen würden, was uns Gott mit dem Heiligen Messopfer schenken wollte, würden wir besser verstehen, was das Heilige Messopfer bedeutet. Wir würden seinen göttlichen Wert tiefer begreifen, der immerwährend ist und denselben Fortbestand hat wie Gott selbst, denn es ist Gott hier auf Erden. Das Heilige Messopfer ist Gott auf Erden. „Regnavit a ligno Deus“: Gott herrscht durch das Kreuz, durch das Kreuzesopfer.

Indem Unser Herr sein Opfer auf dem Altar vergegenwärtigt wird, lehrt er uns alles, was er ist. Er ist der König. Er ist der Schöpfer. Er ist der allmächtige und ewige Gott. „Per quem omnia facta sunt: Durch den alles erschaffen wurde und ohne den nichts erschaffen wurde“. Er ist das Wort Gottes. Er hat also alle Macht über unsere Seelen, über die Familien und über die Gesellschaft, über die ganze Erde, über alle materiellen und spirituellen Dinge. Er ist der König aller Dinge. Dies alles lehrt uns das Heilige Messopfer.

Wir müssen uns also bei unserer Teilnahme am Heiligen Messopfer bewusst werden, dass wir mit Dem, der Alles ist, vereint sind, wir, die wir nichts sind. Aus unserem Kontakt mit Unserem Herrn Jesus Christus sollen wir das Gefühl erlangen, dass wir Stunden im Himmel verbracht haben, Stunden im Paradies, und dass wir uns darauf vorbereiten. Wir sollen von Demut erfüllt sein, vom Geist der Anbetung Dessen, der unser Alles ist.

Nun möchte ich Ihnen die Übersetzung des Vesperhymnus vom Fest Christkönig vorlesen, die diese Gedanken in bewundernswerter Weise ausdrückt. Das sind die Gefühle, die wir haben sollten, wenn wir an dem Heiligen Messopfer teilnehmen:

„Den hehren Fürsten der Ewigkeit, der Völker Herrscher Jesus Christ,
ihn ganz allein erkennen wir als aller Herzen König an.
Es ruft der Gegner wilde Schar: ‚Wir wollen nicht, dass Christus herrscht!‘
Doch wir erklären freudig, gern, als allerhöchsten Herren ihn.

O, Christus, hehrer Friedensfürst, beug der Rebellen trotzig Haupt,
und führe die Verirrten all zur einen Herde wieder heim!
Dafür hängst Du am Kreuzesstamm, die Arme weithin ausgespannt,
und zeigst Dein liebeglühend Herz, das von dem Speer durchstoßen ist.

Dafür wohnst Du auf dem Altar, verborgen unter Wein und Brot,
und strömst aus der durchbohrten Brust in Deiner Kinder Seelen Heil.
Dir schuldet jede Staatsgewalt Verehrung, öffentlichen Ruhm;
Dich ehre Recht und Wissenschaft, Gesetze, Künste achten Dein!

Es neige jede Königskron’ und jedes Zepter sich vor Dir!
Mach jedes Haus und jedes Land mit milder Hand Dir untertan!
Dir, Jesus, sei das Lob geweiht, der Du das Weltenzepter führst,
mit Gott, dem Vater, und dem Geist von Ewigkeit zu Ewigkeit!“

Genau das ist die Gegenwart Unseres Herrn Jesus Christus auf unseren Altären. Er ist unser König. Wir müssen allem voran sein Reich begehren. Sein Reich in uns, sein Reich in unseren Familien, sein Reich in unserer Stadt.

Durch diese göttliche Realität, diese Gegenwart des Himmels unter uns, steigen wir in gewisser Weise zur Ewigkeit auf. Der liebe Gott wollte zu uns kommen, um uns an dieser Ewigkeit schon jetzt teilhaben zu lassen, indem sie in unsere Herzen kommt. Nun aber rücken die aktuellen Veränderungen in der Kirche von dieser gesamten Theologie und von dieser ganzen Wahrheit. Man drängt uns jetzt plötzlich in die Zeit und zu den Menschen, wo die Gottesdienste mehr einer menschlichen als einer göttlichen Zusammenkunft mit unserem Herrn Jesus Christus ähneln.

Hier liegt meines Erachtens der Kern des Problems, welches uns heute so beunruhigen muss. Wenn nicht mehr der Himmel auf unseren Altären, wenn nicht mehr der Himmel in unseren Herzen wohnt, so fallen wir ins Zeitliche zurück, bloß unter den Menschen.

Man kann dann wohl von der menschlichen Würde, von erwachsenen Menschen, vom „Kult des Menschen“ sprechen, das alles wird nicht helfen, das alles ist sinnentleert, leer von göttlicher Gegenwart.

Daher kann sich die christliche Zivilisation nicht mehr entwickeln und wird sich auch nicht weiter entwickeln. Daher gibt es keine Priesterberufungen mehr. Daher gibt es keine Ordensberufungen mehr. Denn Gott ist nicht mehr unter uns. Da, wo Gott ist, erweckt er Berufungen. Die Seelen stehen da in Kontakt mit dem Himmel und empfinden eine Sehnsucht nach dem Himmel.

Die Seelen treten in Verbindung mit der Ewigkeit und lösen sich von der Zeit. Die Seelen, die mit Gott Kontakt aufnehmen, lösen sich von den irdischen Dingen. Das löst in ihnen diese Sehnsucht aus, sich ganz Gott hinzugeben. Das ist die wahre Quelle der Berufungen. Daher dürfen wir nicht zögern, das Heilige Messopfer aufrechtzuerhalten, so wie es uns die Kirche seit Jahrhunderten lehrt. Denn es ist die Quelle unserer Heiligung, die Quelle der Heiligung der Kirche, die Quelle der Heiligung der Familien und der ganzen Gesellschaft.

(Predigt anlässlich der Diakonatsweihe und der Niederen Weihen am 3. April 1976)