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Ein Gespräch mit dem Jugendseelsorger des deutschen Distrikts

28. Oktober, 2017

Jugendapostolat der FSSPX

Ein Gespräch mit dem Jugendseelsorger des deutschen Distrikts

Interview mit Pater Fabian Reiser

MB: Seit wann sind Sie Jugendseelsorger?

Pater Fabian Reiser: Dieses Amt wurde letztes Jahr neu eingeführt. P. Udressy wollte für den Distrikt einen Priester mit dieser spezifischen Aufgabe freistellen. Somit kümmere ich mich als Jugendseelsorger um alle Tätigkeiten, die in Zusammenhang mit der Kinder- und Jugendarbeit stehen.

MB: Wie würden Sie Ihr Arbeitsfeld beschreiben?

Pater Fabian Reiser: Ich brauche nichts Neues zu erfinden. Wir haben schon einige Projekte oder Gruppierungen, die ich einfach zu begleiten habe. Im Mittelpunkt meiner Tätigkeit steht die Betreuung der Katholischen Jugendbewegung (KJB), in welcher die Jugendlichen im Alter von 16 bis 28 eine Gemeinschaft mit katholischer Ausrichtung finden. Sie wurde vor 40 Jahren durch Hochwürden Herrn Pater Schmidberger gegründet. Mittlerweile zählt sie in Deutschland ca. 320 Mitglieder in 24 Gruppen. Des Weiteren haben wir für die Kinder im Alter von 8 bis 14 Jahren den Eucharistischen Kreuzzug (EK). Dieser geht im Ursprung auf den heiligen Papst Pius X. und Papst Benedikt XV. zurück. Sogar unser verehrter Gründer, Erzbischof Marcel Lefebvre, war in seinem Kindesalter Mitglied dieser Gruppierung.

MB: Aber es gab doch schon vor Ihnen einen sogenannten KJB-Priester?

Pater Fabian Reiser: Das ist richtig. Dieser hatte nebenbei aber noch eine Kapelle mit Gläubigen zu betreuen. So ist nicht allzu viel Zeit für die Arbeit mit den Jugendlichen übrig geblieben. Diese Situation hat sich bei mir deutlich verbessert. Ich bin ganz und gar für diese neue Tätigkeit frei. So kann ich an den Wochenenden die verschiedenen KJB-Gruppen besuchen, die Kontakte zu den Jugendlichen aufbauen, Vorträge halten und ganz einfach „vor Ort“ sein. Unter der Woche bleibt mir die Zeit für die Vorbereitung von Vorträgen und Projekten oder ganz einfach für die Professionalisierung des Fachwissens im Bereich der Jugendarbeit. Zudem gibt es immer mehr Jugendliche, mit denen ich per Mail oder Telefon in Verbindung stehe. Das braucht auch alles seine Zeit.

MB: Gibt es in der KJB ein Konzept?

Pater Fabian Reiser: Die KJB hat im Wesentlichen vier Punkte als Programm: Gebet – Bildung – Freundschaft – Apostolat. Diese erklären bereits das Grundanliegen unserer Jugendbewegung. Wir möchten in erster Linie die Jugendlichen zu einem innigen Gebetsleben begeistern. Sie sollen erkennen, dass der im Alltag gelebte Glaube zum Leben gehört. Die tiefe Liebe zu Christus erfüllt den Menschen und befähigt ihn zu unglaublich großen Taten. Die Bildung ist auch unabdingbar. Besonders in einer Zeit des Glaubensabfalls sollen die Jugendlichen die Inhalte der katholischen Religion kennen und verinnerlichen. Nur ein fest gegründeter Glaube hält an. Die Freundschaft ist ein weiterer Punkt des Programms. Ohne gute soziale Netzwerke ist der Mensch zum Scheitern verurteilt. Daher sollen die Jugendlichen gute Freunde fürs Leben finden. Die regelmäßigen Gruppenstunden geben ihnen die Möglichkeit, sich zu treffen und auszutauschen. Selbstverständlich ist das auch im privaten Rahmen möglich, aber die geplanten Zusammenkünfte sind doch eine wichtige Voraussetzung dafür. Und schließlich noch das Apostolat. Die Jugendlichen sollen lernen, in Aktion zu treten. Christus verlangt die Verbreitung des Glaubens, nicht nur von den Priestern und Missionaren. Jeder Katholik muss sich im Alltag zu seiner Glaubensausrichtung stellen.

MB: Was gibt es an Veranstaltungen in der KJB?

Pater Fabian Reiser: Wir bieten mittlerweile zahlreiche Veranstaltungen an. Zum Thema Bildung gibt es jährlich eine Fortbildungswoche zu den Themen Philosophie, Apologetik und Theologie. Aus Gründen des Platzmangels werden wir 2018 sogar zwei solcher Veranstaltungen planen. Auch die Schönenberger Sommerakademie wird von Jugendlichen besucht. Zum Thema Freundschaft veranstalten wir im Sommer ein Wanderlager, wo die Jugendlichen drei Wochen lang in irgendeinem Land Europas unterwegs sind. Es ist eine kleine „Survival-Übung“ mit geistlicher Betreuung. Es waren dieses Jahr P. Jeindl und P. Schultze dabei. Die großen Teilnehmerzahlen verraten auch hier den vollen Erfolg. Dann gibt es im kulturellen Bereich die Chorwoche, die auch in der Sommerzeit angeboten wird. Hier bringt P. Amselgruber musikalisches Potenzial zum Klingen. Für das geistliche Leben bietet die KJB seit letztem Jahr sogar eigene Exerzitien an. Es sind dreieinhalbtägige Einkehrtage mit interessanten Themen für Jugendliche. P. Lorenzo hilft mir bei den Vorträgen und Aussprachen, sodass jeder Teilnehmer genügend Zeit für Gespräch und Austausch findet. Dazu kommen noch die großen jährlichen Treffen, etwa das internationale Christkönigstreffen, welches immer am letzten Wochenende im Oktober stattfindet. Es wird jeweils im Wechsel in der Schweiz, in Österreich oder dann eben in Deutschland veranstaltet. Kurz vor dem Sommer gibt es des Weiteren das Deutschlandtreffen. Der Veranstaltungsort ist dabei jeweils ganz verschieden. Dieses Jahr fand es in Freiburg statt. Schließlich gibt es regelmäßig Regionaltreffen, wo die Jugendlichen über die Gruppenstunde hinaus Kontakte zu regional benachbarten Gruppen finden.

MB: Was ist Ihr persönlicher Wunsch für die KJB?

Pater Fabian Reiser: Ich wünsche mir Jugendliche, die nach dem Glauben leben und Christus in ihrem Alltag wirklich ernst nehmen. Eine echte Innerlichkeit ist die Basis für alle anderen Aktivitäten. In diesem Punkt gibt es sicherlich noch Potenzial. Die Jugendlichen leben in der Welt und die Welt ist stark. Das dürfen wir niemals vergessen. Aber auch für diese Situation hat Gott seine Gnade vorbereitet.

MB: Was bietet der Eucharistische Kreuzzug den Kindern?

Pater Fabian Reiser: Papst Benedikt XV. wünschte sich Kinder, die ihm bei der Rettung von Seelen mithelfen. Durch Gebet, Opfer, Hl. Kommunionen und das Apostolat sollen die Kleinen dem lieben Gott eine Freude bereiten und für die Sünden der Menschen sühnen. Denn das Gebet und die Opfer der Kinder werden von Gott besonders erhört. Hat er doch zu seinen Aposteln gesagt: „Lasset die Kleinen zu mir kommen, denn ihrer ist das Himmelreich!“ Dazu ist der EK ein sehr gutes Mittel. Es gibt verschiedene Rangstufen (Page, Kreuzfahrer, Ritter), in welche die Kinder aufgenommen werden können. Natürlich beruht alles auf freiwilliger Basis. Im monatlichen Kreuzfahrer-Heft bekommen die Kinder jeweils eine Gebetsintention zugesendet. Diesen Monat wird zum Beispiel besonders für die Sterbenden und Armen Seelen gebetet. Zudem ist jedem Heft ein Schatzzettel beigelegt. Dort können die Kinder ihre geistlichen Früchte (Opfer, Gebete, gute Bespiele etc.) eintragen und diese werden wiederum international gesammelt und ins hl. Messopfer eingeschlossen. Das Gebet und die Opfer der Kinder gelangen so direkt vor das Angesicht Gottes!

MB: Was gibt es an Veranstaltungen beim EK?

Pater Fabian Reiser: Die Hauptveranstaltungen sind die Ferienlager im Sommer. Ich selber leite das Bubenlager, welches dieses Jahr im Schwarzwald stattgefunden hat. 43 Kinder waren dabei, andere blieben leider auf der Warteliste. Der Platz im Haus war eben begrenzt. Diese Tage sind für mich persönlich die schönsten im ganzen Jahr. Viele können sich das nicht vorstellen und eine Mutter wünschte mir zu Beginn des Lagers „gute Nerven“! Aber selbst wenn Kinder lebendig und oft auch laut sind, so sind sie doch lernbereit und flexibel. Mit einer guten Portion an Disziplin und einem gelungenen Ausgleich an Programm kann man ein sehr schönes Lager gestalten. In gewissem Sinne sind diese Tage Kinder-Exerzitien. Die tägliche Hl. Messe, das Rosenkranzgebet sowie die Katechismusstunden leisten dabei ihren großen Anteil. Und im beständigen Ringen um die Tugend lernen die Kinder die praktische Anwendung dazu. Die Nähe zur Natur und die vielen Geländespiele machen einfach Spaß. Was will man mehr?

MB: Gibt es auch EK-Veranstaltungen für die Mädchen?

Pater Fabian Reiser: Natürlich. Die Schwestern aus Göffingen organisieren ebenfalls in den Sommerferien ein Mädchenlager. Dieses Jahr war das Haus mit 49 Kindern gut gefüllt. Einen aktuellen Bericht über diese gelungenen Tage können Sie dem Kreuzfahrerheft vom November entnehmen.

MB: Was sagen Sie als Abschluss-Statement?

Pater Fabian Reiser: Ich freue mich jeden Tag über die erfüllende Arbeit mit Jugendlichen. Aber ich weiß, dass es ohne Hilfe von oben nicht geht! Daher rufe ich den großen Patron der Jugend gerne an. Der hl. Don Bosco ist mit seiner genialen Pädagogik ein Musterbeispiel für jeden Erzieher. Ihm vertraue ich meine gesamte Arbeit an. Und Sie, liebe Leser, bitte ich um Ihr Gebet und Opfer. Auch Sie können sich dadurch an der Jugendarbeit beteiligen! Ein herzliches Vergelt’s Gott!