FSSPX Nachrichten & Veranstaltungen

Dienstag nach dem 3. Fastensonntag

20. März, 2017

«Allmächtiger, barmherziger Gott, erhöhre uns und gewähre uns gnädig die Gabe heilsamer Enthaltsamkeit. Durch unsern Herrn Jesus Christus ... Amen.» (Kirchengebet am Dienstag nach dem 3. Fastensonntag)

Im Geist mit den Büßern der alten Zeit vereint, feiern wir das hl. Opfer der Sühne in der ehrwürdigen Kirche der hl. Pudentiana am Rande des Viminal-Hügels.

Die Prozession begann in alter Zeit am Gotteshaus der heiligen Sergius und Bacchus im Stadtteil „Monti“.

«Die domus Pudentiana oder der titulus Sancti Pudentis ist eine der ältesten Titelkirchen Roms. Dort, im Hause des Senators Pudens und seiner Tochter Pudentiana, hat nach uralter Tradition der hl. Petrus bei seinem Aufenthalt in der Ewigen Stadt gewohnt. Diese Tradition ist zwar in vielfacher Weise angefochten worden, aber trotz aller dagegen angeführten Argumente noch nicht widerlegt. Verschiedene historische Spuren laufen im Hause des Senators Pudens zusammen. Dieses scheint im 2. Jahrhundert der Aufenthaltsort der Päpste gewesen zu sein. Im heutigen Meßformular scheint diese Lokaltradition durch. Jedenfalls wurde die Erzählung von Petrus, der den Heiland über den Umfang der Schlüsselgewalt fragt, mit Rücksicht auf den Apostel gewählt, der Gast in jenem Hause war.» (Sel. Ildefons Kardinal Schuster, +1954)

 

Lesung (4, Reg. 4, 1-7):

In jenen Tagen rief eine Frau dem Propheten Elisäus also zu: „Dein Knecht, mein Mann, ist gestorben und du weißt, daß dein Knecht ein gottesfürchtiger Mann war. Nun kommt der Gläubiger und nimmt mir meine zwei Söhne weg, um sie zu seinen Sklaven zu machen.“ Da sprach Elisäus zu ihr, „Was soll ich dir tun? Sage mir, was hast du in deinem Hause? Sie erwiderte: „Ich, deine Magd, habe nichts in meinem Hause außer ein wenig Öl, womit ich mich salbe.“ Er befahl ihr: „Geh hin und laß dir von allen deinen Nachbarinnen leere Gefäße leihen, und zwar nicht wenige. Alsdann geht in dein Haus, verschließe die Türe, wenn du mit deinen Söhnen drinnen bist, und gieße aus jenem Gefäße in alle diese ein. Wenn sie voll sind, nimm sie weg.“ Da ging das Weib hin und schloß die Türe hinter sich und ihren Söhnen. Diese reichten die Gefäße, und sie goß ein. Als nun die Gefäße voll waren, sprach sie zu ihrem Sohne. „Bringe mir noch ein Gefäß.“ Diese entgegnete: „Ich habe keines mehr.“ Nun floß das Öl nicht weiter. Sie kam und zeigte es dem Manne Gottes an. Er sprach: „Geh hin, verkaufe das Öl und bezahle deinen Gläubiger; von dem übrigen aber möget ihr leben, du und deine Söhne.“»

 

Auslegung der Lesung: «Das Ölwunder, das der Prophet Elisäus wirkt, um einer armen Witwe zu helfen, spielt vielleicht auf Petrus an, dessen Anwesenheit im Hause des Pudens für diese ein Quell des Segens und des Glückes war.» (Kardinal Schuster, +1954)

«Der Sinn dieser Lesung ist leicht zu erfassen. Der Gläubiger der Menschen ist Satan, dem unsere Sünden unermeßliche Ansprüche an uns gegeben haben. Das einzige Mittel, dieser Ansprüche los zu werden, ist das Öl, d.h. die Barmherzigkeit, als deren Bild das Öl durch seine Milde erscheint. „Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.“ (Matthäus 5,7)

In diesen Heilstagen wollen wir unsere Versöhnung dadurch vorbereiten, daß wir bestrebt sind, die Lage unserer Brüder zu erleichtern. Wir wollen mit dem Fasten das Almosen verbinden und so die Werke der Barmherzigkeit üben. Dadurch werden wir das göttliche Herz rühren und indem Gott unsere Schuld uns vergibt, nimmt er zugleich dem Teufel jeden Anspruch den derselbe gegen uns geltend machen könnte. Ziehen wir aus dem Beispiel des Weibes in der Schrift Nutzen. Fern von den Augen der Menschen füllt s sie ihre Gefäße mit dem geheimnisvollen Öl. Auch wir sollen unsere Türe zuschließen, wenn wir Gutes tun und unsere Linke soll nicht wissen, was unsere Rechte tut. (Matthäus 6,3)

Das Öl blieb erst stehen, als kein Gefäß mehr anzufüllen war. So soll auch unsere Barmherzigkeit gegen den Nächsten unseren Mitteln angemessen sein. Gott kennt dieselben und will nicht, daß wir hinter dem, was wir tun können, zurückbleiben. Seien wir also freigiebig in dieser heiligen Zeit und nehmen wir uns vor, unsere Freigiebigkeit nicht auf diese Zeit zu beschränken. Aber selbst wenn uns keine materiellen Hilfsmittel zur Gebote stehen, so ist uns darum die Möglichkeit zu  Werken barmherziger Nächstenliebe durchaus nicht genommen. Ja, im Gegenteil. Wenn wir hier nur wollen, so können wir oft mehr spenden, als eine Gabe Geldes vor Gott wert ist. Es ist schon ein Werk der Barmherzigkeit vor Gott, wenn man das aufrichtige Verlangen zu helfen hat. Aber wir können auch raten und trösten, wir können,  selbst wenn wir unvermögend sind, die Hilfe anderer angehen und endlich können wir immer für die Unglücklichen beten.» (Dom Prosper Gueranger OSB, +1880)

«Nächstenliebe und Gastfreundschaft hat noch niemanden arm gemacht, und ein Armer, der um Gottes willen aufgenommen wird, ruft Gottes Segen auf das Haus herab.» (Kardinal Schuster, +1954)

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus (18, 15-22):

In jener Zeit sprach Jesus zu Seinen Jüngern: „Wenn dein Bruder wider dich gefehlt hat, so gehe hin und stelle ihn unter vier Augen zur Rede. Gibt er dir Gehör, so hast du deinen Bruder gewonnen. Gibt er dir aber kein Gehör, so nimmt noch einen oder zwei mit dir, damit durch die Aussage zweier oder dreier Zeugen die ganze Sache festgestellt werde. Hört er auch auf diese nicht, so sage es der Kirche. Wenn er aber die Kirche nicht hört, so gelte er dir wie ein Heide und öffentlicher Sünder. Wahrlich, Ich sage euch, alles, was ihr auf Erden binden werdet, wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, wird auch im Himmel gelöst sein. Auch sage ich euch: wenn zwei von euch auf Erden einmütig um irgend eine Sache bitten, so wird sie ihnen von Meinem Vater, der im Himmel ist, gegeben werden. Denn wo zwei oder drei in Meinem Namen versammelt sind, da bin Ich mitten unter ihnen.“ Alsdann trat Petrus zu Ihm und sprach: „Herr, wie oft soll ich meinem Bruder verziehen, wenn er wider mich sündigt? Etwas siebenmal?“ Jesus sprach zu ihn: „Ich sage dir, nicht siebenmal, sondern siebzig mal siebenmal.“»

 

Auslegung des Evangeliums: «Die Barmherzigkeit, welche der Herr in uns sehen will, besteht nicht ausschließlich darin, daß wir leibliches oder geistiges Almosen den Unglücklichen spenden. Sie fordert auch von uns, daß wir die uns angetanen Beleidigungen verzeihen und vergessen. Darin sollen wir eben Gott die Aufrichtigkeit unserer Reue und unserer Umkehr beweisen.» (Dom Gueranger, +1880)

«Das Evangelium nennt drei feste Bande, welche die mystische Einheit der Kirche in der Liebe zu Gott und dem Nächsten begründen. Es sind das Bußsakrament zur Vergebung der Sünden, das brüderliche Verzeihen der gegenseitigen Beleidigungen und die Geschlossenheit aller Glieder des mystischen Leibes Christi in der Einheit des Geistes. Der Christ handelt nie als Einzelwesen. Als Glied der Gemeinschaft der Heiligen lebt, leidet, betet und arbeitet er in und mit der Kirche, d.h. mit Jesus Christus.» (Kardinal Schuster, +1954)

«Wer ist denn nun diese Kirche, von welcher der Heiland hier spricht? Es sind dieselben Männer, denen Jesus gesagt hat: Wer euch hört, hört mich, wer euch verachtet, verachtet mich. Es sind die Männer, durch deren Mund die Wahrheit, die allein retten kann, zum Ohr der Christen bringt. Die Männer, die allein auf Erden den Sünder mit Gott versöhnen, die Hölle schließen und den Himmel öffnen können. Ist es da etwa zu verwundern, wenn der Heiland, welcher sie ja zu seinen Mittlern zwischen sich und den Menschen machen wollte, eine solcher Drohung an die Mißachtung ihrer Autorität knüpft? Ein solcher soll wie ein Heide, wie ein Mensch, der gar nicht die Taufe empfangen hat, betrachtet werden. Außer ihrer Lehre gibt es keine geoffenbarte Wahrheit. Außer den von ihnen gespendeten Sakramenten gibt es kein Heil und außer der Unterwerfung unter die von ihnen erlassenen Gesetze, soweit dieselben geistliches Gebiet berühren, gibt es keine Hoffnung auf Jesus Christus.» (Dom Gueranger, +1880)

 

Gebet über das Volk

Lasset uns beten!

Neiget in Demut euer Haupt vor Gott!

«Schirme uns, o Herr, durch Deinen Beistand und bewahre uns stets vor aller Bosheit. Durch unsern Herrn Jesus Christus .... Amen.»

 

Bild: Stationskirche Santa Pudenziana