FSSPX Nachrichten & Veranstaltungen

Die zwölf Artikel des Glaubens

06. Dezember, 2017

Im Verlauf der kommenden Monate veröffentlicht fsspx.de zwölf Beiträge zu den zwölf Artikeln des Glaubensbekenntnisses, des Credo. Die Beiträge werden von Pater Matthias Gaudron verfasst.

1. Ich glaube an Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer des Himmels und der Erde

In der Artikelserie, die mit diesem Beitrag beginnt, wollen wir die zwölf Artikel des Apostolischen Glaubensbekenntnisses betrachten. Wenn es in seiner heutigen Textgestalt auch erst seit dem beginnenden 8. Jh. bezeugt ist, so gilt es doch „mit Recht als treue Zusammenfassung des Glaubens der Apostel“ und hat seinen Ursprung im alten Taufbekenntnis der Kirche von Rom, über das Ambrosius schreibt: „Es ist das Symbolum, das die römische Kirche bewahrt, wo Petrus, der erste der Apostel, seinen Sitz hatte und wohin er die gemeinsame Glaubenslehre gebracht hat.“1 Wie das nizäno-konstantinopolitanische Glaubensbekenntnis, das wir an Sonn- und Festtagen in der hl. Messe beten, hat es eine trinitarische Struktur. Der christliche Glaube ist der Glaube an den Vater, den Sohn und den Heilligen Geist, wobei zu jedem der drei Glieder noch einige Erweiterungen kommen.

Was heißt „glauben“?

In der Umgangssprache wird das Verb „glauben“ oft im Sinne von „meinen“ oder „vermuten“ genommen, womit man zum Ausdruck bringt, dass man sich einer Sache nicht völlig sicher ist. Manchmal hat es auch die Bedeutung einer subjektiven Überzeugung, z. B. wenn jemand sagt, er glaube, dass Mozart der größte Komponist gewesen sei.

Dies ist jedoch nicht das, was gemeint ist, wenn ein Christ sagt: „Ich glaube.“ Näher kommen wir der christlichen Bedeutung des Wortes „glauben“, wenn wir die Wortverbindung „jemandem glauben“ betrachten. Hier hat das Wort die Bedeutung von „etwas auf das Zeugnis eines anderen hin für wahr halten“. In der Tat gibt es viele Dinge, die wir nicht wissen, sondern für wahr halten, weil sie uns jemand bezeugt hat. Entscheidend für unseren Glauben ist dabei vor allem die Glaubwürdigkeit des Zeugen. Einer Person, die uns als wahrhaftig und sachlich bekannt ist, werden wir normalerweise Glauben schenken, wenn sie uns etwas berichtet; bei einer anderen Person, die wir als lügnerisch, übertreibend oder mit einer blühenden Phantasie begabt kennengelernt haben, werden wir dagegen vorsichtig sein.

Beim christlichen Glauben ist es nun Gott selbst, dem wir Glauben schenken. Gott hat sich im Alten und Neuen Testament geoffenbart. Im Glauben nehmen wir diese Offenbarung an. Da Gott weder sich selbst noch andere täuschen kann, gibt es von dieser Seite keinen Grund zur Unsicherheit. Unsicherheit kann es nur in Bezug auf die Frage geben, ob Gott wirklich hinter dem steht, was die Heilige Schrift und die Tradition lehren und die Kirche uns zu glauben vorlegt. Hier spielen nun die Wunder, die im Laufe der Kirchengeschichte immer geschehen sind (man denke nur an das Turiner Grabtuch, das wunderbare Bild der Muttergottes in Guadalupe, die Heilungen in Lourdes usw.), eine wichtige Rolle, aber auch die innere Schönheit und Stimmigkeit der christlichen Lehre, ihre schnelle Ausbreitung trotz vieler Verfolgungen, die vielen Märtyrer und die großen Werke der Nächstenliebe, die sie hervorgebracht hat. Das alles beweist, dass es rational ist, zu glauben.

Allerdings kann auf diese Weise nur eine menschliche Sicherheit erreicht werden. Die apologetischen Argumente können zeigen, dass es vernünftig ist, zu glauben, ja sogar, dass es unvernünftig ist, nicht zu glauben. Die felsenfeste Zustimmung, die der christliche Glaubensakt fordert, ist aber nicht ohne die Hilfe Gottes möglich. So lehrt das Erste Vatikanische Konzil:

 

Wenn aber auch die Zustimmung zum Glauben keineswegs eine blinde Regung des Herzens ist, so kann dennoch niemand der Verkündigung des Evangeliums zustimmen, wie es nötig ist, … ohne Erleuchtung und Einhauchung des Heiligen Geistes, der allen die Freude (suavitas) verleiht, der Wahrheit zuzustimmen und zu glauben“ (DH 3010).

Es gibt ein geheimnisvolles Glaubenslicht (lumen fidei), in dem der Gläubige erkennt, dass die Lehren des Christentums wahr und zu glauben sind2. Der christliche Glaube ist darum auch nicht nur irgendein diffuses Gefühl oder eine verschwommene Öffnung gegenüber einer nicht näher bestimmten Transzendenz, wie bisweilen behauptet wird, sondern er hat konkrete Inhalte, die der Gläubige für wahr hält, der Un- oder Irrgläubige dagegen nicht.

Ich glaube an Gott, den allmächtigen Vater

Wenn wir bekennen, an Gott zu glauben, meinen wir damit mehr, als dass wir die Existenz eines höchsten Wesens annehmen. Die Existenz eines solchen Wesens ist eine Forderung der gesunden Vernunft und darum immer auch von vielen Menschen erkannt worden, die keinen Kontakt mit der Offenbarung hatten oder ihr nicht zustimmten. Wenn der Christ seinen Glauben an Gott bekennt, dann ist das der Glaube an den Gott, der zu uns Menschen gesprochen hat, der sich gegenüber Moses, den Propheten und durch Jesus Christus geoffenbart hat.

Diesen Gott nennen wir „Vater“. „Vater“ ist der Eigenname der ersten göttlichen Person, da sie den Sohn zeugt. Die Offenbarung sagt uns, dass es in Gott einen Vater und einen Sohn gibt, die gemeinsam die eine göttliche Natur besitzen und darum nicht zwei Götter sind. Der Vater war auch nicht zuerst allein und zeugte später den Sohn, denn dann wäre er am Anfang nicht Vater gewesen, sondern es erst später geworden. Es ist eine ewige, d. h. zeitlose Zeugung, durch die der Sohn aus dem Vater hervorgeht.

Da wir durch die Gnade Kinder Gottes und damit Brüder und Schwestern Jesu Christi geworden sind, dürfen auch wir Gott als unseren Vater ansprechen, wie es uns Jesus im Vaterunser gelehrt hat. Wir sollen überzeugt sein, dass Gott uns mehr liebt und besser für uns sorgt, als es der beste irdische Vater tun könnte, vorausgesetzt, dass wir uns seiner Sorge nicht entziehen, indem wir uns von ihm abwenden.

Da der Vater der Urquell der Gottheit ist, wird ihm die Allmacht zugeschrieben, obwohl diese allen drei göttlichen Personen zukommt, wie es im Ps.-Athanasischen Glaubensbekenntnis heißt: „Allmächtig der Vater, allmächtig der Sohn, allmächtig der Heilige Geist; und dennoch nicht drei Allmächtige, sondern ein Allmächtiger.“ Da Gott das unbegrenzte Sein ist, unterliegt alles Mögliche, d. h. alles, was sein kann, seiner Macht. „Bei Gott ist kein Ding unmöglich“, sagt darum der Engel zu Maria (Lk 1,37).

Schöpfer des Himmels und der Erde

Auch die Schöpfung wird dem Vater zugeschrieben, obwohl natürlich alle drei göttlichen Personen die Welt geschaffen haben. Man kann auch sagen, dass der Vater durch den Sohn3 im Heiligen Geist die Welt geschaffen hat.

Gott hat dies getan, um seine Herrlichkeit auch nach außen zu offenbaren und um noch weiteren Personen die Möglichkeit zu geben, an seinem Glück teilzunehmen. Unsere Welt und wir selbst sind also kein Zufallsprodukt, sondern „aus der mit dem Schlüssel der Liebe geöffneten Hand Gottes sind die Geschöpfe hervorgegangen“, wie Thomas im Prolog zum 2. Teil seines Sentenzenkommentars sagt.

  • 1. Zitate nach: Katechismus der katholischen Kirche, Nr. 194.
  • 2. Vgl. Thomas v. Aquin: „Per lumen fidei videntur esse credenda“ (S Th II-II, q.1, a.5, ad 1).
  • 3. „Durch ihn (den Logos) ist alles geworden“ (Joh 1,3).