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Das Unbefleckte Herz Mariä in der Erscheinung vom 13. Juni 1917

30. Mai, 2017

Von Pater Heinrich Mörgeli

Die Zeit nach der ersten Erscheinung brachte den drei Hirtenkindern, wie es die Gottesmutter vorausgesagt hatte, viel Leiden, ja sogar Widerspruch und Verfolgung. Im Dorf wurden sie öfters verspottet.

Nun kam der 13. Juni, wo man in Fatima den heiligen Antonius als Kirchenpatron mit großen Festlichkeiten ehrte. Die drei Kinder verzichteten jedoch auf die verlockenden Freuden und begaben sich nach der hl. Messe zur Cova da Iria, wo sie gegen 11 Uhr ankamen. Lucia betete mit den etwa 50 Personen, die sich dort eingefunden hatten, den Rosenkranz. Nach dem Rosenkranz ordnete Lucia ihre Kleider und rief plötzlich: „Hier der Lichtschein … Unsere Liebe Frau wird kommen!“

Der Bericht der Erscheinung Sr. Lucias nach der „4. Erinnerung“

Wir sahen von neuem das Licht, das sich näherte, und dann Unsere Liebe Frau über der Steineiche, genau wie im Mai.

Was wollen Eure Gnaden von mir?, fragte ich.

Ich will, dass ihr am Dreizehnten des nächsten Monats wieder hierherkommt, dass ihr alle Tage den Rosenkranz betet und lesen lernt. Später sage ich euch, was ich weiter wünsche.

Ich bat um die Heilung eines Kranken.

Wenn er sich bekehrt, wird er innerhalb des Jahres genesen.

Ich möchte Sie bitten, uns in den Himmel mitzunehmen.

Ja, Jacinta und Francisco werde ich bald mitnehmen. Du aber bleibst noch einige Zeit hier. Jesus möchte sich deiner bedienen, damit die Menschen mich kennen und lieben lernen. Er will in der Welt die Verehrung meines Unbefleckten Herzens begründen. Jedem, der diese Andacht annimmt und übt, dem verspreche ich das Heil. Diese Seelen werden von Gott geliebt sein wie Blumen, die ich vor seinen Thron hinstelle.

Bleibe ich allein hier?, fragte Lucia traurig.

Nein, meine Tochter. Leidest du sehr? Lass dich nicht entmutigen! Niemals werde ich dich verlassen, mein Unbeflecktes Herz wird deine Zuflucht sein und der Weg, der dich zu Gott führen wird.

In dem Augenblick, als sie diese letzten Worte sprach, öffnete sie die Hände und übermittelte uns zum zweiten Mal den Wider­schein jenes unermesslichen Lichtes. Darin sahen wir uns wie in Gott versenkt. Jacinta und Francisco schienen in dem Teil des Lichtes zu stehen, der sich zum Himmel erhob, und ich in dem Teil, der sich über die Erde ergoss.

Vor der rechten Handfläche Unserer Lieben Frau befand sich ein Herz, umgeben von Dornen, die es zu durchbohren schienen. Wir verstanden, dass dies das Unbefleckte Herz Mariä war, verwundet durch die Sünden der Menschheit, das Sühne verlangte.

Betrachten wir die Erscheinung und ihre Worte

Ich will, dass ihr alle Tage den Rosenkranz betet.

Bei jeder Erscheinung wird die Gottesmutter diese inständige Bitte wiederholen. Sie betont damit die entscheidende Bedeutung des Rosenkranzes für unsere Zeit.

Wenn er sich bekehrt ...

Das große Anliegen U. L. Frau ist vor allem die Rettung der Seelen; die körperliche Gesundheit wird, wie im Evangelium, oft erst nach der Heilung der Seele gewährt.

Jacinta und Francisco werde ich bald holen ...

Maria bestimmt die unterschiedliche Lebensaufgabe der drei Kinder. Jacinta und Francisco werden in kurzer Zeit vollendet sein und in den Himmel eingehen. Lucia hingegen bekommt hier den Auftrag, Zeugin des Unbefleckten Herzens zu sein.

Jesus möchte sich deiner bedienen, damit die Menschen mich kennen und lieben lernen. Er will in der Welt die Verehrung meines Unbefleckten Herzens begründen.

Hier kommen wir zum zentralen Geheimnis von Fatima: Jesus sendet seine heiligste Mutter, um uns die letzte Möglichkeit der Rettung anzubieten. Er selber hatte durch Margareta Maria Alacoque sein heiligstes Herz als neue Quelle seiner Barmherzigkeit der Welt geoffenbart, aber die Menschen haben seine Liebe nicht genug erkannt und heute fast ganz vergessen. Der Heiland schenkt uns nun das Unbefleckte Herz Mariä als letzte Zuflucht für die verlorene Menschheit. Sie allein kann als unsere Mutter das scheinbar Unmögliche noch möglich machen. Warum gerade ihr Herz? Es ist als das Innerste ihrer Persönlichkeit der Sitz ihrer mütterlichen Liebe und der ihr anvertrauten Barmherzigkeit Gottes.

… damit die Menschen mich kennen und lieben lernen.

Gott will in seinem Heilsplan, dass alle Menschen das große Gnadengeheimnis des Unbefleckten Herzens Mariens als sein Meisterwerk anerkennen, verehren und lieben, um durch ihre Vermittlung das Heil zu erlangen, und zwar durch eine kirchliche, liturgische und weltweite Verehrung.

Gott will in der Welt die Verehrung meines Unbefleckten Herzens begründen.

Der Wille Gottes zur Verehrung des Unbefleckten Herzens ist begründet in seiner Liebe zu Maria, welche unendlich größer ist als die zu jedem anderen Geschöpf, einer Liebe der Auserwählung, von Ewigkeit her, unendlich und ohnegleichen. Er will deshalb, dass Maria von allen anderen Geschöpfen verherrlicht, geehrt, geliebt und dass ihr gedient werde. Von dieser Liebe her ist es zu verstehen, dass er sie als Vermittlerin aller Gnaden und als Werkzeug des Heiles für unsere Seelen an der Seite Jesu einsetzen wollte. Deshalb wünscht er auch, dass sich diese Andacht auf die ganze Welt erstrecke, überall eingeführt und dauernd errichtet werde.[1] Es sollte nicht nur eine private Andacht sein, die man nach Belieben annehmen und wieder aufgeben kann, sondern ein öffentlicher Kult, feierlich, beständig und liturgisch begründet, durch die kirchliche Hierarchie anerkannt, ausgebreitet und gefördert, ähnlich wie die Herz-Jesu-Andacht. Das ist der Plan Gottes für die letzten Jahrhunderte der Weltgeschichte: das weltweite Reich und den Triumph der vereinten Herzen Jesu und Mariä zu verwirklichen.

Jedem, der diese Andacht annimmt und übt, dem verspreche ich das Heil.

Gott will allen Menschen die Gnaden der Erlösung aus dem Herzen Jesu durch die Vermittlung des Herzens Mariens schenken, weil es im ganzen Erlösungswerk und besonders unter dem Kreuz ganz mit dem Herzen Jesu vereint war.

Deshalb konnte die Gottesmutter den drei Kindern den Himmel selbst versprechen. Und ähnlich verheißt sie aufgrund der von Gott erhaltenen Vollmacht auch allen Seelen, die ihr Unbeflecktes Herz ernsthaft verehren, durch ihre Gnadenmittlerschaft das Heil.

Diese Seelen werden von Gott geliebt sein wie Blumen, die ich vor seinen Thron hinstelle.

Noch mehr: Durch Maria gelangen die ihr ergebenen Seelen direkt vor den Thron Gottes, das heißt in die höchsten Regionen des Himmels; und sie werden wegen ihrer Liebe zu Maria von Gott besonders geliebt und belohnt. Dazu ist aber erforderlich, dass diese Seelen durch ihre besondere Verbindung mit der Gottesmutter einen hohen Grad der Heiligkeit erlangen werden. An den drei Seherkindern haben wir den sichtbaren Beweis dieser Tatsache.

Lass dich nicht entmutigen. Niemals werde ich dich verlassen …

Wer hätte es nie erlebt, in Prüfungen zu verzagen oder gar den Mut zu verlieren. Wie tröstlich und belebend ist hier die Versicherung, dass die Himmelskönigin immer bei uns ist, uns Mut zuspricht und uns niemals verlässt, vorausgesetzt dass auch wir ihr treu bleiben. Dies hat Lucia in ihrem Leben erproben dürfen und sie bestätigt uns, dass es für uns alle gilt: „Ich erinnere mich immer des großen Versprechens, welches mich mit Freude erfüllt: ‚Ich werde dich niemals alleine lassen. Mein Unbeflecktes Herz wird deine Zuflucht sein und der Weg, der dich zu Gott führen wird.‘ Ich bin überzeugt, dass dieses Versprechen nicht nur für mich allein gilt, sondern für alle Seelen, die sich in das Herz ihrer himmlischen Mutter flüchten und sich auf dem von ihr vorgezeichneten Weg führen lassen wollen … Das Unbefleckte Herz will in den Seelen weiterhin jenes Licht (das wir schauten) aufleuchten lassen, um ihnen diesen Hafen des Heils zu zeigen, welcher bereit ist, alle Schiffbrüchigen der Welt aufzunehmen … Was mich betrifft, werde ich mich bemühen – indem ich die köstlichen Früchte dieses schönen Gartens genieße –, den Seelen den Weg dorthin zu ebnen, damit sie dort ihren Hunger und ihren Durst nach Gnade, Trost und Hilfe stillen können[2].“

Mein Unbeflecktes Herz wird deine Zuflucht sein und der Weg, der dich zu Gott führen wird.

Eine Zuflucht (Refugium) ist ein Ort, wo man in äußerster Not und Lebensgefahr Rettung finden kann. Wenn die Gottesmutter diesen Begriff wählt, sieht sie voraus, dass uns schwere Drangsale bevorstehen, wo vielleicht alles von uns abverlangt wird. Dann ist ihr Herz der sicherste Halt in allen Bedrängnissen, wie z.B. in Versuchungen, Glaubenszweifeln, Verfolgungen und anderen teuflischen Angriffen. In solchen Nöten sollen wir uns an ihr Versprechen erinnern und vertrauensvoll Zuflucht bei ihr suchen. Oder noch besser: uns jetzt schon täglich ihrem Schutz empfehlen und im Geist der vollkommenen Hingabe möglichst in Verbundenheit mit Maria und in Abhängigkeit von ihr leben lernen.

In unserem Leben begegnen wir aber auch Unsicherheiten, wo wir ratlos sind. Dann ist sie uns ein sicherer Wegweiser auf dem Weg zur Heiligkeit. So wird sie uns nicht nur beschützen, sondern selbst der Weg sein, auf dem wir sicher zu Gott gelangen werden. Welch ein Ansporn für uns, ihr Unbeflecktes Herz zu lieben und uns in allen Nöten ihm anzuvertrauen!

Die zweite Vision des Lichtes Gottes

Unsere Liebe Frau bestätigte nun das Verheißene durch die nachfolgende Vision. Zuerst sahen sich die Kinder im übernatürlichen Licht, das Jacinta und Francisco durch die Hände Mariens zum Himmel geleitete und für Lucia den Weg auf dieser Welt erleuchtete. Das war einerseits die sichtbare Bestätigung, dass sie in ihrem Gnadenlicht geborgen bleiben und sich ihr vertrauensvoll hingeben dürfen, andererseits der Hinweis auf ihre unterschiedliche Berufung. Francisco und Jacinta werden das Herz Maria durch ihren Eifer in Gebeten und Opfern verherrlichen und ihr Leben bald durch das Ertragen schwerer Krankheiten in großen Schmerzen für die Rettung der Seelen hingeben. Für Lucia steht ein langes Leben bevor, in dem sie durch ein unermüdliches Apostolat in Schriften und unzähligen Briefen mit einer erstaunlichen Sicherheit und Unerschrockenheit für die Botschaft der Gottesmutter authentisches Zeugnis ablegt, insofern es die kirchlichen Obrigkeiten ihr erlauben werden.

Das Herz, umgeben von Dornen

Die größte Gnade vom 13. Juni war die innere Erkenntnis des Unbefleckten Herzens Mariens. Nach dem Zeugnis der Heiligen ist dieses Herz das Meisterwerk der ganzen Schöpfung. Für dieses hat Gott seine höchste Allmacht und Weisheit eingesetzt, denn er wollte das Herz der Mutter seines Sohnes mit höchster Reinheit, Heiligkeit und Gnadenfülle beschenken.

In der klassischen Ikonographie wird das Herz Mariens mit Rosen umgeben dargestellt. Das will dessen Adel und Schönheit als ‚Rosa Mystica‘ betonen. In Fatima zeigt sie ihr Herz erstmals von Dornen umgeben und durchbohrt. Ähnlich wie bei den Offenbarungen des Herzens Jesu bedeuten diese Dornen die Beleidigungen und Sünden, welche die Herzen Jesu und Mariens heute verwunden. Unser Heiland sprach zur hl. Margareta Maria Alacoque: „Während meiner Passion marterten die Feinde meinen Leib, heute aber verwunden die Menschen mein Herz.“ Die Herzen Jesu und Mariens wollen uns damit bewusst machen, wie sehr sie jetzt von uns Christen noch viel empfindlicher, besonders durch Undank, Schmähungen, Sakrilegien und die Gleichgültigkeiten beleidigt werden, was schon der Engel betonte.

Lucia berichtet später: „Es scheint mir, dass dieses Licht uns vor allem eine besondere Erkenntnis und Liebe zum Herzen Mariens vermitteln sollte. Seit jenem Tag empfanden wir im Herzen eine glühendere Liebe zum Unbefleckten Herzen Mariens. Besonders Jacinta strömte über von Eifer, sie sprach oft zu mir: ‚Ich liebe ihr Herz so sehr, es ist so gut, es ist das Herz unserer himmlischen Mutter. – Oh, wenn ich nur das Feuer in alle Herzen legen könnte, welches da in meiner Brust glüht und mich das Herz Jesu und das Herz Mariens so sehr lieben lässt!‘ Bisweilen pflückte sie Feldblumen und sang dazu nach einer eigenen Melodie: ‚Süßes Herz Mariä, sei meine Rettung! Bekehre die Sünder und rette die Seelen vor der Hölle!‘ Das wurde ihr Lieblingsgebet.“

So sollen auch wir das Unbefleckte Herz Mariä, verwundet durch die Sünden der Menschheit, betrachten, das Sühne verlangt. Gott will, dass wir es durch unsere Liebe und größeren Eifer trösten und die Seelen, die es am meisten beleidigen, durch unsere Gebete, Opfer und besonders die Sühnekommunion bekehren und für die Liebe zu ihrem Herzen gewinnen.

Unser Herr Jesus Christus bestätigte das Geheimnis und die Macht des Unbefleckten Herzens, als er zu Lucia sprach: „Es ist mein sehnlichster Wunsch, dass die Verehrung und die Andacht zum Unbefleckten Herzen Mariens verbreitet wird, weil dieses liebende Herz der Magnet ist, der die Seelen zu mir hinzieht, der Feuerherd, der die Strahlen meines Lichtes und meiner Liebe über die ganze Erde hin aussendet, und die unversiegbare Quelle, welche die lebendigen Wasser meines Erbarmens auf die Erde herabströmen lässt.[3]“

 

Anmerkungen

[1] Portugiesisch: Ele quer estabelecer no mundo a devoçăo ao Meu Imaculado Coraçăo.

[2] Brief vom 14. April 1945

[3] Brief Schwester Lucias vom 27. Mai 1943