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Das Seniorenheim St. Josef in Weihnungszell

30. Dezember, 2016

Das Seniorenheim St. Josef in Weihnungszell

Ein Interview mit Pater Burkhard Kaldenbach

 

Das MITTEILUNGSBLATT der Priesterbruderschaft St. Pius X. führte im Dezember ein Interview mit dem Leiter des Seniorenheims St. Josef in Weihnungszell, das wir hier dokumentieren.

MB: Hochwürden, Sie sind Leiter des Seniorenheimes St. Josef im schwäbischen Weihungszell bei Biberach. Können Sie den Lesern des Mitteilungsblattes etwas über diese karitative Einrichtung und die Geschichte des Hauses und seines Trägers berichten?

Pater Burkhard Kaldenbach: Die Priesterbruderschaft St. Pius X., gegründet von Erzbischof Marcel Lefebvre, um der Kirche das katholische Priestertum zu erhalten, hat, bedingt durch den fortschreitenden Verfall der kirchlichen Strukturen, nach und nach weitere Werke der Seelsorge gegründet: Priorate, Kapellen, Schulen, Exerzitienhäuser. Ein Werk fehlte aber noch: die Sorge um die alten und kranken Menschen, also ein Werk der Nächstenliebe besonderer Art.  1991 öffnete das Seniorenheim seine Pforten für die ersten Bewohner; dazu gehörten auch Herr Heinrich Schlüter, der Planer, und Schwester Thea Braig, die erste Leiterin. Die Oberen mussten bei ihren Überlegungen auch daran denken, dass eines Tages die Priester der Bruderschaft und die Mitglieder der uns verbundenen religiösen Familien eine Einrichtung benötigen würden, die professionelle Pflege und Betreuung anbietet, denn: wer will uns Priester noch haben, wenn wir alt und hilflos sind?

Diese professionelle Pflege und Betreuung will und muss „mehr“ bieten als eine „Satt-und Sauber-Versorgung“. Der Mensch als Gotteskind steht im Mittelpunkt; der Mensch, der sich auf dem letzten Stück des Wegs befindet; der Mensch, der sich auf die ewige Begegnung mit Gott vorbereiten will.

 

MB: Mancher Leser wird sich fragen: Muss beim heutigen Priestermangel ein Priester Leiter eines Altenheims sein? Was unterscheidet Weihungszell von anderen Altenheimen?

Pater Burkhard Kaldenbach: Priestermangel? Ja, den gibt es und schade ist es um jeden Priester, der seine priesterlichen Aufgaben nicht mehr wahrnimmt. Der Priester als Leiter des Seniorenheims hört aber deshalb nicht auf, Priester zu sein! Es geht um die Seelen, immer und zuerst um die Seelen. Und wer ist mehr „Fachmann“ bei diesem Thema als der katholische Priester?

Zum Seniorenheim St. Josef gehört das Priorat St. Christophorus der Priesterbruderschaft mit derzeit 5 Priestern, einem Ordensbruder und vier Schwestern der Bruderschaft. Täglich wird die überlieferte hl. Messe zelebriert. Ich meine, dass es durchaus nachdenklich stimmen kann, wenn der Leiter einer solchen karitativen Einrichtung sich jeden Tag seine Kraft und seine Hingabe aus dem hl. Messopfer holt und diese weitergeben kann.

In vielen Heimen „verkommen“ die alten Menschen geistlich; sie sehen nur noch selten einen Priester, hören kaum mehr das Wort Gottes, empfangen nicht mehr das Bußsakrament. Wer betet dort mit ihnen, bereitet sie vor auf die letzte Stunde? Wer hat noch den Mut, sie hinzuweisen auf das herannahende Ende, auf die Notwendigkeit, seine weltlichen und geistlichen Angelegenheiten vor Gott und dem Nächsten in Ordnung zu bringen? Die so alleingelassenen „Alten“ werden praktisch gottlos, weil Gott in ihrer Umgebung nicht mehr vorkommt.

In Weihungszell können die Bewohner täglich die hl. Kommunion empfangen, ein wichtiges Anliegen des hl. Papstes Pius X., unseres Patrons. Jeden Morgen nach der hl. Messe in der schönen und großen Kapelle macht sich der Priester mit einem Ministranten auf den Weg durch das Seniorenheim. Er schreitet, das hochwürdigste Gut tragend, durch alle Wohnbereiche in die Zimmer derjenigen, die nicht mehr in die Kapelle gehen können. Mancher Bewohner kann ohne Schwierigkeit eine ganze hl. Hostie empfangen, ein anderer nur eine halbe oder eine kleine Partikel; der eine oder andere, der nicht mehr schlucken kann oder der, krankheitsbedingt, nicht mehr versteht, diese himmlische Speise von einer anderen zu unterscheiden, empfängt „wenigstens“ den Segen mit dem allerheiligsten Sakrament: jeden Tag! Eine der Ordensschwestern geht dem Priester voraus bzw. folgt ihm nach, um dem Bewohner evtl. mit ein wenig Wasser das Schlucken der heiligen Gestalten zu erleichtern. Jeden Tag!

Für die Priester ist das Apostolat im Pflegeheim sehr anstrengend, es geht oft an die Substanz, aber: es ist eine Kraftquelle nach dem Wort des Herrn: „Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

Und viele Bewohner „vergelten“ den täglichen Dienst des Priesters durch ihr Gebet für die Priester und Ordensleute, ihr Gebet um viele heilige Priester- und Ordensberufungen sowie durch die geduldige Annahme ihrer Leiden und Verdemütigungen. Welch ein Werk der Kirche für die Kirche!

Und die Schwestern! Die barmherzigen Schwestern des hl. Vinzenz von Paul nannte man „Schmetterlinge des Monsieur Vincent“. Unsere Schwestern in Weihungszell sind Seelen, die sich verzehren für die Bewohner, die sich nicht scheuen, die eine oder andere Nacht am Bett von Schwerkranken und Sterbenden auszuharren, die jeden Tag die (oft alten) Geschichten und Nöte der Bewohner anhören, die trösten und ermutigen, die fröhlich sind und Frohsinn bringen. Es sind die Schwestern, die dem Leidenden den tiefen Sinn des Kreuzes nahebringen. Wo sonst gibt es so etwas denn noch?

 

MB: Sie sind in einem Seniorenheim oft mit der Endlichkeit des Menschen konfrontiert. Welchen Blick muss der Katholik auf den „dritten Lebensabschnitt“ haben?

Pater Burkhard Kaldenbach: Selbst in vielen „katholischen“ Heimen wird die Blickrichtung auf die Ewigkeit, wird die Bedeutung des geistlichen Lebens hintangestellt, wird sich um den Menschen als den Menschen gekümmert, wie jeder brave Freimaurer es auch tun würde: mitmenschlich sein. Der „Nächste“ als der von Gott geschaffene Mensch, der zur Anschauung Gottes bestimmt ist, was wird daraus?

Ich kannte einen alten Ordensmann, der in das Pflegeheim seiner Gemeinschaft verbracht wurde, als seine kleine Kommunität ihn nicht mehr pflegen konnte. Wenn man diesen alten Herrn, der sein Leben lang priesterlich gewirkt hat, besuchte, saß er im Trainingsanzug auf dem Flur, er durfte nicht mehr privat zelebrieren. Wenn er mich sah, hat er immer geweint. Mitkommen nach Weihungszell wollte er aber auch nicht: der Gehorsam!

Ich kannte noch so einen alten Ordensmann, den seine Gemeinschaft in einem „katholischen“ Haus unterbrachte. Er besuchte gerne die anderen Bewohner, sprach von Gott, vom ewigen Leben, bis man es ihm verboten hat, denn viele wollten von Gott nichts wissen. Das Ende dieses Ordensmannes? Er hat sich in Verzweiflung und Not vom Balkon in den Tod gestürzt. Ganze Arbeit!

Wenn Bewohner nach Weihungszell kommen, dann besprechen wir ziemlich bald die Frage der „Letzten Dinge“: Wunsch nach den heiligen Sakramenten, Wunsch nach einer katholischen Bestattung. Und wir stellen fest, welcher Horror manchen Bewohner erfüllt, wenn er nur daran denkt, dass seine Angehörigen ihn nach dem Ableben kremieren könnten! Seinen Leib verbrennen, der Tempel des Heiligen Geistes gewesen ist! Die Bewohner wollten bestattet werden, wie Unser Herr Jesus Christus bestattet wurde, wie die allerseligste Jungfrau bestattet wurde.

Man muss das rechtzeitig regeln! Oft ist es im Falle der Pflegebedürftigkeit zu spät, weil man sich nicht mehr artikulieren kann, weil niemand mehr zuhört. Sagen Sie Ihren Angehörigen unmissverständlich, was Sie wollen, was Sie entschieden haben. Eine Bemerkung im Testament hilft nicht und auch das sogenannte „Geistliche Testament“ ist nicht immer zielführend. Der Abschluss eines Bestattungsvertrags kann helfen, dem Feuerofen dieser Welt zu entgehen.

Regeln Sie auch, wie Sie bestattet werden möchten, was den Ritus angeht! Wollen Sie, nachdem Sie Ihr ganzes Leben als treuer Katholik verbracht haben, von einer Pfarrköchin bestattet werden, bloß weil die besser reden kann als der Pfarrer? Treffen Sie Vorsorge, vor allem durch klare Anweisungen an Ihre Angehörigen, Ihre Betreuer und Bevollmächtigten, Ihre Seelsorger!

 

MB: Der Fortschritt der Medizin wirft auch in der Pflege schwierige ethische Fragen auf. Das gesellschaftliche Klima wandelt sich. Stichwort: Euthanasie.

Pater Burkhard Kaldenbach: Durch die moderne Medizin kann der Mensch – wenn Gott will – immer älter werden, manchmal aber unter Umständen, die er sich nie und nimmer wünscht.

Wenn bei uns in Weihungszell der Notarzt ins Haus kommt, fragt er in kritischen Fällen zunächst nach der Patientenverfügung. Dann entscheidet er, was zu tun ist. Man hat die Pflicht, auch vor dem lieben Gott, sich um diese Dinge zu kümmern, „sein Haus rechtzeitig zu bestellen“. Das kann Ihnen doch nicht egal sein, was mit Ihnen geschieht, solange die Seele Sie belebt!

Wollen Sie ein Opfer der Euthanasie werden? Verhungern? Verdursten? Durch Medikamente so sehr sediert werden, dass Sie nicht mehr bewusst das Herannahen der Sterbestunde erfassen und plötzlich und „unversehen“ in die Ewigkeit eintreten?

Die Ärztevereinigung St. Lukas hat eine katholische Patientenverfügung verfasst und stellt diese gerne zur Verfügung. Der Mensch ist nicht Herr über sein eigenes Leben. Auch in Gesundheitsfragen ist die Lehre der Kirche maßgebend und wegweisend.

 

MB: Wie ist denn im Seniorenheim der Umgang mit Demenzkranken? Können Sie etwas sagen zur Bedeutung der Religion für diese Menschen?

Pater Burkhard Kaldenbach: Die demenzielle Erkrankung der Menschen ist auf dem Vormarsch, und sie macht leider auch um gläubige Menschen keinen Bogen. Ganz vereinfachend, und ohne jeden Anspruch auf pflegewissenschaftliche Exaktheit, kann man die ersten Anzeichen einer solchen Krankheit in einem Bild vergleichen mit einer Bibliothek, in der langsam ein Buch nach dem anderen aus dem Regal verschwindet; zuerst die jüngsten Ausgaben mit dem Kurzzeitgedächtnis, dann andere Werke, die das frühe Leben betreffen bzw. Bände, die Erklärungen und tiefes Verständnis für Zusammenhänge liefern. Was wir beobachten, ist, dass die Menschen an ihrer Religion festhalten. Ich will Ihnen Beispiele geben: Bei uns wird morgens um sieben Uhr die hl. Messe zelebriert. Das vergisst der eine oder andere Bewohner mehr oder weniger regelmäßig. Sagt man ihm beim Wecken: „Gleich ist die hl. Messe!“, dann will er aus dem Bett und in die Kapelle, dann hilft er der Pflegekraft, so gut er kann, bei der Grundpflege und beim Anziehen, denn er will pünktlich in die Kapelle. Ohne die Kapelle im Haus und ohne die hl. Messe: warum aufstehen? Warum sich anstrengen? Warum bei der Morgentoilette mitwirken? Viele geistige und körperliche Ressourcen gingen verloren ohne die Verwurzelung in der hl. Religion.

 

MB: Können Interessierte Kontakt mit Ihnen aufnehmen?

Pater Burkhard Kaldenbach: Wir sind gerne da, wenn Sie Fragen an uns haben. Fragen zu Weihungszell sind ebenso möglich wie allgemeine Fragen zu den Themen Pflegeversicherung, Vorsorge, Patientenverfügung, Bestattungsregelungen, Demenz. Scheuen Sie sich nicht, bei uns anzufragen.

 

Sie suchen einen Pflegeplatz, einen Platz zur Kurzzeitpflege? Sie wollen im Wohnbereich leben ohne Notwendigkeit der Pflege? Sie wollen Ihre Ferien bei uns verbringen? Auch hier stehen wir Ihnen zur Verfügung.

Unsere Postadresse: Seniorenheim St. Josef, Maienfeld 5 in 88477 Schwendi-Weihungszell

Unsere Mailadresse: [email protected]

Unsere Homepage (die gerade ein wenig überarbeitet wird…): www.seniorenheim-weihungszell.de

Stellenausschreibung: Lebensfreude schenken!

Das Altenheim gibt die Zeitschrift „Einblicke“ viermal im Jahr heraus.