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7. März - Hl. Thomas von Aquin

07. März, 2018

Thomas von Aquin wurde um 1225 in dem zwischen Rom und Neapel gelegenen Schloss Roccasecca bei Aquino geboren. Sein Vater ist der aus langobardischem Geschlecht (vgl. 9.1.) stammende Graf Landulf IV., Herr von Loreto, Acerra und Belcastro, ein Neffe Kaiser Barbarossas (s. 5.3.), seine Mutter eine adlige Normannin, Theodora Caracciolo, Gräfin von Theate. Graf Landulf gehörte zu den Parteigängern Kaiser Friedrichs II. (1215 - 1250), der auch Herr des süditalienischen Königreichs Sizilien (s. 8.5.) war.

Mit fünf Jahren kam Thomas als Oblate nach Montecassino (s. 21.3.), um eine erste schulische Ausbildung in jenem Kloster zu erhalten, dem ein Oheim von ihm als Abt vorstand. Als kaiserliches Militär dort stationiert wurde, kam Thomas nach Neapel. An der dortigen, 1224 von Friedrich II. gegründeten Universität, lernte der Aquinate den antiken Philosophen Aristoteles (384 - 322 v. Chr) kennen, der dem Abendland gerade zu jener Zeit, vermittelt durch arabische Übersetzungen, in weiterem Umfang bekannt wurde. Auch begegnete der hl. Thomas in der Residenzstadt Neapel Franziskanern und Dominikanern, den beiden etwa zwei Dezennien zuvor päpstlich anerkannten Bettelorden. Thomas erkannte, dass er zu einem mönchischen Leben innerhalb des durch St. Dominikus (4.8.) gegründeten Ordens berufen war. 1243 nahmen ihn die Predigerbrüder auf.

Wie groß später auch immer die Ehrungen waren, die der hl. Thomas von Aquin erfuhr, wie sehr seine theologischen Werke auch gelobt und anerkannt wurden, Thomas blieb stets der lautere und demütige Beter, der Schlichtheit, Armut und Frieden liebt.

Mit dem Eintritt des hl. Thomas in den Predigerorden war seine Familie alles andere als einverstanden. Er wurde von zweien seiner eigenen Brüder festgenommen und etwa ein Jahr lang gefangen gehalten. Die leiblichen Brüder versuchten Thomas von seiner Berufung abzubringen und sandten sogar eine Buhlerin zu ihm in sein Gemach, die er aber mit einem glühenden Holzscheit wieder vertrieb. Endlich sah die Mutter ein, dass ihr Sohn standhaft bleiben würde, und ließ ihn mit Hilfe einer seiner Schwestern heimlich in einem an der Mauer herabgelassenen Korb entweichen.

Der Orden sandte den hl. Thomas zur weiteren Ausbildung nach Paris, wo um die Mitte des 12. Jahrhunderts eine Universität entstanden war, die bedeutendste Stätte zum Studium der Theologie im Abendlande jener Zeit. Als St. Thomas 1245 in der französischen Hauptstadt ankam, hatte dort gerade der Dominikaner St. Albertus Magnus (15.11.) seine Unterrichtstätigkeit aufgenommen. Drei Jahre darauf wanderten beide nach Köln, wo zu jener Zeit der Bau des im 19. Jahrhundert vollendeten Domes begonnen wurde. Albertus ging an die Kölner Universität, um zu unterrichten, und Thomas, um sein Studium fortzusetzen. Von anderen Scholaren wurde St. Thomas wegen seiner Schweigsamkeit als stummer, sizilischer Ochse verspottet. Albertus aber verkündete daraufhin: „Die Stimme dieses Ochsen wird sich in der Lehre einst dröhnend erheben, so dass es auf der ganzen Erde davon tönen wird!“

Nachdem er zu Köln die Priesterweihe empfangen hatte, kehrte der hl. Thomas 1252 nach Paris zurück und wurde Lehrer an der Ordensschule St. Jacques. Die Unterrichtstätigkeit an der Universität aber wurde ihm ebenso wie seinem Freunde, dem Franziskaner Bonaventura (14.7.), verwehrt, da man einen zu großen Einfluss der Bettelorden befürchtete. Erst 1256 wurden durch ein Eingreifen des Papstes Thomas und Bonaventura als Magistri anerkannt, doch versuchte man auch weiterhin, die Studenten von ihnen fernzuhalten, bis ein weiteres Schreiben des Papstes 1257 diesen Zustand beendete. Während sich die Gelehrsamkeit des hl. Thomas nun segensreich entfalten konnte, wurde der hl. Bonaventura noch in demselben Jahr zur Leitung des Franziskanerordens abberufen und schied damit aus dem Lehrbetrieb der Universität aus.

1259 verließ St. Thomas die Universität Paris. Während der nächsten zehn Jahre leitete er in Italien die Ordensschulen zu Orvieto, Rom und Viterbo. - Er war Lehrer und wollte stets ein solcher bleiben. Darum lehnte Thomas die ihm angetragene, erzbischöfliche Würde Neapels ab. Der Aquinate ermunterte seinen Ordensbruder Wilhelm von Moerbeke, einen Flamen, zur Übersetzung der Schriften des Philosophen Aristoteles ins Lateinische und verfasste auf Bitten des hl. Raymund von Penaforte (23.1.) hin 1259 bis 1263 seine Summa contra gentiles, die Summe wider die Heiden; dabei war Thomas einmal so versunken, daß er nachts beim Diktieren nicht wahrnahm wie die heruntergebrannte Kerze ihm die Finger versengte. In diesem Werk werden die Argumente der Gegner des Christentums, der Mohammedaner und der Heiden, referiert und mit den Mitteln der natürlichen Vernunft widerlegt. Hier, wie in der 1266 bis 1273 verfassten Summa Theologica, der theologischen Summe, und in seinen zahlreichen weiteren Werken, ist Thomas’ Sprache schlicht und einfach. Der große Gelehrte legt geduldig dar, klar und vollständig, und er überzeugt durch seine folgerichtige Argumentation.

Seine Darstellung gleicht einem gemächlich dahinfließenden Strom, dem jedoch nichts standzuhalten vermag. Dabei bleibt Thomas ganz bescheiden, indem er bekennt, dass die Wahrheit nur erkennt, wer nichts für sich selber will. - Seine Summa Theologica ist ein einzigartiges Werk, geschrieben für Anfänger und doch zugleich für alle von so grundlegender Bedeutung, dass sie während des Konzils zu Trient (1545 - 1563) als einziges Werk neben der Bibel auf dem Altar lag. Thomas’ theologisches Werk ist zum tragenden Pfeiler im Gebäude der katholischen Theologie geworden, er selbst zum Doctor communis.

In seinen theologischen Werken vertritt Thomas keine einseitigen Positionen, wie sie sich später ausbreiteten: Nicht Natur oder Gnade, nicht Glaube oder Vernunft - beides schaut Thomas zusammen. Auf antiker Tradition gründend begreift Thomas scheinbare Gegensätze als einander Ergänzendes. So ist er Aristoteliker soweit der Philosoph mit dem christlichen Bekenntnis übereinstimmt. Doch besteht bei Thomas nicht etwa ein Gegensatz zwischen Aristotelismus und Platonismus; Aristoteles war ja auch Platons Schüler und dem entsprechend wurde er in der Antike verstanden. Der Aquinate vermag neben dem Aristotelischen auch das Platonische oder Neuplatonische aufzunehmen und, wenn nötig, darüber hinauszugehen.

1263 beauftragte Papst Urban IV. (1261 - 1264) den heiligen Aquinaten, für das ab 1264 in der gesamten Kirche zu feiernde Fronleichnamsfest (s. 24.5.) die liturgischen Texte der Messe und des Breviers zu verfassen. So dichtete St. Thomas neben Adoro Te devote, Pange lingua und Tantum ergo, das wir vor dem ausgesetzten Allerheiligsten zu singen pflegen, auch den Hymnus Lauda Sion Salvatorem.

Noch einmal kehrte Thomas von Italien nach Paris zurück. Von 1269 bis 1272 unterrichtete er wieder an der Universität. Neben der Arbeit an der Summa Theologica entstanden zahlreiche weitere Werke. Danach kehrte Thomas in seine Heimat zurück, um in Neapel eine Ordensschule zu gründen. Da kündigte sich das Ende des irdischen Lebens des großen Lehrers der Christenheit am Tage des hl. Nikolaus (6.12.) des Jahres 1272 an. St. Thomas kam von der hl. Messe, die er zelebriert hatte, und stellte zum Erstaunen aller die Arbeit an der noch unvollendeten Summa Theologica ein. Auf Nachfragen gab er die Auskunft: „Alles, was ich geschrieben habe, erscheint mir wie Spreu - im Vergleich zu dem, was ich geschaut habe.“ - Schüler aber vollendeten später das Werk gemäß Thomas’ Plänen.

Im folgenden Jahr 1273 beauftragte der selige Papst Gregor X. (1271 - 1276) den Heiligen mit der Teilnahme am zweiten allgemeinen Konzil zu Lyon. Auf dem Weg dorthin erkrankte der Doctor angelicus, der englische Lehrer, und starb am 7. März des Jahres 1274 im Kloster Fossa nuova. Die hll. Bonaventura und Albertus Magnus nahmen an dem Konzil teil, doch der Franziskaner, der seraphische Lehrer, starb noch in Lyon am 15. Juli.

 

Das Institut für Thomistische Philosophie (iTP) bietet philosophisch interessierten Laien vom 25. - 27. Mai 2018 ein Wochenendseminar im Exerzitienhaus Porta Caeli an. Das Thema des "Wochenendes mit Thomas von Aquin" ist die Naturphilosophie. Weitere Informationen zu der Veranstaltung und Anmeldung auf der Website des Instituts itp.institute