FSSPX Nachrichten & Veranstaltungen

3. Fastensonntag

18. März, 2017

Die liturgische Messfeier des dritten Fastensonntags

1. Die heutige Feier hat zunächst die Katechumenen im Auge, d.h. diejenigen, welche ehedem (als Erwachsene) in der Osternacht die heilige Taufe empfangen sollten. Wir, die bereits Getauften, schließen uns ihnen an und erleben mit ihnen aufs neue das große Ereignis der heiligen Taufe, auf dem unser christliches Leben ruht. Wir ziehen in die Kirche des großen Märtyrers Laurentius, unter dessen Schutz die Katechumenen am Sonntag Septuagesima gestellt worden sind. Heute wird an ihnen der erste Akt der Tauffeierlichkeit vorgenommen, die erstmalige Teufelsaustreibung. Voll Sehnsucht nach der Befreiung aus der Hand Satans und voll Verlangen, sich auf die Seite Christi zu stellen, Christen zu sein, beten sie und beten wir, die bereits Getauften: „Meine Augen schauen immerdar auf den Herrn (Christus). Er ist's, der meine Füße aus der Schlinge (des Teufels) lösen wird." Sehnsuchtsvoll flehen wir mit den Katechumenen: „Schau her auf mich und hab mit mir Erbarmen" (Introitus), und fügen unser eindringliches Kyrie eleison an. Mit der Oration bitten wir: „Schau herab auf das Flehen der Gebeugten und strecke die Rechte Deiner Majestät zu unserem Schutze aus."

2. Was wollen die Katechumenen? Was streben sie an? Welches ist der Beruf und die Aufgabe der schon Getauften? Die Antwort darauf gibt die Epistel. „Ahmet Gott nach als Seine vielgeliebten Kinder. Unzucht aber und jede Unreinigkeit und Geiz sollen unter euch nicht einmal genannt werden. Ihr wäret einst Finsternis, nun aber seid ihr Licht im Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts." Das ist der Sinn der heiligen Taufe, die wir empfangen. Ist's nicht dringend notwendig, daß wir heute an Hand der Epistel uns ernstlich auf unsere Gabe und Aufgabe besinnen und die Taufgesinnung in uns neu aufleben lassen, zu einem Leben, wie es die heilige Taufe von uns fordert? Und darum flehen wir: „Steh auf, o Herr, daß der (alte) Mensch (in uns) nicht übermächtig werde. Zu Dir erhebe ich meine Augen. Erbarme Dich unser. Herr erbarme Dich unser" (Graduale, Tractus). Gib Licht und Kraft! Der vom Teufel Geknechtete des Evangeliums sind die Täuflinge, sind wir selbst. Christus, der „Stärkere", drängt Satan, den „Starken" aus unserem Herzen hinaus und nimmt ihm seine ganze Waffenrüstung ab, so daß er keine Gewalt mehr über den Getauften hat. Vielmehr ist „das Reich Gottes", das Reich der Gnade und des übernatürlichen Heils in die Seele eingegangen. Aber damit ist noch nicht alles getan. Dem Gnadenwirken Christi am Getauften muß die treue Mitwirkung des Getauften zur Seite stehen. Daher die ernste Mahnung an die Täuflinge und an uns, die Getauften* „Wer nicht mit Mir ist, ist wider Mich." Christo gegenüber gibt es keine Neutralität, keine Halbheit, keinen Zweiherrendienst, sondern nur ein entschiedenes: Entweder — Oder. Das ist die Aufgabe, die die heilige Taufe dem Täufling und dem Getauften stellt: Ungeteilt mit Christus sein: im Glauben an Sein Wort, in der Nachfolge Seines Beispiels, im Gehorsam gegen Sein Gebot. Wo einer nicht mit Christus ist, da ist er wider Ihn und treibt Ihn aus seinem Herzen. Satan kehrt in diesen Menschen zurück, „nimmt noch sieben andere Geister mit sich: sie ziehen ein und wohnen daselbst, und die letzten Dinge dieses Menschen werden ärger sein als die ersten". Dankbar bejahen wir im Credo unsere Taufe und unsere Taufverpflichtungen, die Satzungen des Herrn (Christi), süßer als Honig (Offertorium). 3. Wir machen den Opfergang und stellen uns ungeteilt auf Christi Seite. „Wer nicht mit Mir ist, der ist wider Mich." Wie das Wassertröpfchen mit dem Wein im Kelch eins wird, so wollen wir mit Christus im heiligen Opfer eine Hostie werden, mit Ihm gekreuzigt der Sünde, der Welt und dem Weltgeist, mit Ihm geopfert, gottgeweiht im Denken, Streben, Tun und Lassen (heilige Wandlung), eine reine, heilige, makellose Opfergabe. Unser Mitopfern wird besiegelt durch die heilige Kommunion. Der „Stärkere" kommt in unser Herz und hält mit Seiner Kraft den Starken in Schach. „Er streckt die Rechte Seiner Majestät zu unserem Schutze aus" (Oratio). Wir sind in Christus geborgen. Wunderbare Frucht der heiligen Taufe und des heiligen Opfers! „Selig, die in Deinem Hause wohnen" (Communio), durch die Taufe, durch das Opfer und das heilige Opfermahl der heiligen Kommunion mit Christus verbunden, christuserfüllt! Von Seinem Geiste neubelebt, legen wir heute mit der ganzen Glut des Herzens unser Taufgelöbnis ab: Mit Christus, für Christus arbeiten wir, leiden wir, beten wir. „Meine Augen schauen immerdar auf den Herrn. Er ist's, der meine Füße aus der Schlinge lösen wird" (Introitus). Durch den Kampf der Fastenzeit des Diesseits zum Licht der Verklärung in der Ewigkeit!

Dritter Fastensonntag.

Kinder des Lichtes.

1. Zum Gottesdienst versammeln wir uns am Grab des hl. Laurentius, des Patrons der Täuflinge. Auf dem glühenden Rost reift er zur Verklärung heran. Sehnsüchtig schaut er nach ihr aus. So reinigen und läutern auch wir uns in der heiligen Fastenzeit und sehnen uns der Verklärung, dem lichten Ostermorgen entgegen. „Oculi mei semper ad Dominum — Meine Augen schauen immer auf zum Herrn" (Introitus). Wir flehen, daß Er an uns in dieser heiligen Fastenzeit das Werk der Läuterung und Erneuerung vollende, an uns und an allen Kindern der heiligen Kirche.

2. „In jener Zeit trieb jesus einenTeufel aus, der stumm war. Als Er den Teufel ausgetrieben hatte, redete der Stumme, und das Volk wunderte sich" (Evangelium). In dem Heiligtum des hl. Laurentius wurden in früheren Zeiten an den Täuflingen die Teufelsaustreibungen vorgenommen. Was das Evangelium berichtet, nahm der Herr einmal, in der Gnadenstunde unserer Taufe, an uns selber vor. In seinem Vertreter, dem Priester, trat Er an uns heran und gebot dem Teufel, der uns beim ersten Eintritt ins Leben in seine Gewalt bekommen hatte: „Ich beschwöre dich, unreiner Geist, im Namen Gottes des allmächtigen Vaters und im Namen Jesu Christi, Seines Sohnes, unseres Herrn und Richters, und in der Kraft des Heiligen Geistes, daß du dieses Geschöpf Gottes verlassest, das unser Herr zu Seinem Tempel auserwählt hat: es soll ein Tempel des lebendigen Gottes sein, und der Heilige Geist soll in ihm wohnen," Der „Stärkere", Christus, hat den „Starken", Satan, überwunden und aus un1 serer Seele ausgetrieben. Wir sprachen mit ganzer Entschlossenheit unser: Ich widersage dem Satan, und nahmen fürs ganze Leben den Kampf gegen den Starken auf. Wir wurden Christo, dem Stärkeren, lebendig einverleibt und eingegliedert. Christi Kraft, die in Laurentius auf dem Rost gesiegt, ist auch in uns wirksam. So gingen wir auf den Kampfplatz des christlichen Lebens, zum Entscheidungskampf. „Wer nicht mit Mir ist, ist wider Mich." Wir stellten uns auf Christi Seite. Neutralität kann es da keine geben. Alle haben wir innere und äußere Kämpfe zu bestehen gehabt Heute, in der Mitte der heiligen Fasten, schauen wir zurück. Wie weit sind wir unserem Taufeid treu geblieben? Hat Satan, die Finsternis, die Sünde, an uns keinen Anteil gehabt? Gar keinen? Oder hat die heilige Liturgie nicht recht, wenn sie uns heute die Worte der Epistel zur Erwägung vorlegt: „Unzucht aber und jede Unreinigkeit oder Geiz (Habsucht) sollte unter euch nicht einmal genannt werden, wie es sich für Heilige geziemt. Ebensowenig Schamlosigkeit, törichtes Gerede und Possen, die sich nicht schicken. Denn das wisset wohl und merket. Kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Geiziger hat Anteil am Reiche Christi und Gottes." So prüfen wir uns ernstlich. „Heute, wenn ihr Seine Stimme höret, verhärtet euere Herzen nicht" (Ps. 94, 8). Wehe uns, wenn der unreine Geist wiederkehrte und noch sieben andere mit sich brächte, die ärger sind als er. Die letzten Dinge würden ärger sein als die ersten.

„Ihr wäret einst Finsternis, nun aber seid ihr Licht im Herrn. Wandelt als Kinder des Lichtes. Die Frucht des Lichtes aber besteht in lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit. Ahmet Gott nach als Seine vielgeliebten Kinder und wandelt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt und Sich für uns als Opfergabe hingegeben hat zum lieblichen Wohlgeruch" (Epistel). Kinder des Lichtes, die keine Finsternis mehr kennen. Kinder des Lichtes, die ständig im Lichte wandeln, d. i. im Aufblick zu Gott, in einem intensiven Glaubensleben, in ununterbrochenem Gebet und Lobpreis Gottes. Und die Frucht des Lichtes? Sie besteht in lauter Güte gegenüber den andern, in lauter Gerechtigkeit, die immer tut, was recht ist, gegenüber Gott, gegenüber dem Nächsten, gegenüber sich selbst; in lauter Wahrheit, die nichts gemein hat mit der Unaufrichtigkeit, Verstellung, Diplomatie der Welt, mit Gewundenheit, Ziererei, Unnatürlichkeit und Verstellung. Die Seele des christlichen Lebens aber ist die Liebe zu Gott und zum Nächsten. Der Weg des Christen ist der Weg der Liebe. Jener Liebe, die vollkommen mit der Sünde bricht, mit der Todsünde ebenso wie mit der geringsten bewußten, erkannten läßlichen Sünde oder Untreue; jener Liebe, die an sich keine freiwillige Unvollkommenheit duldet; die nichts anderes mehr kennt und sucht als das, was dem Vater lieb ist; die alles tut, was sie zu tun hat, und es vollkommen tut im Drang der Liebe zu Gott und Christus; jener Liebe, die verlangt, Gott und dem Heiland alles zu geben, die letzte Kraft, den letzten Tropfen Blutes; jener Liebe, die bereit ist, allen Leiden und Demütigungen sich zu unterwerfen, ja die das Leiden liebt und glücklich ist, für den Herrn etwas erdulden zu dürfen. „Wandelt in der Liebe." Und wir? Ich?

3. Kampf gegen den Starken, daß er nicht in seine Wohnung zurückkehre, aus der ihn der Stärkere vertrieben hat. Und Kampf um die Liebe, um die Frucht des Lichtes, um das Gutsein, um das Gerechtsein, um das Wahrsein in allem. Das ist unsere weitere Fastenarbeit. Aus uns leisten wir sie nicht. Darum erheben wir die Augen zum Herrn und beten: „Sieh, wie der Knechte Augen auf die Hand des Herrn, und wie der Magd Augen auf der Herrin Hand, so blicken unsere Augen auf zum Herrn, unserem Gott, bis Er sich unser erbarme. Erbarme Dich unser, o Herr, erbarme Dich unser" (Tractus). Voll Vertrauen wenden wir uns mit der heiligen Kirche an Ihn. „Oculi mei semper ad Dominum — Meine Augen schauen immer auf zum Herrn; Er ist's, der meine Füße aus der Schlinge (des Feindes) lösen wird. Schau auf mich her und habe Erbarmen mit mir: ich bin so einsam und so arm" (Introitus).

Jetzt, heute, in der Mitfeier der heiligen Messe, nehmen wir den Kampf neu auf. Wir sprechen, wie einst am Tag der heiligen Taufe, unser: Ich widersage dem Satan, der Welt, dem Fleisch, der Sünde. Wir gehen in den sich opfernden Herrn ein. In der heiligen Kommunion lassen wir uns neu und tiefer in Ihn einverleiben. In Seiner Kraft gehen wir den Weg des Kampfes gegen das Böse, des Kampfes um das Gute, um das Lichtkind in uns. Als Kinder des Lichtes gehen wir dem Osterlicht der ewigen Verklärung entgegen.

„Selig, die das Wort Gottes hören und es befolgen" (Evangelium). Das ist der Weg des Lichtes und der Liebe. Nur der Liebe ist es ja eigen und möglich, das Gebot Gottes ganz zu erfüllen. Freudig antwortet die Liebe auf die Seligpreisung des Herrn: „Des Herrn Gesetze sind gerecht, sie machen froh das Herz. Und Seine Satzungen sind süßer noch als Honig und Honigseim. Daher befolgt sie Dein Knecht" (Offertorium).

Gebet

Wir bitten Dich, allmächtiger Gott, schau auf das Flehen der Demütigen und strecke die Rechte Deiner Majestät zu unserm Schutze aus. Durch Christus unsern Herrn. Amen.

Bild: San Lorenzo

Predigt zum 3. Fastensonntag