FSSPX Nachrichten & Veranstaltungen

24. März – Gründonnerstag

23. März, 2016

Die Liebe bis ans Ende

1. Im Lateran, der Kirche des heiligsten Erlösers, sind wir heute Zeugen der Wiederaufnahme der Büßer in die Gemeinschaft der Gläubigen. Sie haben Buße getan. Sie waren vom gemeinsamen Opfergang und von der Teilnahme an der heiligen Kommunion ausgeschlossen. Heute dürfen sie die Bußzeit beenden. Sie dürfen wieder ihre Gaben zum Altare tragen und das erste Mal die heilige Kommunion empfangen.

Wir fühlen ihre Freude und ihre Dankbarkeit gegen den Erlöser mit. Wir stimmen in ihr Gebet ein, mit dem sie ihren ersten Opfergang machen: „Ich werde nicht sterben, ich werde leben." (Offertorium) Wir erinnern uns heute zugleich an die Ereignisse im Leben Jesu, die den Gründonnerstag auszeichnen: den Abschied Jesu von Bethanien, den Gang zum Abendmahlssaal, das Abendmahl (Ostermahl), die Fußwaschung, die Einsetzung der heiligsten Eucharistie und des Priestertums, die Abschiedsrede des Heilandes und das hohepriesterliche Gebet, den Gang in den Ölgarten, das Ölbergleiden, den Verrat des Judas, die Gefangennahme Jesu. Die heilige Liturgie gedenkt insbesondere der Einsetzung des allerheiligsten Altarsakramentes.

2. „Da Er die Seinen liebte, die in der Welt waren, erwies Er ihnen eine Liebe bis zum Ende" (Joh. 13, 1): in der Einsetzung des allerheiligsten Sakramentes des Altars. Es genügt Seiner Liebe zu uns nicht, für uns zu leiden und am Kreuze zu sterben. Er will immer mit uns sein. Ja Er will die Nahrung unserer Seele werden, uns mit Seiner Kraft und Seinem Leben erfüllen, uns in die innigste Lebensgemeinschaft mit sich hineinheben. Er der Weinstock, wir die Zweige! Eine Liebe bis ans Ende Seines Lebens, am Kreuze; bis ans Ende der Zeiten, im Tabernakel. Eine Liebe ohne Grenzen und Enden droben im Himmel. Das ist unser Reichtum in aller Armut. Und das ist unser alles überragendes Glück: Er liebt uns bis ans Ende, bis an die Grenzen der Möglichkeiten. „ Wie Mich der Vater geliebt hat, so liebe Ich euch" (Job. 15, 9). „Bleibet in Meiner Liebe!" (Ebd.) Auch wir unserseits lieben Ihn bis zum Ende, aus ganzer Kraft.

Einen weiteren Erweis Seiner Liebe gibt Er Seinen Aposteln in der Fußwaschung. Die Liturgie des heutigen Tages bringt die Fußwaschung in engste Verbinclung mit dem Empfang der heiligen Kommunion. Deshalb betet sie zur Austeilung der heiligen Kommunion an die Gläubigen: „Als der Herr Jesus mit Seinen Jüngern das Abendmahl gehalten hatte, wusch Er ihnen die Füße und sprach: Versteht ihr, was Ich euch getan habe? Ich, der Herr und Meister? Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so tuet" (Communio). Eucharistie (Kommunion) und werktätige Nächstenliebe gehören zusammen, ergänzen und halten sich. „Wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns und ist Seine Liebe in uns vollkommen. Wenn einer sagt: Ich liebe Gott, seinen Bruder aber haßt, so ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, der kann Gott nicht lieben" (1 Joh. 4, 12 20). Wie kann er also würdig die heilige Kommunion empfangen?

Anderseits drängt der würdige Genuß des eucharistischen Christus naturnotwendig zur Liebe des mystischen Leibes Christi, der Glieder Christi, des Mitmenschen. Auf diesen Zusammenhang weisen die Texte der Fußwaschung hin. „Ein neues Gebot gebe Ich euch: Liebet einander, wie Ich euch geliebt habe, spricht der Herr. Selig die Makellosen auf dem Lebenswege, die wandeln nach des Herrn Gesetz." „Wenn Ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, wieviel mehr sollt ihr einander die Füge waschen! Hört es, alle Völker! Horchet auf, ihr Bewohner der Erde! Wenn Ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, wieviel mehr sollt ihr einander die Füße waschen!" „Daran werden alle erkennen, daß ihr Meine Jünger seid, daß ihr Liebe zueinander habt." Die heilige Eucharistie ist die Gabe der Liebe: sie wird uns zur Aufgabe: „Ein neues Gebot gebe Ich euch, daß ihr euch einander so liebt, wie Ich euch geliebt habe." Wir prüfen uns ernstlich darauf, ob wir, die wir täglich die heilige Kommunion empfangen, dies Gebot des Herrn in Wahrheit halten. Die Liebe entscheidet!

3. „Wo die Minne, wo die Liebe, da ist Gott. Christi Liebe hat unsere Schar geeint. Jubeln und frohlocken wollen wir in Ihm. Fürchten wollen wir und lieben den lebendigen Gott. Und aus lauterem Herzen wollen wir uns minnen. Wo die Minne, wo die Liebe, da ist Gott. Da wir denn miteinander verbunden sind, habt acht, daß wir im Geiste nicht voneinander getrennt werden. Das böse Hadern höre auf, weichen soll der Streit. Und in unserer Mitte wohne Christus, Gott. Wo die Minne, wo die Liebe, da ist Gott. Dürften wir doch alle mit den Seligen schauen Christus, Gott, Dein Antlitz, herrlich strahlend. Welche Freude, unermeßlich groß und rein! Durch der Ewigkeiten grenzenlose Weiten. Amen." (Zur Fußwaschung.)

Die heiligste Eucharistie ist die Frucht des Kreuzes. Wir werden demnach dem Geheimnis des Altars um so näher kommen und an dessen Gnaden und Segnungen um so mehr Anteil erhalten, als wir in Liebe und glaubensvoller Hingabe mit dem Heiland das Kreuz umfassen. „Uns sei es ferne, daß wir uns in etwas anderem rühmen als nur im Kreuze unseres Herrn Jesus Christus" (Introitus). So sollte es sein! In Wirklichkeit aber fliehen wir das Kreuz und entziehen uns ihm, wo immer wir können. Wir sind unzufrieden mit dem Kreuz, das uns aufgelegt ist, wir hadern mit Gott. Welch ein Christentum! Darum bleibt uns auch das Geheimnis der heiligen Eucharistie verschlossen und gelangen wir nicht zur Liebe, die wir der heiligen Eucharistie, dem Sakrament der Liebe schulden.

„In Ihm ist unser Heil, unser Leben, unsere Auferstehung" (Introitus). In Ihm, der im Tabernakel unter uns wohnt, für uns betet, sich opfert, uns liebt. „Glücklich, die in Deinem Hause wohnen, Herr" (Ps. 83, 5)

Gebet.

Gott, Du hast uns in dem wunderbaren Sakramente das Andenken an Dein Leiden hinterlassen. Wir bitten, laß uns das heilige Geheimnis Deines Leibes und Blutes so verehren, daß wir die Frucht Deiner Erlösung allezeit in uns wahrnehmen. Der Du lebst und herrschest in alle Ewigkeit. Amen.

 

Bild: San Giovanni im Lateran

Predigt zum Gründonnerstag 2016 von Pater Hubert Vogt, Schönenberg