06. Januar - Hochfest Epiphanie

2018
Quelle: Distrikt Deutschland

Am 6. Januar begeht die heilige Kirche das Hochfest der Epiphanie, der Erscheinung des Herrn. 

Der Begriff „Erscheinung“ bezeichnet das Sichtbarwerden der Göttlichkeit Jesu. Diese zeigte sich u.a. bei den drei Gelegenheiten, die dem Fest seinen Anlaß gegeben haben: Beim Besuch der Weisen, bei der Taufe Jesu und bei dem ersten von Ihm gewirkten Wunder. Alle drei Ereignisse sollen sich an einem 6. Januar ereignet haben.

1. Der Besuch der Weisen bei dem neugeborenen Heiland fand statt, als dieser dreizehn Tage alt war. Der den Weisen erscheinende Stern offenbarte Jesus als den göttlichen Erlöser.

2. Die Taufe Jesu fand statt, als der Heiland etwa dreißig Jahre alt war. Dabei offenbarte sich die göttliche Dreifaltigkeit, denn über dem im Jordan stehenden Jesus ließ sich der Heilige Geist in Gestalt einer Taube herab, und aus dem Himmel erscholl die Stimme des Vaters. Diese wiederum offenbarte Jesu Göttlichkeit. Das Gedächtnis der Taufe wird am Oktavtag von Erscheinung, also am 13. Januar, begangen.

3. Das Weinwunder zu Kana in Galiläa fand im darauffolgenden Jahre statt. Durch das Offenbarwerden Seiner Herrschaft über die Natur erschien deutlich erkennbar Jesu göttliche Vollmacht. Dieses dritten Fest-Aspektes wird am zweiten Sonntag nach Erscheinung gedacht (s. 18.1.), wenn das Evangelium vom Weinwunder verkündet wird.

Unser Fest am 6. Januar bezieht sich auf den Besuch der Weisen und heißt darum auch „Heilige Drei Könige“. - Die Weisen, die zu Jesus kamen, um Ihn anzubeten und um Ihm ihre Geschenke darzubringen, werden möglicherweise aus der Stadt Babel im Zweistromland nach Bethlehem gekommen sein. In Babel wurde die Sternenkunde seit vielen Jahrhunderten betrieben. Dort beobachteten Weise den nächtlichen Himmel noch um die Zeitenwende, obwohl der größte Teil der Bevölkerung Babels längst in die neue Hauptstadt des Landes, nach Seleukia-Ktesiphon, abgewandert war.

Babel war Hauptstadt des ersten Weltreiches nach dem Ende der Herrschaft der Davididen zu Jerusalem . Bis zum Ende der Welt sollten gemäß der Prophetie des Buches Daniel noch drei weitere Weltreiche dem babylonischen folgen: das persische, das griechische und das römische. Wenn den Weisen Babels durch den Stern die Geburt des Erlösers angezeigt wurde, dann erschien der Heiland durch Babel gewissermaßen der gesamten Welt, allen Völkern, auch wenn mittlerweile Rom als Hauptstadt des vierten und letzten Weltreiches an die Stelle Babels getreten war.

Die Weisen gehörten zwar nicht dem Volk Gottes an, doch müssen sie deshalb keineswegs unwissend in bezug auf die Geburt des Heilandes aller Welt gewesen sein. War es doch ihr Landsmann Bileam, der mehr als tausend Jahre zuvor bereits das Auftreten des Erlösers aus dem Volk Israel geweissagt hatte, das mit dem Auftauchen eines Sternes verbunden sein sollte:

„Ich sehe Ihn, aber nicht jetzt,
ich schaue Ihn, aber nicht nahe.
Es wird hervorgehen ein Stern aus Jakob,
und es aufkommen ein Herrscherstab aus Israel.
Und Er wird zerschmettern die Schläfen Moabs,
und Er tritt nieder alle Söhne Seths.“ 

Es war demnach klar, daß der Heiland aus dem Volke Israel hervorgehen würde. Auch ein babylonischer Keilschrifttext bezeugt die Erwartung des Erscheinens eines Friedensfürsten im Gebiet westlich des Zweistromlandes. Dorthin zogen dann die Weisen, als sie Seinen Stern sahen, und zwar nach Jerusalem, da sich dort die Residenz des Israel regierenden Königs befand (vgl. 28.12.). In Jerusalem aber erfuhren die Weisen, daß der sehnsüchtig erwartete Messias zu Bethlehem geboren werden sollte. So begaben sie sich vom Stern geführt dorthin und fanden Maria mit dem neugeborenen Kindlein. Sie fielen vor ihm nieder und huldigten Ihm. Sie öffneten ihre Schätze und brachten Ihm Gold und Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar. 

Die Weisen, drei an der Zahl, sollen später von dem Apostel Thomas (21.12.) getauft und zu Bischöfen geweiht worden sein. Es heißt, sie seien im Jahre 54 rasch nacheinander gestorben, der älteste von ihnen am achten Tag nach dem hohen Weihnachtsfest, nachdem er noch die hl. Messe gelesen hatte. Der mittlere starb am Fest der Erscheinung nach dem Zelebrieren der hl. Messe, der jüngste aber als letzter sieben Tage danach, wiederum nach der Feier hl. Messe. So sind für uns die drei Weisen mit den Festen der Beschneidung des Herrn (1.1.), dem Dreikönigstag (6.1.) und der Taufe des Heilands (13.1.) verbunden. - Durch die heilige Kaiserin Helena , die Mutter Kaiser Konstantins (s. 3.5.), sollen die Reliquien der Weisen in den Westen gelangt sein.

Die Legende erhebt die Weisen zu Königen gemäß den Weissagungen des Alten Testamentes. Sie kennt auch die Namen der Drei Heiligen Könige: Caspar, Melchior und Balthasar. Caspar ist persisch und bedeutet Schatzmeister, Melchior hebräisch, mein König ist das Licht. Der babylonische Name Balthasar lautet übersetzt Gott schütze das Leben des Königs. - Bemerkenswert erscheint, daß den Namen Balthasar auch zwei im Alten Testament auftretende, ganz unterscheidliche Personen führen. Diesen Namen trägt der Sohn des Königs Nebukadnezar (604 - 562 v. Chr.), durch dessen Übermut das Ende des babylonischen Weltreiches herbeigeführt wird. Denselben Namen erhält aber auch der heilige Prophet Daniel am Hofe des babylonischen Königs anstelle seines hebräischen. 

Meist wird von den Geschenken der Könige so erzählt, daß Caspar die Myrrhe zum Jesuskind bringt, Melchior das Gold und Balthasar den Weihrauch. Die Drei Heiligen Könige treten nämlich auch als Repräsentanten der im Mittelalter bekannten Erdteile auf: Caspar, der schwarze König, entstammt dem an Myrrhe reichen Afrika. Melchior, der weiße König, kommt aus dem Abendland mit dessen edelster Gabe, dem Gold. Balthasar, der gelbe König, bringt als Asiate den kostbaren Weihrauch herzu. - Übrigens ist aus dem Kaspar der Krippenspiele das im Puppentheater auftretende Kasperl hervorgegangen. - Wenn die Drei Heiligen Könige außer den Ländern der ganzen Welt auch noch alle Lebensalter des Menschen darstellen, dann ist Caspar zumeist der jüngste, Melchior der mittlere und Balthasar der älteste.